Archiv für den Monat Februar 2021

Zum Tag der Liebe

(c) Ysardsson

Zum Tag der Liebenden schenke ich euch etwas, das man bei mir wenig vermuten mag – Liebesgeschichten. Sie sind bereits etwas älteren Datums und ich habe bestimmte Lieder als Vorbild genommen.

Die erste Kurzgeschichte ist Dank Leonard Cohens „Dance me to the end of love“ entstanden, die zweite hat Walther von der Vogelweides „Under den Linden“ zum Vorbild. Viel Spaß beim Lesen.

Bis zum Ende

„Komm und tanz mit mir“, sagte er schüchtern lächelnd. Sie wussten beide, dass sie nicht tanzen konnten. Es ging nur um die Berührung, die Musik, die sie beide liebten und den Augenblick. Was die anderen, die guten Tänzer, über sie dachten, war ihnen egal. Auffordernd bot er ihr die Hand. Nach leichtem Zögern griff sie zu und folgte ihm auf die Tanzfläche. Einige Paare schwebten bereits gekonnt über das Parkett. Ihre Schrittfolgen und Figuren passten sich hervorragend dem Rhythmus an und erzeugten Neid bei den Zuschauern.

Lillibeth und Julian bewegten sich steifbeinig zwischen diesen elfengleichen Tänzern und blickten sich dabei tief in die Augen. Sie hörten nur die Musik und spürten sie durch die Fußsohlen in sich eindringen. Schon bald wurden ihre Bewegungen geschmeidiger und sie vergaßen alles rund um sich.

Die Musik spielte von Liebe und Liebe stand in ihren Augen, Verlangen sprang aus ihren Berührungen und Sinnlichkeit versprach ihr Mund.

Sie tanzten und hielten sich dabei sanft umschlungen, wobei sie immer enger aneinanderrückten, bis sich ihre Körper berührten und von Sehnsucht sprachen, die sie nicht in Worte fassen konnten, weil das Wort dafür zu schwach war. Weiter tanzten sie, drehten sich im Kreis, tranken sich mit den Augen und versanken im Blick des Anderen. Sie waren eine Bewegung, ein Muster, das auf ein Ende hoffte, das irgendwann kommen würde – unausweichlich, wie alles ein Ende findet.

Doch dies war erst der Beginn. Der Anfang eines Moments des Fühlens, des Begehrens, einer Leidenschaft, die sie nicht wirklich verstanden.

Oftmals mussten ihnen die guten Tänzer ausweichen, weil sie nicht darauf achteten und ineinander versunken in ihrem eigenen Traum schwebten.

Er beugte seinen Kopf und legte die Lippen an ihren Hals, ganz sanft, fast nicht spürbar und doch so intensiv, als würde er sie hier vor allen Menschen heftig küssen. Wohlige Schauer rannen über ihren Rücken und sie richtete sich gerade auf, neigten den Kopf etwas zur Seite und bot ihm den Hals. Ein feines Lächeln umspielte ihre Lippen und sie schloss die Augen, gab sich ganz dem Tempo der Musik hin und seinem Atem an ihrem Hals, der Wärme seiner Lippen und der Liebkosung seiner Hände, die bewegungslos auf ihren Hüften lagen und sie hielten, wenn sie strauchelte.

Als der Tanz zu Ende war, wurden sie von allen angestarrt, denn sie bewegten sich in ihrem eigenen Rhythmus weiter. Vollführten ihren Tanz des Werbens und des Verlangens.

Lillibeth erwachte als erste aus dem Traum, öffnete die Augen und errötete leicht. Auch Julian kam wieder in die Gegenwart zurück, nahm ihre Hand und führte sie an seine Lippen. Er hauchte ihr einen zarten Kuss auf den Handrücken und murmelte: „Vielen Dank für diesen Tanz.“

Der Rausch der Sinnlichkeit erlosch, die Violinen schwiegen und sie waren wieder sie selbst, das alternde Ehepaar, das sich für einige Minuten wiedergefunden hatte.

Sie waren noch ein Paar.

(c) Ysardsson

Es ist heilig!

Unbändig schlug mein Herz im wilden Takt. So sehr hoffte ich, sie würde erscheinen und konnte es dennoch nicht ertragen, sie zu sehen, denn ich wusste, unsere gemeinsame Zeit neigte sich ihrem Ende entgegen.

Der Wald im Hintergrund rauschte sanft im leichten Sommerwind. Ich hörte die Bienen summen und das Lied einer Amsel. Lerchen stießen im Sturzflug auf ein Feld und erhoben sich kunstvoll erneut in die Luft. Sie tanzten den Tanz der Liebenden, während ich auf meine Geliebte wartete.

Da sah ich sie und das Blut sang in meinen Ohren. Freudestrahlend lief sie auf mich zu. Mit einem Lächeln begrüßten wir uns, bevor wir uns am Fuß der mächtigen Linde niederließen und sie von ihrem Tag berichtete. Die Vögel verbargen mit ihrem Lied unser Gespräch und Grillen zirpten im Gras.

Ich sog ihren Anblick in mich auf. Dieses feine, liebliche Gesicht, die strahlend grünen Augen, der sinnliche rote Mund. Alles sang ihren Namen, ihren köstlichen Duft. Ihre Weiblichkeit, noch züchtig verhüllt, zeichnete sich unter dem Stoff ihres Kleides ab. Sanft strich ich ihr die Haube vom Kopf und liebkoste ihr Haar, während sie leise lachte. Sie mochte es, wenn ich das tat. O dieser Wohlgeruch, den meine Blume verströmte. Genau hier wollte ich sie haben und sie kam zu mir. Noch immer konnte ich es kaum glauben und strich ihr sanft über den Kopf, das Gesicht und den Hals, nur um mich ihrer Gegenwart zu versichern.

Mit einem Mal wandte sie sich mir zu, nahm mein Gesicht in die Hände und begann mich zu küssen. O, ihr Mund, ließ mich in sie fließen und gleichzeitig darin ertrinken. Wir sprachen nicht mehr, ließen alle Belanglosigkeiten fallen wie unsere Kleidung. Ergaben uns unserem Begehren, hier unter dieser weitausladenden Linde, wo unsere Liebesstatt war. Das Gras kitzelte uns und ließ uns lachen, während wir fröhlich, wie Kinder eine neue Welt entdeckten, mit unseren Händen auf Reisen gingen.

Sie schenkte sich mir. Nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Vertrauen überließ sie meiner Führung. Bald schon hörte ich ihr wildes Verlangen. Sie ließ mich in sie tauchen, sie trinken. Ihre Blüte mit meinem Stab berühren. Wie süß sie aussah, als sie mich empfing. Ich fühlte nur noch. Hörte sie meinen Namen rufen, während wir immer heftiger wurden und uns im Takt der Lust bewegten.

Alles zerfloss zu einem Bild und das hatte ihr Gesicht. Ihr roter Mund, der mich so willig empfangen hatte, zierte ein Lächeln, so schön wie die Morgensonne. Ich bin der reichste Mann auf Erden, auch wenn ich nur ein armer Sänger bin, dachte ich in dem Moment und küsste meine Geliebte.

Die Blumen ringsum deckten unsere Tat, betörten uns mit ihrem Duft und ließen das Verlangen erneut in uns keimen. So liebten wir uns und es war heilig, ganz gleich was die Kirchenmänner dazu sagen. Es ist heilig!

(c) Ysardsson

Wortbedeutungen, Verwendungen und Synonyme, Teil 3

Heute hänge ich etwas in der Grammatik fest, die sich gern einmal um einen Berg aus Unsicherheiten und schlechten Gewohnheiten windet. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, am Ende lässt man es doch schleifen. Grammatik gehört zu den wichtigsten Handwerkskenntnissen eines Schriftstellers/einer Schriftstellerin, sie ist dafür mitverantwortlich, dass am Ende ein lesbarer Text herauskommt. Niemand ist perfekt, man vergisst Dinge mit der Zeit oder übersieht es einfach in seiner Betriebsblindheit, das kenne ich viel zu gut.

(c) Ysardsson 2021

hängen

Das Verb „hängen“ gibt es zwei Mal – als transitives und als intransitives Verb.

Ein transitives Verb braucht ein Objekt, um einen Satz zu bilden, ein intransitives nicht.

„Oma hängte die Wäsche auf“ ist transitiv, weil es nach dem Verb ein Objekt (die Wäsche) gibt.

„Die Wäsche hing an der Leine“ ist intransitiv. Die Leine ist nämlich kein Objekt, sondern eine Ortsangabe (WO hing Wäsche?). Die Wäsche hängt für sich und ganz allein auf der Wäscheleine und trocknet im Wind.

Im Präsens sind die Formen gleich, eine Verwechslung ist nicht möglich. Schwieriger sind das Präteritum und das Perfekt.

Sven hat mit einem alten Telefon telefoniert und hängt den Hörer wieder ein. „Sven hängte den Telefonhörer ein.“

Falsch:
„Mimi hing das Bild an die Wand“
„Dem Jogger hängte vor Erschöpfung die Zunge aus dem Mund!“

Richtig ist:
Mimi hängte das Bild an die Wand.
Dem Jogger hing vor Erschöpfung die Zunge heraus.

Auch im Perfekt gibt es zwei Formen: gehängt und gehangen.

Das intransitive „ich hänge“ wird im Perfekt zu „ich habe gehangen“ (in Süddeutschland und Österreich auch: „ich bin gehangen“).

Das transitive „ich hängte etwas irgendwohin“ wird im Perfekt zu „ich habe etwas irgendwohin gehängt“.

Von transitiven Verben lässt sich fast immer auch ein Passiv bilden:

Die Wäsche wird aufgehängt.

Die Wäsche wurde aufgehängt.

Die Wäsche ist aufgehängt worden.

Schleifen

Das Wort „schleifen“ gehört ebenso wie „hängen“ zu den sogenannten Homonymen, sie werden gleich geschrieben, haben aber eine andere Bedeutung, die sich erst bei der Konjugation bemerkbar macht. Wie ich bei „hängen“ schon geschrieben habe, gibt es 2 Formen, eine transitive und eine intransitive. Die 1. verlangt wieder nach einem Objekt, während die 2. das nicht braucht.

Einmal bedeutete es, einen Gegenstand in Form zu bringen oder zu schärfen, die Konjugation ist unregelmäßig.

Er schleift das Messer, er schliff das Messer, er hat das Messer geschliffen. (Objekt nach dem Verb)

Der Maler schleift das Holz, bevor er es frisch lackiert hat. (Objekt nach dem Verb)

Hier wird etwas verändert.

Nun zu Bedeutung Nr. 2 – etwas über den Boden ziehen, hinter sich herschleppen, zerren, etc. Bei dieser Bedeutung ist die Konjugation regelmäßig.

Ich schleife den Sack über den Boden.
Ich schleifte den Sack über den Boden.
Ich habe den Sack über den Boden geschleift. (Wo schleift der Sack?)

Der Mörder schleifte die Leiche zur Böschung und ließ sie ins Wasser rollen.

Wir wollen uns nicht damit amüsieren, dass der Mörder die Leiche vom Tatort schliff und später das Messer schleifte, weil es stumpf geworden ist.

Wenden

Ich wende mich dem nächsten Duo zu. Wenden.

Es handelt sich dabei um ein transitives oder reflexives Verb. Je nachdem, wie das Wort eingesetzt wird, verändert es seine Bedeutung. Im Präsens ist es kein Problem, das wird es in den anderen Zeitformen.

transitiv:

Hier wird wieder ein Akkusativobjekt gebraucht.

Präsens:
Ich wende das Brathuhn im Ofen.
Ich wende die Palatschinken.
Der Senner schneidet das Gras, einige Tage später wendet er das Heu.
Sie verwendet immer ein Buttermesser, um ihre Briefe zu öffnen.

Präteritum:
Ich wendete das Brathuhn im Ofen.
Ich wendete die Palatschinke.
Der Senner schnitt das Gras, einige Tage später wendete er das Heu.
Sie verwendete immer ein Buttermesser, um ihre Briefe zu öffnen.

Perfekt:
Ich habe das Brathuhn im Ofen gewendet.
Ich habe die Palatschinke gewendet.
Der Senner hat das Gras geschnitten, einige Tage später hat er das Heu gewendet.
Sie hat immer ein Buttermesser verwendet, um ihre Briefe zu öffnen.

reflexiv:

Hier geht es um die Person – sich wenden.

Präsens:
Er wendet sich der schönen Frau an der Rezeption zu.
Entnervt wendet sie sich dem Ausgang zu und verlässt den Laden.
Nach der Kontrolle meines Autos wendet sich der Polizist anderen Verkehrsteilnehmern zu.

Präteritum:
Er wandte sich der schönen Frau an der Rezeption zu.
Entnervt wandte sie sich dem Ausgang zu und verließ den Laden.
Nach der Kontrolle meines Autos wandte sich der Polizist anderen Verkehrsteilnehmern zu.

Perfekt:
Er hat sich der schönen Frau an der Rezeption zugewandt.
Entnervt hat sie sich dem Ausgang zugewandt und den Laden verlassen.
Nach der Kontrolle meines Autos hat sich der Polizist anderen Verkehrsteilnehmern zugewandt.

Noch zu einer kleinen Verfeinerung, die bei wenden problematisch werden kann – nämlich verwenden im Präteritum.

Es heißt immer verwendete, denn verwandt hat in diesem Fall eine völlig andere Bedeutung.

Ich kann mit dir verwandt sein, aber ich verwendete dich nicht. Verwandt ist ein Adjektiv und sollte nur als solches benutzt werden. Verwenden hat auch nichts mit wenden zu tun, sondern mit „benutzen“.

Wenn man sich unsicher in der richtigen Verwendung ist, gibt es auch noch Synonyme:

– etwas umdrehen, etwas auf die andere Seite drehen, in die andere Richtung schauen (abwenden), die Fahrtrichtung ändern (für Fahrzeug wenden)

Winden

Dann winden wir uns nun weiter den Berg hinauf.

Winden kann sowohl als starkes (transitives oder reflexives!), als auch als schwaches Verb verwendet werden. Hier sehen wir den Unterschied wieder nur in der Konjugation. Wobei das schwache Verb kaum noch Verwendung findet und in direkter Bedeutung etwas mit dem Wind zu tun hat. Es windet stark – heißt, es gibt einen Sturm, bzw. es stürmt.

Wenden wir uns winden zu.

Synonyme: schlängeln, ranken, herausreden, entwenden, ausweichen, drehen, wickeln

entwinden, verwinden, überwinden

Präsens:
Das Efeu windet sich um den Baum. (reflexiv)
Die Straße windet sich den Berg hinauf. (reflexiv)
Die Seilschaft windet das Seil um einen großen Felsen. (transitiv)
In letzter Minute windet er ihm das Messer aus der Hand. (transitiv)
Sie windet sich um eine Antwort herum (transitiv)

Präteritum:
Das Efeu wand sich um den Baum.
Die Straße wand sich den Berg hinauf.
Die Seilschaft wand das Seil um einen großen Felsen.
In letzter Minute wand er ihm das Messer aus der Hand.
Sie wand sich um eine Antwort herum.

Ich hoffe, ihr findet den kleinen Ausflug in die Grammatik hilfreich. Falls jemand einen Fehler findet, dann schreibt mir das bitte persönlich. Wie ich eingangs schon erwähnt habe, wird man bei eigenen Texten betriebsblind.

Mitmachgeschichte 2

Party aus dem Ruder

Ich hatte vor einer Woche wieder die glorreiche Idee, auf Instagram eine Mitmachgeschichte zu starten. Es gab sehr viel zu lachen und es haben auch viele Leute mitgemacht. Heute ist die Show zu Ende und ich präsentiere euch hier die gesamte Geschichte zum Download.

Viel Spaß auf der Party mit Sabine, Remulus, Roman und jede Menge Partygäste.

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Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen, die mitgemacht und diese Idee zum Leben erweckt haben.

Gemeinsam statt einsam – Schriftsteller und Schriftstellerinnen sind für jeden Spaß zu haben, wie ihr sehen könnt, ganz egal, was dabei für ein Unsinn herauskommt. Wir üben unsere Kunst an allem und mit allem.

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