Archiv für den Monat August 2020

Der Kleine Freund, das Komma

  • Komm wir essen Obi Wan. (Mein Lieblingssatz, noch ganz ohne meinen kleinen Freund, dem Komma.)
  • Komm, wir essen, Obi Wan. (Obi Wan sollte sich beeilen, sonst bekommt er nichts mehr zu essen.)
  • Komm, wir essen Obi Wan. (Da hat aber jemand Hunger, wenn er sich an einem Jedi laben möchte.)

So viel zur Einleitung. Wie ihr seht, kann ein falsch gesetztes Komma aus einer geselligen Genussrunde ein makabres Schauspiel machen. Mjam?

Im Folgenden habe ich einige Kommaregeln samt Beispiele aufgelistet. Im Grunde sind sie nicht schwer. Wenn man einen Text laut liest, ergibt sich meist schon an der Hebung, Senkung und der Pause die Position des Kommas – außer natürlich man liest wie ein Erstklässler *hust* und ohne Atem zu holen. Wenn der Sinn im Satz erhalten bleibt, finde ich es nicht fürchterlich, falls es einmal fehlt. Ich halte es da wie der berühmte Prediger aus Nazareth, der zu gewissen Dingen ganz coole Ansichten hatte, nämlich: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein.

1. Zwischen Aufzählungen steht ein Komma, vorausgesetzt, dass die Aufzählungsteile nicht bereits durch ein „und” oder ein „oder” verbunden sind.

Zwischen zwei Adjektiven steht nur dann ein Komma, wenn sie einander nebengeordnet sind, das heißt den gleichen Rang haben.

Gelegentlich hängt es vom Sinn des Satzes ab, ob Nebenordnung (Gleichrangigkeit) vorliegt oder nicht. Es gibt auch Fälle, in denen zwischen den zwei Konstruktionsweisen nur ein geringer Unterschied besteht.

  • Margot war eine kluge, rechtschaffene Frau. (Hier sind die Adjektive gleichgestellt)
  • Ihr langes blondes Haar klebte durch die Hitze an ihrem Gesicht und Körper. (hier ist das Hauptaugenmerk auf „lang“ gelegt, deshalb kein Komma, könnte man aber trotzdem setzen, weil es unklar bleibt.)
  • Juni, Juli und August sind die besten Monate für den Sommertourismus.
  • Er ist viel, viel schneller als Spiderman.

Ausnahme! Es steht kein Komma, wenn die Aufzählung nicht gleichrangig ist:

  • Die neuesten politischen Entwicklungen besagen nichts Gutes.
  • Das gute österreichische Bier wird auch im Ausland immer beliebter.

2. Vor negativen Konjunktionen (Verbindungswörtern) steht ein Komma. Darunter fallen unter Anderem: aber, sondern, jedoch, allein

  • Terry ist ein charmanter, aber manchmal auch provokanter Typ.
  • Nadine geht nie allein spazieren, sondern in Begleitung eines Kampfhundes.

3. Nach Empfindungswörtern oder Anreden steht ein Komma.

  • Aua, das tut weh!
  • Gefreite Lindstrom, schultern Sie Ihren Kochlöffel und bringen Sie Hauptmann Landmann die geblümte Kochschürze. Wir haben einen Angriff auf die Küche geplant!
  • Herr Schmied, Ihr Erscheinen freut mich sehr.

4. Appositionen (Einschübe) und Erläuterungen, die mit „das heißt”, „nämlich”, „zum Beispiel”, „wie” und „und zwar” eingeleitet werden, werden durch ein Komma eingeschlossen.

  • Jürgen, der Untermieter bei Frau Mayr, ist so was von charmant.
  • Gestern ging das Licht aus, das heißt, wir saßen die ganze Nacht im Dunkeln.

5. Mehrere Hauptsätze, die in einer Satzreihe stehen, werden durch Kommata getrennt.

  • Christopher kam heim, er sah sich kurz um, und Maria begrüßte ihn mit einer Ohrfeige.

6. Das Komma trennt untergeordnete Nebensätze, wie zum Beispiel indirekte Fragesätze, Begründungssätze und Relativsätze, vom Hauptsatz. Man erkennt sie daran, dass sie ein Prädikat enthalten

  • Miriam wusste nicht, was sie antworten sollte. (indirekter Fragesatz)
  • Warum sie hier waren, das ahnten sie nicht.

7. Das Komma steht zwischen Satzteilen, die durch zweiteilige Konjunktionen verbunden sind. Zum Beispiel „bald – bald”, „einerseits – andererseits”, „teils – teils”, „je – desto” oder „ob – ob”

  • Je länger ich dich kenne, desto häufiger gerate ich in Schwierigkeiten.
  • Die Federn des Laufgreifers schillerten teils golden, teils waren sie langweilig braun.

8. Nach hervorgehobenen Satzteilen, die durch ein Pronomen oder Adverb erneut aufgegriffen werden, steht ein Komma.

  • Welche Seite man unterstützen sollte, da bin ich noch zu keiner Lösung gekommen.

9. Sowohl der erweiterte Infinitiv („ins Theater zu gehen” beispielsweise) als auch der einfache Infinitiv („zu gehen” beispielsweise) kann durch ein Komma getrennt werden.

Wird die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet.

  • Die Leute aus der Stadt kamen nur hierher, um sich über das Landleben zu beschweren.
  • Sie suchten den Kung-Fu-Lehrer, um ihn etwas zu fragen.


Die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv ab

  • Sie kamen aufs Land mit dem Wunsch, sich zu erholen.
  • Es war sein Ziel, der Erste zu sein.


Die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat (es) oder einem Verweiswort (dazu, daran, dabei etc.) ab:

  • Er liebte es, sie mit Kleinigkeiten zu überraschen.
  • Sie mochte es, sich morgens zum Kaffee auf die Terrasse zu setzen.

Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, können die Kommas weggelassen werden, sofern keine Missverständnisse entstehen.

  • Ich versuche (,) morgen pünktlich zu sein.
  • Lange bevor sie ihn getroffen hatte, hatte sie geplant abzureisen. (vor abzureisen muss hier kein Komma stehen).

10. Ein erweitertes Partizip (die letztes Jahr gebaute Brücke, das gelesene Buch) kann durch Komma getrennt werden. Bei Einschüben muss es durch Kommata getrennt werden.

  • Vor Angst bebend [,] stand der Soldat da.
  • Der Kriminalhauptkommissar stand, sich den Bauch vor Übelkeit haltend am Gebüsch und erbrach sein Frühstück.

11. Das Komma trennt ungebeugte Partizipien und nachgestellte Adjektive, sofern diese durch „und” verbunden sind.

  • Die Sonne, hell und klar, ging über den Wäldern Tirols auf.
  • Ihre Augen, strahlend und fremdartig, starrten mich an.

12. Auch zwischen mehrteiligen Datums- und Zeitangaben steht ein Komma.

  • Wien, den 29. Juli 2093

13. Kein Komma gehört in Vergleiche.

  • Er ist so groß wie ein Bär.
  • Sylvie ist größer als Merve.
  • Wenn er stärker ist als Konstantin, kann er am Turnier teilnehmen. (hier kommt das Komma, weil der erste Satzteil ein Nebensatz ist, der mit wenn eingeleitet wird)
  • Die Derraybäume sind kleiner als Mishonbüsche.
  • Miras Weg ist weiter als der von Jonni.

Noch kurz etwas zu Nebensätzen, die mit „dass“ (=untergeordnete Konjunktion) oder „das“ (in diesem Fall kann es durch ein Fragewort ersetzt werden und ist kein Artikel) eingeleitet werden, inklusive die „ss“-Regel dazu.

  • Es ist mir bewusst, dass ich einen Fehler gemacht habe.
  • Hätte ich früher gewusst, dass der Kerl ein Freak ist, hätte ich anders reagiert.
  • Du bist so blöd, dass es wehtut.
  • Sie trägt das geblümte Kleid, das sie gestern im Ausverkauf erstanden hat. (Es steht ihr gar nicht.)
  • Tags zuvor waren sie zu zum Wasserfall gefahren. Dort hatten sie ein Raftingboot bestiegen, das leider ein Loch hatte. Sechs Menschen sind seitdem in der Klamm vermisst, denn der Fluss führte Hochwasser.

„Das“ schreibt man, wenn man es durch „welches“ ersetzen kann. „Dass“ kann man nicht ersetzen.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Noch ein kurzes Wort zu Online-Rechtschreib-/Grammatiküberprüfungen. Ich habe einige davon getestet und finde nur den von Duden gut. Also, falls ihr ein Problem mit den Kommas habt, dann lasst den Text da durchlaufen.

Wahrscheinlich habe ich den einen oder anderen Punkt vergessen, ihr könnt den gern in den Kommentaren ergänzen, ich freue mich immer, wenn ich etwas dazulernen kann. Außerdem vergesse ich in der Hitze des Schreibgefechts, wenn sich Kopf und Finger nicht über die Schnelligkeit einig werden können, das eine oder andere Komma.

Der Jubel meinerseits wird laut, wenn ihr ein Like da lasst, sofern euch der Beitrag gefallen hat und ihr ihn nützlich findet.

Photo by Cristian Dina on Pexels.com

Ein Klappentext für den Weltenbau

Einen wunderschönen Tag, ihr Lieben. Ich präsentiere euch heute das fertige Cover inklusive Klappentext des Ratgebers. Ich bin zufrieden damit, aber darauf kommt es letztendlich nicht an, sondern darauf, ob es die Leser neugierig macht. Trotzdem freue ich mich, weil ich schon so weit bin, denn ein Sachbuch/Ratgeber zu schreiben, ist doch eine ganz andere Hausnummer als eine Geschichte.

Zur besseren Lesbarkeit, hier noch einmal der Klappentext:

„Nur die eigene Vorstellungskraft setzt uns Grenzen, wenn wir sie aufweichen, wird die Fantasie grenzenlos.“

Auf diesen Satz baut der Leitfaden für Weltenbauer und solche, die es werden wollen, auf. Mit vielen Beispielen wird dem Leser die fantastische Reise in erdachte Welten nähergebracht.

Wie funktioniert das Wetter, das Klima?

Wie geht das mit der Technik und der Infrastruktur?

Ich verstehe nicht, was Sie sagen. Sprachen sind ein Thema.

Was versteckt sich hinter der Magie?

Wo steht der Held in der Gesellschaft?

Welche Zeitrechnung haben wir?

Diese und noch viele andere Fragen beantwortet dieses Buch mit zahlreichen, anschaulichen Beispielen.

„Weltenbau ist Spaß am Gestalten, pure Fantasie, manchmal lästig und oft unerlässlich, wenn die erschaffene Welt der Erde nicht ähnlich sein soll.

Ich wünsche viel Freude bei der Reise durch die Fantasie.“

Zur kleinen Einstimmung habe ich noch einige Seiten für euch kopiert. Viel Spaß dabei … und ich freue mich, wenn das Buch auf viele interessierte Leser trifft.

(c) H. K. Ysardsson 2020
(c) H. K. Ysardsson 2020
(c) H. K. Ysardsson 2020

Klappe und Action! Wie schreibe ich eine spannende Actionszene?

Photo by pixabay.com

Explosionen, Brände, Verfolgungsjagden, Kämpfe … das alles gehört in Actionfilmen zu den beliebtesten und natürlich wichtigsten Zutaten. Es ist laut, Blitze zucken, Feuerwände, fliegende Autos und Menschen … Kugeln, die in Zeitlupe auf den Protagonisten zusteuern.

Das geht auch in einem Buch. Und wie schreibt man das?

Im Folgenden gebe ich ein paar Tipps, wie man das Tempo steigern kann und ohne Langeweile das Drumherum beschreibt – oder eher erlebt.

Sei dir klar über die Fähigkeiten der Charaktere (mehr zur Figurenentwicklung hier).

  • Was können sie?
  • Sind es Menschen oder andere Rassen, Magier, Krieger, Agenten?
  • Wie alt sind sie?
  • Was tragen sie bei sich? (Es gibt nichts Langweiligeres als eine Deus ex machina Maschinenpistole, die aus einem enganliegenden Catsuit gezogen wird.)

Je nach Setting und Genre wählt man die Fähigkeiten des Protagonisten. Die Fähigkeiten und das Können muss man dabei dem Alter und dem Ausbildungsstand des Protagonisten anpassen.

Selbst beim kräftigsten Protagonisten ermüdet der Schwertarm einmal oder er hat die Munition verschossen. Das sind nur Kleinigkeiten, die ein Buch authentisch machen, sei es nun ein Roman aus der realen Welt oder eine Fantasy bzw. SciFi-Geschichte.

Was gar nicht geht:

  • Der Jungspund, der schon alles kann, Kraft und Ausdauer hat wie Herkules (wenn er nicht gerade so eine Figur ist) und Bewegungsabläufe hinlegt, die einen Artisten vor Neid erblassen lassen.
  • Der alte Mensch, der voller Energie und Tatenkraft durch die Gegend hirscht und niemals müde wird. Können wird der allerdings etwas, es fragt sich nur in welchem Bereich. Denkt daran, selbst Gandalf ist müde geworden und hat eine Pause gebraucht.
  • Ein Verletzter, der sofort wieder aufspringt und weitermacht, als wäre nichts geschehen. Spontanheilungen eignen sich vielleicht noch für magische Wesen, aber auch hier ist eine kleine Wartezeit angezeigt.
  • Ein Charakter, egal welchen Alters, der niemals müde wird und keine Pause braucht.
  • Jeden Kampf oder jedes Kriegsgeschehen locker und problemlos psychisch wegstecken.
  • Magie ohne Fehler ständig anwenden zu können, ohne dabei Kraft zu verbrauchen oder sich vom Kampfgeschehen drumherum ablenken zu lassen.
  • Keine Angst vor dem Tod und Verletzungen hat.
  • Ein Protagonist, der immer trifft und nie getroffen wird.

Hier muss man trotzdem immer wieder das Genre anpassen, denn Superhelden haben andere Kräfte als Menschen unserer Zeit, trotzdem finde ich Fähigkeiten, die wie zufällig oder die rettende Hand in letzter Minute aus dem Hut gezaubert werden fragwürdig.

Es kommt zum Kampf.

Bild von ArtTower auf Pixabay 
  • Verkürze die Sätze, so nimmt die Szene Fahrt auf.
  • Vermeide Schachtelsätze oder zu viele Nebensätze.
  • starke Verben verwenden!
  • Möglichst viele Aktivsätze bilden.
  • So wenig wie möglich Adjektive einbauen. Ein Zuviel davon bremst die Szene.
  • Die Charaktere bleiben in Bewegung – selbst dann, wenn sie stehen, schauen sie sich um.
  • Gefahr lauert überall, also muss genau beobachtet werden. Was sieht der Protagonist, wenn er durch eine Tür tritt? Er muss das mit einem Blick aufnehmen können, zumindest die wesentlichen Dinge.
  • Was hört er?
  • Gibt es etwas Verdächtiges zu riechen?
  • Ein Luftzug?
  • Bedenke bei Luft-, Raum- und Unterwasserkämpfen, dass es auch oben und unten gibt.
  • Vergiss die Logik nicht! Die Leser bemerken unlogische Abläufe.

Ein Kampfplatz mit vielen Beteiligten ist in der Regel laut, da wird geschrien, geschossen, Wände brechen, Stahl verbiegt sich, Schrapnelle fliegen durch die Luft, Querschläger, Freund und Feind sind manchmal schwer zu unterscheiden … Es ist furchtbar. Das darf und soll in die Szene eingebaut werden, um ein wenig Realismus zu erzeugen. Meistens ist die Sicht durch irgendetwas behindert, sei es ein Helm oder Nebelgranaten, eine Gasmaske oder das kleine Sichtfenster eines Panzers. Bei Luftkämpfen sieht die Sache wieder anders aus, ebenso, wenn der Kampf Unterwasser stattfindet.

Er duckte sich hinter die Mauer. Mörtel und Ziegelstaub prasselte auf ihn herab und nahmen ihm zusätzlich die Sicht. Seine Ohren klingelten. Ein weiterer Mörsereinschlag in der Nähe verstärkte das Geräusch. Er schüttelte den Kopf, wollte es vertreiben. Es blieb. Der Boden unter ihm zitterte von der Wucht der Detonationen. Ein weiteres Haus ging zu Bruch. Voll Entsetzen sah er den halben Körper eines Menschen neben ihm landen. Er packte das leichte Maschinengewehr fester. Ein Magazin hatte er noch, dann war er wehrlos. Rasch hob er den Kopf und spähte über die Deckung. Was er sah, versetzte ihn in Furcht. Die Reihe der Feinde wirkte endlos. Wie Maschinen stampften die Deloaner auf seine Position zu, flankiert von Renonpanzern, die in regelmäßigen Abständen Tod und Feuer spuckten. Da fühlte er den Heldenmut in sich wachsen. Er sprang auf und hob das Gewehr. „Macht sie nieder!“, brüllte der Taube. Weiter kam er nicht. Mitten im Sprung wurde er aufgehalten. Jemand packte ihn von hinten an der Schulter und riss ihn zurück. „Komm! Hier ist nichts mehr zu machen!“, schrie sein Kamerad. In dem Augenblick donnerten drei Drohnenbomber über sie hinweg und ließen ihre tödliche Fracht fallen.

Textbeispiel H. K. Ysardsson

Ist der Kampf nur zwischen zwei oder drei Personen, tut sich natürlich weniger, was nicht heißt, dass rundherum nichts stattfindet. Es können Leute zuschauen, anfeuern, die Polizei auftauchen …

Es gilt auch, darauf zu achten, dass die Kleidung und die Umgebung zusammenpassen. Jemand in einer fetten Stahlrüstung würde wohl sang und klanglos im Wasser untergehen, außerdem kommt er nur noch schwer bis gar nicht auf die Füße, wenn er einmal gefallen ist. Außer es handelt sich um eine kybernetische Rüstung aus der Science-Fiction. Bei der Bewaffnung ist daran zu denken, dass ein megalanges Zweihänderschwert, das am Rücken in der Scheide steckt, also über die Schulter gezogen wird, in einer Schenke mit niedriger Deckenhöhe eher zu einem Hindernis als zu einer Waffe wird. Dabei ist noch zu bedenken, dass so eine Waffe nicht über den Rücken gezogen werden kann, nicht einmal mit einem Kurzschwert klappt das. Maximal 20 cm kann man aus dem Futteral bekommen, für mehr bräuchte man überlange Arme. Langschwerter aus einer an der Seite befestigten Scheide zu ziehen, birgt fast das gleiche Problem. Für diese Art der Waffen braucht man viel Platz. Es sind Hiebwaffen und keine Stichwaffen, wie z. B. das Florett, das leichter und handlicher ist und schnellere Bewegungen erlaubt.

Wenn man Kämpfe einbaut, ist eine Recherche unumgänglich, damit die Abläufe ein wenig realistisch bleiben. Es gibt ausreichend Schützenvereine, um ein Gefühl für Schusswaffen zu bekommen, Kampfsportvereine und Mittelalterfestivals, wo man verschiedenes ausprobieren kann. Manche Museen bieten auch interaktive Schauobjekte an. Hier Zeit zu investieren ist das Beste, das man einer actionreichen Geschichte antun kann.

Bild von Pixabay

Bei Schusswaffen gilt es den Rückstoß zu bedenken. Selbst kleine Pistolen haben den und erst recht schwere Waffen wie Maschinengewehre oder Pan-zerabwehrfäuste. Der Rückstoß eines Maschinengewehrs kann einem Ungeübten die Schulter ausrenken oder noch mehr Schaden anrichten.

Frauen mit bikiniartiger Bekleidung mögen zwar sexy aussehen, aber als Krieger sind sie untauglich, denn jede Verletzung könnte unge-schützte Organe treffen und zum Tod führen. Hier halte ich selbst in der Fantasy etwas Realismus für wünschenswert.

Superheldenmäßige Moves sind auch so eine Sache. Sprünge, Würfe, Stürze, jemanden packen, das alles unterliegt der Physik und sollte an die jeweilige Fantasiewelt und den Fähigkeiten des Charakters angepasst werden.

Alles hat einen Grund! Jede Kampfhandlung, jede noch so kleine Rauferei braucht einen plausiblen Auslöser. Los zu dreschen, nur um jemanden zu hauen, ist meistens etwas langweilig. Der Konflikt muss sich aufbauen. Selbst dann, wenn man Kriegshandlungen schreibt, egal in welchem Genre, bietet es sich an, etwas die Hintergründe im Vorfeld zu beleuchten. Die Helden gehen nicht aus Spaß zum Kämpfen.

Die Kneipenschlägerei stellt andere Anforderungen als das Aufeinandertreffen zweier Armeen auf freiem Feld oder eine Raumschlacht.

Bei Verfolgungsjagden muss man ebenso das eine oder andere beachten. Wie oben schon erwähnt, die Umgebung miteinbeziehen und ständig im Auge behalten. Von überallher könnten Gegner auftauchen. Um authentisch zu bleiben, braucht es auch hier einen guten Grund, warum der Protagonist nicht erwischt wird. Die Verfolger können den Befehl haben, ihn lediglich zu verfolgen und zu verunsichern oder sie sind einfach nur vom Pech verfolgt und der Protagonist hat das schnellere Fahrzeug, Reittier, bessere Magie etc. Doch auch hier gilt, dass man sich an die Fähigkeiten der handelnden Personen orientieren muss und die Physik nicht ganz aus den Augen verliert.

Viele Actionszenen in Filmen schauen cool aus, aber wenn man sich näher damit beschäftigt, wird man erkennen, dass das nur im Film funktioniert. Mit Hochgeschwindigkeit auf einem Motorrad über die Autobahn zu jagen, dabei Hindernissen auszuweichen und mit einem Maschinengewehr nach hinten auf die Verfolger zu schießen ist höchst unwahrscheinlich. Sofortige Explosionen ebenso. Den Reifen eines fahrenden Autos zu erwischen gelingt vielleicht noch einem talentierten Scharfschützen.

Es gibt zwar einiges zu bedenken bei Kampf- und Actionszenen, aber sie machen auch Spaß – sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben.

Als Beispiel für einen Kampf habe ich eine Szene aus meinem Buch Ludus vitae genommen. Hier kämpfen Gladiatoren um Leben und Tod:

Kaum hatte er ausgetrunken, gingen die Spiele weiter und die vier Gladiatoren für den Brückenkampf wurden gerufen. Auf der Brücke stand Tullius, neben ihm ein Retiarius aus Capua mit dem Namen Plinius. Als Secutores kämpften Gavin und ein Mann aus Arretium, der mit dem Namen „der Gallier“ aufgerufen wurde. Gavin mied es, gegen Tullius zu kämpfen und wählte die andere Seite. Er kannte Plinius nicht, hatte noch nie gegen ihn gekämpft und es war ihm egal, sollte er ihn töten müssen. Das Scutum vor die Brust haltend, stieg er die Rampe hoch. Steine flogen auf ihn zu, prallten am Schild und am Helm ab. Immer wieder musste er den Rückzug antreten. Tullius schien sich gut zu verteidigen, aber er wollte jetzt nicht mehr auf seinen Freund achten. Ein Stein traf ihn auf der ungeschützten Schulter und brachte ihn ins Taumeln, er machte einen unvorsichtigen Schritt zur Seite und fiel von der Rampe. Schmerzhaft landete er auf dem Rücken. Das Gladius fiel ihm in hohem Bogen aus der Hand und lag nun unter der Brücke. Aber die Steine hagelten weiter auf ihn ein. Er hoffte, dass dem Pontarius die Wurfgeschosse bald ausgingen, dann war es einfacher, auf die Brücke zu gelangen. Ein weiterer Stein landete auf seinem Helm und der Aufprall verstärkte die Kopfschmerzen. Er sah Sterne vor den Augen tanzen, dann lief er schreiend auf die Rampe zu. Das Gladius hatte er vergessen, es lag unbeachtet im Sand. Plinius warf den letzten Stein und griff dann mit dem Tridens an. Gavin ging nun seinerseits rascher vor, hielt das Schild vor sich und drängte gegen den Pontarius, der die Rampe herabkam. Doch der machte eine Finte und schob den Dreizack unter das Scutum, hebelte es Gavin beinahe aus der Hand. Er fühlte den Schmerz nicht, als sich eine Zacke in sein Bein bohrte, taumelte zurück, befreite sich und lockte gleichzeitig Plinius von der Brücke. Humpelnd versuchte er nun das Gladius zu erreichen, aber er war zu langsam. Also nahm er das Scutum als Waffe, biss die Zähne fest aufeinander und lief auf Plinius zu. Den Dreizack drückte er mit der Manica zur Seite, trat nach dem Mann und dann schlug er mit dem Schild zu und rammte es ihm in die ungeschützte Leibesmitte. So fest stieß er zu, dass das Schild im Bauchraum des Mannes steckenblieb. Der schrie wie von Sinnen, da nahm ihm Gavin den Dolch aus dem Gürtel und stieß ihn tief ins Herz des tödlich verwundeten Mannes. Dann kippte er selbst vornüber und atmete gegen die aufkommenden Schmerzen und die Übelkeit.

Textbeispiel Herta Krondorfer Ludus vitae

Nun bist du dran. Versuch dich an einer kurzen Szene. Oder schreibe mir in die Kommentare, wenn ich etwas vergessen habe.

Viel Spaß dabei.

Mary Sue, Gary Stu und die Gefahren der Figurenentwicklung

Die Figurenentwicklung scheint so einfach zu sein, aber sie birgt doch die eine oder andere Gefahr, zu sehr in Stereotypen zu denken und sie auch so zu entwickeln.

perfekte figuren
Bild von H. K. Ysardsson

Wikipedia erklärt es folgendermaßen:

Eine Mary Sue ist eine idealisierte und vermeintlich perfekte Kunstfigur. Diese Figur wird oft als Wunschvorstellung des Autors wahrgenommen. Üblicherweise kann sie Aufgaben erheblich leichter bewältigen als vergleichbare Figuren mit ähnlicher Ausbildung und Erfahrung. Die Bezeichnung wird oft für beide Geschlechter benutzt, zeitgleich existieren aber auch die männlichen Varianten Marty Sue und Gary Stu.

Seit den 1970er Jahren hat sich der Begriff Mary Sue bzw. Gary Stu für diese Superfiguren etabliert. Eine Figur einer Star Trek Fanfiction von Paula Smith war Namensgeberin dafür.

Diese Art der Figuren werden von allen gemocht, können alles, sehen supergut aus, sind jung, erfolgreich und überhaupt die ultimativen Helden. Diese Kunstfiguren werden von den Lesern oft als unrealistisch und langweilig wahrgenommen.

Es empfiehlt sich also, bei der Figurenentwicklung auf diese Dinge zu achten.

Bevor man sich an die Charaktererstellung macht, steht die Idee zu einer Geschichte. Die Geschichte braucht Protagonisten und eine/mehrere Hauptpersonen, die der Idee angepasst sein sollen.

Charakter hat Charakter

Es genügt, wenn man sich am Anfang nur über grobe Dinge im Klaren ist, später sollte die Figur allerdings etwas mehr als nur überragende Eigenschaften haben.

Der Autor sollte die Figuren gut kennen, selbst dann, wenn im Roman nicht so viel davon auftaucht. In folgender Liste habe ich einige wichtige Punkte angeführt, die man wissen muss, abgesehen vom Namen.

    • Geschlecht
    • Alter
    • Beruf
    • Charaktereigenschaften positive und negative
    • Gewohnheiten z. B. bestimmte Gesten oder Sprechweisen
    • Familie à sie können Nebencharaktere werden
    • Freunde, Bekannte, Kollegen
    • Aussehen (das muss im Roman nicht einmal alles beschrieben werden)
    • wenn es für die Handlung relevant ist, die sexuelle Ausrichtung
    • Wohnort
    • wenn es für die Handlung wichtig ist, der Glaube, die politische Gesinnung
    • Fähigkeiten, wie z. B. reiten, fechten, malen, Verkaufstalent, Magie …
    • Sprache – Muttersprache, Fremdsprachen, ev. Sprachfehler

Wer mag, kann sich einen Charakterbogen erstellen, sonst tut es auch ein Notizzettel.

Bild von H. K. Ysardsson

 

Hier habe ich einen Charakterbogen zum Download.


Natürlich gibt es im Internet noch zahlreiche andere Varianten zu finden, man kann sich aussuchen, was für einen persönlich am besten passt. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht zu sehr mit Rollenspiel-Charakterbögen vermischt.

Um sich realistische Eigenschaften für die Figur auszusuchen, kann man sich echter Menschen bedienen, indem man diese beobachtet und Handlungen, Gesten, Mimik, Sprechweise und verschiedene Charaktermerkmale abschaut. Dabei muss man nur aufpassen, dass man diese Person nicht kopiert, besonders, wenn es sich um Leute aus dem eigenen Familien-/Freundes- oder Bekanntenkreis handelt, könnte sich jemand angestoßen fühlen. Hier ist etwas Feingefühl nötig und man schaut sich vielleicht nur an, wie diese Person redet, von der nächsten nimmt man die typische Handbewegung und vom nächsten ein paar Charaktereigenschaften. Auf jeden Fall ist es wichtig, andere Menschen zu beobachten. Beobachtung ist wichtig, um später im Roman und vorher bei der Charaktererstellung eine genaue Kenntnis menschlichen Verhaltens zu haben. Alltagssituationen sind am wichtigsten. In Ausnahmesituationen verhalten wir uns alle anders als normalerweise.

Am Ende des Beitrags gebe ich ein Beispiel, wie ich einen Charakter erstelle.

Nomen est Omen

name
Bild von H. K. Ysardsson

Der Charakter braucht noch einen Namen. Wohlklingende Namen sind immer gut. Aber sie müssen zur Umgebung passen, zum sozialen Umfeld und auch sonst stimmig sein. Wenn die liebe kleine Susi plötzlich zu einem männerreißenden Vamp wird, kann Susi schon etwas unglücklich wirken, außer sie nutzt diese Harmlosigkeit als Deckung für ihre Machenschaften.

Passende Namen zu finden, ist oft gar nicht so einfach. Im Internet gibt es zahlreiche Seiten mit Namensvorschlägen. Babyseiten sind da sehr hilfreich oder wenn man sich mehr in Sci-Fi und Fantasy herumtreibt, die entsprechenden Namensgeneratoren.

 

Wenn die Figur z. B. eine Afrikanerin ist, kommt es seltsam, wenn sie einen deutschen oder englischen Namen hat. Das müsste sich dann erst wieder aus der Biografie ergeben, z. B. Nachfahren irgendwelcher Kolonisten, sonst macht das wenig Sinn und die Figur wird unglaubhaft. Außer, es handelt sich dabei um eine Nordafrikanerin aus einer ehemaligen französischen Kolonie und die Dame hat einen französischen Namen.

Namen erzeugen unter Umständen Vorurteile. Jeder hat andere Vorstellungen zu einem Namen. Chantalle und Kevin sind zum Beispiel solche. Dann gibt es negativ behaftete Namen wie z. B. Adolf.

Die Protagonisten wollen aber auch einen Nachnamen.

Abgesehen von Fantasy und gewissen historischen Romanen ist ein Nachname empfehlenswert, wenn nicht sogar erwünscht, damit es zur Geschichte passt.

Auch bei den Nachnamen gilt das gleiche wie bei den Vornamen, und beide Namen sollten zusammenpassen. Chantalle Magermeier ist irgendwie – unpassend, wenn es schon eine Chantalle sein soll.

Man kann den Namen auch nach seiner Bedeutung auswählen, denn viele Namen haben eine Bedeutung, die in der Geschichte durchaus einen Sinn machen kann. Allerdings werden das nicht alle Leser wissen, wenn sie der Autor nicht auf die Spur bringt. Sonst ist das vielleicht eher für die Charaktererstellung relevant, um für sich bereits Eigenschaften festzulegen, die die Figur haben soll.

Ebenso kann man auch nach dem Klang auswählen. Manche Namen klingen wie Glöckchen, während andere mit einem dumpfen Poltern auf dem Boden landen.

Hier sind einige Links:
familie.de
babelli
vorname.com
beliebte Vornamen international
häufigste Familiennamen in Deutschland
Fantasynamensgenerator

 

Vergangenes und Prägendes

Der Charakter erscheint in der Geschichte nicht aus dem Nichts. Er braucht eine Vergangenheit, eine Biografie, Eltern, Geschwister, ein familiäres Umfeld, einen Beruf, Hobbys, einen Wohnort … Alles das, was jeder Mensch ebenfalls hat.

Die Vergangenheit prägt die Figur und sorgt dafür, dass sie die wird, die sie am Anfang des Romans ist. Stell dir einfach vor, wie sie aufgewachsen ist, male dir die Jugend aus (falls es kein Jugendroman ist) oder die Kindheit – die Schulzeit, einfach alles, was dazugehört. Das muss später nicht in den Roman einfließen, aber du lernst deine Figur kennen und kannst ihr so einige Ecken und Kanten verpassen, die durch die Vergangenheit entstanden sind.

Scheidungen gehören auch dazu, wie alle Verluste und Gewinne.

pexels-photo-2269723.jpeg
Photo by Luizmedeirosph on Pexels.com

Jedoch sollte man auch hier bedenken, dass die Figur nicht stereotyp bleibt. Nichts ist langweiliger als eine Romanfigur, die es bereits tausendfach oder noch öfter gibt, wie das schüchterne und hässliche Mädchen, das später zur Schulkönigin wird und den tollsten Typen abbekommt. Willkommen Mary Sue!

Eine junge Frau (noch keine 25 Jahre), die eine höhere Position in einer Hierarchie eingenommen, bereits zwei Hochschulabschlüsse in der Tasche hat und noch die besten Ideen, um die Lage für, die zum Beispiel marode Firma zu retten, hat, wird irgendwann langweilig und unglaubhaft. Man wird sie auch nicht mehr schreiben können, weil es nicht mehr geht – diese Figur wird irgendwann handlungsunfähig, weil es keine Steigerung mehr gibt. Sie kann nicht mehr entwickelt werden. Dann steht der Roman und man muss sich eine Lösung einfallen lassen – Mary Sue streichen und dem Charakter wirkliches Leben einhauchen.

Das ist das typische Beispiel eines langweiligen Protagonistin. Was will man mit der noch machen? Sie kann alles und rettet dann auch noch die Firma. Seid mal ehrlich, wen interessiert denn das?

Bei der Vergangenheit sollte man darauf achten, nicht zu sehr in Klischees abzudriften. Das eine oder andere kann gern verwendetet werden, aber zu viel tötet das Interesse an der Figur. 

 

Entwicklung während des Plottens oder die Zukunft

Wenn man plottet, ist es ratsam, sich die Entwicklungsschritte des Charakters aufzuschreiben. Er soll ja nicht gleichbleiben, sondern an den Aufgaben wachsen und etwas lernen. Natürlich braucht er am Anfang kein vollkommener Idiot zu sein, außer es gehört zur Handlung, weil das auch wieder unrealistisch ist, aber er muss nicht Mr. bzw. Mrs. Perfect sein. Der junge Selfmademultimillionär mit der perfekten Figur und den Manieren des altenglischen Gentleman, der sich in das Mädchen aus dem Kiosk verliebt … Na gut. Wohin will sich der Mann noch entwickeln? Er ist bereits perfekt, weiß, was es heißt, zu arbeiten, hat sich seine Millionen selbst erarbeitet und noch dazu perfekte Manieren. Willkommen Gary Stu.

pexels-photo-3192640.jpeg
Photo by Tomas Ryant on Pexels.com

Entwicklung ist das, was während der Geschichte passiert, der ganze Ärger, der einer Figur in den Weg gelegt wird, den sie lösen muss, um weiter zu kommen, sei es jetzt etwas Neues lernen, einen Ort aufsuchen, an den sie sonst nie gehen würde, Abenteuer bestehen … Vielleicht treibt ihr diese Entwicklung auch nur ein paar blöde Angewohnheiten aus oder schickt sie durch eine schwere Krankheit … es gibt viele Wege, um die Entwicklung einer Romanfigur voranzutreiben. Am besten geht das mit unperfekten Leuten, Charakteren mit vielen Ecken und Kanten, die sich auch mal streiten, die vielleicht irgendwann über ihren Schatten springen und einen Fehler zugeben, die auch einmal auf die Schnauze fallen dürfen, aber dann wieder aufstehen und weitermachen. Wie lange sie dafür brauchen, hängt ganz von der Idee für die Geschichte ab.

 

Aussehen

Für mich ist das weniger wichtig, aber für den einen oder anderen Leser. Ich halte mich hier an die Devise: Weniger ist mehr.

Die Leser können sich sehr gut vorstellen, wie eine Figur aussieht. Ich empfehle, nur die markantesten Merkmale aufzuzeigen und im Roman nicht zwingend die Beschreibung in einem Stück zu schreiben, vielleicht sogar noch vor dem Spiegel stehend. Das ist öde.

Markant sind die Haarfarbe, Augenfarbe (wenn es denn schon sein muss), die Figur, besondere Merkmale wie Narben, Muttermale, Tattoos, Einschränkungen wie fehlende Gliedmaßen oder ein Rollstuhl, Gehhilfe, Brille, Hörgerät (sofern es zu sehen ist).

 

 

 

Ein Charakter mit körperlichen Einschränkungen ist bestimmt interessanter als ein perfekter, allerdings gibt es auch hier zu bedenken, dass man sich vorher ausreichend informiert, sonst hat man den stereotypen Rollstuhlfahrer, den man eigentlich nicht wollte. Die Leser goutieren das in den seltensten Fällen.

 

Sprechen

Nicht zum Aussehen, aber es gehört unumstößlich zur Figur dazu, ist die Stimme bzw. die Sprache. Damit meine ich jetzt nicht nur die Muttersprache, sondern auch die Art und Weise, wie jemand spricht. Ist die Stimme hoch, tief, polternd, piepsig, ängstlich, forsch … gehört das zum Charakterausdruck dazu? Stottert die Person? Hat sie sonstige Eigenheiten beim Sprechen? Vor jedem wichtigen Satz ein Räuspern? Lieblingswörter? Gibt es typische Gesten, die immer wieder auftauchen?

Miranda hatte so eine dumme Angewohnheit, die mir wahnsinnig auf die Nerven ging. Sobald sie den Mund aufmachte, hatte ich das Bedürfnis, mir Watte in die Ohren zu stopfen. Dabei ging es nicht darum, was sie sagte, sondern wie. Ich sollte sie mögen, schließlich ist sie meine große Schwester. Aber zwischen sollen und können liegt ein haushoher Unterschied.
Sie stand schon vorne am Sarg, faltete die Hände und hielt die Trauerrede. Ich hätte mir für Mutter etwas Schöneres gewünscht als Mirandas krähende Stimme und diese gezierte Dehnung einzelner Wörter. Arme Mutter. Noch heute tut mir das in der Seele weh. Ich hörte nicht mehr zu, erst als mich Peter mit dem Ellbogen anstieß, achtete ich wieder darauf. „Wir müssen sie aufhalten, Gerald. Sie fängt eben an, die Dreckwäsche zu waschen …“ Noch während er redete …

Anhand des Beispiels wissen wir, wie Miranda spricht und es macht sie unsympathisch. Mit der Stimme kann man also viel anfangen, ohne zu viel zu beschreiben, denn Stimme kann man zeigen, man muss sie nicht nur erzählen. 

 

Wünsche

Vielleicht hat der Charakter irgendwelche Träume und Wünsche für die Zukunft? Dann muss das unbedingt in die Geschichte eingebaut werden.

 

Beispiel

Name: Elisa
2. Name: Gabriela
Nachname: Nemec
Rufname: Elisa oder Eli
Wohnort: Kleinstadt im Alpenvorland; lebt im Wohnhaus der Eltern, das sie geerbt hat und zu einer kleinen Pension ausbauen möchte.
Beruf: Lehrerin für Kunst und Turnen
Charaktereigenschaften: eingebildet, kurz angebunden, besonders den Kollegen gegenüber, streng, bei den Schülern wenig beliebt, warmherzig (wenn jemand Hilfe braucht, weist sie den selten ab, verlangt aber Dankbarkeit)
Hobbys: reiten, Schifahren, Eislaufen, laufen, schwimmen, tanzen, malen

Vergangenheit:
ist in der Kleinstadt aufgewachsen, die sie nie richtig verlassen hat. Studium in der nächst größeren Stadt. Bereits als Kind hat sie viel Sport getrieben. Die Eltern hatten einen Bauernhof. Sie ist ein Einzelkind und sehr behütet aufgewachsen, hat am Hof geholfen und war oft mit den anderen Schulkindern unterwegs. Sie war normal integriert, ging in die Jungschar (katholischer Kindertreff), war Sternsingerin und später auch Jungscharleiterin. Sie hat Flöte und Gitarre gelernt, es aber nicht intensiv betrieben, dafür malt sie gern. Während des Studiums hat sie sich mehr und mehr zurückgezogen, fast nur noch gemalt und getöpfert und auch bei Wettbewerben mitgemacht, bis sie eines Tages damit ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet ist und sie jemand noch zusätzlich in den Dreck getreten hat (Das kann man weiter ausbauen und als zusätzlichen Konflikt in die Geschichte einbauen). Neider gibt es immer, aber das hat sie nie verstanden. Das hat sie sehr verletzt, ebenso die Auflösung der Verlobung durch ihren damaligen Freund Raimund Winter (der kann, muss aber nicht in der Geschichte auftauchen, ev. nur als Randerwähnung), der mir nichts dir nichts ins Ausland verschwunden ist.

Entwicklung:
Sie braucht Geld, um ihren Traum von der Pension zu verwirklichen, denn sie würde auch gern das eine oder andere Pferd in den Stall stellen, der natürlich, ebenso wie der Rest des alten Bauernhauses renoviert und umgebaut werden muss. Als Grundschullehrerin verdient sie nicht so viel, als dass ihr die Bank sofort einen Kredit geben würde. Grundstücksverkauf kommt für sie nicht in Frage, nicht, wenn sie Pferde halten möchte.

Sie wird aus sich hinausgehen und mehr auf andere Leute zugehen müssen, so wie sie es früher getan hat. Crowdfunding ist ihr Mittel der Wahl.

Lass die Geschichte beginnen …

 

 

Die Charakterentwicklung hat die eine oder andere Tücke, damit aus einer stereotypen Mary Sue eine glaubhafte Maria Susanne Mittermeier wird. Die grobe Figur, diese stereotype Grundmasse in eine glaubhafte und vielleicht sogar kontroverse Plastik zu verwandeln, erfordert einiges an Fingerspitzengefühl. Aber Übung macht bekanntlich den Meister und wie ich immer wieder betone, was dem einen ein Juwel, ist dem anderen nicht einmal einen ersten Blick wert.

 

VIEL SPASS BEI DER CHARAKTERERSTELLUNG!!!

Coververöffentlichung

Es ist so weit und ich zeige euch das Cover meines neuen Buches. Ich habe es absichtlich schlicht gehalten, weil es sich dabei um ein Sachbuch handelt.

Bild by H. K. Ysardsson

Es steht noch einiges an Arbeit an, besonders der Buchsatz wird viel Zeit kosten, allerdings habe ich für die meisten Seiten bereits ein Layout mit der Hand skizziert, so weiß ich jetzt schon, was wo hinkommt und wie formatiert wird.

Mehr zum Buch gibt es in kommenden Beiträgen.

Die folgenden Bilder zeigen die Versuche bis zum fertigen Bild, das ich später noch etwas digital bearbeitet habe, um es anschließend ins Cover einzufügen. Es handelt sich dabei um Aquarelle.

Ein Buchstabe, ein Wort – ein Romananfang

Der erste Satz, der den Leser anspringen und in die Welt der Geschichte entführen soll, darüber haben die meisten Autoren schon gegrübelt, während sich die Leser daran erfreut haben und sich in eine spannende Geschichte haben entführen lassen oder sie haben das Buch gelangweilt zur Seite gestellt. Allerdings schreibe ich hier über Kunst, da gibt es kein Schema F, nachdem man vorgehen und den perfekt sitzenden Anfang schreiben kann. Romananfänge von hochgejubelten Romanen haben mich zum Gähnen gebracht, während wieder solche, die mir gefallen, anderen nur ein müdes Kopfschütteln entlockt.

Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Trotzdem möchte ich diesem Thema etwas Zeit widmen.

Ist aller Anfang schwer?
Was macht einen guten Anfang aus?

Der Anfang soll packen, das Interesse wecken, ohne zu viele Informationen preiszugeben. Die Schwierigkeit besteht im Packen. Jedes Genre verlangt andere Wörter, jeder Leser will anders entführt werden, deshalb gibt es dafür auch kein Patentrezept, allenfalls Empfehlungen und von mir ein paar Beispiele, selbsterdacht natürlich.

Was am wichtigsten ist und man sich ab dem ersten Buchstaben vergegenwärtigen sollte, jeder Anfang ist ein Anfang – die Kunst steht nicht am Beginn, sondern am Ende, durchgehalten zu haben.

Beispiele:

Unruhig wälze ich mich im Bett herum. Die Schwüle im Zimmer lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Aber mehr als die Hitze, quälen mich die Gedanken an den vergangenen Tag. Warum musste sich Isabella einmischen?

Das ist ein einfacher Satz, der bereits etwas verrät, nämlich die Tageszeit, es ist höchstwahrscheinlich Nacht. Aber er lässt viele Fragen offen: Warum wälzt sich diese Person herum? Wer ist „ich“ Mann oder Frau? Was hat es mit dem Einmischen auf sich? Das sind Dinge, die zumindest die Neugier wecken, selbst dann, wenn sie den Leser noch nicht ganz am Schopf packen und mitziehen.

Das ist auch mit einer Ortsangabe möglich.

Ich lebte auf Ko Samui in einer Hütte am Strand. Das war ein Leben! Voller Farben und Frohsinn. Wir haben am Strand gesungen, Schmuck hergestellt und am Markt verkauft. Einfach herrlich. Bis sie aufgetaucht ist. Sie, die alles verändert hat.

Das sagt uns, dass dieser Ich in Thailand am Strand gelebt hat. Wir sehen die Insel vor uns, traumhafte Strände, Touristen, das Meer, hören die Wellen rauschen … Irgendwo taucht in den Gedanken vielleicht sogar ein Tempel auf und Elefanten. Aber wer ist dieser Ich? Ein Thai, ein Aussteiger, Hippie, Mann oder Frau? Warum lebt die Person nicht mehr dort? Wer ist die Frau? Fragen, die im folgenden Roman beantwortet werden und das auf hoffentlich spannende Art und Weise.

Die Schwierigkeiten begannen, kurz nachdem der Captain den Befehl zum Andocken an die Raumstation gegeben hatte.

Hier wissen wir, dass es sich um ein Sci-Fi-Abenteuer handeln muss. Es gibt Problem. Welcher Art sind sie? Wer hat die Probleme? Wer erzählt?

Anfänge können auch anders gestaltet werden. Man kann mitten ins Geschehen springen, wie schon in den Beispielen erwähnt oder eben eine Örtlichkeit erwähnen und dem Leser bereits Einblick in das Setting und die Umwelt geben.

Ein Anfang wird weniger schwer, wenn man sich überlegt, dass man ihn nach dem Ende des Schreibprozesses noch überarbeiten muss/kann/soll/darf, denn nichts kommt bereits perfekt aufs Papier und was dem einen Heiligtum, ist dem anderen Müll. Natürlich ist es nicht so krass, aber es läuft alles auf eine Geschmacksfrage hinaus.

Ich wage zu behaupten, es ist alles erlaubt, solange der Autor dahintersteht und es dem Leser gefällt. Trotzdem habe ich einige Punkte zusammengestellt, die man beim Schreiben bzw. nachher beachten kann.

Am besten ist es, einfach einmal anzufangen und aufzuschreiben, was einem in den Sinn kommt. Es bringt nichts, schon vor dem ersten Wort, nach dem perfekten ersten Satz zu suchen. Den Leser packt man auch noch im 2. oder 3. Satz, vielleicht sogar erst nach der ersten Seite. Es gibt so viele verschiedene Leser und Geschmacksrichtungen, wie es Schriftsteller gibt.

Photo by Retha Ferguson on Pexels.com

Was man unbedingt beachten sollte:

  • keine Klischees
  • nicht zu viel Informationen
  • zu große Spannung, die im Folgenden kaum gehalten werden kann
  • zu viel Action mit massenweise Adjektiven (aber das gilt generell und besonders für Actionszene; zu viele Adjektive rauben die Spannung. Hier sind kurze, schnelle, verbenreiche Sätze die bessere Wahl. Dazu werde ich bestimmt noch einen Beitrag schreiben.)
  • das Genre beachten
Photo by Pixabay on Pexels.com

Man kann mit einer wörtlichen Rede beginnen, aber sofort ein empörtes Aufschreien oder Wutattacken zu äußern, die später mit zu viel Informationen gewürzt werden, ist meistens nicht so prickelnd.

Was bildet die sich nur ein!“, brüllte die Frau los, warf ihre Handtasche zu Boden und rauschte auf ihr Haus zu, wo gerade diese eingebildete Kuh stand und sich mit ihrem Mann unterhielt. Na, die würde gleich etwas erleben! Und erst er, dieser betrügerische Ehemann! Sie nahm sich vor, gleich morgen zum Rechtsanwalt zu gehen. Aber vorher würde dieses Weibsstück noch ihr blaues Wunder erleben! Ihr Gesicht geriet für einen Moment zu einer mörderischen Maske.

Das verrät einfach viel zu viel. Warum wird hier bereits der betrügerische Ehemann erwähnt?

„Dir werde ich es gleich zeigen!“, schrie er erbost und ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt würde es gleich krachen. Zornig war er aus dem Bett gesprungen und hastete in den Garten hinaus, um den irren Nachbarn ordentlich zu verdreschen. Es war hoch an der Zeit, dass er dem Kerl eine Abreibung verpasste und gerade eben war er auf 180.

So anzufangen ist zwar ein Einstieg mitten in die Handlung, aber ich finde es unschön und unklar. Abgesehen von der handelnden Person und ihrer aktuellen Gefühlswelt wissen wir nichts. Es ist schwammig und klischeehaft. Hier könnte man anders anfangen.

Der Spaziergang war so gemütlich gewesen. Die Sonne schien und alles war gut. Sie freute sich auf zuhause. Irgendwo war sogar der Ruf eines Kuckucks zu hören, was in den letzten Jahren sehr selten geworden war. Lustig schwang Jana ihre Handtasche und schaute zu ihrem Haus. Noch war sie einige Meter von der Gartenpforte entfernt. Niemand sonst hielt sich auf der Straße auf, die Gärten waren leer. Sie stutzte, blieb stehen und beugte sich etwas nach vorne, um zwischen zwei parkenden Autos hindurch schauen zu können. Da stand eine fremde Frau an ihrer Haustür und redete mit ihrem Mann! Was war da los? Ihre Laune sank in den Keller und das Misstrauen stieg an. Langsam schlich sie näher, querte unbemerkt die Straße und blieb an der Hainbuchen-Hecke stehen, damit sie alles beobachten konnte. Nun erkannte sie die Frau. Die war gar nicht fremd!

Jens wollte schlafen. Die Nachtschichten im Krankenhaus waren anstrengend genug. Da war er erst vor einer Stunde ins Bett gekrochen und dann fing dieser übereifrige Gartenfreund von Nachbar an, den Rasen zu mähen! Dem würde er es noch zeigen, dachte er und stopfte sich die Ohropax in die Gehörgänge, um endlich Ruhe zu haben. Bevor er einschlief, dachte er sich einen Racheplan aus. Stunden später weckte ihn das schrille Klingeln der Türglocke.

Infodumping tötet jede Spannung, besonders am Anfang. Es ist auch nicht gerade neu, sie in eine Rückblende zu packen, während der Charakter aus dem Fenster schaut oder in einen Spiegel. Am Anfang der Geschichte erzählt das zu viel und zerstört für den Fortgang die aufkommende Spannung. Besser ist es, das zu unterlassen und Hintergrundinformationen auf andere Art und Weise preis zu geben. Der Leser will nicht alles auf einmal wissen, er will auf eine Reise mitgenommen werden.

Diese Weisheit funktioniert in jedem Genre, jedoch sollten die Worte und Handlungen der Zielgruppe angepasst sein.

Fazit am Schluss:

  • Spannung aufbauen, ohne zu viel zu verraten (Spannung heißt hier nicht gleich Action).
  • Neugier erzeugen, Fragen aufwerfen, die der Leser beantwortet haben möchte.
  • Protagonist(en) vorstellen.
  • Ein wenig das Setting und die Welt präsentieren.
  • So wenig Klischee wie möglich.
  • Und das wichtigste: Schreiben, schreiben, schreiben … nicht lange nachdenken, machen!

Die ganzen Regeln, alle Tipps, die ich hier gegeben habe, greifen erst zum Schluss – beim Überarbeiten. Es sind keinesfalls in Stein gemeißelte Gesetze und daher auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und die Geschmackssache darf man nie außer Acht lassen.

Der erfolgreiche Autor macht sich keine Gedanken um den Anfang, er fängt an und bringt seinen Roman zu Ende. Mit erfolgreich meine ich diejenigen, die die Arbeit vollenden, nie aufgeben, weiter machen, auch wenn es unbequem wird.

Photo by Gerd Altmann on Pexels.com