Archiv für den Monat April 2021

Wie schreibt man eine Kurzgeschichte?

Kurzgeschichten sind klasse.

Kurzgeschichten sind kurz.

Kurzgeschichten sind einfach zu schreiben.

Hä?

Kurzgeschichten sind nur kurze Romane.

Wie bitte?

Kurzgeschichten sind langweilig.

Ich glaube, jetzt hackt’s aber!

Kurzgeschichten eignen sich hervorragend zum Üben. Durch sie erlebt man viel rascher ein Erfolgserlebnis durch die Fertigstellung als bei einem Roman. Ich lese gern Kurzgeschichten und schreibe sie auch gern, einfach, um andere Genres oder Stilrichtungen auszuprobieren. Durch sie schärft man auch den Blick für das Wesentliche, denn

In der Kürze liegt die Würze.

Was genau ist eine Kurzgeschichte und was macht sie aus?

  • Das 1. und augenscheinlichste ist natürlich die Kürze. Sie muss in einem Lesedurchgang zu lesen sein. Von einer Seite bis hin zu 50 Seiten ist in dieser Gattung alles erlaubt.
  • Es gibt nur einen Protagonisten, maximal zwei und wenig bis gar keine Nebencharaktere. Das würde sonst die Geschichte nur unnötig aufblähen und zu viele Nebenstränge aktivieren.
  • Es gibt nur ein Ereignis, das im Mittelpunkt steht.
  • Ein bestimmter Ort und eine Zeit. Das kann sich ruhig über mehrere Wochen ziehen, sollte aber keine zu großen Zeiträume umfassen und logisch nachvollziehbar sein.
  • Eine Stimmung, ist die Geschichte heiter, lustig, romantisch, spannend, gruselig? Das muss von Anfang bis Ende stringent sein und darf nicht mittendrin wechseln. Also, wenn die Geschichte romantisch ist, dann sollte sie nicht plötzlich gruselig werden.

Was heißt das fürs Schreiben?

Streichen geht immer, also beim ersten Entwurf, kann man ruhig mehr schreiben und nachher alles Unnötige rausstreichen oder umformulieren. Die Verwendung von Stilmitteln bietet sich an, um in wenigen Worten viel auszusagen. Vergleiche und Metaphern haben sich bewährt, allerdings besteht hier die Gefahr einer Überladung und abgelutschte Vergleiche bzw. Metaphern verlieren schnell ihren Reiz, falls sie ihn überhaupt entfalten. Schwer verständliche Bildsprache (=rhetorische Figur) bietet das gleiche Problem. Hier sind Vorsicht und Übung gefragt.

In einem der nächsten Beiträge werde ich mich diesen Stilmitteln widmen.

Die Charaktere in der Kurzgeschichte müssen nicht präzise beschrieben werden. Wenige Merkmale genügen, besonders die handlungsrelevanten, alles andere ist unwichtig. Aussehen und Vorgeschichte kommen nur insoweit in die Geschichte, als es nötig sie ist.

Die Handlung bezieht sich auf eine Linie. Die Geschichte startet ohne große Vorbereitung, man wirft den Leser sozusagen mitten hinein. Die Erklärung erfolgt später oder erschließt sich dem Leser zwischen den Zeilen. In der Folge spitzt sich das Geschehen zu und läuft auf den …

Wendepunkt bzw. Höhepunkt der Geschichte zu. Hier passiert das Wesentliche. In wenigen Worten kann man die Figur ins Glück oder Unglück stoßen, sie reifen lassen, gewinnen oder verlieren. Auf jeden Fall passiert hier etwas, das sehr wichtig für den Protagonisten ist.

Der Schluss ist in der klassischen Kurzgeschichte offen oder beinhaltet eine Frage und gibt auf diese Art dem Leser Raum, darüber nachzudenken. Es ist aber so gut wie alles erlaubt.

Kurzgeschichten beinhalten oft Alltagsfragen oder gesellschaftskritische Probleme.

Wie kommt man nun zu diesen?

Wie jeder Autor/jede Autorin weiß, blickt man aufmerksam auf das Geschehen, sei es im Kleinen oder im großen Weltgeschehen.

  • Alltagsprobleme
  • Umwelt
  • Hoffnungen und Ängste einer bestimmten Generation (z. B. Jugendliche oder Alte)
  • soziale Missstände
  • globale Missstände
  • globale Ereignisse
  • glückliche oder schreckliche Momente

Tipps für die Überarbeitung einer Kurzgeschichte:

  • Streichen geht immer
  • Die Anwendung der rhetorischen Figuren genau überprüfen – falsche Anwendung führt oft beim Leser zu Irritationen, wenn es nicht erklärt wird.
  • Auf unnötige Ausschweifungen achten und die kürzen oder ganz streichen.
  • Gibt es nur einen Handlungsstrang?
  • Fehlerkorrekturen (Grammatik und Rechtschreibung)

Kurz zusammengefasst:

  • Metaphern und Vergleiche verdichten den Text
  • Handlungen beschreiben und weniger Eigenschaften
  • Dialekte, Umgangssprache in die wörtliche Rede einbauen
  • keine persönlichen Wertungen (das gilt für beinahe alle Texte)
  • kurze Sätze
  • keine Ausschweifungen

Erzählformen:

Oftmals wird die Ich-Form verwendet, aber es eignen sich auch der personale oder alleswissende Erzähler. Das kann man durchprobieren und sich anschließend für die Form entscheiden, die einem am meisten liegt und zur Geschichte passt.

Wenn man diese Grunddinge beherrscht, dann ist es durchaus auch angemessen, diese Regeln zu brechen.

Viel Spaß mit den Kurzgeschichten!

Wortbedeutungen, Verwendungen und Synonyme, Teil 5

Wie geht das mit den Anweisungen, Befehlen usw.?

Der Imperativ – die Befehlsform

Immer wieder lese ich den Imperativ falsch verwendet bzw. die Wörter falsch geschrieben, deshalb hab ich mir gedacht, ich mache ihn dieses Mal zum Thema.

Er wird nur in der direkten Rede angewendet und, wie der deutsche Name schon sagt, drückt er einen Befehl, eine Bitte, eine Warnung … mit wenigen Worten aus.

Beim Imperativ kommt es auch auf die Betonung und die Sprechgeschwindigkeit des Sprechers an. Laut und schnell gesprochen, gilt er als Befehl. Keiner wird eine Warnung ernst nehmen oder einen Befehl, der aus mehr als zwei Wörtern und lasch gesprochen wird.

  • „Es brennt“, flüsterte sie, um ihre Nachbarn zu warnen.
  • „Im Hausflur ist Feuer ausgebrochen, es ist notwendig, dass wir alle die Wohnungen verlassen. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.“

Beide Beispiele sind furchtbar lächerlich für eine Warnung vor einem Brand. Die Erste hört niemand, bei der Zweiten ist man an Rauchvergiftung gestorben, bis der Sprecher fertig ist. Manchmal ist es also wichtig, kurz und bündig, schnell und laut zu sprechen.

Wir alle kennen Kommandosätze, wie

  • Gib Gas!
  • Steig ein!
  • Gib her!

und die Gebrauchsanleitungen …

  • Heizen Sie den Ofen auf 180 Grad vor.
  • Putzen Sie das Gemüse und schneiden es in kleine Würfel.
  • Trennen Sie fünf Eier.

Ein oder zwei Wörter und der Angesprochene weiß, was er tun soll.

Damit werden auch noch Apelle gemacht (Stoppt den Klimawandel!), Bitten (Reich mir doch bitte die Butter.), Ratschläge (Nimm den Regenschirm mit. Hör auf zu rauchen.), Verbote (Betreten verboten!), Ermahnungen/Warnungen (Stopp! Durchfahrt verboten! Geht ins Bett, sonst gibt’s Ärger.)

Wie wird er jetzt gebildet? Darin liegt meiner Meinung nach die größte Schwierigkeit, wie mir beim Lesen immer wieder auffällt.

Beim Imperativ steht das Verb immer an 1. Stelle.

Ein Subjekt gibt es nur in der Höflichkeitsform und bei wir.

Trennbare Verben werden auch im Imperativ getrennt.

aufgebenGib endlich auf!
aufräumenRäumt jetzt euer Zimmer auf!
abholenHol deinen kleinen Bruder vom Kindergarten ab!
loslassenLass das Seil los!

2. Person Singular (Du)

Der Imperativ wird durch Entfernung der Endung -en gebildet. In der gehobenen Sprache hängt man oft noch ein e dran.

  • Schließ(e) die Tür.
  • Lauf(e) zum Ziel.
  • Fahr(e) zur Tankstelle.

Zu beachten sind einige Besonderheiten!

Die Stammvokaländerung von e zu i/ie gilt auch für den Imperativ; in diesem Fall verwendet man nie das Imperativ e.

Beispiel:

Lies! (lesen – ich lese, du liest) nicht: Liese! oder Lese!

Gib mir das Buch! (geben – ich gebe, du gibst) – nicht: Gebe mir das Buch!

Die Stammvokaländerung von a zu ä gilt nicht für den Imperativ.

Beispiel:

  • Fahr! (aber: ich fahre, du fährst)

Endet der Präsensstamm auf d/t, hängt man immer e an.

Beispiel:

  • Warte! nicht: Wart!

Endet der Präsensstamm auf Konsonant + m/n, hängt man immer e an. Dies gilt nicht, wenn dieser Konsonant ein m, n, l, r oder h (aber nicht ch) ist. Klingt kompliziert, ist es in der Theorie auch, in der Praxis ist es einfacher.

Beispiel:

  • Atme!
  • Zeichne!
  • aber: Schwimm(e)!
  • Komm!
  • Lern!

Endet das Verb auf eln/ern, hängt man ein e an. In der Umgangssprache wird es häufig weggelassen. Auch das e von eln/ern kann wegfallen.

Beispiel:

  • Feiere!/Feire!/Feier!
  • Angele!/Angle!/Angel!

2. Person Plural (ihr)

Der Imperativ für ihr ist die finite Verbform der 2. Person Plural, aber ohne das Pronomen.

Beispiel:

  • Geht!
  • Seid ehrlich!
  • Bleibt stehen!
  • Lest!
  • Schaut her!
  • Steigt ein!
  • Fahrt endlich!
  • Haut ab!
  • Haltet die Klappe!

1./3. Person Plural (wir/Sie)

Den Imperativ für Sie/wir bildet man mit dem Verb im Infinitiv + Sie/wir. Beim Verb sein fügt man zusätzlich ein e ein. An den Beispielen sieht man, dass das Subjekt in diesem Fall nötig ist, weil man den Imperativ sonst nicht vom Stammverb unterscheiden kann.

Beispiel:

  • Gehen Sie!
  • Seien Sie ehrlich!
  • Gehen wir!
  • Seien wir ehrlich!
  • Kommen Sie!
  • Lesen Sie!
  • Lesen wir.
  • Steigen Sie ein!
  • Steigen wir ein.
  • Fahren Sie!
  • Fahren wir!
  • Lassen Sie los!
  • Lassen wir los!
  • Haben Sie Erbarmen!
  • Habt Erbarmen!
  • Seien Sie nett!
  • Seien wir nett!
  • Werden Sie Mitglied!
  • Werden wir Mitglied!

Wer genau aufgepasst hat, dem wird auffallen, dass die irregulären Verben im Imperativ auch anders geschrieben werden. (Sein, haben, werden).

Infinitiv1. Person Plural (wir)3. Person Plural (sie)2. Person Plural (ihr)
seinSeien wir nett!Seien Sie nett!Seid nett!
habenHaben wir Erbarmen!Haben Sie Erbarmen!Habt Erbarmen!
werdenWerden wir Mitglied!Werden Sie Mitglied!Werdet Mitglied!

Es gibt auch Alternativen zum Imperativ

ErsatzformenBeispiele
InfinitivZimmer aufräumen!
Herd vorheizen!
Zähne putzen!
Nägel schneiden!
NomenHilfe!
Geld oder Leben!
Ruhe!
Abfahrt!
Achtung!
Partizip IIRauchen verboten!
Füttern verboten!
Durchgang verboten!
PassivJetzt wird gegessen!
Vor dem Rausgehen werden die Hausübungen gemacht.
Vorher wird das Eiklar zu Schnee geschlagen.
Jetzt wird ins Bett gegangen.

Für alle, die Spaß haben, das zu üben, habe hier noch Dateien (docx und PDF) zum Herunterladen. Natürlich gebe ich die Lösungen dazu.

Wortbedeutungen, Verwendungen und Synonyme, Teil 4

Heute wird verglichen und in die Superlative gegriffen. Grammatik einfach – hoffentlich, auch wenn das eher wenig mit dem Titel zu tun zu haben scheint. Kennt man die Bedeutung der kleinen Wörter, dann ist es viel einleuchtender und man verwendet sie richtig.

Früher dachte ich immer, das wäre alles so furchtbar kompliziert. Ist es aber nicht, wenn man ein paar einfache Dinge beherzigt.

Heute möchte ich euch einige dieser Dinge näher bringen – unsortiert wahrscheinlich und sehr laienhaft. Ich bin eben weder eine Deutschlehrerin noch habe ich Germanistik studiert.

Es geht um den

KOMPARATIV

Adjektive und Adverbien werden mit dem Komparativ gesteigert. Die Steigerung ist notwendig, um Dinge, Personen und Eigenschaften zu vergleichen. Die Eigenschaften werden nach Größe, Wichtigkeit und Intensität geordnet …

Beispiel:

  • Das Haus ist groß. Der Palast ist größer.
  • Ihr fahre gern mit der Bahn, du fährst lieber mit dem Auto.
  • Wie bildet man nun diesen Komparativ?
  • Es gibt regelmäßige und unregelmäßige Formen.
  • Bei der Regelmäßigen hängt man einfach -er ans Adjektiv oder Adverb.

Beispiel:

  • Der Stein ist klein, aber der Kiesel ist kleiner.
  • Der Bauer ist fleißig, aber die Bäuerin ist fleißiger.
  • Bei einsilbigen Adverbien/Adjektiven ändert sich das Stammvokal
  • a – ä
  • o – ö
  • u – ü
  • Philip ist groß, Matthias ist größer.
  • Elisa ist klug, Friederike ist klüger.

Bei mehrsilbigen Adverbien/Adjektiven hängt man weiter nur das -er ans Ende. Steigerungen nie mit MEHR bilden!

Falsch: Der Film ist mehr interessant als das Buch. (Das liest sich wie eine wortwörtliche Übersetzung aus dem Englischen.)

Richtig: Der Film ist interessanter als das Buch.

Unregelmäßige Formen und ihre Steigerung:

GernLieberAm liebsten
GutBesserAm besten
VielMehrAm meisten
HochHöherAm höchsten
BaldEherAm ehesten
TeuerTeurerAm teuersten
DunkelDunklerAm dunkelsten
NahNäherAm nächsten
GroßGrößerAm größten

Das sind nur ein paar Beispiele, um zu verdeutlichen, wie das aussehen kann. Das Superlativ werde ich im Folgenden noch näher anschauen.

Vergleichswörter „als“ und „wie“

Bei Vergleichen, die ungleich ausfallen (etwas ist größer, kleiner, teurer, billiger, schöner) wird immer „ALS“ verwendet.

Beispiel:

  • Ich habe Bücher lieber als Filme.
  • Der Hofnarr ist klüger als der König. (Lass das den König nicht wissen!)
  • Felicitas ist besorgter als Marvin wegen der Wetterlage.
  • Thomas ist verliebter als seine Angebetete. (Wahrscheinlich will sie ihn nicht verletzen.)
  • Der Dieb ist geschickter als die Polizei erlaubt.
  • Das Raumschiff der XY ist besser bewaffnet als das der YX.

Wenn zwei Dinge oder Handlungen gleich sind, wird „so … wie“ verwendet.

Beispiel:

  • Amelia ist so schön wie eine Blume.
  • Deine Familie ist so groß wie meine.
  • Deine Nase ist so hässlich wie ein Ork.
  • Die neuen Raumschiffe fliegen so schnell wie das Licht.

Komparativformen müssen dekliniert werden, wenn sie vor einem Substantiv stehen.

  • Deine Kirschen sind gut, meine sind besser.
  • Ich habe bessere Kirschen als du.

Der Superlativ gehört auch dazu, schließlich ist es die höchste Steigerungsform. Höher oder am besten, geht nicht.

Man bildet es mit dem Adjektiv und hängt -sten dran.

  • Der Baggersee ist am kleinsten von allen Seen in der Gegend.
  • Der Mount Everest ist am höchsten.

Beachte: immer „am“ vor dem Superlativ und nicht deklinieren!

Ausnahme: Wenn ein Substantiv vor dem Superlativ stehen kann, darf es nicht verwendet werden, dann muss dekliniert werden!

  • Maria ist die klügste Schülerin.
  • Igor kennt die klügste Schülerin. Sie heißt Maria.
  • Igor ist der schnellste Läufer.
  • Maria liebt den schnellsten Läufer. Er heißt Igor. – hier wird das Akkusativ gebeugt.

Niemals die Formen mischen!

Falsch: Igor ist der am schnellsten Läufer.

Das gilt auch bei Vergleichen mit „als“, auch wenn ich das häufig höre.

Falsch: Maria ist klüger als wie Leon.

Bei Superlativen gibt es keine Steigerung mehr.

Falsch sind:

am optimalsten (obwohl das schon Einzug gehalten hat), am bestesten, die einzigsten, am falschesten, am richtigsten, …

Ich hoffe, der kleine Ausflug hat euch Spaß gemacht und ihr findet ihn informativ.

OMG Die Ostermitmachgeschichte

Bild von mir

Auf Instagram habe ich in der Osterwoche eine Mitmachgeschichte gestartet. Natürlich ging es um das Thema Ostern. Zahlreiche Leute haben sich mit ihren wundervollen Kommentaren daran beteiligt und die Geschichte zum Leben erweckt.

Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches DANKE an euch tollen Mitmenschen. Es hat wieder großen Spaß gemacht, die unterschiedliche Entwicklung zu erleben und wie jeder Beitrag Bezug auf den vorigen genommen hat.

Ihr könnt die gesamte und etwas korrigierte Geschichte hier als PDF herunterladen.

Die Bilder in der Ostermitmachgeschichte sind von Pixabay.