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Intergalaktisches Zwischenspiel

Weltenbau des aktuellen Projekts

In diesem Beitrag möchte ich euch die Welten meines Science-Fiction-Krimis „Der letzte Salamander“ etwas näher bringen.

Nachdem mir klar war, welche Fraktionen ich in dieser Geschichte haben möchte, habe ich mich an die Planung der Umwelt gemacht – also ganz grob das Universum gestaltet.

Fraktionen

  • Politische Gruppe 1 (Umweltschutzfanatiker)
  • Politische Gruppe 2 (demokratische Vereinigung verschiedener Planeten, starker Individualismus und Kapitalismus)
  • Handelsgilde
  • Gläubige (spielen keine zentrale Rolle in dieser Geschichte

Bei der Entwicklung der Fraktionen habe ich darauf geachtet, dass besonders die politischen Gruppierungen einen krassen Gegensatz darstellen. Die Gläubigen und die Händler stellen in dieser Geschichte eher ein Beiwerk dar, allerdings sind die Finger der Handelsgilde lang.

Planeten

Zu einem ganzen Universum gehören auch Planeten, Monde – ganze Sonnensysteme. Ich habe versucht, das zu zeichnen, aber das war einfach nur zu lustig, was da herausgekommen ist. Wer ein entsprechendes Computerprogramm hat, kann sich beim Galaxienbau daran versuchen. Es ist bestimmt ein gutes Hilfsmittel.

Zur Verdeutlichung, wie ich das gemacht habe:

Bild von mir

Notizen über den Sektor, das Sonnensystem und anschließend ein paar Planeten. Das muss nicht übertrieben viel sein. Ich habe nur die Planeten genommen, wie wichtig sein könnten, ein paar Eckdaten dazu und natürlich sehr viel mehr über die Planeten, die gebraucht werden.

  • Uhuru
  • Dimtros
  • Syban
  • Edenium Prime
  • Ixilum Prime
  • VinaXym

Dazu habe ich zu jedem Planeten die Hauptorte notiert, die wichtigsten Ressourcen und welches Klima vorherrscht.

Als Beispiel nehme ich Uhuru her. Nicht jeden Planeten habe ich so gründlich beschrieben, einfach, weil ich das (noch) nicht brauche.

Zeichnung von mir, aus Weltenbauen Leitfaden für Fantasy und Sci-Fi-Autoren

Sektor: Oronat Ke’Lem

System: Kebanis

Uhuru – 3 Monde (lila Kes, orange Kela, weiß Oka)

Hauptstadt: Creson

Topografie:

1 großer Kontinent, mächtiger Gebirgszug im Süden, viele Gletscher, weiter nördlich mildes Klima mit Urwäldern. Ein großer Ozean zum Großteil mit Eis bedeckt.

Klima:

In den nördlichen Regionen kalte Winter und milde Sommer, sonst arktisch

Bodenschätze und Wirtschaft:

  • extensive Landwirtschaft und Fischerei
  • wenig Tourismus
  • extensive Forstwirtschaft
  • Neribium, Cath und Melenium; unter dem Meeresboden noch Brenngas und Unudin;  es werden kaum Bodenschätze abgebaut.
  • Wichtige Handelsgüter: Edelsteine und Kristalle

Lebensformen:

Menschen und Urwaldbewohner (Uhuru).

Interstellarer Handel:

nur wenige Güter werden importiert, der Planet versucht autark zu bleiben, besitzt aber Kolonien auf Dimtros und VinaXym.

Die Handelsgilde von Edenium Prime, Titum Van, hat ein ständiges Handelsverbot.

Kleinigkeiten:

  • 1 Jahr = 550 Tage; 11 Monate
  • 1 Monat = 50 Tage
  • 1 Woche = 9 Tage
  • abwechselnd hat ein Monat 5 Wochen, dann 6 Wochen.
  • Das Jahr 0 ist das Ankunftsjahr der Menschen auf Uhuru.
  • Aktuell: 1897

Politische Systeme

Natürlich habe ich mir auch dazu Gedanken gemacht. Darauf werde ich aber nicht zu genau einzugehen, weil ich die Geschichte nicht unbedingt verraten möchte.

Ich brauchte für beide Seiten ein machbares System und habe mir deshalb etwas überlegt, mit dem ich mich auskenne.

Wir haben einmal ein rigides Kastenwesen, das scheinbar auf dem Matriarchat beruht. Hierzu habe ich die Kasten notiert und wie das funktionieren kann. Gedankenspiele gehen immer. Was geblieben ist, habe ich mir aufgeschrieben, damit ich nachschlagen kann. Man vergisst ja so viel und es kommt wieder Neues dazu.

Einige wichtige Titel und Würdenträger dürfen in dieser Liste dann auch nicht fehlen.

Der zweite Part ist ein präsidiales, demokratisches System, nach dessen Gesetz alle Bürger die gleichen Rechte und Pflichten haben. Dem Militär und vor allem der Raumfahrt habe ich einen hohen Stellenwert beigemessen. Diese Seite hat sehr viele Kolonien oder aus angeschlossene Planten bzw. ganze Systeme, die von Statthaltern verwaltet werden. Das Regierungsoberhaupt, wird alle paar Jahre gewählt. Hier bin ich weniger ins Detail gegangen, weil jeder Planet eine andere Jahreszählung hat und ich mich mit mir nicht auf eine Standardzeit einigen konnte. Wobei in der Raumfahrt eine Standardzeit vorherrscht, der Bordtag bzw. die Bordnacht.

Nebe dem Präsidenten/der Präsidentin gibt es ein präsidiales Parlament, das aus 500 Mitgliedern besteht und auch Senat genannt wird, und es gibt den planetaren Rat, bestehend aus 100 Mitgliedern von statthalterlich verwalteten Planeten. Daneben gibt es noch einzelne Regierungsverwaltungen auf den Kontinenten bzw. gewissen Unterwasserregionen.

Die Namen der Dinge und was es so an Technik gibt

Ja, auch das muss man bei einer eigenen Welt bedenken. Es soll ja nicht alles, wie auf der Erde heißen, schließlich kommt die in diesem Roman nicht vor.

Einige Beispiele:

  • Bynarpudding: sehr süße und überaus leckere Speise
  • Salzbäume: wachsen auf VinaXym in Nähe des rosa Ozeans; eine autochthone Pflanze, die es nirgends sonst gibt.
  • Funkelalgenbüsche: Meerespflanzen auf Syban, gelten als Delikatesse
  • Wiridol: Medikament, beruhigend, sedierend, mildert Krampfanfälle
  • Vocator: Lautsprecher in Helmsystemen

Und natürlich gibt es noch sehr, sehr viel mehr. Einige meiner Notizen sind nicht in den Roman eingeflossen, andere habe ich mir später noch ausgedacht.

Wer sich wundert, warum hier nichts über Religion steht, dem sei gesagt, dass Religion eine so kleine Nebenrolle spielt, dass sie kaum auffällt. Aber es gibt Religion, die in Form der Sternenweisen von Ixilum Prime auftreten und ihren Glauben predigen.

Das war es so weit zum Weltenbau des Uhuru-Universums. Ich hoffe, ihr hattet Spaß dabei. Erscheinen wird der Roman im September 2021

Wer noch mehr über den Weltenbau erfahren möchte und welche Gedanken ich dazu habe, den empfehle ich mein Buch:

Viel Spaß beim Lesen und beim Erstellen eigener Welten!

Rhetorische Stilmittel 2

dv

Weniger ist manchmal mehr – aber wie geht das, ohne den Sinn zu zerstören?

In diesem Beitrag geht es um Verknappung und Worteinsparungen. Gerade sie verwenden wir sehr häufig, oft auch unbewusst, um den Lesefluss zu erleichtern. Bei der Verknappung werden Wörter ausgelassen oder verschoben, um die Bedeutung des Geschriebenen bzw. Gesagten zu erhöhen, Pointen zu erzeugen oder etwas ungesagt zu lassen, um den Leser/Zuhörer später zu überraschen. Auf jeden Fall sorgen sie für Abwechslung.

Ellipse

Sie kann die Grammatik aushebeln und trotz der Auslassungen kann der Satz dennoch richtig sein, sofern er verständlich bleibt. Wird der Satz unverständlich, ist es falsch. Aber es kann auch offen bleiben, besonders häufig bei Krimis, dann bleibt der Satz generell unvollständig, damit die Leser auf eine falsche Fährte gelockt werden.

Es handelt sich um eine Verknappung, die das Wesentliche in den Vordergrund rückt.

Viele Ellipsen erhöhen das Tempo des Textes bzw. der Rede. Im journalistischen Bereich wird dieser Telegrammstil häufig verwendet. In der wörtlichen Rede lassen sich Ellipsen gut einbauen, um so einen gewissen sozialen Hintergrund zu verdeutlichen. „Rein!“ Mit der entsprechenden Geste, die Hand zeigt aufs Haus, ins Zimmer, etc., weiß jeder, dass der so Angesprochene etwas betreten soll.

Beispiele:

  • „Ende gut, alles gut.“
  • „Hier werden Sie geholfen.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Was nun?“
  • „Wir sind Papst“

Zeugma

Dieses rhetorische Stilmittel verwende ich recht häufig, um Wortwiederholungen zu vermeiden. Es ist eine Beziehung eines Satzteils, u.a. des Verbs (Prädikats), auf zwei oder mehrere Satzglieder, während es semantisch nur zu einem passt. Gezielt und pointiert eingesetzt, kann man damit die Leser überraschen.

Beispiele:

  • „Er hob den Blick und die Hand zur Tür …“
  • „Gestern liefen sie aus dem Haus und durch die Straßen.“
  • „Ihr vorrangiges Ziel war, den ersten Testlauf zu bestehen und die Blicke der neugierigen Zuschauer.“
  • „Die Fragen der Journalisten waren lausig, auch das Dinner.“
  • „Der See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen.“ (FRIEDRICH SCHILLER: Wilhelm Tell)“
  • „Catilina sparte schließlich weder an Kosten noch an Mäßigung“ (SALLUST)“

Aposiopese

Bei dieser Sonderform der Ellipse wird die wesentliche Aussage eines Satz verschwiegen und muss durch den Empfänger erraten werden. Hier kann viel Dramatik erzeugt werden oder auch Pathos.

Beispiele:

  • „Wenn ich dich in die Finger bekomme …“
  • „Der kann mich mal …“
  • „Hast du wirklich -? Nein, hast du nicht -? Oder doch -?“
  • „Willst du auch -?“
  • „Wenn es mir nicht gelingt, den Grafen augenblicklich zu entfernen: so denk’ ich – Doch, doch, ich glaube, er geht in diese Falle gewiss.“ (GOTTHOLD EPHRAIM LESSING: Emilia Galotti)

Anakoluth

Diese Sonderform bricht völlig mit der Grammatik, indem der Satz richtig anfängt, dann aber abgebrochen und anders fortgeführt wird. Ein Anakoluth ist kennzeichnend für den mündlichen Stil der Alltagssprache. In der wörtlichen Rede verleiht er dem Protagonisten/der Protagonistin eine gewisse Zerstreutheit, Aufgeregtheit, Nervosität. Es sagt vielleicht sogar etwas über den sozialen Status der Person aus.

Es gibt 3 Formen:

  • Ausstieg: Abbruch des Gedankens
  • Retraktion: Umbau eines Satzes
  • Umstieg: Wechseln der syntakischen Konstruktion

Beispiele:

Ausstieg:

  • „Also, ich weiß nicht …“
  • „Hast du gewusst, dass …“
  • „Trau dich noch einmal …“

Retraktion:

  • „Gestern war es kalt … nicht ganz so.“
  • „Vor ein paar Stunden kam es zu einer Explosion … einem kleineren Unfall im Reaktor sieben.“
  • „Das ist ein Date … ich meine, Kaffee trinken oder …“

Umstieg

  • „Wir hatten gestern ein Date, abgesehen davon war das Fußballmatch sensationell. “
  • „Rosemary hat mir das mit der Dosimetrie erklärt … Ich habe eine Dose Cola getrunken.“
  • „Korf erfindet eine Mittagszeitung, / welche, wenn man sie gelesen hat, / ist man satt.“ (CHRISTIAN MORGENSTERN)

Apokoinu

Diese Stilfigur dient der Worteinsparung und Verknappung sowie der künstlerischen Kürze. Ein Wort oder Satzglied bezieht sich auf zwei andere Teile. Häufig steht das einzelne Wort hier in der Mitte einer Äußerung und bezieht sich sowohl auf das Vorhergehende als auch das Folgende.

Beispiele:

wintersturmgerausche
auf das heulen lausche
jagen flocken um die
häuser
wirbeln sie
(aus dem Gedicht „schneezeit“ von mir)

jagen flocken um die häuser. um die häuser wirbeln sie.

Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht. (FRIEDRICH SCHILLER, Wilhelm Tell)

Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute. Das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht.

An diesen Beispielen sieht man deutlich, wie sehr in der Dichtkunst verknappt werden kann und der Text trotzdem verständlich bleibt.

Ich hoffe, der Spaß an den Stilmitteln bleibt noch eine Weile erhalten, denn es gibt noch sehr viel mehr.

Die Beispiele sind entweder Redewendungen oder von mir selbst erdacht, andere sind mit dem Urheber versehen.

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Disziplin und Motivation

Disziplin und Motivation machen das Unmögliche möglich.

Immer wieder hört und liest man von Motivation, Disziplin, Mindset usw. Gerade als SchriftstellerIn muss man sich ständig selbst antreiben, sowohl die nötige Motivation und auch die Disziplin aufbringen, um voran zu kommen.

Man muss sich motivieren und mit Disziplin schafft man alles. Hä? Alles wird man nie schaffen, das muss man auch nicht. Aber es stimmt, beides ist hilfreich, wenn man ein Ziel erreichen möchte. Ohne die grundlegende Motivation, etwas Bestimmtes tun zu wollen, wird man schwerlich die Disziplin aufbringen, das dann auch zu machen. Wenn die Ideen einmal nicht so sprudeln, wird es noch schwieriger.

Es gibt verschiedene Wege, die zum gewünschten Ergebnis führen. Weil ich kein allwissender Guru auf diesem Gebiet bin, beschränke ich mich auf meine Erfahrungen und werde etwas darüber erzählen, wie ich das mit der Motivation und Disziplin sehe und mache.

Das Ziel schafft die Motivation

Ich will ein Buch schreiben. Toll. Macht aber echt viel Arbeit. Es hört ja nicht damit auf, es geschrieben zu haben, da hängt noch mehr dran. Uff, die Motivation sinkt gerade gegen den Nullpunkt. Am besten ist es, gar nicht erst an diesen Punkt zu gelangen. Das große Ziel ist, das Manuskript zu schreiben. Es ist immer noch eine große Aufgabe und je nach Genre mit mehr oder weniger viel Zusatzarbeit, wie z. B. Recherchen, verbunden. Ganz gleich, in welchem Genre man schreibt, irgendetwas muss man immer nachschlagen, das bleibt kaum aus. Sich dabei Hilfe zu holen, kann schon eine sehr große Erleichterung sein und einen gut vorwärtsbringen. Dann sollte man sich überlegen, warum man schreibt und für wen. Das hängt auch davon ab, ob man an einen Verlag gebunden ist und/oder eine Serie schreibt oder ob man das schreibt, was man möchte und es erst später einem Verlag anbietet bzw. im Selfpublishing herausbringt. Beides verlangt trotzdem eine gewisse Disziplin, denn ohne kommt man keinen Meter – Hobby hin oder her, denn auch der Hobbysportler muss trainieren, sonst kann er gleich damit aufhören.

Zurück zu den Autoren. Die Recherche ist abgeschlossen, je nachdem ob man plottet oder nicht, steht die Rahmenhandlung fest, man kann loslegen.

Alles ist so weit fertig, die Motivation ist in einem Hoch und man legt gleich einmal tüchtig los. Die erste Woche geht klasse, vielleicht auch noch die zweite. Dann wird es etwas weniger, weil vielleicht die Müdigkeit da ist oder es schlichtweg an der Zeit fehlt. Die Geschichte gerät etwas ins Hintertreffen, obwohl man ja möchte.

Mist.

Die Motivation wäre da, aber es fehlt an der Schwester, der Disziplin.

Während eines Schreibflows, den man oft am Anfang einer Geschichte verspürt, kann es passieren, dass man etwas übers Ziel hinausschießt und seine Energien verpulvert. Es bringt nichts, bis zum Umfallen vor dem Bildschirm zu sitzen und wie irre zu tippen. Die Ideen gehen nicht weg, nur weil man zu einer bestimmten Zeit ins Bett geht oder nach einem gesetzten Teilziel.

Jetzt komme ich wirklich zur Disziplin und biete ein paar Punkte, die mir geholfen haben, eine Routine zu etablieren.

1. Setze dir Teilziele

Es bringt nichts, immer nur das große Ziel im Auge zu haben, das ist noch weit weg. Kleine Ziele verschaffen einen besseren Überblick, sie lassen sich einfacher in den Tagesablauf integrieren und durch das Erreichen der Kleinziele setzt das neuronale Belohnungszentrum des Gehirns Glückshormone frei – man freut sich darüber und darf sich jetzt auch noch zusätzlich belohnen (falls man das braucht).

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, täglich 1500 Wörter zu schreiben. Das klappt. Meistens wird es mehr, selten weniger. Wenn ich weniger schreibe, bin ich aber nicht enttäuscht von mir, dann habe ich den Schlaf wahrscheinlich gebraucht.

2. Mache es regelmäßig

Das Wörterziel muss nicht täglich sein. Wenn man durch die reguläre Arbeit schon sehr eingebunden ist oder familiär sehr viel um die Ohren hat, geht es oft nicht jeden Tag. Dann kann man sich zwei Abende oder auch einen Tag in der Woche nehmen und den fürs Schreiben einplanen. Ob das nun morgens oder abends ist, hängt vom jeweiligen Geschmack ab, muss aber dann regelmäßig erfolgen.

Durch die Regelmäßigkeit gewinnt man nach einer gewissen Zeit eine Routine, die zur Gewohnheit wird, dann fällt es mit der Disziplin etwas leichter.

3. Vergiss nicht auf Pausen

Pausen sind wichtig. Einerseits, um dem Körper Erholung von der Bildschirmarbeit zu gewähren andererseits braucht auch die Fantasie etwas Durchlüftung. Mir geht es so, dass die besten Ideen während einer Pause entstehen. Es geht aber auch um den Körper. Die Augen, die Wirbelsäule, die kleinen Gelenke in den Händen – alles braucht Pausen. Ich lege ca. jede Stunde eine Pause ein, das kann jeder halten, wie er möchte, aber um den Körper zu entlasten, empfiehlt es sich, spätestens nach zwei Stunden eine Weile vom Bildschirm wegzugehen.

Danach wieder an die Arbeit gehen und weitermachen. Keine Angst, es geht so gut weiter, wie es angefangen hat. Aber man muss sich erst daran gewöhnen.

4. Belohne dich

Darüber habe ich schon etwas im 1. Punkt geschrieben. Bei einer regulären Arbeit besteht die Belohnung im Gehalt/Lohn, der regelmäßig aufs Konto eintrudelt, manchmal gibt es auch einen Bonus oder Trinkgelder. Dazwischen neigt der Mensch dazu, sich für alles Mögliche zu belohnen. Es gibt ein gutes Gefühl, Glückshormone werden ausgeschüttet.

Warum also sollte man sich für eine durchgehaltene Schreibperiode nicht belohnen? Gerade am Anfang ist es wichtig, zwischendurch etwas nachzuhelfen und das Belohnungszentrum des Gehirns etwas anzustacheln. Ich bin mittlerweile so weit, dass das fertige Manuskript die Belohnung ist und jedes beendete Kapitel oder die geschaffte Schreibsession.

Bestrafe dich aber niemals, falls du einmal das gesetzte Teilziel nicht erreicht hast. So etwas zieht einen nur runter und führt am Ende zu Frust. Wenn es einmal nicht klappt, weil etwas dazwischengekommen ist oder man einfach nur müde gewesen ist oder krank, dann ist es eben so – schreib dir eine Krankmeldung oder einen Urlaubsschein für diesen Tag. Das mag vielleicht lächerlich klingen, aber es kann helfen, das schlechte Gewissen einzudämmen.

5. vermeide Perfektionismus

Wenn man immer denkt, alles müsse perfekt sein und man müsse alles perfekt können, um etwas Bestimmtes zu tun, dann kommt man niemals einen Schritt weiter.

Perfektionismus ist ein Hemmschuh, er ist der Grund allen Übels der sogenannten Schreibblockaden. Niemand bringt ein perfektes Manuskript zustande. Die Qualität muss nicht immer gleichgleichen. Mal macht man mehr Fehler, dann wieder weniger. Das ist doch völlig egal. Beim Romanschreiben geht es in erster Linie einmal ums Schreiben. Die Überarbeitung ist wieder eine andere Sache. Aber auch hier sind Disziplin und Konsequenz gefragt.

6. Hilfe!

Man weiß nicht weiter, hat keine Idee, hängt bei einer Szene, muss nachrecherchieren und weiß nicht wie oder wo und was überhaupt. Panik kommt auf. Zu viel andere Arbeit, die auf einen lastet und irgendwie bewältigt werden muss. Panik!

Die Lösung ist ganz einfach! Es gibt immer Menschen, die einem helfen. Reden hilft – und auch delegieren. Es ist keine Schande, jemanden um Hilfe zu bitten, wenn Not am Mann ist. Irgendjemand findet sich immer, mit dem man reden kann. Manchmal tun sich völlig neue Einsichten auf, wenn man mit jemand Unbeteiligtem spricht, jemand, der den geplanten Roman nicht kennt.

Schlecht ist es, den Kopf in den Sand zu stecken oder sich mit unnötigen Nachrecherchen zuzudecken und damit wieder von der Schreibroutine wegzubringen.

Manchmal ist es auch gut, wenn man bereits im Entstehungsprozess einen Testleser hat, der schaut, ob der Text auf Linie bleibt und in sich logisch ist.

Es gibt bestimmt noch mehr Punkte, die ich aufzählen könnte, aber ich finde, es reicht.

Ganz zum Schluss habe ich noch ein Video für euch, in dem ich das alles zusammengefasst habe.

Intergalaktisches Zwischenspiel

Teil 1
Die Idee und die Galaxie

Eigentlich wäre ja der kleine finnische Bär auf einer Reise mit euch in eine Welt voll Fantasy. Leider ist mir eine Idee dazwischengekommen, die mich so lange genervt hat, bis ich mich ihrer voll und ganz angenommen habe.

Zwischenstand, ich bin nach 4 Wochen schreiben beinahe am Ende angekommen und knüpfe bereits die ersten und unwichtigeren losen Fäden zusammen. Meine Alphaleserin ist noch immer begeistert und ich freue mich wie die Schneekönigin (dabei weiß ich gar nicht, wie sich die Schneekönigin freut, egal).

Im Folgenden erzähle ich euch etwas über den Werdegang dieser Geschichte.

Wie der Titel des Beitrags schon andeutet, wird es ein Science-Fiction-Roman. Die Idee dazu kam spontan, als ich meine alten Kurzgeschichten durchforstet hatte. Wupp, da war ein Name, schwupp, da eine Welt, dann ein Sternensystem und die grobe Rahmenhandlung. Ein Fingerschnippen und fertig. Das mag sich seltsam anhören, aber genauso war es. Dazu habe ich ein dickeres Notizbuch beinahe voll geschrieben. Ich liebe handschriftliche Notizen.

Ich stelle euch jetzt die Welten vor, die Galaxie und ihre Planeten, auf die wichtigsten gehe ich etwas genauer ein:

Ein Sektor ist ein größeres Gebiet mit mehreren Sonnensystemen, das System ist das jeweilige Sonnensystem mit den Planeten.

Bild von Reimund Bertrams auf Pixabay
  • Sektor Oronat Ke’Lem:
    • System Kebanis:
      • Uhuru:
        • 3 Monde: Kes (lila), Kela (orange), Oka (weiß)
        • Hauptstadt: Creson Stadt
        • Topografie: ein großer, bewohnbarer Kontinent mit einem mächtigen Gebirgszug im Süden, viele Gletscher; weiter nördlich ist es eher hügelig bis flach mit weniger rauem Klima. Ein großer Ozean, der fast vollständig von Eis bedeckt ist
        • Klima: In den nördlichen Regionen kalte Winter und milde Sommer, sonst arktisch
        • Bodenschätze und Wirtschaft: extensive Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, wenig Tourismus; Bodenschätze: südl. große Eisregion: Neribium, Cath, Melenium; Festland: Brenngas und Unudin (wird für den Antrieb sybanischer Raumschiffe benötigt), Brennsteine, Edelsteine und Kristalle; der Ozean ist sehr fischreich.
        • Lebensformen: Menschen und Urwaldbewohner, die sich selbst Uhuru nennen.
        • interstellarer Handel: nur wenig Güter werden importiert, der Planet versucht, autark zu bleiben, besitzt aber Kolonien auf Dimtros und VinaXym.
          Die Handelsgilde Titum Van, die ihren Sitz auf Edenium Prime hat, hat ein ständiges Handelsverbot auf Uhuru.
        • Zeitrechnung: 1 Jahr dauert 550 Tage und hat 11 Monate (gerechnet wird der Umlauf des Mondes Kela), 1 Woche dauert 9 Tage, abwechselnd hat ein Monat 5 Wochen, dann 6 Wochen.
          Das Jahr 0 bezeichnet die Ankunft der Menschen auf Uhuru, seitdem sind 1897 Jahre vergangen.
        • Sauerstoffstickstoffatmosphäre
        • strenges Kastensystem, Herrscherin ist immer die Matriarchin, die von der Ethiker- und Salamanderkommission ernannt wird. Beide gehören zu den obersten und wichtigsten Kasten. Daneben gibt es noch: Wissenschaft, Handwerk und Handel, Bauern und die Rechtlosen (Verbrecher und Umweltsünder)
        • strenge Geburtenkontrolle aufgrund des begrenzten Platzangebots auf dem Planeten.
      • Kibaneas (unbewohnbar) un unmittelbarer Nachbarschaft zur Sonne Kebanis, kein Mond.
      • Dimtros (bewohnt) Kolonie von Uhuru: Raumschiffswerft, wird allerdings nur noch für Reparaturen verwendet.
        • 1 Mond, fast so groß wie der Planet, aber uninteressant Dimtros II
        • Bodenschätze: Melenium, Cath (das Erz wird zu Cathatyn verarbeitet, eine sehr umweltschädliche Prozedur und für die Arbeiter nicht gerade gesund)
        • Hauptstadt: Benoca
        • Sauerstoffstickstoffatmosphäre, stark verunreinigt mit Staub und giftigen Gasen
      • Monychin – unbewohnt
    • System Tynar (roter Zwerg)
      • VinaXym
        • Völker: Kolonisten in Kuppelsiedlung von Uhuru und wenige Einheimische Xym
        • 4 Monde
        • 1 großer Ozean mit hellrosa Farbe, sehr salzhaltig, reich an Algen und verschiedenen für Menschen giftigen Salzen.
        • Landfläche: teils kleine Inseln und eine größere, die bewohnt ist. Wenige Süßwasserreserven; Xym haben sich auf alkalireiches Wasser spezialisiert.
        • Atmosphäre: Methanolkohlendioxidgemisch
      • Ixilium Prime:
        • kleiner Planet, Kolonie von Gläubigen und Predigern der Sternenweisen; Prediger fliegen durch die Galaxis und verkünden ihren Glauben vom Frieden und der Weisheit der Sterne.
      • Nepornebel im tiefen Raum mit zahlreichen Asteroiden
  • Mydenem Cluster/Müdion Sektor
    • System Bani
      • Sabastia/Syban:
        • Hauptwelt der Sabastianer bzw. Syban; humanoide, teils Lungen-, teils im Wasser lebende Kiemenatmer.
        • Atmosphäre: Sauerstoffstickstoffgemisch
        • Topografie: fast vollständig von Wasser bedeckt mit zahlreichen bewohnten Inseln
        • Klima: Hitzegürtel am Äquator, wenig Eis an den Polen, wenig Bodenschätze
        • 3 Monde: Ydan, Yridin und Ylan, auf allen werden Bodenschätze abgebaut.
        • Zeitrechnung: aktuelles Jahr 3085; wird nicht in Monate eingeteilt, sondern in Tage. 1 Jahr hat 380 Tage; z. B. 10. Tag im Jahr 3085.
        • Hauptstadt wird immer wieder von einer Insel zur nächsten verlegt oder zu den Kolonien.
        • striktes demokratisches System, das sie der gesamten Galaxie aufdrücken wollen.
      • Axema II: Werftwelt von Syban
      • Gawanna: größte Militärbasis des Clusters
  • Betana Sektor
    • System Nolan
      • Edenium Prime: Stadtplanet, Sitz der Handelsgilde Titum Van, Hochtechnologie, Verbündet mit Syban. 3 Monde einer wird von einer Werft für Handelsschiffe der Handelsgilde beherrscht.
      • Raxim: Bergbauplanet, diverse Bodenschätze
      • Jodinmay: unbewohnt, zu nah an der Sonne
      • Qinin: von zahlreichen Ringen umgeben, besteht zu über 90 % aus Wasser; Kiemenatmer, die Bergbau, Algen- und Fischzucht betreiben – auch für den Export.
      • Der Rest sind Gasriesen und Zwerge

Die Reise bis zum fertigen Buch geht noch eine Weile. Im Moment sind meine Alphatestleserinnen damit beschäftigt. Sobald ich mit dem Rohmanuskript fertig bin, werde ich es überarbeiten, dann geht es an die Testleser. Das wird wieder spannend und aufregend für mich. Anschließend arbeite ich alle Anmerkungen in das Buch ein, also eine weitere Überarbeitungsrunde und schließlich geht’s ans Lektorat.

In den folgenden Beiträgen werde ich euch noch etwas über die Wesen erzählen und die verschiedenen Kulturen, die sich nicht ganz vertragen. Und natürlich, was noch alles so ansteht, bis am Ende das fertige Buch in den Buchhandlungen steht. Es ist noch sehr viel zu tun und ihr werdet es hier miterleben. Freut euch auf einige spannende Details bis zur Veröffentlichung.

Bild von Lumina Obscura auf Pixabay

Wie setzt man den Leser unter Strom? 10 Tipps zum Spannungsaufbau

(c) Ysardsson 2020

Wie es geht, lernt man bereits in der Schule.

Es gibt im Groben drei Teile, in denen sich die Spannung aufbaut.

  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss

Es klingt einfach, ist es zum Teil auch, wenn man ein paar Kleinigkeiten mit großer Wirkung beachtet.

Als Schriftsteller will man seine Leser nicht langweilen, man will sie auf eine spannende Reise mitnehmen. Das hat nichts mit Action, Zaubereien, Verfolgungsjagden usw. zu tun.

In der Einleitung gibt man dem Leser bereits einen kurzen Einblick ins Kommende. Aber wirklich nur kurz. Man stellt das Setting, die Hauptperson und den Hauptkonflikt vor. Das ist im romantischen Liebesroman gleich wie in der actionreichen Spaceopera oder dem gnadenlosen Thriller. Hier muss man den Leser neugierig machen, ihn zum Weiterlesen animieren.

Im Hauptteil kommt es zum Höhepunkt dieser Spannung und damit des Konflikts. Da geht es dann Schlag auf Schlag.

Am Schluss löst sich die Spannung, der Konflikt wird gelöst.

Wie kommt es jetzt dazu, dass der Leser etwas spannend findet und weiterlesen möchte?

1. Die Geschichte/der Plot an sich muss spannend sein.

Eine langweilige Geschichte wird niemand lesen wollen. Es braucht einen Konflikt, etwas muss passieren, egal, ob man sich fragt, ob die Protagonistin den Protagonisten am Schluss heiratet oder ob der Raumschiffpilot den Außenposten mit dem Heilmittel rechtzeitig erreicht oder vielleicht der Ritter die Prinzessin zur Frau bekommt, weil er so tapfer gekämpft hat. Man wird keinen Leser mit einer Geschichte fesseln, die keinen Konflikt hat. Selbst das kleine Häschen, das sich im Garten verirrt und verzweifelt seine Mama sucht, indem es alle Tiere danach fragt und dabei allerhand lernt, ist interessanter als das Häschen, das von der Mama an die Hand genommen wird und alles gezeigt bekommt.

Da kommen wir gleich zum nächsten Punkt

2. Identifikation mit der Hauptfigur

Der Leser muss eine Beziehung zur Hauptfigur (den Hauptfiguren) aufbauen können. Er muss sich in die Hauptfigur hineinversetzen können, mit ihr mitfiebern. Das gelingt am besten, wenn man plastische, gut greifbare Charaktere entwickelt. Siehe dazu auch hier „Mary Sue, Gary Stu und die Gefahren der Figurenentwicklung. Die Beziehung zu den Romanfiguren entwickelt sich mit der Zeit. Selbst mit unsympathischen Charakteren lässt sich auf diese Weise etwas erreichen, sie brauchen nur eine Seite, die die Leser anspricht, etwa, er fällt trotz aller Bemühungen immer wieder auf die Nase, steht auf und macht weiter, auch wenn er dabei sein Umfeld nervt, terrorisiert und dem Leser somit andere Charaktere näher bringt.

3. Andeutungen

Es muss nicht immer alles sofort erklärt werden. „Der Tag fing toll an und sie trällerte ein Liedchen. Noch wusste sie nicht, was sie erwartete.“ Was geschieht im Laufe des Tages? Ist es gut oder schlecht? Andeutungen zeigen auf ein zukünftiges Ereignis, von dem noch nicht bekannt ist, wann es eintreten wird und was genau passiert. Auf jeden Fall wirkt es ungut und man möchte wissen, was weiter geschieht. Oft reicht ein Nebensatz aus, um diese kleine Spannung aufzubauen. „Er wusste nicht, ob er den nächsten Tag noch erleben wird.“ Das heißt, es steht noch etwas an, ein Kampf vielleicht, ein Unfall? Wird er überleben? Spannung heißt ja nicht zwingend, dass etwas Ungutes geschehen muss.

4. Der Konflikt an sich

Weil wir in jeder Szene einen Konflikt haben sollten, braucht jede einen kleinen Konflikt, selbst dann, wenn er unbedeutend erscheint, dient er der Figurenentwicklung.

Wir unterscheiden:

  • äußere Konflikte: Hier wird der Konflikt dem Charakter von außen aufgezwungen, z. B. verschiedene Interessensgruppen treffen aufeinander.
  • innere Konflikte: Diese rühren aus einer inneren Einstellung her, der Protagonist muss sich zwischen zwei Übeln entscheiden oder gegen sein Gewissen handeln.

Beides erzeugt Spannung, selbst dann, wenn es nur darum geht, wohin es in den Urlaub geht und ob auf dem Weg noch die Eltern der beiden besucht werden sollen.

5. Unerwartete Ereignisse/Wendungen:

Der Hauptcharakter stirbt, das ist natürlich eine völlig krasse Wendung. Tolkien hat das ganz gut mit Gandalf in Moria gelöst und seiner Wiederauferstehung als Gandalf der Weiße. Das geht aber auch mit kleinen Dingen, z. B. der Schulhofbösewicht pflegt eine Straßenkatze gesund. Der kurz angebundene Chef, der alle Mitarbeiter kurz hält und kaum mehr als ein genervtes Brummen für sie übrig hat, versorgt zuhause seine alten Eltern (natürlich mithilfe einer Pflegekraft) oder er hilft unerwartet einem Bettler oder einem verdienten Mitarbeiter aus der Patsche. Auch wenn es nicht so klingt, daraus lassen sich Konflikte bauen, die Mitarbeiter bzw. Mitschüler wissen nichts von diesen Aktionen, so kann man Mitleid mit einem an sich unsympathischen Charakter erzeugen, von bzw. über den man mehr wissen möchte.

6. Die Zeit drängt, Zeitnot … alles ist zu spät!

Die Uhr tickt. Das erzeugt immer Spannung. Die Bombe, die entschärft werden muss, der Zug, der in letzter Sekunde doch noch erwischt wird, der Flug mit Verspätung und damit die Angst, sein Ziel nicht mehr rechtzeitig zu erreichen, das lahmende Pferd, die herein brechende Nacht, mit der Ungeheuer kommen (siehe Pitch Black, der Film spielt mit der Angst vor der Dunkelheit). Ein älteres Beispiel wäre Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“, Phileas Foggs Reise werden dauernd Hindernisse in den Weg gelegt und alles verzögert sich.

7. Was? Wo ist der Schluss? Cliffhänger! Die Auflösung kommt später

Ein Cliffhanger lässt den Leser sozusagen in der Luft hängen. Entwickelt hat sich das im 19. Jahrhundert als Zeitschriften Fortsetzungsromane veröffentlicht hatten, die sich großer Beliebtheit erfreut hatten. Der Cliffhanger endet immer an einer spannenden Szene, damit der Leser voller Erwartung der Fortsetzung entgegenfiebert. Das funktioniert aber nicht nur bei Fortsetzungsromanen, es geht auch am Kapitelende. Der Leser weiß nicht, wie es weiter geht, was der Protagonist noch durchmachen muss, um aus dieser Lage zu entkommen und wird garantiert weiterlesen wollen.

8. Inhaltliche Tricks und Kniffe

Ein gutes Mittel, um Spannung zu erzeugen, ist es, Informationen vorzuenthalten. Das geht auf verschiedene Arten:

Der Leser und der Held wissen nichts. Z. B. Ein Angriff durch eine verhüllte Person. Es kommt zum Kampf, dabei bleibt unklar, wer der Angreifer ist und was er mit dem Helden vorhat. Wird er ihn töten, verletzen, verschleppen? Oder ein Dieb bestiehlt den Protagonisten und entwendet eine Kleinigkeit, von dem nicht klar ist, welchen Wert es hat. Wer ist der Dieb, was will er mit der Beute? In beiden Fällen wissen weder der Leser noch der Held mehr über das, was gerade passiert.

Jemand beobachtet den Protagonisten aus einem Versteck heraus und ist nur kurz zu sehen, aber nicht zu erkennen. Warum beobachtet er den Helden? Was ist sein Motiv?

Der Leser weiß Bescheid. Das ist das natürliche Mitfiebern, die Angst vor dem Kommenden. Eine verschlossene Tür, hinter der sich etwas Gefährliches befindet oder ein magischer Wald, der alles Lebende frisst – der Protagonist geht völlig ahnungslos darauf zu und gerät so in Schwierigkeiten. Als Leser möchte man ihn aufhalten, ihn warnen und muss natürlich lesen, wie die Situation ausgeht, wie der Protagonist damit umgeht. Huch … jetzt will ich es auch wissen. Dabei werde ich es nie erfahren, weil ich mir diese Kurzbeispiele schnell mal aus den Fingern sauge.

Der Held weiß Bescheid. Der Protagonist reitet auf eine Wiese zu und schaut sich dabei immer wieder sorgenvoll um. Nichts ist zu sehen, nur ein blauer Himmel, summende Hummeln und blühende Wiesenblumen. Aber der Protagonist wird von einem Gefühl der Dringlichkeit heimgesucht, er möchte weg von diesem idyllisch anmutenden Flecken. Was zum Henker ist dort los? Das geht auch in anderen Genres: Die Protagonistin schaute ihrem Ehemann in die Augen, der lächelte zuversichtlich und gab ihr einen Kuss, den sie zögernd erwiderte. Sie liebte ihn, war sich aber in dem Moment, als sie seine warmen Lippen auf ihren spürte, nicht mehr so sicher, ob das auf Gegenseitigkeit beruhte. Warum ist sie sich nicht sicher? Was weiß sie? Geht er fremd, der kleine Teufel?

9. Struktur

Der Roman sollte einen Spannungsbogen haben, der allerdings nicht permanent steigen soll, nur um dann am Ende abrupt abzufallen. Um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Bogen nicht zu überspannen, empfiehlt es sich, diese auch abfallen zu lassen, sowohl den Leser als auch den Protagonisten zu Atem kommen zu lassen. Niemand läuft stundenlang durch, ohne auch nur einmal ein klein wenig zu rasten und zu ruhen. So brauchen auch die Protagonisten einmal eine Pause, den Anschein der Ruhe und die Sicht auf das Ende, das dann natürlich nicht kommt, weil der Hauptkonflikt noch nicht gelöst ist. Vielleicht hat auch die Lösung eines kleinen Nebenkonflikts für die trügerische Sicherheit gesorgt, den Glauben, dass nun alles gut ist und dann – Bäng! Da ist die Spannung wieder.

Der Wechsel zwischen Spannung und Entspannung verhindert Langeweile, denn das dauernde Hetzen und Laufen, ständige Angst und Bedrohung, sich jagende Feuergefechte nutzen sich ab, wenn sie ständig präsent sind.

Der Held darf nach der Actionszene gern auf ein Bier gehen und dort trifft er unerwartet jemanden oder es ereignet sich etwas anderes – er wird niedergeschlagen, entführt … oder sonst etwas Unerwartetes, mit dem niemand gerechnet hat.

10. Einsatz der Sprache

Für Beschreibungen eignen sich lange, verschachtelte Sätze ganz gut, allerdings nicht, wenn man Action bzw. Spannung erzeugen möchte. Das heißt nicht, dass ein spannender Satz kurz sein muss, er sollte dann eben aus keinen Verschachtelungen bestehen, sondern aus aneinander gereihten, verknappten Hauptsätzen. Es hängt auch davon ab, ob die Spannung laut oder ruhig sein soll.

Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er spürte es sogar in den Schläfen. Kurz lehnte er sich an die Mauer und schloss die Augen. Lauschen, befahl er sich. Doch er hörte nur das eintönige Pochen seines Herzens. Babam. Babam. Babam. Waren das Schritte? Babam. Er öffnete die Augen, schaute sich um und lief weiter. Fehler! Fehler, kreischte sein Unterbewusstsein. Zu spät.

Oder

Er warf keinen Blick zurück, das brauchte er nicht. Ihre Schritte konnte er nicht überhören. Er hetzte weiter auf die Baumgruppe zu, sprang über einen schmalen Graben, warf sich hinter eine dicke Eiche, zog seine Waffe und brachte sich in Position. Das ist jetzt ein etwas längerer Satz, der dennoch nichts an Eile vermissen lässt. Einschübe würden hier eine Verlangsamung bewirken, so wirkt es dringend. Ich brauche nichts weiter zu beschreiben. Dem Verfolgten ist es völlig egal, ob der Baum eine schöne Rinde hat, sich die Blätter verfärben oder ein Reh in der Nähe steht. Ebenso geht es dem anderen, der an die Mauer gelehnt lauscht und in sein Verderben rennt. Will ich es schnell, eignet sich das zweite Beispiel, will ich nach jedem Hauptsatz einen Abschluss, weil der Protagonist sich versteckt, dann ist das erste Beispiel besser.

Kurze Absätze erzeugen ebenso Tempo wie kurze Sätze, lange Absätze eignen sich wieder für Ruhephasen.

Man kann Spannung durch viele Elemente erzeugen, so auch durch Dialoge, die in der Regel schneller gelesen werden als langatmige Beschreibungen, die natürlich auch nötig sind, um ein Bild von allem zu bekommen.

Eine gezielte Abwechslung zwischen rasantem Erzählen und längeren Beschreibungen erzeugt immer wieder neue Spannung und lässt wenig Raum für Langeweile beim Leser.

Wenn ihr noch etwas wisst, das hier fehlt, dann schreibt es doch bitte in die Kommentare. Ich freue mich auch auf eure Sicht der Spannung und wie ihr das macht. Natürlich freue ich mich auch über ein Like, wenn der Beitrag gefallen hat.

Viel Spaß beim Erzeugen von Spannung!

Klappe und Action! Wie schreibe ich eine spannende Actionszene?

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Explosionen, Brände, Verfolgungsjagden, Kämpfe … das alles gehört in Actionfilmen zu den beliebtesten und natürlich wichtigsten Zutaten. Es ist laut, Blitze zucken, Feuerwände, fliegende Autos und Menschen … Kugeln, die in Zeitlupe auf den Protagonisten zusteuern.

Das geht auch in einem Buch. Und wie schreibt man das?

Im Folgenden gebe ich ein paar Tipps, wie man das Tempo steigern kann und ohne Langeweile das Drumherum beschreibt – oder eher erlebt.

Sei dir klar über die Fähigkeiten der Charaktere (mehr zur Figurenentwicklung hier).

  • Was können sie?
  • Sind es Menschen oder andere Rassen, Magier, Krieger, Agenten?
  • Wie alt sind sie?
  • Was tragen sie bei sich? (Es gibt nichts Langweiligeres als eine Deus ex machina Maschinenpistole, die aus einem enganliegenden Catsuit gezogen wird.)

Je nach Setting und Genre wählt man die Fähigkeiten des Protagonisten. Die Fähigkeiten und das Können muss man dabei dem Alter und dem Ausbildungsstand des Protagonisten anpassen.

Selbst beim kräftigsten Protagonisten ermüdet der Schwertarm einmal oder er hat die Munition verschossen. Das sind nur Kleinigkeiten, die ein Buch authentisch machen, sei es nun ein Roman aus der realen Welt oder eine Fantasy bzw. SciFi-Geschichte.

Was gar nicht geht:

  • Der Jungspund, der schon alles kann, Kraft und Ausdauer hat wie Herkules (wenn er nicht gerade so eine Figur ist) und Bewegungsabläufe hinlegt, die einen Artisten vor Neid erblassen lassen.
  • Der alte Mensch, der voller Energie und Tatenkraft durch die Gegend hirscht und niemals müde wird. Können wird der allerdings etwas, es fragt sich nur in welchem Bereich. Denkt daran, selbst Gandalf ist müde geworden und hat eine Pause gebraucht.
  • Ein Verletzter, der sofort wieder aufspringt und weitermacht, als wäre nichts geschehen. Spontanheilungen eignen sich vielleicht noch für magische Wesen, aber auch hier ist eine kleine Wartezeit angezeigt.
  • Ein Charakter, egal welchen Alters, der niemals müde wird und keine Pause braucht.
  • Jeden Kampf oder jedes Kriegsgeschehen locker und problemlos psychisch wegstecken.
  • Magie ohne Fehler ständig anwenden zu können, ohne dabei Kraft zu verbrauchen oder sich vom Kampfgeschehen drumherum ablenken zu lassen.
  • Keine Angst vor dem Tod und Verletzungen hat.
  • Ein Protagonist, der immer trifft und nie getroffen wird.

Hier muss man trotzdem immer wieder das Genre anpassen, denn Superhelden haben andere Kräfte als Menschen unserer Zeit, trotzdem finde ich Fähigkeiten, die wie zufällig oder die rettende Hand in letzter Minute aus dem Hut gezaubert werden fragwürdig.

Es kommt zum Kampf.

Bild von ArtTower auf Pixabay 
  • Verkürze die Sätze, so nimmt die Szene Fahrt auf.
  • Vermeide Schachtelsätze oder zu viele Nebensätze.
  • starke Verben verwenden!
  • Möglichst viele Aktivsätze bilden.
  • So wenig wie möglich Adjektive einbauen. Ein Zuviel davon bremst die Szene.
  • Die Charaktere bleiben in Bewegung – selbst dann, wenn sie stehen, schauen sie sich um.
  • Gefahr lauert überall, also muss genau beobachtet werden. Was sieht der Protagonist, wenn er durch eine Tür tritt? Er muss das mit einem Blick aufnehmen können, zumindest die wesentlichen Dinge.
  • Was hört er?
  • Gibt es etwas Verdächtiges zu riechen?
  • Ein Luftzug?
  • Bedenke bei Luft-, Raum- und Unterwasserkämpfen, dass es auch oben und unten gibt.
  • Vergiss die Logik nicht! Die Leser bemerken unlogische Abläufe.

Ein Kampfplatz mit vielen Beteiligten ist in der Regel laut, da wird geschrien, geschossen, Wände brechen, Stahl verbiegt sich, Schrapnelle fliegen durch die Luft, Querschläger, Freund und Feind sind manchmal schwer zu unterscheiden … Es ist furchtbar. Das darf und soll in die Szene eingebaut werden, um ein wenig Realismus zu erzeugen. Meistens ist die Sicht durch irgendetwas behindert, sei es ein Helm oder Nebelgranaten, eine Gasmaske oder das kleine Sichtfenster eines Panzers. Bei Luftkämpfen sieht die Sache wieder anders aus, ebenso, wenn der Kampf Unterwasser stattfindet.

Er duckte sich hinter die Mauer. Mörtel und Ziegelstaub prasselte auf ihn herab und nahmen ihm zusätzlich die Sicht. Seine Ohren klingelten. Ein weiterer Mörsereinschlag in der Nähe verstärkte das Geräusch. Er schüttelte den Kopf, wollte es vertreiben. Es blieb. Der Boden unter ihm zitterte von der Wucht der Detonationen. Ein weiteres Haus ging zu Bruch. Voll Entsetzen sah er den halben Körper eines Menschen neben ihm landen. Er packte das leichte Maschinengewehr fester. Ein Magazin hatte er noch, dann war er wehrlos. Rasch hob er den Kopf und spähte über die Deckung. Was er sah, versetzte ihn in Furcht. Die Reihe der Feinde wirkte endlos. Wie Maschinen stampften die Deloaner auf seine Position zu, flankiert von Renonpanzern, die in regelmäßigen Abständen Tod und Feuer spuckten. Da fühlte er den Heldenmut in sich wachsen. Er sprang auf und hob das Gewehr. „Macht sie nieder!“, brüllte der Taube. Weiter kam er nicht. Mitten im Sprung wurde er aufgehalten. Jemand packte ihn von hinten an der Schulter und riss ihn zurück. „Komm! Hier ist nichts mehr zu machen!“, schrie sein Kamerad. In dem Augenblick donnerten drei Drohnenbomber über sie hinweg und ließen ihre tödliche Fracht fallen.

Textbeispiel H. K. Ysardsson

Ist der Kampf nur zwischen zwei oder drei Personen, tut sich natürlich weniger, was nicht heißt, dass rundherum nichts stattfindet. Es können Leute zuschauen, anfeuern, die Polizei auftauchen …

Es gilt auch, darauf zu achten, dass die Kleidung und die Umgebung zusammenpassen. Jemand in einer fetten Stahlrüstung würde wohl sang und klanglos im Wasser untergehen, außerdem kommt er nur noch schwer bis gar nicht auf die Füße, wenn er einmal gefallen ist. Außer es handelt sich um eine kybernetische Rüstung aus der Science-Fiction. Bei der Bewaffnung ist daran zu denken, dass ein megalanges Zweihänderschwert, das am Rücken in der Scheide steckt, also über die Schulter gezogen wird, in einer Schenke mit niedriger Deckenhöhe eher zu einem Hindernis als zu einer Waffe wird. Dabei ist noch zu bedenken, dass so eine Waffe nicht über den Rücken gezogen werden kann, nicht einmal mit einem Kurzschwert klappt das. Maximal 20 cm kann man aus dem Futteral bekommen, für mehr bräuchte man überlange Arme. Langschwerter aus einer an der Seite befestigten Scheide zu ziehen, birgt fast das gleiche Problem. Für diese Art der Waffen braucht man viel Platz. Es sind Hiebwaffen und keine Stichwaffen, wie z. B. das Florett, das leichter und handlicher ist und schnellere Bewegungen erlaubt.

Wenn man Kämpfe einbaut, ist eine Recherche unumgänglich, damit die Abläufe ein wenig realistisch bleiben. Es gibt ausreichend Schützenvereine, um ein Gefühl für Schusswaffen zu bekommen, Kampfsportvereine und Mittelalterfestivals, wo man verschiedenes ausprobieren kann. Manche Museen bieten auch interaktive Schauobjekte an. Hier Zeit zu investieren ist das Beste, das man einer actionreichen Geschichte antun kann.

Bild von Pixabay

Bei Schusswaffen gilt es den Rückstoß zu bedenken. Selbst kleine Pistolen haben den und erst recht schwere Waffen wie Maschinengewehre oder Pan-zerabwehrfäuste. Der Rückstoß eines Maschinengewehrs kann einem Ungeübten die Schulter ausrenken oder noch mehr Schaden anrichten.

Frauen mit bikiniartiger Bekleidung mögen zwar sexy aussehen, aber als Krieger sind sie untauglich, denn jede Verletzung könnte unge-schützte Organe treffen und zum Tod führen. Hier halte ich selbst in der Fantasy etwas Realismus für wünschenswert.

Superheldenmäßige Moves sind auch so eine Sache. Sprünge, Würfe, Stürze, jemanden packen, das alles unterliegt der Physik und sollte an die jeweilige Fantasiewelt und den Fähigkeiten des Charakters angepasst werden.

Alles hat einen Grund! Jede Kampfhandlung, jede noch so kleine Rauferei braucht einen plausiblen Auslöser. Los zu dreschen, nur um jemanden zu hauen, ist meistens etwas langweilig. Der Konflikt muss sich aufbauen. Selbst dann, wenn man Kriegshandlungen schreibt, egal in welchem Genre, bietet es sich an, etwas die Hintergründe im Vorfeld zu beleuchten. Die Helden gehen nicht aus Spaß zum Kämpfen.

Die Kneipenschlägerei stellt andere Anforderungen als das Aufeinandertreffen zweier Armeen auf freiem Feld oder eine Raumschlacht.

Bei Verfolgungsjagden muss man ebenso das eine oder andere beachten. Wie oben schon erwähnt, die Umgebung miteinbeziehen und ständig im Auge behalten. Von überallher könnten Gegner auftauchen. Um authentisch zu bleiben, braucht es auch hier einen guten Grund, warum der Protagonist nicht erwischt wird. Die Verfolger können den Befehl haben, ihn lediglich zu verfolgen und zu verunsichern oder sie sind einfach nur vom Pech verfolgt und der Protagonist hat das schnellere Fahrzeug, Reittier, bessere Magie etc. Doch auch hier gilt, dass man sich an die Fähigkeiten der handelnden Personen orientieren muss und die Physik nicht ganz aus den Augen verliert.

Viele Actionszenen in Filmen schauen cool aus, aber wenn man sich näher damit beschäftigt, wird man erkennen, dass das nur im Film funktioniert. Mit Hochgeschwindigkeit auf einem Motorrad über die Autobahn zu jagen, dabei Hindernissen auszuweichen und mit einem Maschinengewehr nach hinten auf die Verfolger zu schießen ist höchst unwahrscheinlich. Sofortige Explosionen ebenso. Den Reifen eines fahrenden Autos zu erwischen gelingt vielleicht noch einem talentierten Scharfschützen.

Es gibt zwar einiges zu bedenken bei Kampf- und Actionszenen, aber sie machen auch Spaß – sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben.

Als Beispiel für einen Kampf habe ich eine Szene aus meinem Buch Ludus vitae genommen. Hier kämpfen Gladiatoren um Leben und Tod:

Kaum hatte er ausgetrunken, gingen die Spiele weiter und die vier Gladiatoren für den Brückenkampf wurden gerufen. Auf der Brücke stand Tullius, neben ihm ein Retiarius aus Capua mit dem Namen Plinius. Als Secutores kämpften Gavin und ein Mann aus Arretium, der mit dem Namen „der Gallier“ aufgerufen wurde. Gavin mied es, gegen Tullius zu kämpfen und wählte die andere Seite. Er kannte Plinius nicht, hatte noch nie gegen ihn gekämpft und es war ihm egal, sollte er ihn töten müssen. Das Scutum vor die Brust haltend, stieg er die Rampe hoch. Steine flogen auf ihn zu, prallten am Schild und am Helm ab. Immer wieder musste er den Rückzug antreten. Tullius schien sich gut zu verteidigen, aber er wollte jetzt nicht mehr auf seinen Freund achten. Ein Stein traf ihn auf der ungeschützten Schulter und brachte ihn ins Taumeln, er machte einen unvorsichtigen Schritt zur Seite und fiel von der Rampe. Schmerzhaft landete er auf dem Rücken. Das Gladius fiel ihm in hohem Bogen aus der Hand und lag nun unter der Brücke. Aber die Steine hagelten weiter auf ihn ein. Er hoffte, dass dem Pontarius die Wurfgeschosse bald ausgingen, dann war es einfacher, auf die Brücke zu gelangen. Ein weiterer Stein landete auf seinem Helm und der Aufprall verstärkte die Kopfschmerzen. Er sah Sterne vor den Augen tanzen, dann lief er schreiend auf die Rampe zu. Das Gladius hatte er vergessen, es lag unbeachtet im Sand. Plinius warf den letzten Stein und griff dann mit dem Tridens an. Gavin ging nun seinerseits rascher vor, hielt das Schild vor sich und drängte gegen den Pontarius, der die Rampe herabkam. Doch der machte eine Finte und schob den Dreizack unter das Scutum, hebelte es Gavin beinahe aus der Hand. Er fühlte den Schmerz nicht, als sich eine Zacke in sein Bein bohrte, taumelte zurück, befreite sich und lockte gleichzeitig Plinius von der Brücke. Humpelnd versuchte er nun das Gladius zu erreichen, aber er war zu langsam. Also nahm er das Scutum als Waffe, biss die Zähne fest aufeinander und lief auf Plinius zu. Den Dreizack drückte er mit der Manica zur Seite, trat nach dem Mann und dann schlug er mit dem Schild zu und rammte es ihm in die ungeschützte Leibesmitte. So fest stieß er zu, dass das Schild im Bauchraum des Mannes steckenblieb. Der schrie wie von Sinnen, da nahm ihm Gavin den Dolch aus dem Gürtel und stieß ihn tief ins Herz des tödlich verwundeten Mannes. Dann kippte er selbst vornüber und atmete gegen die aufkommenden Schmerzen und die Übelkeit.

Textbeispiel Herta Krondorfer Ludus vitae

Nun bist du dran. Versuch dich an einer kurzen Szene. Oder schreibe mir in die Kommentare, wenn ich etwas vergessen habe.

Viel Spaß dabei.

Ein Buchstabe, ein Wort – ein Romananfang

Der erste Satz, der den Leser anspringen und in die Welt der Geschichte entführen soll, darüber haben die meisten Autoren schon gegrübelt, während sich die Leser daran erfreut haben und sich in eine spannende Geschichte haben entführen lassen oder sie haben das Buch gelangweilt zur Seite gestellt. Allerdings schreibe ich hier über Kunst, da gibt es kein Schema F, nachdem man vorgehen und den perfekt sitzenden Anfang schreiben kann. Romananfänge von hochgejubelten Romanen haben mich zum Gähnen gebracht, während wieder solche, die mir gefallen, anderen nur ein müdes Kopfschütteln entlockt.

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Trotzdem möchte ich diesem Thema etwas Zeit widmen.

Ist aller Anfang schwer?
Was macht einen guten Anfang aus?

Der Anfang soll packen, das Interesse wecken, ohne zu viele Informationen preiszugeben. Die Schwierigkeit besteht im Packen. Jedes Genre verlangt andere Wörter, jeder Leser will anders entführt werden, deshalb gibt es dafür auch kein Patentrezept, allenfalls Empfehlungen und von mir ein paar Beispiele, selbsterdacht natürlich.

Was am wichtigsten ist und man sich ab dem ersten Buchstaben vergegenwärtigen sollte, jeder Anfang ist ein Anfang – die Kunst steht nicht am Beginn, sondern am Ende, durchgehalten zu haben.

Beispiele:

Unruhig wälze ich mich im Bett herum. Die Schwüle im Zimmer lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Aber mehr als die Hitze, quälen mich die Gedanken an den vergangenen Tag. Warum musste sich Isabella einmischen?

Das ist ein einfacher Satz, der bereits etwas verrät, nämlich die Tageszeit, es ist höchstwahrscheinlich Nacht. Aber er lässt viele Fragen offen: Warum wälzt sich diese Person herum? Wer ist „ich“ Mann oder Frau? Was hat es mit dem Einmischen auf sich? Das sind Dinge, die zumindest die Neugier wecken, selbst dann, wenn sie den Leser noch nicht ganz am Schopf packen und mitziehen.

Das ist auch mit einer Ortsangabe möglich.

Ich lebte auf Ko Samui in einer Hütte am Strand. Das war ein Leben! Voller Farben und Frohsinn. Wir haben am Strand gesungen, Schmuck hergestellt und am Markt verkauft. Einfach herrlich. Bis sie aufgetaucht ist. Sie, die alles verändert hat.

Das sagt uns, dass dieser Ich in Thailand am Strand gelebt hat. Wir sehen die Insel vor uns, traumhafte Strände, Touristen, das Meer, hören die Wellen rauschen … Irgendwo taucht in den Gedanken vielleicht sogar ein Tempel auf und Elefanten. Aber wer ist dieser Ich? Ein Thai, ein Aussteiger, Hippie, Mann oder Frau? Warum lebt die Person nicht mehr dort? Wer ist die Frau? Fragen, die im folgenden Roman beantwortet werden und das auf hoffentlich spannende Art und Weise.

Die Schwierigkeiten begannen, kurz nachdem der Captain den Befehl zum Andocken an die Raumstation gegeben hatte.

Hier wissen wir, dass es sich um ein Sci-Fi-Abenteuer handeln muss. Es gibt Problem. Welcher Art sind sie? Wer hat die Probleme? Wer erzählt?

Anfänge können auch anders gestaltet werden. Man kann mitten ins Geschehen springen, wie schon in den Beispielen erwähnt oder eben eine Örtlichkeit erwähnen und dem Leser bereits Einblick in das Setting und die Umwelt geben.

Ein Anfang wird weniger schwer, wenn man sich überlegt, dass man ihn nach dem Ende des Schreibprozesses noch überarbeiten muss/kann/soll/darf, denn nichts kommt bereits perfekt aufs Papier und was dem einen Heiligtum, ist dem anderen Müll. Natürlich ist es nicht so krass, aber es läuft alles auf eine Geschmacksfrage hinaus.

Ich wage zu behaupten, es ist alles erlaubt, solange der Autor dahintersteht und es dem Leser gefällt. Trotzdem habe ich einige Punkte zusammengestellt, die man beim Schreiben bzw. nachher beachten kann.

Am besten ist es, einfach einmal anzufangen und aufzuschreiben, was einem in den Sinn kommt. Es bringt nichts, schon vor dem ersten Wort, nach dem perfekten ersten Satz zu suchen. Den Leser packt man auch noch im 2. oder 3. Satz, vielleicht sogar erst nach der ersten Seite. Es gibt so viele verschiedene Leser und Geschmacksrichtungen, wie es Schriftsteller gibt.

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Was man unbedingt beachten sollte:

  • keine Klischees
  • nicht zu viel Informationen
  • zu große Spannung, die im Folgenden kaum gehalten werden kann
  • zu viel Action mit massenweise Adjektiven (aber das gilt generell und besonders für Actionszene; zu viele Adjektive rauben die Spannung. Hier sind kurze, schnelle, verbenreiche Sätze die bessere Wahl. Dazu werde ich bestimmt noch einen Beitrag schreiben.)
  • das Genre beachten
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Man kann mit einer wörtlichen Rede beginnen, aber sofort ein empörtes Aufschreien oder Wutattacken zu äußern, die später mit zu viel Informationen gewürzt werden, ist meistens nicht so prickelnd.

Was bildet die sich nur ein!“, brüllte die Frau los, warf ihre Handtasche zu Boden und rauschte auf ihr Haus zu, wo gerade diese eingebildete Kuh stand und sich mit ihrem Mann unterhielt. Na, die würde gleich etwas erleben! Und erst er, dieser betrügerische Ehemann! Sie nahm sich vor, gleich morgen zum Rechtsanwalt zu gehen. Aber vorher würde dieses Weibsstück noch ihr blaues Wunder erleben! Ihr Gesicht geriet für einen Moment zu einer mörderischen Maske.

Das verrät einfach viel zu viel. Warum wird hier bereits der betrügerische Ehemann erwähnt?

„Dir werde ich es gleich zeigen!“, schrie er erbost und ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt würde es gleich krachen. Zornig war er aus dem Bett gesprungen und hastete in den Garten hinaus, um den irren Nachbarn ordentlich zu verdreschen. Es war hoch an der Zeit, dass er dem Kerl eine Abreibung verpasste und gerade eben war er auf 180.

So anzufangen ist zwar ein Einstieg mitten in die Handlung, aber ich finde es unschön und unklar. Abgesehen von der handelnden Person und ihrer aktuellen Gefühlswelt wissen wir nichts. Es ist schwammig und klischeehaft. Hier könnte man anders anfangen.

Der Spaziergang war so gemütlich gewesen. Die Sonne schien und alles war gut. Sie freute sich auf zuhause. Irgendwo war sogar der Ruf eines Kuckucks zu hören, was in den letzten Jahren sehr selten geworden war. Lustig schwang Jana ihre Handtasche und schaute zu ihrem Haus. Noch war sie einige Meter von der Gartenpforte entfernt. Niemand sonst hielt sich auf der Straße auf, die Gärten waren leer. Sie stutzte, blieb stehen und beugte sich etwas nach vorne, um zwischen zwei parkenden Autos hindurch schauen zu können. Da stand eine fremde Frau an ihrer Haustür und redete mit ihrem Mann! Was war da los? Ihre Laune sank in den Keller und das Misstrauen stieg an. Langsam schlich sie näher, querte unbemerkt die Straße und blieb an der Hainbuchen-Hecke stehen, damit sie alles beobachten konnte. Nun erkannte sie die Frau. Die war gar nicht fremd!

Jens wollte schlafen. Die Nachtschichten im Krankenhaus waren anstrengend genug. Da war er erst vor einer Stunde ins Bett gekrochen und dann fing dieser übereifrige Gartenfreund von Nachbar an, den Rasen zu mähen! Dem würde er es noch zeigen, dachte er und stopfte sich die Ohropax in die Gehörgänge, um endlich Ruhe zu haben. Bevor er einschlief, dachte er sich einen Racheplan aus. Stunden später weckte ihn das schrille Klingeln der Türglocke.

Infodumping tötet jede Spannung, besonders am Anfang. Es ist auch nicht gerade neu, sie in eine Rückblende zu packen, während der Charakter aus dem Fenster schaut oder in einen Spiegel. Am Anfang der Geschichte erzählt das zu viel und zerstört für den Fortgang die aufkommende Spannung. Besser ist es, das zu unterlassen und Hintergrundinformationen auf andere Art und Weise preis zu geben. Der Leser will nicht alles auf einmal wissen, er will auf eine Reise mitgenommen werden.

Diese Weisheit funktioniert in jedem Genre, jedoch sollten die Worte und Handlungen der Zielgruppe angepasst sein.

Fazit am Schluss:

  • Spannung aufbauen, ohne zu viel zu verraten (Spannung heißt hier nicht gleich Action).
  • Neugier erzeugen, Fragen aufwerfen, die der Leser beantwortet haben möchte.
  • Protagonist(en) vorstellen.
  • Ein wenig das Setting und die Welt präsentieren.
  • So wenig Klischee wie möglich.
  • Und das wichtigste: Schreiben, schreiben, schreiben … nicht lange nachdenken, machen!

Die ganzen Regeln, alle Tipps, die ich hier gegeben habe, greifen erst zum Schluss – beim Überarbeiten. Es sind keinesfalls in Stein gemeißelte Gesetze und daher auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und die Geschmackssache darf man nie außer Acht lassen.

Der erfolgreiche Autor macht sich keine Gedanken um den Anfang, er fängt an und bringt seinen Roman zu Ende. Mit erfolgreich meine ich diejenigen, die die Arbeit vollenden, nie aufgeben, weiter machen, auch wenn es unbequem wird.

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