Prolog und Epilog – Sinn oder Unsinn?

Heute geht es um 2 Bestandteile eines Romans, die nicht zwingend nötig sind, aber einen Rahmen bzw. einen schönen Weg hinein und auch wieder hinaus bilden können.

Bild Pixabay

PROLOG

Ein Prolog ist nichts anderes als ein Vorwort, mit dem man einige Dinge vorab erklären kann, ohne gleich massiv in die Geschichte einzutauchen.

Aber! Vorsicht vor zu viel Informationen! Im Zweifel würde ich auf den Prolog verzichten. Eine Geschichte wird nicht zwingend besser, wenn man ihr einen Prolog voran setzt.

Man muss verdammt aufpassen, dass man nicht zu viel erklärt. Die Leser finden auch so die Informationen im Text, die sie brauchen, um der Geschichte folgen zu können.

Ein Prolog muss das Interesse wecken, wie jeder gute Anfang.

Exposition, wenn es für die Stimmung/Handlung/emotionale Bindung nötig ist – aber keinen Infodump. Hier besteht die Schwierigkeit, es nicht zu übertreiben oder in den Kitsch abzudriften.

Schau da genau hin, ob es für die Geschichte wichtig und relevant ist. Erklärt er etwas Folgendes oder steht es nur da, weil es nett ist und „man eben Prologe schreibt“? Wenn die Frage mit Ja beantwortet werden kann, dann raus mit dem Prolog und munter mit dem 1. Kapitel beginnen.

Der Prolog ist sinnvoll, wenn man eine Welt erklärt, manchmal auch Mythen, die wichtig sind oder auch Szene aus der Vergangenheit, die später irgendwie eine Rolle spielen.

Man kann auch bereits Suspense aufbauen und etwas erwähnen, was später eintritt und die Romanfiguren noch gar nicht wissen können. Da braut sich ein Übel im Prolog zusammen und im 1. Kapitel ist alles nett und friedlich, die Protagonisten erfreuen sich ihres Lebens – das erzeugt beim Leser Spannung. Alfred Hitchcock hat das so klasse eingesetzt, das ich mir diese Filme immer noch gern anschaue und mit den Figuren mitfiebere. Der Leser weiß in dem Fall schon mehr als der Protagonist und hat damit Grund, mitzufiebern – dann müssen nur die Figuren so plastisch und lebensecht geschrieben werden, dass man auch Angst um sie bekommt und weiterlesen möchte.

Ich verzichte meistens auf Prologe, weil die Gefahr vom Infodump für mich zu groß ist, außerdem finde ich die meisten langweilig und nichtssagend, also die, die ich bislang gelesen habe, weshalb ich sie oft auslasse oder das Buch gar nicht erst lese bzw. kaufe.

Warum habe ich mich beim neuen Roman dazu entschlossen?

Ich führe eine neue Fraktion ein, eine neue Welt und die Figur, die darin Erwähnung findet bzw. vorgestellt wird und aus deren Sicht ich den geschrieben habe, kommt in der Folge nicht mehr vor, er wird nur noch erwähnt. Aber man sieht durch den Prolog, wie diese Fraktion arbeitet, was ihr wichtig ist und man lernt gleichzeitig einen der Planeten der Allianz der vereinten Planeten bzw. der Vereinten Planeten kennen. Dazu erleichterte es das Verständnis, warum ein späterer Protagonist diese Fraktion so vehement ablehnt.

Im Epilog führe ich den Leser noch einmal zurück an diesen Ort aus anderer Perspektive und schließe den letzten offenen Punkt. Doch dazu kommen wir etwas später.

Zusammenfassung Prolog:

  • Kurz halten
  • Kein Infodump
  • Vorstellung der Welt bzw. des Settings
  • Er soll neugierig auf den Rest des Romans machen
  • Eventuell bereits Spannung aufbauen

Was spricht für einen Prolog?

  • Man kann bereits das Setting und Charaktere vorstellen
  • Die Vorgeschichte erzählen, ohne später eine Rückblende einbauen zu müssen

Was spricht dagegen?

  • Wenn der Autor überlegt, welchen Prolog er schreiben soll bzw. wie oder was – das ist nicht gut und tut nichts für die Geschichte
  • Wenn man im Prolog die Figuren und die Geschichte bereits erklärt – das geht auch im Roman sehr gut.
  • Wenn man ihn als Vorwort wie in einem Sachbuch missbraucht.
  • Wenn man meint, man müsse unbedingt einen Prolog schreiben, weil …

Auch beim Prolog gilt: SHOW DON’T TELL!

Kommen wir jetzt zum

EPILOG

Im Epilog wird klassisch noch einmal alles mehr oder weniger zusammengefasst – zumindest im antiken Theater, im Film ist es der Abspann (da werden die Beteiligten zusammengefasst) – im Roman kann man hier noch die letzten losen Fäden schließen, ein Fazit oder eine Moral anbringen. Nötig ist ein Epilog nicht wirklich. In den meisten Fällen kann man sogar getrost darauf verzichten. In meinem neuen Roman habe ich einen geschrieben, um wieder an den Prolog vom Anfang anzuschließen. Es ist auch ein kurzer Zeitsprung erfolgt. In dem Historienroman „Ludus vitae“ (ein Roman von mir) habe ich auch ein Schlusswort, hier schließe ich die Entwicklung der Hauptfigur ab und weise auf die Zukunft hin. Das ist aber auch alles.

Wie beim Prolog würde ich den Epilog so kurz wie möglich halten, keine großartigen Dinge mehr anstellen und vorher schon überlegen, ob man das nicht besser alles in einem Kapitel unterbringt.

Wer krampfhaft Logiklücken kitten und andere fehlende Informationen im Epilog unterbringen möchte bzw. muss, schießt sich selbst ins Knie. Ein Epilog kann zwar einen lohnenden Abschluss bilden, aber nichts retten, wenn man im Text auf etwas vergessen hat. Lieber im Manuskript noch was ändern und auf den Epilog verzichten – das ist aber nur meine Meinung. Im Zweifel fragt die Lektoren eures Vertrauens.

Auf jeden Fall ist der Schluss etwas, das dem Leser im Gedächtnis bleibt (hoffentlich). Der Schluss soll den Leser aus der Geschichte führen, ihn rausbegleiten und ihm Lebewohl wünschen. Manchmal bedarf es noch eines kleinen Abschiedstrunks an der Tür, der sich aber wirklich nur auf einen Kurzen beschränken soll. Meistens reicht ein knappes: „Und tschüss“ mit dem letzten Kapitel aus.

Was ist beim Epilog wichtig?

  • Der Spannungsbogen ist bereits im letzten Kapitel abgeschlossen worden.
  • Zeigen einer sich anbietenden neuen Zukunft oder so in der Art.
  • Nebenschauplätze final beenden (muss man nicht, kann man machen).
  • Kurz halten
  • Wenn ein Prolog vorhanden ist, an den eventuell anknüpfen, dann hat man ein schönes rundes Bild.
  • Im Zweifel, den Epilog weglassen – aus den gleichen Gründen wie beim Prolog

Ein Prolog bedingt keinen Epilog und beides ist kein MUSS, um einen guten Roman zu schreiben. Im Gegenteil.

Das war es jetzt auch schon wieder.

Zum Nachhören gibt es diesen Beitrag auch hier:

Viel Spaß beim Geschichtenschreiben.

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