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Warum ist ein Lektorat wichtig?

Kein Selfpublisher sollte am Lektorat sparen. Ich finde, dass das mitunter zu den wichtigsten Dienstleistungen in der Buchbranche vor dem fertigen Buch gehört. Ein Lektorat zerpflückt, zerstückelt und vernichtet nicht, es baut auf, es verbessert und bringt neuen Input.

Meine Lektorin Maren von Lektorat Schreibkunstwerk hat mich bislang noch immer gut vorwärts gebracht. Ich weiß, dass ich manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. So wird es auch allen anderen aus der schreibenden Zunft gehen. Irgendwann wird man betriebsblind, schreibt hinkende Sätze oder verwendet Metaphern, die am Ende ein unpassendes Schmunzeln verursachen. Stilblüten müssen nun wirklich nicht zwingend sein oder platter Humor.

Wie findet man nun den passenden Lektor für sein Manuskript?

Es gibt auf Instagram passende Hashtags und auf Facebook diverse Gruppe, in denen man nach Lektoren suchen kann. Oder man schaut auf den folgenden Internetadressen vorbei, dort gibt es ganze Listen an eingetragenen Lektoren und Lektorinnen.

https://www.lektoren.de/
http://www.lektorat.at/Lektorat.php
http://lektorate.ch/

Man kann sich informieren, schauen, ob der Preis passt und wie man überhaupt zusammen arbeitet. Dabei hilft ein Probelektorat oder man lässt einfach die nächste Kurzgeschichte von dieser Person lektorieren. Wenn die Chemie so gar nicht stimmt, ist es wenig sinnvoll, zusammen zu arbeiten. Da ist es besser, man sucht weiter.

Ich hatte mit meiner Lektorin großes Glück, oder auch wieder nicht, schließlich war ich ihr schon eine Weile auf Instagram auf den Fersen, also ich bin ihr schon ein ganzes Weilchen gefolgt, bis ich mich an sie herangewagt habe. Aber ich habe auch schon mit anderen Lektoren gearbeitet, zum Beispiel vom Magazin Litrobona, nachdem sie eine meiner Kurzgeschichten gekauft haben. Das scheint heute eine Werbesendung zu werden, dabei bekomme ich gar kein Geld dafür. Egal. Ich will nur meine Erfahrungen etwas breittreten.

Spart nicht am Lektorat. Man erkennt es. Ich merke es an meinen eigenen Büchern, die ich früher aus Geldmangel, ja, das ist ein häufiger Grund, warum es nicht gemacht wird, nicht habe machen lassen. Du kannst ein noch so gutes Manuskript schreiben, ein Lektor wird es noch besser machen. Das heißt ja nicht, dass man alle Veränderungs- oder Verbesserungsvorschläge annehmen muss. Zumindest regen die Anmerkungen durch das Lektorat zum Nachdenken über den eigenen Text an. Das ist immer gut und wichtig, schließlich sieht man ihn durch die Augen einer anderen Person, was ich für extrem wichtig halte. Logikfehler und Plotlöcher werden durch ein Lektorat aufgedeckt und vielleicht auch schon Ideen geliefert, wie man das schließen kann. Sie entwirren komplizierte Sätze oder bieten Wortalternativen an.

Einige Beispiele aus meiner Zusammenarbeit mit meiner Lektorin.

Ihr seht, es tut nicht weh und es steht auch was Gutes dort, das mich natürlich sehr freut. Diese kleinen Auszüge sind aus meinem neuen Roman „Wurzeln der Vergangenheit“, der im September 2022 bei Buchschmiede erscheinen wird.

Manch einer von euch wird jetzt sagen, dass auch Testleser hilfreich sind und nichts kosten. Ja, das stimmt, aber Testleser sind Leser und keine Lektoren. Klar, es ist kein geschützter Beruf und im Grunde kann jeder Hinz und Kunz Lektor werden, aber jemand, der sein Handwerk nicht versteht, wird nicht lange in diesem Beruf tätig sein, weil die Aufträge ausbleiben werden. Lektoren bilden sich in der Regel in ihrem Fach weiter, verbessern sich selbst, um für ihre Kunden – also uns Schriftsteller – das beste aus den Texten herauszuholen.

Gut ist gut, aber besser ist besser.

Also spart nicht am falschen Ende, lieber ein wenig länger auf die Veröffentlichung warten und sparen. Selfpulishing ist teuer, wenn man in Nischen, so wie ich, schreibt, ist es sehr selten, dass das investierte Geld wieder hereinkommt. Gerade am Anfang kann das dauern. Aber niemand sollte sich davon abschrecken lassen.

Und nun, viel Spaß beim Schreiben und beim Lesen.

(vielleicht schon bald meinen neuen Roman)

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Von Fremdwörtern und wie nötig sie sind

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Ich gebe es zu, ich liebe Fremdwörter. Im schlimmsten Fall haue ich etwas raus wie Distickstoffmonoxid (N2O) und noch viel Unlesbareres. Zum Glück für die Leser hat mir meine Lektorin damals auf die Finger geklopft und gesagt: »Du, du, schreib mal lieber Lachgas.« Nach etwas Überlegung hab ich das dann auch gemacht und sie hat recht gehabt.

Bei Fremdwörtern kommt es auf den richtigen Kontext an. Manchmal klingt es einfach nur lächerlich oder es ist ganz falsch als Synonym für etwas anderes eingesetzt.

Das heißt nicht, dass man gar keine Fremdwörter verwenden soll. Aber man soll sie erklären, der Text bzw. die Charaktere sollen die Vorlage für diese Wörter liefern. Das kann man anhand von Dialogen machen.

»Was sagen die Distickstoffmonoxid-Werte? Sind sie gestiegen?«

»Noch im Toleranzbereich. Höher darf der Lachgaswert nicht mehr werden. Wir müssen dringend eine Emissionsverringerung erreichen.«

Hier reden zwei Leute, die sich damit auskennen und bei denen es logisch ist, dass sie dieses Wort verwenden. Es sind Wissenschaftler. Hier habe ich noch das Wort Emission eingebaut, das aus dem lateinischen Wort emittere kommt und herausschicken, heraussenden bedeutet. Toleranz möchte ich auch noch als Fremdwort erwähnen, es ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen, tolerare, das erdulden, ertragen bedeutet.

Lustig wird es, wenn Wörter, die man recht häufig hört, falsch eingesetzt oder falsch geschrieben werden oder gar deren Bedeutung völlig missverstanden oder verdoppelt wird.

Das kommt vor, wenn man

  • Sich verhört
  • Etwas falsch versteht
  • Klug erscheinen möchte
  • Etwas nachplappert (Kinder machen das gern)
  • Das Wort zwar oft gehört/gelesen hat, aber nicht wirklich verstanden

Noch einmal ein paar Beispiele:

HIV-Virus, Virus ist in dem Fall unnötig, da das V in HIV bereits für Virus steht.

Guerilla-Krieg, ist eine Verdoppelung von Krieg

Ganz krass verdoppelt ist der genozidale Völkermord. So etwas habe ich schon in Zeitungen gelesen.

Er hat sich geschickt aus der Atmosphäre gezogen. – Wenn er nicht gerade aus der Atmosphäre in den Weltraum möchte und das geschickt gemacht hat, ist das völlig falsch.

Ihre Arbeit ist effektiv. – Das ist richtig, wenn man davon ausgeht, dass sie das Ziel erreicht hat (hat sie). Es ist falsch, wenn man die Bedeutung eines anderen Fremdwortes meint, nämlich effizient, dann würde sie auch die benötigten Mittel zur effektiven Lösung einbeziehen. Durch effektive und effiziente Arbeit hat sie das Jahresziel klar erreicht.

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Fremdwörter können sich einbürgern und normal werden. So sagte bereits Goethe:

»Ich verfluche allen negativen Purismus, dass man ein Wort nicht brauchen soll, in welchem eine andre Sprache vieles oder Zarteres gefasst hat.«

Johann Wolfgang von Goethe

Er hat in seinen Ausspruch ein Fremdwort eingeflochten, nämlich Purismus, das deutsche Wort dafür ist aber auch etwas sperrig, das wäre Streben nach Spracheinfachheit.

Dann gibt es noch die Fremdwörter, die so problemlos und gedankenlos verwendet werden, weil uns nicht bewusst ist, dass es welche sind. Nur ein paar Beispiele: Fenster, Sport, Reklame …

Ich muss den Bogen zum Schreiben wieder schaffen …

Zurück zu den Dialogen und wie man Fremdwörter verwenden kann, ohne dass Fremdscham aufkommt.

Wenn man einen Charakter hat, der klug erscheinen will, vielleicht ein schwaches Selbstbewusstsein hat und denkt, andere sind viel klüger als er, der könnte unter Umständen Fremdwörter falsch verwenden oder sie ungeschickt in seine Rede einbauen.

»Guten Morgen, Fritz. Sag mal, hast du die Hybridpflanzen ordentlich hydriert? Ich hab das gestern vergessen.«

»Ich mache mir keine völlig falsche Isolierung von mir und Jens. Wir sind ein perfektes Paar.« – Wenigstens hat sie perfekt gesagt und nicht perfide 😉

Diese Beispiele nennt man Malapropismus – man kann es bewusst als Stilmittel einsetzen oder sich einfach verhört haben oder man weiß es nicht besser. In einer Geschichte setzt man sie natürlich bewusst ein, um der Figur etwas mehr Farbe zu verleihen oder auch, um ein wenig Humor in eine sonst ernste Szene zu packen. Vielleicht setzt die Figur das falsche Wort aber auch absichtlich ein, um sein Gegenüber zu verwirren. Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Stilmittel zu nutzen.

Wie in meinem Eingangsbeispiel mit der Unterhaltung der Wissenschaftler kann man damit spielen. Ich bin trotzdem dafür, der Einfachheit halber, die deutschen Wörter zu verwenden, zumindest im Fließtext.

Beispiel:

Er scannte die Atmosphärenwerte und runzelte die Stirn. Die polychlorierten Dibenzo-p-dioxine nahmen zu. Ein Blick zu seiner Chefin zeigte ihm, dass sie es auch bemerkt hatte. Diese persistenten organischen Schadstoffe reicherten sich zunehmend in der Umwelt an.

Ich sehe die vielen Fragezeichen über den Köpfen der meisten Leser. Ich deutsche das schnell etwas ein, damit es jeder versteht, ich eingeschlossen.

Er scannte die Atmosphärenwerte und runzelte die Stirn. Die Dioxine, gefährliche Kohlenwasserstoffe, nahmen zu. Ein Blick zu seiner Chefin zeigte ihm, dass sie es auch bemerkt hatte. Diese Gifte reicherten sich zunehmen in der Umwelt an.

Man kann es sogar noch einfacher machen.

Er scannte die Atmosphärenwerte. Der Dioxingehalt nahm stetig zu und reicherte sich in der Umwelt an. Schon wieder waren die Werte gestiegen. Seine Chefin hatte das auch bemerkt. Sie mussten etwas gegen dieses Gift unternehmen.

Ich wollte keine Liste mit falsch verwendeten Fremdwörtern machen, davon gibt es ausreichend zu finden. Der Fokus dieses Beitrags soll auf deren Verwendung in Geschichten liegen.

Viel Spaß damit!

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Stilmittel Teil 5

dav

Es ist schon eine Weile her, dass ich diese Reihe begonnen habe und längst wieder an der Zeit, sie fortzuführen.

In diesem Beitrag widme ich mich Bekanntem und weniger Bekanntem, das bei näherer Betrachtung gar nicht so selten verwendet wird, wie man dem Namen nach vermutet.

  • Symbol
  • Synästhesie
  • Onomatopoesie
  • Litotes
  • Asyndeton
  • Chiasmus
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Da sind einige nette Wörter dabei, doch keine Angst, dahinter stehen einfache Dinge, die ich im Folgenden erklären und mit Beispielen würzen werde.

Symbol

Der Begriff kennt jeder, es wird auch in Bildern dargestellt und gibt es als synonyme Wörter bzw. Wortgruppen, deren Bedeutung auf den ersten Blick nichts mit dem Gemeinten zu tun hat.

Als Symbol wird die vereinfachte und stellvertretende Darstellung eines Objekts oder Sachverhalts bezeichnet, die allerdings keinen Rückschluss auf das Gemeinte liefern muss. Um verstanden zu werden, muss dem Leser die Bedeutung des Symbols bekannt sein.

Beispiele:

Leonie war niedergeschlagen. Mit gesenktem Blick stapfte sie über die Wiese. Von überallher reckten sich die vierblättrigen Kleeblätter in ihre Richtung, aber sie übersah die satten grünen Pflanzen, die auf sich aufmerksam machen wollten.

(Es geht um Glück)

Gestern hatten wir die weiße Taube losgeschickt, um so dem König des Golonischen Reichs zum Verhandeln zu zwingen. Bislang ist noch keine Antwort eingetrudelt, allerdings halten auch seine Angriffsreihen die Stellung und bewegen sich nicht weiter.

(Frieden)

Der Wettbewerb verlief für die Schüler der dritten Klasse sehr gut, sie hatten fünf Medaillen errungen.

(Sieg)

Man kann natürlich seine eigene Symbolik entwickeln, die sich immer wiederholt und so dem Leser verständlich wird. Auf jeden Fall darf es nicht zu abstrakt sein, was gemeint ist.

Manche Symbole werden immer wieder aufgegriffen wie die blaue Blume (die gibt es übrigens auch bei Shrek, fällt mir gerade ein: Blaue Blume, rote Dornen.) steht für Sehnsucht.

Aber auch der Odem bzw. Atem, der für das Leben steht.

Ihr seht, man kann schon einiges mit Symbolen bewirken. Aber es muss zum jeweiligen Text passen. Leichter ist es natürlich, wenn man bereits bekannte Symbole verwendet, wie in den Beispielen davor.

Sein Blick richtete sich auf die Sterne, die Weite des Alls und versank darin. Er glaubte, niemals wieder so frei zu sein, denn schon jetzt spürte er, wie der Wald nach ihm rief. Doch er wusste, eines Tages, würde er wieder zu den Sternen schauen.

Ich habe hier zwei Symbole erschaffen, einerseits die Sterne für die Freiheit und den Wald für das Bodenständige.

Synästhesie

In der Literaturwissenschaft bezeichnet Synästhesie die Vermischung zweier oder mehrerer Sinneseindrücke. Der Schriftsteller beschreibt dann z. B.

  • Geruchs- und Sehsinn
  • Riechen, sehen, schmecken
  • Tast- und Sehsinn

Das Verbinden mehrerer Sinneseindrücke, kann die Bedeutung erhöhen und vermittelt dem sonst Gegenständlichem etwas Sinnliches, verfrachtet es sozusagen auf die Gefühlsebene.

Wie leises Glockenklingen drang ihre Stimme an sein Ohr, es war der zarte Windhauch, der ihn streichelte, liebkoste und aus der Irre führte.

Hier habe ich den Hör- und Tastsinn in den Beispielsatz eingebaut.

Synästhesien gibt es aber auch in der Alltagssprache: schreiendes Rot, warme Farben, dunkle Töne

Onomatopoesie

Darunter bezeichnet man die sprachliche Nachahmung von Schallereignissen. Besser bekannt auch unter Lautmalerei, Klangmalerei, Lautnachmachung …

Bekannt sind 3 Arten:

  • Wortbildungen: Ein Wort, das in seinem Klang an das Gemeinte erinnert und lassen sich einer Wortart zuordnen. z. B. Kuckuck, krachen, knistern, knacken, ticken, …
  • Interjektionen: Es sind Einwürfe oder Ausrufe, die Laute nachahmen und lassen sich keiner Wortart zuordnen. Häufig kommen sie in Comics zum Einsatz. z. B. wumms, peng, krach. Oder sie bilden Tierlaute nach, die keiner Wortart zuzuordnen sind: mäh, wau, miau
  • Umschreibungen: Es handelt sich dabei um Wörter, die einen Laut beschreiben und nicht danach klingen. Sie können verschiedenen Wortarten angehören und auch Gruppen bilden. z. B. trompeten (Verb), metallisch klingen (Adjektiv+Verb), flöten,

Onomatopoesie hat auch in den Alltag Einzug gehalten:

Die Blätter rascheln. Die Kinder kichern. Die Reifen quietschen. Das Publikum klatscht.

Sämtliche Tierlaute.

Das Geheimnis herausposaunen.

Litotes

Hier geht es um die doppelte Verneinung, um eine Aussage abzuschwächen oder etwas ironisch auszudrücken. Man kann aber auch etwas hervorheben oder eine Kritik hübscher gestalten.

Verwendet wird es mit der doppelten Verneinung:

  • Sie hat damit nicht unrecht.
  • Das Kleid ist nicht unschön.
  • Etwas ist nicht ohne Witz.
  • Verneinung des Gegenteils:
  • Sie hat nicht wenig verdient.
  • Er sieht nicht übel aus.
  • Er ist kein übler Typ.

Ganz bekannt ist der Ausspruch: The Queen is not amused. – Da weiß jeder, dass die Königin verärgert ist, es ist nur hübscher verpackt.

Der falsche Litotes wird in verschiedenen Sprachen verwendet, z. B. in der bayrischen Mundart, und stellt eine Bekräftigung der Verneinung dar.

Des ham ma nia ned gmocht. (Das haben wir nie nicht gemacht.)

Es geht aber auch anders, ohne direkt die Verneinung zu benutzen, indem man eine Aussage abschwächt oder hervorhebt.

Terry Pratchett soll ganz witzig geschrieben haben, habe ich gehört. (Hier betont man, dass man den Schriftsteller für einen Verfasser sehr lustiger Werke hält.)

Da hast du dir eine nette Karre zugelegt. (Wenn man von etwas beeindruckt ist, es aber nicht sagen möchte.)

Asyndeton

Dabei handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Satzteilen, die nur durch ein Komma bzw. einen Punkt miteinander verbunden sind. Ich kam, ich sah, ich siegte.

Man kann das Asyndeton in allen Genres verwenden, um eine Stimmung zu steuern, das Tempo zu erhöhen oder etwas hervorzuheben. Auch der Blickwinkel lässt sich so bei Beschreibungen gut darstellen.

Beispiel:

Sie betrat den Raum, sah Sofa, Bilder, Bücherschrank an einer Wand, gegenüber das Fenster, die geschlossenen Vorhänge. Alles wirkte düster.

Häufig wird das Asyndeton auch in der Werbung eingesetzt:

Rittersport. Quadratisch. Praktisch. Gut.

Damit es nicht zu einfach wird, gibt es verschiedene Arten des Asyndetons:

  • Asyndeton adversativum: Zwei Aufzählungen werden einander gegenübergestellt. Zu Fuß, mit Bus, mit Bahn ist es umweltfreundlicher zu reisen als mit Auto, Flugzeug, Fähre.
  • Asyndeton consecutivum: Hier folgt eine Schlussfolgerung am Ende der Aufzählung. Wer, wie, was, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm.
  • Asyndeton enumerativum oder unzählbare Aufzählung, sie kann weitergeführt werden. Alle Menschen, arm, reich, dick, dünn, groß, klein, klug, dumm sollen gleich behandelt werden.
  • Asyndeton explicativum, erklärt etwas. Marienkäfer, Borkenkäfer, Hummeln, Fliegen gehören zu den Insekten.
  • Asyndeton summativum. Das Asyndeton wird durch ein Ergebnis zusammengefasst. Nichts macht glücklicher, lebendiger, freudiger, strahlender als die Liebe.

Das Gegenteil zum Asyndeton ist das Polysyndeton. Hier wird die Aufzählung durch ein Bindewort miteinander verbunden.

Er lief und hetzte und flitzte und sprang.

Der Fokus liegt auf dem Rennen, trotzdem ist das Tempo verlangsamt.

Chiasmus

Dieses Stilmittel wird häufig in der Lyrik eingesetzt. Es werden gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet. Das bedeutet, dass der Chiasmus die beinahe spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.

Der Chiasmus wird oft genutzt, um gegensätzliche Behauptungen hervorzuheben. Sie kommen in der Kreuzstellung der jeweiligen Satzbestandteile noch deutlicher zum Vorschein. Die Antithese ist nicht zwingend erforderlich, sondern kann durch den Chiasmus nur verstärkt werden.

Folglich hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf das Gesagte oder Geschriebene, da durch die Wiederholung die eigentliche Aussage in den Vordergrund rückt.

Um diese komplizierte Beschreibung zu verdeutlichen, Beispiele:

  • Oh Gott! Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben. (aus Faust, J. W. von Goethe)
  • Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen. (Karl Marx)
  • Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. (Wallenstein, F. Schiller)
  • Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.
  • Der Last war schwer, gering war die Entlohnung.

Noch eine Anmerkung zum Schluss des langen Beitrags:

Stilmittel sind eine Würze. Setzt sie wohldosiert ein, dann wird das Gericht auch köstlich und dem Leser Freude bereiten. Und euch auch.

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Stilblüten

Manchmal meint man es zu gut oder man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Metaphern, Redewendungen, Vergleiche und so ziemlich jedes andere Stilmittel kann eine Knospe zur Stilblüte beinhalten. Der Weg des Schriftstellers/der Schriftstellerin ist gepflastert mit guten Vorsätzen, die manchmal den Weg zur Hölle bilden und damit für unfreiwilliges Amüsement der Leserschar sorgen.

Ich glaube, niemand ist gefeit davor. Jeder hat schon Stilblüten produziert. Manchmal wächst sogar ein wahres Blütenmeer aus einem Text heraus.

Bild von Bingo Naranjo auf Pixabay 

Aber was ist eine Stilblüte überhaupt?

Als Stilblüte bezeichnet man Formulierungen, die durch einen Missgriff in der Wortwahl oder Wortstellung, durch Versprecher oder durch Mehrdeutigkeit ungewollt komisch wirken. Viele angebliche Stilblüten sind Phantasieprodukte bzw. wenig gelungene Neologismen (= neue Wortkreation). (Quelle: Wikipedia )

Aber auch falsch formulierte Redewendungen oder Kombinationen von Metaphern, falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler führen zu ungewollt komischen Assoziationen beim Leser.

In einer Satire oder anderen witzigen Werken kann man sie auch gezielt einsetzen, um so dem Leser noch mehr Doppeldeutigkeiten zu präsentieren. Allerdings mit Maß und Ziel. Auch zur Charaktergestaltung besonders für Dialoge, wenn eine Figur sehr bemüht ist oder vergesslich, ist es ein gutes Mittel, um diesen Umstand zu zeigen, ohne ihn zu beschreiben.

Hier habe ich einige Beispiele an Stilblüten, die mir auch im Laufe des Rollenspiels untergekommen sind oder ich im Laufe meines Lebens selbst fabriziert habe und ein paar habe ich aus dem Internet gefischt:

Falsche Wortwahl:

  • Samusa kann vielleicht merken, wie sich auch Simiras Haus erhitzt.
  • Blaue Augen jagten durch die Straße …
  • Mit seinen Augen wanderte er durch den Raum.
  • Er schliff sie durch das Zimmer.
  • Sie lächelt als sie ihren Kopf ablegt.
  • Erst viel später tastet er nach dem Beutel und greift ihn ab, dabei hinterlässt er auch am Stoff blutende Stellen.
  • Die Erde war zuerst flüssig und dann erkältet.

Falscher Satzbezug: (Das entsteht meistens durch eine irreführende Verwendung der Fürwörter)

  • Wenn meine Mutter große Wäsche macht, helfen wir ihr, legen sie in einen Korb, tragen sie auf den Speicher und hängen sie auf.

Doppeldeutigkeit:

  • Sie packte seinen Schwanz und setzte sich auf ihn.
  • Sie bekam keine Katze, weil ihre Mutter einen Vogel hatte.
  • Nur noch ein Seitensprung konnte ihn retten.

Dann gibt es noch die typischen Übersetzungsfehler und die allseits beliebte Autokorrektur. Aber das ist für den Schriftsteller weniger relevant.

Natürlich gibt es auch auf Behördenseite immer wieder lustige Fehler, wenn die Behörde sehr amtlich sein möchte und dabei übers Ziel hinausschießt.

Ich wollte erst einige Fotos einfügen, habe mich aber dagegen entschieden, um keine Bildrechte zu verletzen.

Aber auch falsch verwendete Redewendungen können zu ungewolltem Blütenwachstum führen. Es lohnt sich, wenn man bei Unsicherheiten noch einmal nachschlägt, wie eine Redewendung oder auch ein Fremdwort wirklich geschrieben wird.

  • Mir fallen die Schuppen aus den Augen. (Es fällt einem wie Schuppen von den Augen.)
  • Der Kelch bleibt an mir hängen. (Der sollte lieber vorübergehen, der Kelch.)
  • ein zweigleisiges Schwert (na hoffentlich fährt da keine Bahn drüber – zweischneidig ist es mir lieber.)
  • Sie brachte es aufs Tablett. (Ja, wenn sie mir Kaffee damit bringt, aber sie wollte es aufs Tapet bringen und damit eine Sache ansprechen.)
  • Auf ihrem Gebiet war sie eine Konifere. (Wer mag noch Nadelgehölze? – Gemeint ist natürlich die Koryphäe.)
  • Jetzt muss ich die Suppe für sie ausbaden. (Das ist nicht sehr appetitlich – man löffelt die Suppe aus, was in dem Fall auch nicht so toll ist.)
  • Er kippte sich einen Whisky hinter die Binsen. (Oh cool, dann hat er immer noch 0,0 Promille Alkohol im Blut. Richtig kippt man sich das Getränk hinter die Binde.)

Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem Blütenwachstum. Die Kommentarfunktion steht für weitere Stilblüten bereit. Haltet euch nicht zurück und teilt eure besten Stilblüten und Fails mit uns.

Show don’t tell – Neu und doch nicht neu

In vielen Schreibratgebern, auf Internetseiten und Kursen wird es gepredigt und als völlig moderne und auf den Film bezogene Art des Schreibens dargestellt, um die Leser mitzureißen. Deshalb verwenden die meisten von uns auch die englische Bezeichnung dafür. Kaum jemand sagt: Zeig es und erzähl es nicht. Meistens aus dem einfachen Grund, weil das Wort Erzählen so viel mehr bedeutet, als nur Fakten zu nennen.

Bereits in der Antike, war das ausführliche, ausschmückende Beschreiben, Umschreiben, Erzählen einer Handlung ein wichtiger Aspekt der Rhetorik. Wer einen Mordfall vor Gericht behandelte, beschrieb alles in den detailreichsten und blühendsten Farben, um die nötigen Gefühle bei den Zuhörern zu erzeugen und auch den Tathergang und den Tatort den Leuten näher zu bringen. Es gab ja keine Bilder davon. Das beschränkte sich aber nicht nur auf Mordfälle, sondern auf alle Reden, bei denen das Gefühl angesprochen werden musste.

So ist es auch heute noch.

Wir Schriftsteller und Schriftstellerinnen wollen die Leser/Leserinnen bei ihren Emotionen packen, sie mitnehmen in die Welt, die wir erschaffen haben. Sie sollen die Handlung mit möglichst allen Sinnen erleben, die wir mit dem geschriebenen Wort erreichen können.

Dabei meine ich nicht, jedes kleinste Detail zu erwähnen. Das wiederholte Zurückstreichen einer Haarsträhne wird ermüdend ebenso die zehnte Erwähnung eines holprigen Gangs. Beides ist übrigens auch nicht zwingend das berühmte Show.

Hier einige Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich meine: (Ich hab wirklich ein Problem damit, mich so auszudrücken, dass es keine Beispiele braucht.)

Beispiel 1a – nur die Fakten:

Die Schlacht war vorbei. Sie hatten verloren. Mit letzter Kraft stand er aufrecht und schaute dem Feind entgegen.

Beispiel 1b – mit mehr Details und ich nutze eine bildhafte Sprache:

Über dem Schlachtfeld wehte der Gestank des Todes. Pulverrauch und Asche hingen in der Luft. Vereinzelt drangen die Schreie der Verletzten und Sterbenden an sein Ohr, vermischt mit dem Ruf zum Festmahl der Raben. Das Katapult lag in Trümmern, das Vermächtnis einer einstigen militärischen Macht. Jetzt war es das Zeugnis des Versagens, ihres Versagens. Die Hufe des gegnerischen Heeres trommelten über das Schlachtfeld, zertrampelten die noch Lebenden und auch die Toten, zum Hohn der Besiegten. Die Augen brannten ihm, ebenso das Herz, das das Blut aus seinen Wunden pumpte und damit die heimatliche Erde tränkte.

So, die Schlacht ist immer noch verloren, aber wir haben jetzt ein Bild und ein wenig Gefühl dazu. Beide Beispiele haben die gleichen Fakten, aber 1b zeigt dem Leser mehr und lässt ihn die Niederlage viel näher erleben.

Beispiel 2a – nur die Fakten:

Sie ist müde, weil sie Überstunden machen muss.

Beispiel 2b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Sie gähnt herzhaft und geräuschvoll. Etwas mehr Schlaf täte ihr gut, aber sie hat keine Zeit dazu. Schon wieder hat ihr der Chef, dem zugegebenermaßen keiner eine Bitte abschlagen kann, Überstunden aufgebrummt. Wenn er nur nicht so toll aussehen würde! Sie seufzt verträumt. Ein weiteres Gähnen schließt sich dem an. Entschlossen versucht sie, sich die Müdigkeit aus den Augen zu reiben, steht auf und holt sich eine Tasse Kaffee. Die Arbeit muss fertig werden.

Zugegeben, es ist jetzt nicht das beste Beispiel, Schlachten liegen mir mehr, aber an diesem Beispiel sieht man deutlich, dass man mit persönlichen Einblicken der Protagonisten und ihren Gedanken viel mehr erreichen kann und zudem habe ich hier noch eingebaut, warum sie die Überstunden macht. Der Chef muss ja ein richtiger Sunnyboy sein (sagt man das heute noch so? Keine Ahnung.)

Beispiel 3a – nur die Fakten:

Er hatte Angst. Da war schon wieder dieses Geräusch. Er blieb stehen und horchte in die Dunkelheit, die ihn umgab.

Beispiel 3b – mit mehr Details und mehr Bilder:

Er verspürte den Drang, davon zu laufen, sich zu verkriechen, aber er stand noch immer da wie festgewachsen. Eiskalte Finger schienen über seinen Rücken zu streichen und verursachten ihm eine Gänsehaut. Da war dieses Pochen wieder! Es war so tief, dass es im Boden vibrierte. Er duckte sich an die Wand, presste sich dagegen, doch auch das brachte keine Erleichterung. Die Schwingungen des dunklen Hämmerns drangen durch den Boden in seine Fußsohlen und zogen sich hoch bis in seinen Kopf. Woher kam das? Was war das? Leise stöhnte er, legte aber rasch eine Hand über seinen Mund, damit er das nicht wieder tat. Er musste still sein, völlig ruhig, sonst hörte es ihn. Dann zwang er sich vorwärts. Jeder Schritt fiel ihm schwer, als würde ihn etwas zurückhalten. Er starrte in die Dunkelheit, versuchte, wie eine Eule zu sehen, aber nichts als Schwärze bohrte sich in seinen Sehnerv.

Ohhhhkay … Es ist ja nur ein Beispiel und ich bin manchmal etwas detailverliebt. Aber ich denke, das zeigt schon deutlich, was ich meine.

Beispiel 4a

Der Hyperantrieb gab dem Schiff genug Schub, um es auf ein Vielfaches seiner derzeitigen Geschwindigkeit zu beschleunigen. Sterne waren nur noch als weiße Streifen zu erkennen.

Beispiel 4b

Sie gab den Befehl zum Sprung. Im Maschinenraum ging der Hyperraumantrieb online, das entsprechende Licht leuchtete auf ihrer Konsole auf. In Gedanken zählte sie von drei herab, dann veränderte sich das Bild auf dem Panoramafenster. Wo vorher noch starr und stationär wirkende Sterne zu sehen gewesen waren, zeigten sich jetzt weiße Bänder, zwischen denen sie dahinsausten. Obwohl sie bereits seit einer gefühlten Ewigkeit in der Raumflotte diente, war es für sie immer noch wie ein Wunder.

Erklärungen lassen sich oft durch etwas Show spannender und interessanter gestalten, werden dadurch aber länger.

Allerdings ist Show nicht immer und für alles das Richtige. Auf die Dosis kommt es an und die gute Mischung. Es gibt Szenen, die leben davon, andere sollten sich auf eine knappe Erzählweise beschränken. Das ist gut, wenn man über Belanglosigkeiten und oder längere Abläufe schreibt, Landschaften beschreibt oder einfach nur einen Zeitsprung einleitet.

Zum Beispiel:

Ihre Morgenroutine war schnell erledigt: Zähneputzen, Duschen, danach eine Tasse Tee und schon schwang sie sich auf ihr Fahrrad, um zur Arbeit zu fahren. Sie hatte zwar ein Auto, doch nutzte sie es selten, weil sie so gleichzeitig etwas für ihren Körper tat.

Oder

Schnell rief er noch bei seinem besten Kumpel an und sagte das Treffen für den morgigen Tag ab. Es gab Wichtigeres, als mit Sam zu zocken.

Am Fenster zogen die Bäume der breiten Allee vorbei, sanfte Hügel waren im Hintergrund zu erkennen. Alles sah aus, als hätte jemand mit Puderzucker die Landschaft bestreut. Schnurgerade zog sich die Straße entlang, die in der Ferne zu einem kleinen Punkt wurde und kein Ende zu nehmen schien.

Metaphern und Vergleiche helfen immer, ein Bild im Leser zu erzeugen. Aber man muss aufpassen, denn ein Zuviel wird schnell langweilig. Dazu ist es bei beiden wichtig, auf die Verständlichkeit zu achten. Zu „bunte“ Metaphern oder schlechte Vergleiche machen den Text nicht schöner, sondern im besten Fall unverständlich.

Auf die Mischung kommt es an.

Will ich Spannung und verschiedene Emotionen transportieren, dann ist Zeigen/Fühlen die bessere Wahl.

Eine Anmerkung zum Schluss. Dieser Beitrag ist meine Meinung zu dem Thema und kein Ratgeber.