Wortbedeutungen, Verwendungen und Synonyme, Teil 5

Wie geht das mit den Anweisungen, Befehlen usw.?

Der Imperativ – die Befehlsform

Immer wieder lese ich den Imperativ falsch verwendet bzw. die Wörter falsch geschrieben, deshalb hab ich mir gedacht, ich mache ihn dieses Mal zum Thema.

Er wird nur in der direkten Rede angewendet und, wie der deutsche Name schon sagt, drückt er einen Befehl, eine Bitte, eine Warnung … mit wenigen Worten aus.

Beim Imperativ kommt es auch auf die Betonung und die Sprechgeschwindigkeit des Sprechers an. Laut und schnell gesprochen, gilt er als Befehl. Keiner wird eine Warnung ernst nehmen oder einen Befehl, der aus mehr als zwei Wörtern und lasch gesprochen wird.

  • „Es brennt“, flüsterte sie, um ihre Nachbarn zu warnen.
  • „Im Hausflur ist Feuer ausgebrochen, es ist notwendig, dass wir alle die Wohnungen verlassen. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.“

Beide Beispiele sind furchtbar lächerlich für eine Warnung vor einem Brand. Die Erste hört niemand, bei der Zweiten ist man an Rauchvergiftung gestorben, bis der Sprecher fertig ist. Manchmal ist es also wichtig, kurz und bündig, schnell und laut zu sprechen.

Wir alle kennen Kommandosätze, wie

  • Gib Gas!
  • Steig ein!
  • Gib her!

und die Gebrauchsanleitungen …

  • Heizen Sie den Ofen auf 180 Grad vor.
  • Putzen Sie das Gemüse und schneiden es in kleine Würfel.
  • Trennen Sie fünf Eier.

Ein oder zwei Wörter und der Angesprochene weiß, was er tun soll.

Damit werden auch noch Apelle gemacht (Stoppt den Klimawandel!), Bitten (Reich mir doch bitte die Butter.), Ratschläge (Nimm den Regenschirm mit. Hör auf zu rauchen.), Verbote (Betreten verboten!), Ermahnungen/Warnungen (Stopp! Durchfahrt verboten! Geht ins Bett, sonst gibt’s Ärger.)

Wie wird er jetzt gebildet? Darin liegt meiner Meinung nach die größte Schwierigkeit, wie mir beim Lesen immer wieder auffällt.

Beim Imperativ steht das Verb immer an 1. Stelle.

Ein Subjekt gibt es nur in der Höflichkeitsform und bei wir.

Trennbare Verben werden auch im Imperativ getrennt.

aufgebenGib endlich auf!
aufräumenRäumt jetzt euer Zimmer auf!
abholenHol deinen kleinen Bruder vom Kindergarten ab!
loslassenLass das Seil los!

2. Person Singular (Du)

Der Imperativ wird durch Entfernung der Endung -en gebildet. In der gehobenen Sprache hängt man oft noch ein e dran.

  • Schließ(e) die Tür.
  • Lauf(e) zum Ziel.
  • Fahr(e) zur Tankstelle.

Zu beachten sind einige Besonderheiten!

Die Stammvokaländerung von e zu i/ie gilt auch für den Imperativ; in diesem Fall verwendet man nie das Imperativ e.

Beispiel:

Lies! (lesen – ich lese, du liest) nicht: Liese! oder Lese!

Gib mir das Buch! (geben – ich gebe, du gibst) – nicht: Gebe mir das Buch!

Die Stammvokaländerung von a zu ä gilt nicht für den Imperativ.

Beispiel:

  • Fahr! (aber: ich fahre, du fährst)

Endet der Präsensstamm auf d/t, hängt man immer e an.

Beispiel:

  • Warte! nicht: Wart!

Endet der Präsensstamm auf Konsonant + m/n, hängt man immer e an. Dies gilt nicht, wenn dieser Konsonant ein m, n, l, r oder h (aber nicht ch) ist. Klingt kompliziert, ist es in der Theorie auch, in der Praxis ist es einfacher.

Beispiel:

  • Atme!
  • Zeichne!
  • aber: Schwimm(e)!
  • Komm!
  • Lern!

Endet das Verb auf eln/ern, hängt man ein e an. In der Umgangssprache wird es häufig weggelassen. Auch das e von eln/ern kann wegfallen.

Beispiel:

  • Feiere!/Feire!/Feier!
  • Angele!/Angle!/Angel!

2. Person Plural (ihr)

Der Imperativ für ihr ist die finite Verbform der 2. Person Plural, aber ohne das Pronomen.

Beispiel:

  • Geht!
  • Seid ehrlich!
  • Bleibt stehen!
  • Lest!
  • Schaut her!
  • Steigt ein!
  • Fahrt endlich!
  • Haut ab!
  • Haltet die Klappe!

1./3. Person Plural (wir/Sie)

Den Imperativ für Sie/wir bildet man mit dem Verb im Infinitiv + Sie/wir. Beim Verb sein fügt man zusätzlich ein e ein. An den Beispielen sieht man, dass das Subjekt in diesem Fall nötig ist, weil man den Imperativ sonst nicht vom Stammverb unterscheiden kann.

Beispiel:

  • Gehen Sie!
  • Seien Sie ehrlich!
  • Gehen wir!
  • Seien wir ehrlich!
  • Kommen Sie!
  • Lesen Sie!
  • Lesen wir.
  • Steigen Sie ein!
  • Steigen wir ein.
  • Fahren Sie!
  • Fahren wir!
  • Lassen Sie los!
  • Lassen wir los!
  • Haben Sie Erbarmen!
  • Habt Erbarmen!
  • Seien Sie nett!
  • Seien wir nett!
  • Werden Sie Mitglied!
  • Werden wir Mitglied!

Wer genau aufgepasst hat, dem wird auffallen, dass die irregulären Verben im Imperativ auch anders geschrieben werden. (Sein, haben, werden).

Infinitiv1. Person Plural (wir)3. Person Plural (sie)2. Person Plural (ihr)
seinSeien wir nett!Seien Sie nett!Seid nett!
habenHaben wir Erbarmen!Haben Sie Erbarmen!Habt Erbarmen!
werdenWerden wir Mitglied!Werden Sie Mitglied!Werdet Mitglied!

Es gibt auch Alternativen zum Imperativ

ErsatzformenBeispiele
InfinitivZimmer aufräumen!
Herd vorheizen!
Zähne putzen!
Nägel schneiden!
NomenHilfe!
Geld oder Leben!
Ruhe!
Abfahrt!
Achtung!
Partizip IIRauchen verboten!
Füttern verboten!
Durchgang verboten!
PassivJetzt wird gegessen!
Vor dem Rausgehen werden die Hausübungen gemacht.
Vorher wird das Eiklar zu Schnee geschlagen.
Jetzt wird ins Bett gegangen.

Für alle, die Spaß haben, das zu üben, habe hier noch Dateien (docx und PDF) zum Herunterladen. Natürlich gebe ich die Lösungen dazu.

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