Archiv für den Monat September 2021

Show don’t tell – Neu und doch nicht neu

In vielen Schreibratgebern, auf Internetseiten und Kursen wird es gepredigt und als völlig moderne und auf den Film bezogene Art des Schreibens dargestellt, um die Leser mitzureißen. Deshalb verwenden die meisten von uns auch die englische Bezeichnung dafür. Kaum jemand sagt: Zeig es und erzähl es nicht. Meistens aus dem einfachen Grund, weil das Wort Erzählen so viel mehr bedeutet, als nur Fakten zu nennen.

Bereits in der Antike, war das ausführliche, ausschmückende Beschreiben, Umschreiben, Erzählen einer Handlung ein wichtiger Aspekt der Rhetorik. Wer einen Mordfall vor Gericht behandelte, beschrieb alles in den detailreichsten und blühendsten Farben, um die nötigen Gefühle bei den Zuhörern zu erzeugen und auch den Tathergang und den Tatort den Leuten näher zu bringen. Es gab ja keine Bilder davon. Das beschränkte sich aber nicht nur auf Mordfälle, sondern auf alle Reden, bei denen das Gefühl angesprochen werden musste.

So ist es auch heute noch.

Wir Schriftsteller und Schriftstellerinnen wollen die Leser/Leserinnen bei ihren Emotionen packen, sie mitnehmen in die Welt, die wir erschaffen haben. Sie sollen die Handlung mit möglichst allen Sinnen erleben, die wir mit dem geschriebenen Wort erreichen können.

Dabei meine ich nicht, jedes kleinste Detail zu erwähnen. Das wiederholte Zurückstreichen einer Haarsträhne wird ermüdend ebenso die zehnte Erwähnung eines holprigen Gangs. Beides ist übrigens auch nicht zwingend das berühmte Show.

Hier einige Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich meine: (Ich hab wirklich ein Problem damit, mich so auszudrücken, dass es keine Beispiele braucht.)

Beispiel 1a – nur die Fakten:

Die Schlacht war vorbei. Sie hatten verloren. Mit letzter Kraft stand er aufrecht und schaute dem Feind entgegen.

Beispiel 1b – mit mehr Details und ich nutze eine bildhafte Sprache:

Über dem Schlachtfeld wehte der Gestank des Todes. Pulverrauch und Asche hingen in der Luft. Vereinzelt drangen die Schreie der Verletzten und Sterbenden an sein Ohr, vermischt mit dem Ruf zum Festmahl der Raben. Das Katapult lag in Trümmern, das Vermächtnis einer einstigen militärischen Macht. Jetzt war es das Zeugnis des Versagens, ihres Versagens. Die Hufe des gegnerischen Heeres trommelten über das Schlachtfeld, zertrampelten die noch Lebenden und auch die Toten, zum Hohn der Besiegten. Die Augen brannten ihm, ebenso das Herz, das das Blut aus seinen Wunden pumpte und damit die heimatliche Erde tränkte.

So, die Schlacht ist immer noch verloren, aber wir haben jetzt ein Bild und ein wenig Gefühl dazu. Beide Beispiele haben die gleichen Fakten, aber 1b zeigt dem Leser mehr und lässt ihn die Niederlage viel näher erleben.

Beispiel 2a – nur die Fakten:

Sie ist müde, weil sie Überstunden machen muss.

Beispiel 2b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Sie gähnt herzhaft und geräuschvoll. Etwas mehr Schlaf täte ihr gut, aber sie hat keine Zeit dazu. Schon wieder hat ihr der Chef, dem zugegebenermaßen keiner eine Bitte abschlagen kann, Überstunden aufgebrummt. Wenn er nur nicht so toll aussehen würde! Sie seufzt verträumt. Ein weiteres Gähnen schließt sich dem an. Entschlossen versucht sie, sich die Müdigkeit aus den Augen zu reiben, steht auf und holt sich eine Tasse Kaffee. Die Arbeit muss fertig werden.

Zugegeben, es ist jetzt nicht das beste Beispiel, Schlachten liegen mir mehr, aber an diesem Beispiel sieht man deutlich, dass man mit persönlichen Einblicken der Protagonisten und ihren Gedanken viel mehr erreichen kann und zudem habe ich hier noch eingebaut, warum sie die Überstunden macht. Der Chef muss ja ein richtiger Sunnyboy sein (sagt man das heute noch so? Keine Ahnung.)

Beispiel 3a – nur die Fakten:

Er hatte Angst. Da war schon wieder dieses Geräusch. Er blieb stehen und horchte in die Dunkelheit, die ihn umgab.

Beispiel 3b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Er verspürte den Drang, davon zu laufen, sich zu verkriechen, aber er stand noch immer da wie festgewachsen. Eiskalte Finger schienen über seinen Rücken zu streichen und verursachten ihm eine Gänsehaut. Da war dieses Pochen wieder! Es war so tief, dass es im Boden vibrierte. Er duckte sich an die Wand, presste sich dagegen, doch auch das brachte keine Erleichterung. Die Schwingungen des dunklen Hämmerns drangen durch den Boden in seine Fußsohlen und zogen sich hoch bis in seinen Kopf. Woher kam das? Was war das? Leise stöhnte er, legte aber rasch eine Hand über seinen Mund, damit er das nicht wieder tat. Er musste still sein, völlig ruhig, sonst hörte es ihn. Dann zwang er sich vorwärts. Jeder Schritt fiel ihm schwer, als würde ihn etwas zurückhalten. Er starrte in die Dunkelheit, versuchte, wie eine Eule zu sehen, aber nichts als Schwärze bohrte sich in seinen Sehnerv.

Ohhhhkay … Es ist ja nur ein Beispiel und ich bin manchmal etwas detailverliebt. Aber ich denke, das zeigt schon deutlich, was ich meine.

Beispiel 4a

Der Hyperantrieb gab dem Schiff genug Schub, um es auf ein Vielfaches seiner derzeitigen Geschwindigkeit zu beschleunigen. Sterne waren nur noch als weiße Streifen zu erkennen.

Beispiel 4b

Sie gab den Befehl zum Sprung. Im Maschinenraum ging der Hyperraumantrieb online, das entsprechende Licht leuchtete auf ihrer Konsole auf. In Gedanken zählte sie von drei herab, dann veränderte sich das Bild auf dem Panoramafenster. Wo vorher noch starr und stationär wirkende Sterne zu sehen gewesen waren, zeigten sich jetzt weiße Bänder, zwischen denen sie dahinsausten. Obwohl sie bereits seit einer gefühlten Ewigkeit in der Raumflotte diente, war es für sie immer noch wie ein Wunder.

Erklärungen lassen sich oft durch etwas Show spannender und interessanter gestalten, werden dadurch aber länger.

Allerdings ist Show nicht immer und für alles das Richtige. Auf die Dosis kommt es an und die gute Mischung. Es gibt Szenen, die leben davon, andere sollten sich auf eine knappe Erzählweise beschränken. Das ist gut, wenn man über Belanglosigkeiten und oder längere Abläufe schreibt, Landschaften beschreibt oder einfach nur einen Zeitsprung einleitet.

Zum Beispiel:

Ihre Morgenroutine war schnell erledigt: Zähneputzen, Duschen, danach eine Tasse Tee und schon schwang sie sich auf ihr Fahrrad, um zur Arbeit zu fahren. Sie hatte zwar ein Auto, doch nutzte sie es selten, weil sie so gleichzeitig etwas für ihren Körper tat.

Oder

Schnell rief er noch bei seinem besten Kumpel an und sagte das Treffen für den morgigen Tag ab. Es gab Wichtigeres, als mit Sam zu zocken.

Am Fenster zogen die Bäume der breiten Allee vorbei, sanfte Hügel waren im Hintergrund zu erkennen. Alles sah aus, als hätte jemand mit Puderzucker die Landschaft bestreut. Schnurgerade zog sich die Straße entlang, die in der Ferne zu einem kleinen Punkt wurde und kein Ende zu nehmen schien.

Metaphern und Vergleiche helfen immer, ein Bild im Leser zu erzeugen. Aber man muss aufpassen, denn ein Zuviel wird schnell langweilig. Dazu ist es bei beiden wichtig, auf die Verständlichkeit zu achten. Zu „bunte“ Metaphern oder schlechte Vergleiche machen den Text nicht schöner, sondern im besten Fall unverständlich.

Auf die Mischung kommt es an.

Will ich Spannung und verschiedene Emotionen transportieren, dann ist Zeigen/Fühlen die bessere Wahl.

Eine Anmerkung zum Schluss. Dieser Beitrag ist meine Meinung zu dem Thema und kein Ratgeber.

Reden wir – Dialoge in Romanen

Heute möchte ich wieder einmal etwas Schreibtheorie in den Blog packen. Wie der Titel schon sagt, geht es um Dialoge.

Wie schreibt man sie?
Worauf muss man achten?

Zeichnung ich

Zuerst einmal möchte ich mich dem Formalen zuwenden, dem Redebegleitsatz und den Satzzeichen. Ich mache das anhand von Beispielen. Redebegleitsätze können vor der wörtlichen Rede, dazwischen oder danach stehen. Das sind Wörter wie: sagen, fragen, antworten und die dazugehörenden Synonyme oder auch Verben, die bereits etwas über die Lautstärke des Gesagten aussagen (brüllen, flüstern, …). Falsch sind: grinsen, lachen, seufzen und andere, die nichts mit Reden zu tun haben. In den Beispielen sieht man besser, was ich meine.

Welches Anführungszeichen man verwendet, ist Geschmackssache, aber es muss im gesamten Text immer gleich gemacht werden.

Richtig:

Kann man den Satz mit einem Punkt beenden, wird der ausgelassen, die Rede mit dem Anführungszeichen geschlossen und danach ein Komma gesetzt.

„Lass uns doch heute einmal zuhause bleiben“, sagte Erin und gähnte dabei herzhaft. (In diesem Beispiel sagt der Beisatz gleich aus, dass Erin müde ist.)

Bei Ruf- oder Fragezeichen wird das betreffende Zeichen gesetzt, danach die Rede geschlossen und anschließend ein Komma gesetzt.

„Warum willst du schon wieder ausgehen?“, fragte Erin und rollte genervt mit den Augen. (Hier erfahren wir, dass Erin genervt ist und etwas nicht versteht.)

Bei der Redeeinleitung steht vor der wörtlichen Rede immer ein Doppelpunkt.

Erin sagte: „Ich möchte heute zuhause bleiben.“

Erin fragte: „Warum willst du schon wieder ausgehen?“

Teilt man die Rede durch einen Beisatz, wird das folgendermaßen gemacht:

„Ich möchte heute zuhause bleiben“, sagte Erin und gähnte dabei herzhaft. „Lass uns lieber vor dem Fernseher eine Pizza essen.“

oder

„Wir müssen nicht jeden Abend ausgehen“, jammerte Erin, „das wird auch schon langweilig.“

Falsch:

„Lass uns doch heute einmal zuhause bleiben“, gähnte Erin. (Man kann nicht gähnen und reden gleichzeitig.) Besser ist es: „Lass uns doch heute einmal zuhause bleiben.“ Erin gähnte herzhaft.

„Lass uns doch heute einmal zuhause bleiben.“, sagte Erin gähnend.

Immer aufpassen bei der Zeichensetzung und der Wahl des Begleittextes.

Man kann auch die Lautstärke oder andere Merkmale in den Begleittext einbauen, wie flüstern oder brüllen. Allerdings wirkt es befremdlich, wenn das in der Aussage verdoppelt wird, wie z. B leise flüstern oder laut brüllen. Diese Verdoppelung kann man sich sparen und die Leute entweder flüstern oder brüllen lassen.

Warum sind Dialoge in belletristischen Werken wichtig?

Sie hauchen den Figuren Leben ein. Man kann ihnen einen Sprachfehler geben, einen Dialekt oder andere spezifische Merkmale. Dabei sollte man aber darauf achten, dass man den Bogen nicht überspannt und es auch für den Leser noch lesbar und interessant bleibt.

Mittels wörtlicher Rede lassen sich die Figuren gut charakterisieren. Der schüchterne Typ von nebenan, wird bestimmt nicht leutselig und laut redend auf jemanden zugehen. Das wäre sehr eigenartig für ihn. So wie schüchterne Zurückhaltung die Partyqueen unglaubhaft erscheinen lässt.

Zeichnung ich

Allerdings können sich die Figuren in bestimmten Situationen anders verhalten und damit auch anders sprechen. Der wortgewandte Frauenheld wird plötzlich schweigsam, weil ihm Mrs. Right über den Weg gelaufen ist. Der Abteilungsleiter, der sonst ständig herumnörgelt und das Maul aufreißt, wird dem Vorgesetzten gegenüber plötzlich lammfromm. Das geht auch in weiblicher Form. Oder jemand, der sonst immer mit lauter Stimme spricht und sich in den Vordergrund drängelt, wird bei einer Trauerfeier leise und hält sich im Hintergrund. – Hier kann man mit der Situation spielen, aber man muss authentisch beim Charakter bleiben und das auch darstellen.

Was auch wichtig für die Figurensprache ist, sind das Alter, der Bildungsstand und das Milieu.

Ein zehnjähriges Kind spricht anders als ein Erwachsener mit akademischer Ausbildung und gehobenem Milieu. Wogegen der Erwachsene mit akademischer Ausbildung, der sich aus der Unterschicht emporgewurschtelt hat, auch noch die Sprache aus seiner Urpsungsschicht verwenden kann, wenn er es denn möchte.

Einem alten Menschen die Sprachgewohnheiten eines Jugendlichen zu verpassen ist auch etwas naja, es kommt komisch.

„Ey, Alter, was geht?“

„Nix. Lass mich, du bist anstrengend AF.“

„Du bist so lost, Bruh.“

Verpiss dich.“

Das wäre lustig, wenn sich zwei 90jährige so unterhalten würden. Besser ist es, man verpasst die aktuelle Sprache der Jugend der Jugend. (Ich gebe es zu, ich bin aktuell nicht uptodate, aber ich schreibe auch nicht für Jugendliche.)

Guten Abend, Bernd. Wie wäre es mit einer Partie Schach heute Abend?“

„Dir auch einen schönen Abend, Ludwig. Am besten ist es, wenn wir uns im Clubraum treffen. Dort haben wir Ruhe.“

„Ich bringe das Brett. Wir sehen uns dort.“

Und noch zwei andere Herren, die sich unterhalten.

„N’Abend, Bernd. Heute Abend Kartenspielen? Wo?“

„Hm … Grüß dich, Wickerl. Setz ma uns in Clubraum zum Karteln, da ist es ruhiger.“

„Klar. Du die Karten, ich das Bier.“

„Jo, owa vasteckt.“

Die Beispiele sind jetzt nicht der Oberknaller, aber sie sollen nur verdeutlichen, wie man mit der Sprache andere Atmosphären und Typen schaffen kann. Die Jugendlichen sind kurz und knapp, eher der Telegrammstil, wohingegen die beiden aus dem 2. Beispiel der gehobenen Bildungsschicht angehören und die letzten könnte man der Arbeiterklasse zusprechen oder auch einer ländlichen Gegend, wo auch Mundart gesprochen wird. Könnte man! Pauschalisieren ist auch nicht gut, aber es sind nur überspitzte Beispiele.

In Dialogen kann man Spannung erzeugen und Informationen weitergeben und viel Show in die Geschichte packen. Ich möchte das anhand eines Beispiels zeigen.

Leise tickte die Uhr im Hintergrund. Vom Schreibtisch war nur das Kratzen der Feder über das Papier zu hören.

„Fräulein Elisa!“ Das Gebrüll ihrer Chefin erschreckte die Schreiberin dermaßen, dass sie beinahe die gesamte Abschrift versaut hätte. Rasch legte sie die Feder zur Seite und ging ins Allerheiligste, das Chefbüro. Dort saß der alte Habicht und wachte über sein Reich.

„Ja bitte, gnädige Frau.“ Elisa hasste sich für den unterwürfigen Ton, den sie anschlug. Am liebsten würde sie der Alten sagen, dass es genug für heute war.

„Haben Sie die Unterlagen in der Sache Minlar gegen Minlar bereitgelegt?“, fragte die Chefin. Elisa hatte das Gefühl, als würden sich die gelben Augen der Chefin in sie bohren und ihr jeden Willen aussaugen.

„Ähm … Ich bin noch nicht dazu gekommen, weil …“, stotterte sie.

„Was? Das geht so nicht, Fräulein Elisa! Sie müssen sich konzentrieren und schneller arbeiten! Ich brauche diese Unterlagen! Wenn ich das gesamte Dossier nicht innerhalb von fünf Minuten auf dem Tisch habe, dann hat das Konsequenzen für Sie!“

In Elisa brodelte der Zorn hoch über diese ungerechte Behandlung.

„Ich sollte doch zuerst die Abschrift Deessra erledigen und anschließend die Lebenslüge Offenler suchen, um sie morgen für die Presse zurecht zu legen! Seit heute Früh arbeite ich ununterbrochen und wissen Sie was, ich habe Ihre Launen satt! Ich kündige!“ Hatte sie das wirklich gesagt? Ihr Herz schlug bis zum Hals. Gelächter unterbrach ihre Gedanken und sie verharrte wieder wie eine Maus im Angesicht des Habichts.

„Sehr schön, Fräulein Elisa. Das erspart mir Arbeit. Gehen Sie. Und merken Sie sich eines, ich vergesse nie etwas.“

Anhand des Dialogs erfährt man, dass Elisa schon sehr lange arbeitet und eigentlich in ihre wohlverdiente Freizeit möchte, vielleicht auch nur ins Bett und schlafen. Wir erfahren auch, dass die Chefin alles auf einmal möchte und sich alles merkt. Was offen bleibt ist die letzte Aussage der Chefin, das wäre in dem Fall eine Art Cliffhanger.

Dialoge können sich aber auch um andere Alltagsdinge drehen.

„Hallo, Jan! Schön, dass du dich auch mal meldest. Hast du die Kinder ins Bett gebracht?“ Er hörte deutlich ihr genervtes Schnauben aus dem Telefon und reagierte deshalb kurz angebunden. „Ja, hab ich.“ Die Fragerei ging weiter. An manchen Tagen konnte er seine Frau nicht leiden.

„Hast du den Müll rausgebracht?“ Jetzt mochte er sie noch weniger.

„Was wird das jetzt, ein Verhör?“

„Ja, hast du oder hast du nicht?“ Ihre Stimme klang bereits aggressiv.

Was? Den Müll rausgebracht? Mach ich morgen.“

„Wie kannst du nur? Nach allem, was du mir angetan hast, versaust du auch noch meine Küche! Weißt du was, ich fahre gleich nachhause, meine Mutter versteht das schon. Am Ende finde ich dich mit so einer Schnalle im Bett.“

„Bea! Es reicht! Ich trage den verdammten Müll morgen raus und hier ist keine andere Schnalle.“

„Das sagen die Männer immer! Ich weiß genau, dass du ein Verhältnis mit der Nachbarin hast!“

Bea, Bea, hör zu, wenn es dir besser geht, trage ich den Müll gleich hinaus, aber setz dich nicht nachts bei dem Unwetter ins Auto.“

„Du zwingst mich doch dazu.“

Warum noch einmal hatte er sie geheiratet? Jan seufzte ergeben.

Gut, komm nachhause und ich trage den Müll raus. Zufrieden? Aber mir wäre es lieber, wenn du erst morgen fährst. Hör nur, wie der Sturm tobt.“

„Ich bin in drei Stunden da.“

Hier erfahren wir so einiges aus dem Dialog. Jan hat die Kinder ins Bett gebracht und sich um den Haushalt gekümmert. Bea ist bei ihrer Mutter und eifersüchtig. Es ist Nacht und das Wetter sehr unfreundlich. In diesem Beispiel haben wir einen Konflikt und einen Subtext, der Bea einreden soll, dass sie sich ins Auto setzt, was sie dann auch macht, bzw. Bea redet sich Dinge ein, die gar nicht da sind.

Subtexte sind auch bei Krimis gut, wenn jemand verhört wird und die Person, die das Verhör führt, dem Befragten durch die Fragestellung suggeriert, er wäre verdächtig, z. B. eine Frage nach dem Alibi kann so etwas auslösen. Das Gegenüber geht sofort in die Defensive.

Dialoge, die die Handlung nicht vorantreiben, können gestrichen und durch kurze Erklärungen ersetzt werden. Wenig sinnreich für die Handlung sind Alltagsgespräche über Einkäufe, Terminabsprachen – eben alles, das die Handlung in den Hintergrund schiebt.

„Wollen wir uns später noch treffen?“

„Mal schauen. Ich hab in drei Stunden Zeit für dich. Passt das?“

„Hm, das ist mir schon fast zu spät, da sollte ich bereits auf dem Weg nachhause sein.“

„Mist, da bleibt keine Zeit mehr. In zwei Stunden könnte ich es eventuell schaffen.“

„Na, ich weiß nicht, ist auch noch etwas knapp. Geht’s nicht gleich.“

„Leider nicht, ich bin noch in der Arbeit.“

„Gut, dann morgen vor der Arbeit?“

„Das könnte passen. Also, bis morgen.“

„Bis morgen.“ Enttäuscht beendete sie das Gespräch und wandte sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zu.

Ehrlich? Abgesehen davon, dass der Dialog schwach ist, bringt er auch keinen Sinn. Man kann ihn gedankenlos streichen und ersetzen.

Sie rief bei ihrer besten Freundin an. Für ihr Gefühl dauerte es viel zu lang, bis sie sich meldete und dann zierte sie sich noch so mit dem Treffen. Morgen früh aber, dann würden sie sich sehen.

Was in Dialogen auch nicht so gut kommt, wenn man zu viele Informationen darin verpackt, manchmal sogar das Offensichtliche. Bei den Charakteren gilt das gleiche, wie im täglichen Leben: Manchmal ist es besser, die Klappe zu halten.

Ich gebe euch mal ein Beispiel.

„Schau mal, ich hab hier eine geheime Botschaft gefunden. Wenn du sie über das Feuer hältst, kannst du sie lesen.“

„Das ist ja interessant. Ja, hier, das ist sogar in einer lesbaren Sprache geschrieben.“

„Richtig.“

„Geh über die unsichtbare Brücke, indem du Sand ausstreust, steht da.“

„So kommen wir über den supertiefen Abgrund.“

Ehrlich? Das ist alles andere als spannend. Bei so einem Dialog fühle ich mich wie in einem RPG, das einem an die Hand nimmt und durch einen übereifrigen NPC jeden noch so kleinen Schritt erklärt. Spannend ist etwas anderes.

Bei dem Beispiel von eben, ist es besser, keinen Dialog zu führen, sondern die beiden Protagonisten beim Suchen eines Auswegs zu zeigen.

Bestimmt wissen andere noch sehr viel mehr zu Dialogen zu sagen, wahrscheinlich noch tiefgründigere und mit mehr Theorie gewürzte Informationen. Ich bin Praktikerin, deshalb erkläre ich anhand von Beispielen, was ich meine.

Und was beim Schreiben ohnehin am besten ist:

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER!