Archiv für den Monat Juli 2020

Erste Hilfe bei Schreibblockaden

Das Krankheitsbild: Du sitzt vor deinem Projekt und starrst es an. Die Richtung, in die es gehen soll, kennst du. Du kennst die Protagonisten, die Gegend, alles, was wichtig ist. Aber du fühlst nur eine ungeheure Leere im Hirn, wahlweise kann es sich auch wie Watte anfühlen. Das schlechte Gewissen nagt an dir, du läufst im Kreis, kaust an den Nägeln oder machst ähnlich schreckliche Dinge. Dein Selbstvertrauen sinkt ins Bodenlose und du glaubst schon, du schaffst nie etwas. Es ist furchtbar. Da ist einerseits der Drang zu schreiben, andererseits hast du das Gefühl, gar nichts zu können.

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Das Gefühl ist real, aber … du kannst die kleinen Teufel Unsicherheit und Ideenlosigkeit verbannen.

Hier sind 8 Erste Hilfe Tipps.

1. Lies noch einmal, was du bisher geschrieben hast und wenn es nur die letzten fünf Seiten oder ein oder mehrere Absätze sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass du in die Szenerie eintauchst, ist recht hoch. Sobald du ein Gefühl dafür bekommen hast, dann spitz den Bleistift oder hau in die Tasten. Deine Geschichte will geschrieben werden, also wirst du es immer wieder können.

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2. Falls du noch nichts geschrieben hast oder mit dem Gelesenen trotzdem nicht weiterkommst, recherchiere zu dem Thema, bei dem du gerade hängst. Manchmal hilft zusätzliches Wissen ungemein. Und vergiss dabei nicht, dass du auf diese Weise auch an deinem Projekt arbeitest, selbst dann, wenn du vielleicht keinen Buchstaben zu Papier/auf den Bildschirm bringst. Jede Notiz, jedes Buch, das du zu einem für dich nötigen Thema liest, ist Recherche und Arbeit an deinem Roman/Sachbuch etc.

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3. Beschäftige dich mit etwas anderem, schreibe eine andere Geschichte, eine Kurzgeschichte oder Kürzestgeschichte, nur um wieder ins Schreiben zu kommen. Das ist besonders hilfreich, wenn diese Blockade schon länger andauert. Dazu nimmst du dir fünf oder sechs Wörter, suche sie dir aus einem Buch oder einer Zeitung wahllos heraus, und schreibe darum herum eine Geschichte. Dabei ist es völlig gleich, ob das ernsthaft oder absoluter Nonsens wird. Auf diese Art erreichst du wieder eine gewisse Schreibroutine und es fällt dir nicht mehr so schwer, etwas aus deinem Kopf zu bekommen. Außerdem wirst du merken, wie die Kreativität zurückkommt. Wahlweise kannst du auch einen Spaziergang, Ausflug oder anderes machen, um den Kopf frei zu bekommen. Vielleicht regt der Spaziergang sogar deine Fantasie an, weil du etwas siehst, das dich sofort in die Szene katapultiert, bei der du hängst.

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4. Notiere dir alles , was unbedingt in der Szene, die du schreiben willst, vorkommen soll. Dann fang an zu schreiben, es ist egal, wie gut oder schlecht es fürs Erste wird. Dein Vertrauen wird steigen, sobald du siehst, dass es voran geht. Selbst dann, wenn es nur ein Absatz werden sollte, ist es gut. Du hast die Blockade gebrochen!

Wenn du trotzdem glaubst, es geht noch nicht, schreibe einen Satz mit deiner Nichtschreibhand. Du merkst sehr schnell, dass du dich voll und ganz auf die Tätigkeit konzentrieren musst, um es zu schaffen. Nun schreibst du den ersten Satz, der dir für deine Geschichte in den Sinn kommt mit der linken/rechten Hand auf. Dein Fokus liegt nur auf der Tätigkeit. Die Konzentration auf das, was du angeblich nicht kannst, ist weg, weil du keine Zeit hast, darüber nachzudenken.

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5. Verabschiede dich vom Perfektionismus. Wenn du dauernd darüber nachdenkst, welche Wörter du verwenden sollst oder nicht und wie du den nächsten Satz konstruieren musst, dann wird das nichts. Du blockierst dich mit diesen Gedanken selbst. Du brauchst mit deinem ersten Entwurf keinen Preis gewinnen. Es ist ein Entwurf. Denke daran, dass du den am Ende noch gefühlte tausend Mal überarbeiten wirst.

Außerdem, Perfektion bringt dir nichts als Stagnation, du kommst nicht voran. Sag einfach leise Servus.

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6. Vergiss alle Schreibratgeber dieser Welt! Beim Niederschreiben deiner Gedanken sind sie eher hinderlich als förderlich. So gut sie auch sind und wie sehr sie beim Überarbeiten helfen, beim eigentlichen Schreibprozess hemmen sie. Lass deine Kreativität laufen. Adverbien, unnötige Adjektive, Wortwiederholungen, Passivsätze? Wen kümmert das im ersten Fluss? Du kannst das später noch ändern! Denke daran, dein Schreibprogramm hat einige nützliche Eigenschaften, darunter die, des Löschens und Speicherns!

Schreib frei von der Leber weg, so wie deine Gedanken im Kopf sind. Du wirst sehen, dass sich bald ein Erfolg einstellt und du die Blockade überwunden hast. Korrekturen und Überarbeitung kommen ganz zum Schluss, dann holst du die Schreibratgeber, den Duden, das Synonymwörterbuch oder was auch immer du benutzt, wieder hervor.

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7. Vergleiche dich nicht mit anderen. Das ist in Zeiten des Socialmedia nicht so einfach, weil du und wir alle dauernd damit konfrontiert sind. Ich weiß, Kollegin/Kollege XY hat schon so und so viel veröffentlich oder eine enorme Menge an Wörtern geschrieben. Das ist egal. Kümmere dich um dich selbst. In dieser Hinsicht darfst du egoistisch sein. Natürlich darfst du dich auch am Erfolg der anderen freuen, aber messe dich nicht damit. Erfolg fühlt sich für jeden anders an.

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8. Entferne alles, was dich ablenken könnte. Mache es dir beim Schreiben gemütlich oder so, wie du es gernhast. Musik oder Stille, alles ist erlaubt, was dir die Freude daran zurückbringt. Sieh das Schreiben als Belohnung an. Du darfst schreiben! Du willst schreiben! Schreiben ist deine Berufung, also kannst du es! Belohne dich mit dem Schreiben, weil du gut bist, und für das Schreiben, weil du gearbeitet hast (vielleicht nicht gerade mit Naschereien).

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Und nun dürften dir diese Blockaden keine allzu großen Schwierigkeiten mehr machen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und Erfolg, wie groß oder klein er dir auch erscheinen mag, bei deiner Schöpfung.

Inspiration und Motivation

Das Bild ist von mir

Beides sind Themen, mit denen sich Leute aus der schreibenden Zunft und generell Künstler ziemlich oft konfrontiert sehen. Was schreibe ich, was male ich, was bildhauere ich? Fragen über Fragen.

Weil ich der schreibenden Zunft angehöre, ja, ich male und zeichne auch mäßig, dafür sehr ambitioniert, widme ich mich diesem Bereich.

Motivation

Motivation ist ein großes Problem. Du sitzt vor dem leeren Blatt Papier oder Bildschirm und möchtest eigentlich schreiben – dann fallen dir gefühlte 1000 andere Dinge ein, die du vorher noch dringend erledigen musst. Dann die vernichtenden Gedanken, dass du das nicht kannst, nicht fertig schreibst und überhaupt, dass du schlecht bist bzw. schlecht schreibst. Wenn sich das noch mit einem falsch verstandenen Perfektionismus paart, ist die Motivation natürlich sehr schnell im Keller.

Wie kannst du sie wieder hochholen?

1. Es reicht ein Buchstabe und das Blatt ist nicht mehr leer. Fang einfach an. Es ist egal, wie gut oder schlecht es wird. Was du schreibst, ist nicht in Stein gemeißelt. Du kannst es ändern. Jederzeit. Es ist dein Werk.

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2. Hier halte ich mich an mein malerisches Vorbild Bob Ross … Es gibt keine Fehler, nur glückliche Unfälle. Wenn etwas nicht passt, dann mach es passend. Die Arbeit am PC, Laptop etc. hat den entscheidenden Vorteil, dass du jederzeit löschen und speichern und neu laden kannst. Es liegt an dir, ob du dich durch etwaige Fehler, die du machst, herunterziehen lässt. Sieh das Positive daran. Lerne daraus und mache etwas anderes. Die Beschreibung des Baumes ist dir misslungen? Wen interessiert das hinterher noch? Dann beschreibe ihn nicht. Eine Szene klingt hölzern? Die Figuren sind zu oberflächlich? Das passiert jedem! Mach es in kleinen Schritten. Außerdem, Pippi Langstrumpf hat sich darum auch nicht geschert.

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3. Du hast Angst, es nicht zu schaffen bzw. zu können? Fang mit kleinen Schritten an. Schreibe eine Kurzgeschichte über ein Thema, das dir liegt, begrenze dich auf 12000 Zeichen, damit bist du schon ganz gut unterwegs. So hast du bereits ein positives Erlebnis und kannst darauf aufbauen, weil du es geschafft hast. Ja! Geschafft! Eine fertige Geschichte. Es ist egal, wie gut sie geworden ist, du musst nicht den Nobelpreis damit gewinnen. Du streichelst erst einmal dein Ego, weil du es geschafft hast. Und weil du eine kurze Geschichte geschafft hast, kannst du auch etwas Längeres schreiben. Du bist gut!

Miss deinen Erfolg bzw. dein Schaffen nicht an anderen. Wir sind Individualisten, jeder schreibt anders, jeder definiert Erfolg anders für sich.

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4. Wer will schon perfekt sein? Gibt es Perfektionismus überhaupt? Kunst und damit auch Bücher/Romane/Kurzgeschichten/Gedichte unterliegen dem subjektiven Geschmack. Natürlich gibt es den einen oder anderen Kunstgriff, den kannst du aber lernen. Bücher dazu gibt es haufenweise am Markt, ebenso Workshops und Webinare. Schau dir an und lerne, wenn du denkst, es fehlt noch etwas für deinen persönlichen Perfektionismus. Andererseits ist Perfektion auch nur eine Ansichtssache, was dem einen gut genug erscheint, ist dem anderen schlecht. Ist das Kunst oder kann das weg? Du weißt bestimmt, was ich meine.

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Inspiration

Ha! Die kannst du dir überall holen. Zeitungen, Zeitschriften, Bilder, die Natur, Gesprächsfetzen … Beobachte Leute, wie handeln sie, wie reden sie, worüber unterhalten sie sich. Das kann dir jede Menge Ideen liefern.

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Was dir auch helfen kann, mach ein Akrostichon. Das ist ganz einfach. Du nimmst dir ein Wort und schreibst dann für jeden Anfangsbuchstaben des Wortes entweder ein Gedicht oder einen Satz. Am Anfang ist das vielleicht noch mühsam, doch mit der Zeit wird dir dazu immer mehr einfallen.

Wieder einmal hatte er sich in der Nudelsuppe seiner schimmligen Gedanken gefangen,
oder hatte er sich nur überfressen. Er wusste es nicht.
Ratlos schaute er an sich hinab. Der Esslatz war ziemlich fettig und fleckig.
Tatenlos schaute er in den leeren Teller. Ein Nachschlag wäre nicht schlecht.

Das muss nicht perfekt sein, nur kreativ. Es ist für dich und deine Inspiration oder auch nur, um deiner Kreativität auf die Sprünge zu helfen.

Und nun, frisch ans Werk!

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Vorankündigung

Wenn nicht wieder die Pandemie dazwischen kommt oder etwas anderes Böses, dann werde ich im kommenden Jahr bei den Valentiner Kulturtagen lesen. Stattfinden soll die Lesung unter dem Motto: Große Nacht der Valentiner Autoren am 10. März 2021.

Genaueres weiß ich dann auch erst im nächsten Jahr, aber drücken wir uns die Daumen und ihr mir, dass ich dort lesen kann.

Wer mich jetzt schon hören will, kann mich gern auf Instagram besuchen, dort lese ich jeden Mittwoch unter #ysardssonquatscht.

Foto von mir, das Modell ist Bruno, der liebt Terry Pratchett

Ein neues Projekt ist am Werden

Bild von Pixabay

Eigentlich sind es mehrere, zwei um genau zu sein, von denen eines schon Richtung Ende marschiert und somit einer Veröffentlichung in diesem Jahr nichts im Wege stehen dürfte. Das andere dauert noch etwas. Darüber erzähle ich euch ein anderes Mal etwas mehr.

Zeichnung von mir