Der Kleine Freund, das Komma

  • Komm wir essen Obi Wan. (Mein Lieblingssatz, noch ganz ohne meinen kleinen Freund, dem Komma.)
  • Komm, wir essen, Obi Wan. (Obi Wan sollte sich beeilen, sonst bekommt er nichts mehr zu essen.)
  • Komm, wir essen Obi Wan. (Da hat aber jemand Hunger, wenn er sich an einem Jedi laben möchte.)

So viel zur Einleitung. Wie ihr seht, kann ein falsch gesetztes Komma aus einer geselligen Genussrunde ein makabres Schauspiel machen. Mjam?

Im Folgenden habe ich einige Kommaregeln samt Beispiele aufgelistet. Im Grunde sind sie nicht schwer. Wenn man einen Text laut liest, ergibt sich meist schon an der Hebung, Senkung und der Pause die Position des Kommas – außer natürlich man liest wie ein Erstklässler *hust* und ohne Atem zu holen. Wenn der Sinn im Satz erhalten bleibt, finde ich es nicht fürchterlich, falls es einmal fehlt. Ich halte es da wie der berühmte Prediger aus Nazareth, der zu gewissen Dingen ganz coole Ansichten hatte, nämlich: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein.

1. Zwischen Aufzählungen steht ein Komma, vorausgesetzt, dass die Aufzählungsteile nicht bereits durch ein „und” oder ein „oder” verbunden sind.

Zwischen zwei Adjektiven steht nur dann ein Komma, wenn sie einander nebengeordnet sind, das heißt den gleichen Rang haben.

Gelegentlich hängt es vom Sinn des Satzes ab, ob Nebenordnung (Gleichrangigkeit) vorliegt oder nicht. Es gibt auch Fälle, in denen zwischen den zwei Konstruktionsweisen nur ein geringer Unterschied besteht.

  • Margot war eine kluge, rechtschaffene Frau. (Hier sind die Adjektive gleichgestellt)
  • Ihr langes blondes Haar klebte durch die Hitze an ihrem Gesicht und Körper. (hier ist das Hauptaugenmerk auf „lang“ gelegt, deshalb kein Komma, könnte man aber trotzdem setzen, weil es unklar bleibt.)
  • Juni, Juli und August sind die besten Monate für den Sommertourismus.
  • Er ist viel, viel schneller als Spiderman.

Ausnahme! Es steht kein Komma, wenn die Aufzählung nicht gleichrangig ist:

  • Die neuesten politischen Entwicklungen besagen nichts Gutes.
  • Das gute österreichische Bier wird auch im Ausland immer beliebter.

2. Vor negativen Konjunktionen (Verbindungswörtern) steht ein Komma. Darunter fallen unter Anderem: aber, sondern, jedoch, allein

  • Terry ist ein charmanter, aber manchmal auch provokanter Typ.
  • Nadine geht nie allein spazieren, sondern in Begleitung eines Kampfhundes.

3. Nach Empfindungswörtern oder Anreden steht ein Komma.

  • Aua, das tut weh!
  • Gefreite Lindstrom, schultern Sie Ihren Kochlöffel und bringen Sie Hauptmann Landmann die geblümte Kochschürze. Wir haben einen Angriff auf die Küche geplant!
  • Herr Schmied, Ihr Erscheinen freut mich sehr.

4. Appositionen (Einschübe) und Erläuterungen, die mit „das heißt”, „nämlich”, „zum Beispiel”, „wie” und „und zwar” eingeleitet werden, werden durch ein Komma eingeschlossen.

  • Jürgen, der Untermieter bei Frau Mayr, ist so was von charmant.
  • Gestern ging das Licht aus, das heißt, wir saßen die ganze Nacht im Dunkeln.

5. Mehrere Hauptsätze, die in einer Satzreihe stehen, werden durch Kommata getrennt.

  • Christopher kam heim, er sah sich kurz um, und Maria begrüßte ihn mit einer Ohrfeige.

6. Das Komma trennt untergeordnete Nebensätze, wie zum Beispiel indirekte Fragesätze, Begründungssätze und Relativsätze, vom Hauptsatz. Man erkennt sie daran, dass sie ein Prädikat enthalten

  • Miriam wusste nicht, was sie antworten sollte. (indirekter Fragesatz)
  • Warum sie hier waren, das ahnten sie nicht.

7. Das Komma steht zwischen Satzteilen, die durch zweiteilige Konjunktionen verbunden sind. Zum Beispiel „bald – bald”, „einerseits – andererseits”, „teils – teils”, „je – desto” oder „ob – ob”

  • Je länger ich dich kenne, desto häufiger gerate ich in Schwierigkeiten.
  • Die Federn des Laufgreifers schillerten teils golden, teils waren sie langweilig braun.

8. Nach hervorgehobenen Satzteilen, die durch ein Pronomen oder Adverb erneut aufgegriffen werden, steht ein Komma.

  • Welche Seite man unterstützen sollte, da bin ich noch zu keiner Lösung gekommen.

9. Sowohl der erweiterte Infinitiv („ins Theater zu gehen” beispielsweise) als auch der einfache Infinitiv („zu gehen” beispielsweise) kann durch ein Komma getrennt werden.

Wird die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet.

  • Die Leute aus der Stadt kamen nur hierher, um sich über das Landleben zu beschweren.
  • Sie suchten den Kung-Fu-Lehrer, um ihn etwas zu fragen.


Die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv ab

  • Sie kamen aufs Land mit dem Wunsch, sich zu erholen.
  • Es war sein Ziel, der Erste zu sein.


Die Infinitivgruppe hängt von einem Korrelat (es) oder einem Verweiswort (dazu, daran, dabei etc.) ab:

  • Er liebte es, sie mit Kleinigkeiten zu überraschen.
  • Sie mochte es, sich morgens zum Kaffee auf die Terrasse zu setzen.

Wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt, können die Kommas weggelassen werden, sofern keine Missverständnisse entstehen.

  • Ich versuche (,) morgen pünktlich zu sein.
  • Lange bevor sie ihn getroffen hatte, hatte sie geplant abzureisen. (vor abzureisen muss hier kein Komma stehen).

10. Ein erweitertes Partizip (die letztes Jahr gebaute Brücke, das gelesene Buch) kann durch Komma getrennt werden. Bei Einschüben muss es durch Kommata getrennt werden.

  • Vor Angst bebend [,] stand der Soldat da.
  • Der Kriminalhauptkommissar stand, sich den Bauch vor Übelkeit haltend am Gebüsch und erbrach sein Frühstück.

11. Das Komma trennt ungebeugte Partizipien und nachgestellte Adjektive, sofern diese durch „und” verbunden sind.

  • Die Sonne, hell und klar, ging über den Wäldern Tirols auf.
  • Ihre Augen, strahlend und fremdartig, starrten mich an.

12. Auch zwischen mehrteiligen Datums- und Zeitangaben steht ein Komma.

  • Wien, den 29. Juli 2093

13. Kein Komma gehört in Vergleiche.

  • Er ist so groß wie ein Bär.
  • Sylvie ist größer als Merve.
  • Wenn er stärker ist als Konstantin, kann er am Turnier teilnehmen. (hier kommt das Komma, weil der erste Satzteil ein Nebensatz ist, der mit wenn eingeleitet wird)
  • Die Derraybäume sind kleiner als Mishonbüsche.
  • Miras Weg ist weiter als der von Jonni.

Noch kurz etwas zu Nebensätzen, die mit „dass“ (=untergeordnete Konjunktion) oder „das“ (in diesem Fall kann es durch ein Fragewort ersetzt werden und ist kein Artikel) eingeleitet werden, inklusive die „ss“-Regel dazu.

  • Es ist mir bewusst, dass ich einen Fehler gemacht habe.
  • Hätte ich früher gewusst, dass der Kerl ein Freak ist, hätte ich anders reagiert.
  • Du bist so blöd, dass es wehtut.
  • Sie trägt das geblümte Kleid, das sie gestern im Ausverkauf erstanden hat. (Es steht ihr gar nicht.)
  • Tags zuvor waren sie zu zum Wasserfall gefahren. Dort hatten sie ein Raftingboot bestiegen, das leider ein Loch hatte. Sechs Menschen sind seitdem in der Klamm vermisst, denn der Fluss führte Hochwasser.

„Das“ schreibt man, wenn man es durch „welches“ ersetzen kann. „Dass“ kann man nicht ersetzen.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Noch ein kurzes Wort zu Online-Rechtschreib-/Grammatiküberprüfungen. Ich habe einige davon getestet und finde nur den von Duden gut. Also, falls ihr ein Problem mit den Kommas habt, dann lasst den Text da durchlaufen.

Wahrscheinlich habe ich den einen oder anderen Punkt vergessen, ihr könnt den gern in den Kommentaren ergänzen, ich freue mich immer, wenn ich etwas dazulernen kann. Außerdem vergesse ich in der Hitze des Schreibgefechts, wenn sich Kopf und Finger nicht über die Schnelligkeit einig werden können, das eine oder andere Komma.

Der Jubel meinerseits wird laut, wenn ihr ein Like da lasst, sofern euch der Beitrag gefallen hat und ihr ihn nützlich findet.

Photo by Cristian Dina on Pexels.com

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