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Stilblüten

Manchmal meint man es zu gut oder man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Metaphern, Redewendungen, Vergleiche und so ziemlich jedes andere Stilmittel kann eine Knospe zur Stilblüte beinhalten. Der Weg des Schriftstellers/der Schriftstellerin ist gepflastert mit guten Vorsätzen, die manchmal den Weg zur Hölle bilden und damit für unfreiwilliges Amüsement der Leserschar sorgen.

Ich glaube, niemand ist gefeit davor. Jeder hat schon Stilblüten produziert. Manchmal wächst sogar ein wahres Blütenmeer aus einem Text heraus.

Bild von Bingo Naranjo auf Pixabay 

Aber was ist eine Stilblüte überhaupt?

Als Stilblüte bezeichnet man Formulierungen, die durch einen Missgriff in der Wortwahl oder Wortstellung, durch Versprecher oder durch Mehrdeutigkeit ungewollt komisch wirken. Viele angebliche Stilblüten sind Phantasieprodukte bzw. wenig gelungene Neologismen (= neue Wortkreation). (Quelle: Wikipedia )

Aber auch falsch formulierte Redewendungen oder Kombinationen von Metaphern, falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler führen zu ungewollt komischen Assoziationen beim Leser.

In einer Satire oder anderen witzigen Werken kann man sie auch gezielt einsetzen, um so dem Leser noch mehr Doppeldeutigkeiten zu präsentieren. Allerdings mit Maß und Ziel. Auch zur Charaktergestaltung besonders für Dialoge, wenn eine Figur sehr bemüht ist oder vergesslich, ist es ein gutes Mittel, um diesen Umstand zu zeigen, ohne ihn zu beschreiben.

Hier habe ich einige Beispiele an Stilblüten, die mir auch im Laufe des Rollenspiels untergekommen sind oder ich im Laufe meines Lebens selbst fabriziert habe und ein paar habe ich aus dem Internet gefischt:

Falsche Wortwahl:

  • Samusa kann vielleicht merken, wie sich auch Simiras Haus erhitzt.
  • Blaue Augen jagten durch die Straße …
  • Mit seinen Augen wanderte er durch den Raum.
  • Er schliff sie durch das Zimmer.
  • Sie lächelt als sie ihren Kopf ablegt.
  • Erst viel später tastet er nach dem Beutel und greift ihn ab, dabei hinterlässt er auch am Stoff blutende Stellen.
  • Die Erde war zuerst flüssig und dann erkältet.

Falscher Satzbezug: (Das entsteht meistens durch eine irreführende Verwendung der Fürwörter)

  • Wenn meine Mutter große Wäsche macht, helfen wir ihr, legen sie in einen Korb, tragen sie auf den Speicher und hängen sie auf.

Doppeldeutigkeit:

  • Sie packte seinen Schwanz und setzte sich auf ihn.
  • Sie bekam keine Katze, weil ihre Mutter einen Vogel hatte.
  • Nur noch ein Seitensprung konnte ihn retten.

Dann gibt es noch die typischen Übersetzungsfehler und die allseits beliebte Autokorrektur. Aber das ist für den Schriftsteller weniger relevant.

Natürlich gibt es auch auf Behördenseite immer wieder lustige Fehler, wenn die Behörde sehr amtlich sein möchte und dabei übers Ziel hinausschießt.

Ich wollte erst einige Fotos einfügen, habe mich aber dagegen entschieden, um keine Bildrechte zu verletzen.

Aber auch falsch verwendete Redewendungen können zu ungewolltem Blütenwachstum führen. Es lohnt sich, wenn man bei Unsicherheiten noch einmal nachschlägt, wie eine Redewendung oder auch ein Fremdwort wirklich geschrieben wird.

  • Mir fallen die Schuppen aus den Augen. (Es fällt einem wie Schuppen von den Augen.)
  • Der Kelch bleibt an mir hängen. (Der sollte lieber vorübergehen, der Kelch.)
  • ein zweigleisiges Schwert (na hoffentlich fährt da keine Bahn drüber – zweischneidig ist es mir lieber.)
  • Sie brachte es aufs Tablett. (Ja, wenn sie mir Kaffee damit bringt, aber sie wollte es aufs Tapet bringen und damit eine Sache ansprechen.)
  • Auf ihrem Gebiet war sie eine Konifere. (Wer mag noch Nadelgehölze? – Gemeint ist natürlich die Koryphäe.)
  • Jetzt muss ich die Suppe für sie ausbaden. (Das ist nicht sehr appetitlich – man löffelt die Suppe aus, was in dem Fall auch nicht so toll ist.)
  • Er kippte sich einen Whisky hinter die Binsen. (Oh cool, dann hat er immer noch 0,0 Promille Alkohol im Blut. Richtig kippt man sich das Getränk hinter die Binde.)

Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem Blütenwachstum. Die Kommentarfunktion steht für weitere Stilblüten bereit. Haltet euch nicht zurück und teilt eure besten Stilblüten und Fails mit uns.

Show don’t tell – Neu und doch nicht neu

In vielen Schreibratgebern, auf Internetseiten und Kursen wird es gepredigt und als völlig moderne und auf den Film bezogene Art des Schreibens dargestellt, um die Leser mitzureißen. Deshalb verwenden die meisten von uns auch die englische Bezeichnung dafür. Kaum jemand sagt: Zeig es und erzähl es nicht. Meistens aus dem einfachen Grund, weil das Wort Erzählen so viel mehr bedeutet, als nur Fakten zu nennen.

Bereits in der Antike, war das ausführliche, ausschmückende Beschreiben, Umschreiben, Erzählen einer Handlung ein wichtiger Aspekt der Rhetorik. Wer einen Mordfall vor Gericht behandelte, beschrieb alles in den detailreichsten und blühendsten Farben, um die nötigen Gefühle bei den Zuhörern zu erzeugen und auch den Tathergang und den Tatort den Leuten näher zu bringen. Es gab ja keine Bilder davon. Das beschränkte sich aber nicht nur auf Mordfälle, sondern auf alle Reden, bei denen das Gefühl angesprochen werden musste.

So ist es auch heute noch.

Wir Schriftsteller und Schriftstellerinnen wollen die Leser/Leserinnen bei ihren Emotionen packen, sie mitnehmen in die Welt, die wir erschaffen haben. Sie sollen die Handlung mit möglichst allen Sinnen erleben, die wir mit dem geschriebenen Wort erreichen können.

Dabei meine ich nicht, jedes kleinste Detail zu erwähnen. Das wiederholte Zurückstreichen einer Haarsträhne wird ermüdend ebenso die zehnte Erwähnung eines holprigen Gangs. Beides ist übrigens auch nicht zwingend das berühmte Show.

Hier einige Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich meine: (Ich hab wirklich ein Problem damit, mich so auszudrücken, dass es keine Beispiele braucht.)

Beispiel 1a – nur die Fakten:

Die Schlacht war vorbei. Sie hatten verloren. Mit letzter Kraft stand er aufrecht und schaute dem Feind entgegen.

Beispiel 1b – mit mehr Details und ich nutze eine bildhafte Sprache:

Über dem Schlachtfeld wehte der Gestank des Todes. Pulverrauch und Asche hingen in der Luft. Vereinzelt drangen die Schreie der Verletzten und Sterbenden an sein Ohr, vermischt mit dem Ruf zum Festmahl der Raben. Das Katapult lag in Trümmern, das Vermächtnis einer einstigen militärischen Macht. Jetzt war es das Zeugnis des Versagens, ihres Versagens. Die Hufe des gegnerischen Heeres trommelten über das Schlachtfeld, zertrampelten die noch Lebenden und auch die Toten, zum Hohn der Besiegten. Die Augen brannten ihm, ebenso das Herz, das das Blut aus seinen Wunden pumpte und damit die heimatliche Erde tränkte.

So, die Schlacht ist immer noch verloren, aber wir haben jetzt ein Bild und ein wenig Gefühl dazu. Beide Beispiele haben die gleichen Fakten, aber 1b zeigt dem Leser mehr und lässt ihn die Niederlage viel näher erleben.

Beispiel 2a – nur die Fakten:

Sie ist müde, weil sie Überstunden machen muss.

Beispiel 2b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Sie gähnt herzhaft und geräuschvoll. Etwas mehr Schlaf täte ihr gut, aber sie hat keine Zeit dazu. Schon wieder hat ihr der Chef, dem zugegebenermaßen keiner eine Bitte abschlagen kann, Überstunden aufgebrummt. Wenn er nur nicht so toll aussehen würde! Sie seufzt verträumt. Ein weiteres Gähnen schließt sich dem an. Entschlossen versucht sie, sich die Müdigkeit aus den Augen zu reiben, steht auf und holt sich eine Tasse Kaffee. Die Arbeit muss fertig werden.

Zugegeben, es ist jetzt nicht das beste Beispiel, Schlachten liegen mir mehr, aber an diesem Beispiel sieht man deutlich, dass man mit persönlichen Einblicken der Protagonisten und ihren Gedanken viel mehr erreichen kann und zudem habe ich hier noch eingebaut, warum sie die Überstunden macht. Der Chef muss ja ein richtiger Sunnyboy sein (sagt man das heute noch so? Keine Ahnung.)

Beispiel 3a – nur die Fakten:

Er hatte Angst. Da war schon wieder dieses Geräusch. Er blieb stehen und horchte in die Dunkelheit, die ihn umgab.

Beispiel 3b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Er verspürte den Drang, davon zu laufen, sich zu verkriechen, aber er stand noch immer da wie festgewachsen. Eiskalte Finger schienen über seinen Rücken zu streichen und verursachten ihm eine Gänsehaut. Da war dieses Pochen wieder! Es war so tief, dass es im Boden vibrierte. Er duckte sich an die Wand, presste sich dagegen, doch auch das brachte keine Erleichterung. Die Schwingungen des dunklen Hämmerns drangen durch den Boden in seine Fußsohlen und zogen sich hoch bis in seinen Kopf. Woher kam das? Was war das? Leise stöhnte er, legte aber rasch eine Hand über seinen Mund, damit er das nicht wieder tat. Er musste still sein, völlig ruhig, sonst hörte es ihn. Dann zwang er sich vorwärts. Jeder Schritt fiel ihm schwer, als würde ihn etwas zurückhalten. Er starrte in die Dunkelheit, versuchte, wie eine Eule zu sehen, aber nichts als Schwärze bohrte sich in seinen Sehnerv.

Ohhhhkay … Es ist ja nur ein Beispiel und ich bin manchmal etwas detailverliebt. Aber ich denke, das zeigt schon deutlich, was ich meine.

Beispiel 4a

Der Hyperantrieb gab dem Schiff genug Schub, um es auf ein Vielfaches seiner derzeitigen Geschwindigkeit zu beschleunigen. Sterne waren nur noch als weiße Streifen zu erkennen.

Beispiel 4b

Sie gab den Befehl zum Sprung. Im Maschinenraum ging der Hyperraumantrieb online, das entsprechende Licht leuchtete auf ihrer Konsole auf. In Gedanken zählte sie von drei herab, dann veränderte sich das Bild auf dem Panoramafenster. Wo vorher noch starr und stationär wirkende Sterne zu sehen gewesen waren, zeigten sich jetzt weiße Bänder, zwischen denen sie dahinsausten. Obwohl sie bereits seit einer gefühlten Ewigkeit in der Raumflotte diente, war es für sie immer noch wie ein Wunder.

Erklärungen lassen sich oft durch etwas Show spannender und interessanter gestalten, werden dadurch aber länger.

Allerdings ist Show nicht immer und für alles das Richtige. Auf die Dosis kommt es an und die gute Mischung. Es gibt Szenen, die leben davon, andere sollten sich auf eine knappe Erzählweise beschränken. Das ist gut, wenn man über Belanglosigkeiten und oder längere Abläufe schreibt, Landschaften beschreibt oder einfach nur einen Zeitsprung einleitet.

Zum Beispiel:

Ihre Morgenroutine war schnell erledigt: Zähneputzen, Duschen, danach eine Tasse Tee und schon schwang sie sich auf ihr Fahrrad, um zur Arbeit zu fahren. Sie hatte zwar ein Auto, doch nutzte sie es selten, weil sie so gleichzeitig etwas für ihren Körper tat.

Oder

Schnell rief er noch bei seinem besten Kumpel an und sagte das Treffen für den morgigen Tag ab. Es gab Wichtigeres, als mit Sam zu zocken.

Am Fenster zogen die Bäume der breiten Allee vorbei, sanfte Hügel waren im Hintergrund zu erkennen. Alles sah aus, als hätte jemand mit Puderzucker die Landschaft bestreut. Schnurgerade zog sich die Straße entlang, die in der Ferne zu einem kleinen Punkt wurde und kein Ende zu nehmen schien.

Metaphern und Vergleiche helfen immer, ein Bild im Leser zu erzeugen. Aber man muss aufpassen, denn ein Zuviel wird schnell langweilig. Dazu ist es bei beiden wichtig, auf die Verständlichkeit zu achten. Zu „bunte“ Metaphern oder schlechte Vergleiche machen den Text nicht schöner, sondern im besten Fall unverständlich.

Auf die Mischung kommt es an.

Will ich Spannung und verschiedene Emotionen transportieren, dann ist Zeigen/Fühlen die bessere Wahl.

Eine Anmerkung zum Schluss. Dieser Beitrag ist meine Meinung zu dem Thema und kein Ratgeber.