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Intergalaktisches Zwischenspiel

Weltenbau des aktuellen Projekts

In diesem Beitrag möchte ich euch die Welten meines Science-Fiction-Krimis „Der letzte Salamander“ etwas näher bringen.

Nachdem mir klar war, welche Fraktionen ich in dieser Geschichte haben möchte, habe ich mich an die Planung der Umwelt gemacht – also ganz grob das Universum gestaltet.

Fraktionen

  • Politische Gruppe 1 (Umweltschutzfanatiker)
  • Politische Gruppe 2 (demokratische Vereinigung verschiedener Planeten, starker Individualismus und Kapitalismus)
  • Handelsgilde
  • Gläubige (spielen keine zentrale Rolle in dieser Geschichte

Bei der Entwicklung der Fraktionen habe ich darauf geachtet, dass besonders die politischen Gruppierungen einen krassen Gegensatz darstellen. Die Gläubigen und die Händler stellen in dieser Geschichte eher ein Beiwerk dar, allerdings sind die Finger der Handelsgilde lang.

Planeten

Zu einem ganzen Universum gehören auch Planeten, Monde – ganze Sonnensysteme. Ich habe versucht, das zu zeichnen, aber das war einfach nur zu lustig, was da herausgekommen ist. Wer ein entsprechendes Computerprogramm hat, kann sich beim Galaxienbau daran versuchen. Es ist bestimmt ein gutes Hilfsmittel.

Zur Verdeutlichung, wie ich das gemacht habe:

Bild von mir

Notizen über den Sektor, das Sonnensystem und anschließend ein paar Planeten. Das muss nicht übertrieben viel sein. Ich habe nur die Planeten genommen, wie wichtig sein könnten, ein paar Eckdaten dazu und natürlich sehr viel mehr über die Planeten, die gebraucht werden.

  • Uhuru
  • Dimtros
  • Syban
  • Edenium Prime
  • Ixilum Prime
  • VinaXym

Dazu habe ich zu jedem Planeten die Hauptorte notiert, die wichtigsten Ressourcen und welches Klima vorherrscht.

Als Beispiel nehme ich Uhuru her. Nicht jeden Planeten habe ich so gründlich beschrieben, einfach, weil ich das (noch) nicht brauche.

Zeichnung von mir, aus Weltenbauen Leitfaden für Fantasy und Sci-Fi-Autoren

Sektor: Oronat Ke’Lem

System: Kebanis

Uhuru – 3 Monde (lila Kes, orange Kela, weiß Oka)

Hauptstadt: Creson

Topografie:

1 großer Kontinent, mächtiger Gebirgszug im Süden, viele Gletscher, weiter nördlich mildes Klima mit Urwäldern. Ein großer Ozean zum Großteil mit Eis bedeckt.

Klima:

In den nördlichen Regionen kalte Winter und milde Sommer, sonst arktisch

Bodenschätze und Wirtschaft:

  • extensive Landwirtschaft und Fischerei
  • wenig Tourismus
  • extensive Forstwirtschaft
  • Neribium, Cath und Melenium; unter dem Meeresboden noch Brenngas und Unudin;  es werden kaum Bodenschätze abgebaut.
  • Wichtige Handelsgüter: Edelsteine und Kristalle

Lebensformen:

Menschen und Urwaldbewohner (Uhuru).

Interstellarer Handel:

nur wenige Güter werden importiert, der Planet versucht autark zu bleiben, besitzt aber Kolonien auf Dimtros und VinaXym.

Die Handelsgilde von Edenium Prime, Titum Van, hat ein ständiges Handelsverbot.

Kleinigkeiten:

  • 1 Jahr = 550 Tage; 11 Monate
  • 1 Monat = 50 Tage
  • 1 Woche = 9 Tage
  • abwechselnd hat ein Monat 5 Wochen, dann 6 Wochen.
  • Das Jahr 0 ist das Ankunftsjahr der Menschen auf Uhuru.
  • Aktuell: 1897

Politische Systeme

Natürlich habe ich mir auch dazu Gedanken gemacht. Darauf werde ich aber nicht zu genau einzugehen, weil ich die Geschichte nicht unbedingt verraten möchte.

Ich brauchte für beide Seiten ein machbares System und habe mir deshalb etwas überlegt, mit dem ich mich auskenne.

Wir haben einmal ein rigides Kastenwesen, das scheinbar auf dem Matriarchat beruht. Hierzu habe ich die Kasten notiert und wie das funktionieren kann. Gedankenspiele gehen immer. Was geblieben ist, habe ich mir aufgeschrieben, damit ich nachschlagen kann. Man vergisst ja so viel und es kommt wieder Neues dazu.

Einige wichtige Titel und Würdenträger dürfen in dieser Liste dann auch nicht fehlen.

Der zweite Part ist ein präsidiales, demokratisches System, nach dessen Gesetz alle Bürger die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dem Militär und vor allem der Raumfahrt habe ich einen hohen Stellenwert beigemessen. Diese Seite hat sehr viele Kolonien oder aus angeschlossene Planten bzw. ganze Systeme, die von Statthaltern verwaltet werden. Das Regierungsoberhaupt, wird alle paar Jahre gewählt. Hier bin ich weniger ins Detail gegangen, weil jeder Planet eine andere Jahreszählung hat und ich mich mit mir nicht auf eine Standardzeit einigen konnte. Wobei in der Raumfahrt eine Standardzeit vorherrscht, der Bordtag bzw. die Bordnacht.

Nebe dem Präsidenten/der Präsidentin gibt es ein präsidiales Parlament, das aus 500 Mitgliedern besteht und auch Senat genannt wird, und es gibt den planetaren Rat, bestehend aus 100 Mitgliedern von statthalterlich verwalteten Planeten. Daneben gibt es noch einzelne Regierungsverwaltungen auf den Kontinenten bzw. gewissen Unterwasserregionen.

Die Namen der Dinge und was es so an Technik gibt

Ja, auch das muss man bei einer eigenen Welt bedenken. Es soll ja nicht alles, wie auf der Erde heißen, schließlich kommt die in diesem Roman nicht vor.

Einige Beispiele:

  • Bynarpudding: sehr süße und überaus leckere Speise
  • Salzbäume: wachsen auf VinaXym in Nähe des rosa Ozeans; eine autochthone Pflanze, die es nirgends sonst gibt.
  • Funkelalgenbüsche: Meerespflanzen auf Syban, gelten als Delikatesse
  • Wiridol: Medikament, beruhigend, sedierend, mildert Krampfanfälle
  • Vocator: Lautsprecher in Helmsystemen

Und natürlich gibt es noch sehr, sehr viel mehr. Einige meiner Notizen sind nicht in den Roman eingeflossen, andere habe ich mir später noch ausgedacht.

Wer sich wundert, warum hier nichts über Religion steht, dem sei gesagt, dass Religion eine so kleine Nebenrolle spielt, dass sie kaum auffällt. Aber es gibt Religion, die in Form der Sternenweisen von Ixilum Prime auftreten und ihren Glauben predigen.

Das war es so weit zum Weltenbau des Uhuru-Universums. Ich hoffe, ihr hattet Spaß dabei. Erscheinen wird der Roman im September 2021

Wer noch mehr über den Weltenbau erfahren möchte und welche Gedanken ich dazu habe, den empfehle ich mein Buch:

Viel Spaß beim Lesen und beim Erstellen eigener Welten!

Der Buchsatz

Der Buchsatz ist etwas, mit dem sich jeder Selfpublisher früher oder später beschäftigen muss, wenn er keinen Profi engagieren möchte.

Ich bin selbst kein Profi, werde aber ein paar wichtige Dinge zusammenfassen, die ich im Laufe meines Autorenlebens gelernt und aufgeschnappt habe.

1. Korrekter Text!

Das Manuskript muss satzreif sein, das heißt, es muss frei von Fehlern sein, das beinhaltet Grammatik, Rechtschreibung, Stil, Absätze und Sonderzeichen. Es ist wichtig, sich vorher schon entschieden zu haben, welche Anführungszeichen man verwendet, die dann durchgängig im Manuskript verwendet werden.

2. Der Text muss von unnötigen Elementen befreit sein

das heißt, man entfernt unnötige Markierungen aus dem Manuskript. Am einfachsten ist es, wenn man die Formatierungszeichen einblendet, dann sieht man sie auf den ersten Blick. So erkennt man unnötige Absätze, Leerzeichen und anderes ganz einfach und kann sie löschen.

3. Wahl der Schriftart und Größe

Ich gehe jetzt von belletristischen Werken aus, weil ich darin mehr Erfahrung habe, lasse aber die technischen Details, wie Breite, Höhe usw. weg, damit kenne ich mich nicht aus.

verschiedene Schriftmuster zu unterschiedlichen Genres – und wie sie den Inhalt verändern können

Die Schrift sollte gut leserlich sein und zum Inhalt passen. Meistens wird eine Schriftgröße zwischen 8 und 10 Punkt genommen. Bei Kinderbüchern je nach Altersklasse natürlich auch größer.

Es gibt auf den Schreibprogrammen schon vorinstallierte Schriften, die auch kommerziell verwendet werden dürfen. Wenn man in den weiten des Internets nach alternativen Schriften sucht, sollte man sich darüber informieren, ob sie auch verwendet werden dürfen – siehe Lizenzbestimmungen! Dabei ist noch wichtig, dass man vorher schon kontrolliert, dass die Schriftart alle Zeichen beinhaltet, die man verwenden möchte.

Generell muss man unterscheiden zwischen Serifenschriften und serifenlosen Schriften. Mehrheitlich werden bei belletristischen Werken Serifenschriften verwendet, wie z. B. Garamond, Sabon oder Minion. Serifenschriften sind die, mit den kleinen Häkchen unten. Diese Schriftarten sind für das lineare Lesen optimiert und erleichtern so den Lesefluss.

Auszeichnungen sind besondere Markierungen im Text, wie Kapitälchen, kursiv, fett, unterstrichen, farbig markiert. Diese sollten sparsam eingesetzt werden und immer nur eine Art davon. Unterstrichene Kapitälchen zum Beispiel sehen furchtbar aus und verschlimmern das Schriftbild.

4. Seiten- und Zeilenumbruch

Hier gilt es einiges zu beachten, es ist ein sehr wichtiger Teil des Buchsatzes – besonders ein ästhetischer. Ein falsch gesetzter Umbruch kann beim Leser zu einer Störung des Leseflusses führen. Besonders auffällig ist ein falscher Zeilenumbruch im Blocksatz, weil sich die Zeile ausdehnt und dann vielleicht nur zwei oder drei Wörter in der Zeile stehen. So etwas muss ausgebessert werden.

Hier gilt es einerseits die richtige Rechtschreibung bei der Worttrennung anzuwenden, als auch um den Lesekomfort. Zu viele Worttrennungen untereinander lassen ein unschönes Schriftbild entstehen.

Satzfehler beim Umbruch:

Schusterjungen: eine einzelne Zeile eines Absatzes am Ende einer Spalte oder Seite

Hurenkinder: die letzte Zeile eines Absatzes am Anfang einer neuen Seite

Fliegenschiss: die letzte Zeile eines Absatzes, die aus einer einzelnen Silbe eines getrennten Wortes besteht

Löcher: zu große und/oder variierende Wortabstände

Gassen auch Gießbach: vertikale, über mehrere Zeilen laufende, direkt übereinanderstehende Wortzwischenräume.

Das lässt sich recht einfach durch manuelle Eingriffe beheben. Entweder man macht spielt sich mit alternativen Worttrennungen oder ändert die Zeilenlaufweite manuell. Hier heißt es ausprobieren, was am Ende passt.

5. Wie ist ein Buch aufgebaut?

Cover – klar, das ist der Einband, darüber schreibe ich jetzt nichts weiter.

Buchblock – der besteht aus verschiedenen Teile, die ich gleich näher beschreiben werde.

1. Schmutztitel – 1. Seite und ist immer rechts; schlicht mit Titel und Name des Autors/der Autorin

2. Schmutztitelrückseite – 2. Seite und ist immer links; Kurzbeschreibung des Inhalts, Autorenvita (kurz)

3. Haupttitel oder Titelseite – 3. Seite, rechts; repräsentativ gestaltet mit Haupttitel, Untertitel, Genre, Autorenname, Hinweis auf den Verlag (Logo), Übersetzer etc. Schrift am besten wie auf dem Buchcover

4. Haupttitelrückseite – 4. Seite, links; Impressum. Es ist eine Pflichtangabe! Bibliografische Angaben über Copyright, Erscheinungsjahr, ISBN, CIP-Kurztitelaufnahme und Produktion müssen enthalten sein; Nachzulesen auch in den jeweiligen Landesgesetzen. Auch bei E-Books ist es Pflicht.

5. Widmung – Seite 5, rechts; kann muss aber nicht sein

6. wenn Widmung vorhanden, Vakantseite – Rückseite der Widmung, Seite 6, leer

7. Inhaltsverzeichnis, falls vorhanden – Seite 7, rechts

8. eigentlicher Text – beginnt immer rechts und hier fängt auch die Zeilennummerierung an

9. Danksagung, falls gewünscht keine Zeilennummern mehr

Vereinfachte Methode

Viele Selfpublisheranbieter stellen Vorlagen zur Verfügung. Sie sind praktisch, weil man sich nicht mehr selbst um so viel kümmern muss, schränken allerdings die Gestaltung etwas ein. Gerade für den Anfang lohnt es sich allerdings. Trotzdem muss man sich noch um den Textblock und die restliche Gestaltung kümmern, sobald der Text in die Vorlage eingefügt ist. Seiten- und Zeilenumbrüche, Kapitelüberschriften etc. müssen immer noch gemacht werden. Ein wenig Spielraum hat man auch bei der Wahl der Schriftarten.

Ich fand es sehr hilfreich, mit verschiedene Bücher anzuschauen, wie sieht dort das Schriftbild aus, der Aufbau und alles, was ich jetzt theoretisch angeführt habe. Es macht die Theorie plastischer und man kann sich das Ergebnis leichter vorstellen.

Nun frohes Schaffen!

Wem das zu wenig Information ist, der kann gern hier nachlesen, da wird alles viel genauer beleuchtet, ich habe mich doch sehr kurz und knapp gehalten:

https://www.autorenwelt.de/blog/der-selfpublisher/buchsatz-fuer-selfpublisher

Wie setzt man den Leser unter Strom? 10 Tipps zum Spannungsaufbau

(c) Ysardsson 2020

Wie es geht, lernt man bereits in der Schule.

Es gibt im Groben drei Teile, in denen sich die Spannung aufbaut.

  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss

Es klingt einfach, ist es zum Teil auch, wenn man ein paar Kleinigkeiten mit großer Wirkung beachtet.

Als Schriftsteller will man seine Leser nicht langweilen, man will sie auf eine spannende Reise mitnehmen. Das hat nichts mit Action, Zaubereien, Verfolgungsjagden usw. zu tun.

In der Einleitung gibt man dem Leser bereits einen kurzen Einblick ins Kommende. Aber wirklich nur kurz. Man stellt das Setting, die Hauptperson und den Hauptkonflikt vor. Das ist im romantischen Liebesroman gleich wie in der actionreichen Spaceopera oder dem gnadenlosen Thriller. Hier muss man den Leser neugierig machen, ihn zum Weiterlesen animieren.

Im Hauptteil kommt es zum Höhepunkt dieser Spannung und damit des Konflikts. Da geht es dann Schlag auf Schlag.

Am Schluss löst sich die Spannung, der Konflikt wird gelöst.

Wie kommt es jetzt dazu, dass der Leser etwas spannend findet und weiterlesen möchte?

1. Die Geschichte/der Plot an sich muss spannend sein.

Eine langweilige Geschichte wird niemand lesen wollen. Es braucht einen Konflikt, etwas muss passieren, egal, ob man sich fragt, ob die Protagonistin den Protagonisten am Schluss heiratet oder ob der Raumschiffpilot den Außenposten mit dem Heilmittel rechtzeitig erreicht oder vielleicht der Ritter die Prinzessin zur Frau bekommt, weil er so tapfer gekämpft hat. Man wird keinen Leser mit einer Geschichte fesseln, die keinen Konflikt hat. Selbst das kleine Häschen, das sich im Garten verirrt und verzweifelt seine Mama sucht, indem es alle Tiere danach fragt und dabei allerhand lernt, ist interessanter als das Häschen, das von der Mama an die Hand genommen wird und alles gezeigt bekommt.

Da kommen wir gleich zum nächsten Punkt

2. Identifikation mit der Hauptfigur

Der Leser muss eine Beziehung zur Hauptfigur (den Hauptfiguren) aufbauen können. Er muss sich in die Hauptfigur hineinversetzen können, mit ihr mitfiebern. Das gelingt am besten, wenn man plastische, gut greifbare Charaktere entwickelt. Siehe dazu auch hier „Mary Sue, Gary Stu und die Gefahren der Figurenentwicklung. Die Beziehung zu den Romanfiguren entwickelt sich mit der Zeit. Selbst mit unsympathischen Charakteren lässt sich auf diese Weise etwas erreichen, sie brauchen nur eine Seite, die die Leser anspricht, etwa, er fällt trotz aller Bemühungen immer wieder auf die Nase, steht auf und macht weiter, auch wenn er dabei sein Umfeld nervt, terrorisiert und dem Leser somit andere Charaktere näher bringt.

3. Andeutungen

Es muss nicht immer alles sofort erklärt werden. „Der Tag fing toll an und sie trällerte ein Liedchen. Noch wusste sie nicht, was sie erwartete.“ Was geschieht im Laufe des Tages? Ist es gut oder schlecht? Andeutungen zeigen auf ein zukünftiges Ereignis, von dem noch nicht bekannt ist, wann es eintreten wird und was genau passiert. Auf jeden Fall wirkt es ungut und man möchte wissen, was weiter geschieht. Oft reicht ein Nebensatz aus, um diese kleine Spannung aufzubauen. „Er wusste nicht, ob er den nächsten Tag noch erleben wird.“ Das heißt, es steht noch etwas an, ein Kampf vielleicht, ein Unfall? Wird er überleben? Spannung heißt ja nicht zwingend, dass etwas Ungutes geschehen muss.

4. Der Konflikt an sich

Weil wir in jeder Szene einen Konflikt haben sollten, braucht jede einen kleinen Konflikt, selbst dann, wenn er unbedeutend erscheint, dient er der Figurenentwicklung.

Wir unterscheiden:

  • äußere Konflikte: Hier wird der Konflikt dem Charakter von außen aufgezwungen, z. B. verschiedene Interessensgruppen treffen aufeinander.
  • innere Konflikte: Diese rühren aus einer inneren Einstellung her, der Protagonist muss sich zwischen zwei Übeln entscheiden oder gegen sein Gewissen handeln.

Beides erzeugt Spannung, selbst dann, wenn es nur darum geht, wohin es in den Urlaub geht und ob auf dem Weg noch die Eltern der beiden besucht werden sollen.

5. Unerwartete Ereignisse/Wendungen:

Der Hauptcharakter stirbt, das ist natürlich eine völlig krasse Wendung. Tolkien hat das ganz gut mit Gandalf in Moria gelöst und seiner Wiederauferstehung als Gandalf der Weiße. Das geht aber auch mit kleinen Dingen, z. B. der Schulhofbösewicht pflegt eine Straßenkatze gesund. Der kurz angebundene Chef, der alle Mitarbeiter kurz hält und kaum mehr als ein genervtes Brummen für sie übrig hat, versorgt zuhause seine alten Eltern (natürlich mithilfe einer Pflegekraft) oder er hilft unerwartet einem Bettler oder einem verdienten Mitarbeiter aus der Patsche. Auch wenn es nicht so klingt, daraus lassen sich Konflikte bauen, die Mitarbeiter bzw. Mitschüler wissen nichts von diesen Aktionen, so kann man Mitleid mit einem an sich unsympathischen Charakter erzeugen, von bzw. über den man mehr wissen möchte.

6. Die Zeit drängt, Zeitnot … alles ist zu spät!

Die Uhr tickt. Das erzeugt immer Spannung. Die Bombe, die entschärft werden muss, der Zug, der in letzter Sekunde doch noch erwischt wird, der Flug mit Verspätung und damit die Angst, sein Ziel nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, das lahmende Pferd, die herein brechende Nacht, mit der Ungeheuer kommen (siehe Pitch Black, der Film spielt mit der Angst vor der Dunkelheit). Ein älteres Beispiel wäre Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“, Phileas Foggs Reise werden dauernd Hindernisse in den Weg gelegt und alles verzögert sich.

7. Was? Wo ist der Schluss? Cliffhänger! Die Auflösung kommt später

Ein Cliffhanger lässt den Leser sozusagen in der Luft hängen. Entwickelt hat sich das im 19. Jahrhundert als Zeitschriften Fortsetzungsromane veröffentlicht hatten, die sich großer Beliebtheit erfreut hatten. Der Cliffhanger endet immer an einer spannenden Szene, damit der Leser voller Erwartung der Fortsetzung entgegenfiebert. Das funktioniert aber nicht nur bei Fortsetzungsromanen, es geht auch am Kapitelende. Der Leser weiß nicht, wie es weiter geht, was der Protagonist noch durchmachen muss, um aus dieser Lage zu entkommen und wird garantiert weiterlesen wollen.

8. Inhaltliche Tricks und Kniffe

Ein gutes Mittel, um Spannung zu erzeugen, ist es, Informationen vorzuenthalten. Das geht auf verschiedene Arten:

Der Leser und der Held wissen nichts. Z. B. Ein Angriff durch eine verhüllte Person. Es kommt zum Kampf, dabei bleibt unklar, wer der Angreifer ist und was er mit dem Helden vorhat. Wird er ihn töten, verletzen, verschleppen? Oder ein Dieb bestiehlt den Protagonisten und entwendet eine Kleinigkeit, von dem nicht klar ist, welchen Wert es hat. Wer ist der Dieb, was will er mit der Beute? In beiden Fällen wissen weder der Leser noch der Held mehr über das, was gerade passiert.

Jemand beobachtet den Protagonisten aus einem Versteck heraus und ist nur kurz zu sehen, aber nicht zu erkennen. Warum beobachtet er den Helden? Was ist sein Motiv?

Der Leser weiß Bescheid. Das ist das natürliche Mitfiebern, die Angst vor dem Kommenden. Eine verschlossene Tür, hinter der sich etwas Gefährliches befindet oder ein magischer Wald, der alles Lebende frisst – der Protagonist geht völlig ahnungslos darauf zu und gerät so in Schwierigkeiten. Als Leser möchte man ihn aufhalten, ihn warnen und muss natürlich lesen, wie die Situation ausgeht, wie der Protagonist damit umgeht. Huch … jetzt will ich es auch wissen. Dabei werde ich es nie erfahren, weil ich mir diese Kurzbeispiele schnell mal aus den Fingern sauge.

Der Held weiß Bescheid. Der Protagonist reitet auf eine Wiese zu und schaut sich dabei immer wieder sorgenvoll um. Nichts ist zu sehen, nur ein blauer Himmel, summende Hummeln und blühende Wiesenblumen. Aber der Protagonist wird von einem Gefühl der Dringlichkeit heimgesucht, er möchte weg von diesem idyllisch anmutenden Flecken. Was zum Henker ist dort los? Das geht auch in anderen Genres: Die Protagonistin schaute ihrem Ehemann in die Augen, der lächelte zuversichtlich und gab ihr einen Kuss, den sie zögernd erwiderte. Sie liebte ihn, war sich aber in dem Moment, als sie seine warmen Lippen auf ihren spürte, nicht mehr so sicher, ob das auf Gegenseitigkeit beruhte. Warum ist sie sich nicht sicher? Was weiß sie? Geht er fremd, der kleine Teufel?

9. Struktur

Der Roman sollte einen Spannungsbogen haben, der allerdings nicht permanent steigen soll, nur um dann am Ende abrupt abzufallen. Um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Bogen nicht zu überspannen, empfiehlt es sich, diese auch abfallen zu lassen, sowohl den Leser als auch den Protagonisten zu Atem kommen zu lassen. Niemand läuft stundenlang durch, ohne auch nur einmal ein klein wenig zu rasten und zu ruhen. So brauchen auch die Protagonisten einmal eine Pause, den Anschein der Ruhe und die Sicht auf das Ende, das dann natürlich nicht kommt, weil der Hauptkonflikt noch nicht gelöst ist. Vielleicht hat auch die Lösung eines kleinen Nebenkonflikts für die trügerische Sicherheit gesorgt, den Glauben, dass nun alles gut ist und dann – Bäng! Da ist die Spannung wieder.

Der Wechsel zwischen Spannung und Entspannung verhindert Langeweile, denn das dauernde Hetzen und Laufen, ständige Angst und Bedrohung, sich jagende Feuergefechte nutzen sich ab, wenn sie ständig präsent sind.

Der Held darf nach der Actionszene gern auf ein Bier gehen und dort trifft er unerwartet jemanden oder es ereignet sich etwas anderes – er wird niedergeschlagen, entführt … oder sonst etwas Unerwartetes, mit dem niemand gerechnet hat.

10. Einsatz der Sprache

Für Beschreibungen eignen sich lange, verschachtelte Sätze ganz gut, allerdings nicht, wenn man Action bzw. Spannung erzeugen möchte. Das heißt nicht, dass ein spannender Satz kurz sein muss, er sollte dann eben aus keinen Verschachtelungen bestehen, sondern aus aneinander gereihten, verknappten Hauptsätzen. Es hängt auch davon ab, ob die Spannung laut oder ruhig sein soll.

Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er spürte es sogar in den Schläfen. Kurz lehnte er sich an die Mauer und schloss die Augen. Lauschen, befahl er sich. Doch er hörte nur das eintönige Pochen seines Herzens. Babam. Babam. Babam. Waren das Schritte? Babam. Er öffnete die Augen, schaute sich um und lief weiter. Fehler! Fehler, kreischte sein Unterbewusstsein. Zu spät.

Oder

Er warf keinen Blick zurück, das brauchte er nicht. Ihre Schritte konnte er nicht überhören. Er hetzte weiter auf die Baumgruppe zu, sprang über einen schmalen Graben, warf sich hinter eine dicke Eiche, zog seine Waffe und brachte sich in Position. Das ist jetzt ein etwas längerer Satz, der dennoch nichts an Eile vermissen lässt. Einschübe würden hier eine Verlangsamung bewirken, so wirkt es dringend. Ich brauche nichts weiter zu beschreiben. Dem Verfolgten ist es völlig egal, ob der Baum eine schöne Rinde hat, sich die Blätter verfärben oder ein Reh in der Nähe steht. Ebenso geht es dem anderen, der an die Mauer gelehnt lauscht und in sein Verderben rennt. Will ich es schnell, eignet sich das zweite Beispiel, will ich nach jedem Hauptsatz einen Abschluss, weil der Protagonist sich versteckt, dann ist das erste Beispiel besser.

Kurze Absätze erzeugen ebenso Tempo wie kurze Sätze, lange Absätze eignen sich wieder für Ruhephasen.

Man kann Spannung durch viele Elemente erzeugen, so auch durch Dialoge, die in der Regel schneller gelesen werden als langatmige Beschreibungen, die natürlich auch nötig sind, um ein Bild von allem zu bekommen.

Eine gezielte Abwechslung zwischen rasantem Erzählen und längeren Beschreibungen erzeugt immer wieder neue Spannung und lässt wenig Raum für Langeweile beim Leser.

Wenn ihr noch etwas wisst, das hier fehlt, dann schreibt es doch bitte in die Kommentare. Ich freue mich auch auf eure Sicht der Spannung und wie ihr das macht. Natürlich freue ich mich auch über ein Like, wenn der Beitrag gefallen hat.

Viel Spaß beim Erzeugen von Spannung!

Coververöffentlichung

Es ist so weit und ich zeige euch das Cover meines neuen Buches. Ich habe es absichtlich schlicht gehalten, weil es sich dabei um ein Sachbuch handelt.

Bild by H. K. Ysardsson

Es steht noch einiges an Arbeit an, besonders der Buchsatz wird viel Zeit kosten, allerdings habe ich für die meisten Seiten bereits ein Layout mit der Hand skizziert, so weiß ich jetzt schon, was wo hinkommt und wie formatiert wird.

Mehr zum Buch gibt es in kommenden Beiträgen.

Die folgenden Bilder zeigen die Versuche bis zum fertigen Bild, das ich später noch etwas digital bearbeitet habe, um es anschließend ins Cover einzufügen. Es handelt sich dabei um Aquarelle.

Vorankündigung

Wenn nicht wieder die Pandemie dazwischen kommt oder etwas anderes Böses, dann werde ich im kommenden Jahr bei den Valentiner Kulturtagen lesen. Stattfinden soll die Lesung unter dem Motto: Große Nacht der Valentiner Autoren am 10. März 2021.

Genaueres weiß ich dann auch erst im nächsten Jahr, aber drücken wir uns die Daumen und ihr mir, dass ich dort lesen kann.

Wer mich jetzt schon hören will, kann mich gern auf Instagram besuchen, dort lese ich jeden Mittwoch unter #ysardssonquatscht.

Foto von mir, das Modell ist Bruno, der liebt Terry Pratchett

Ein neues Projekt ist am Werden

Bild von Pixabay

Eigentlich sind es mehrere, zwei um genau zu sein, von denen eines schon Richtung Ende marschiert und somit einer Veröffentlichung in diesem Jahr nichts im Wege stehen dürfte. Das andere dauert noch etwas. Darüber erzähle ich euch ein anderes Mal etwas mehr.

Zeichnung von mir