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Stilblüten

Manchmal meint man es zu gut oder man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Metaphern, Redewendungen, Vergleiche und so ziemlich jedes andere Stilmittel kann eine Knospe zur Stilblüte beinhalten. Der Weg des Schriftstellers/der Schriftstellerin ist gepflastert mit guten Vorsätzen, die manchmal den Weg zur Hölle bilden und damit für unfreiwilliges Amüsement der Leserschar sorgen.

Ich glaube, niemand ist gefeit davor. Jeder hat schon Stilblüten produziert. Manchmal wächst sogar ein wahres Blütenmeer aus einem Text heraus.

Bild von Bingo Naranjo auf Pixabay 

Aber was ist eine Stilblüte überhaupt?

Als Stilblüte bezeichnet man Formulierungen, die durch einen Missgriff in der Wortwahl oder Wortstellung, durch Versprecher oder durch Mehrdeutigkeit ungewollt komisch wirken. Viele angebliche Stilblüten sind Phantasieprodukte bzw. wenig gelungene Neologismen (= neue Wortkreation). (Quelle: Wikipedia )

Aber auch falsch formulierte Redewendungen oder Kombinationen von Metaphern, falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler führen zu ungewollt komischen Assoziationen beim Leser.

In einer Satire oder anderen witzigen Werken kann man sie auch gezielt einsetzen, um so dem Leser noch mehr Doppeldeutigkeiten zu präsentieren. Allerdings mit Maß und Ziel. Auch zur Charaktergestaltung besonders für Dialoge, wenn eine Figur sehr bemüht ist oder vergesslich, ist es ein gutes Mittel, um diesen Umstand zu zeigen, ohne ihn zu beschreiben.

Hier habe ich einige Beispiele an Stilblüten, die mir auch im Laufe des Rollenspiels untergekommen sind oder ich im Laufe meines Lebens selbst fabriziert habe und ein paar habe ich aus dem Internet gefischt:

Falsche Wortwahl:

  • Samusa kann vielleicht merken, wie sich auch Simiras Haus erhitzt.
  • Blaue Augen jagten durch die Straße …
  • Mit seinen Augen wanderte er durch den Raum.
  • Er schliff sie durch das Zimmer.
  • Sie lächelt als sie ihren Kopf ablegt.
  • Erst viel später tastet er nach dem Beutel und greift ihn ab, dabei hinterlässt er auch am Stoff blutende Stellen.
  • Die Erde war zuerst flüssig und dann erkältet.

Falscher Satzbezug: (Das entsteht meistens durch eine irreführende Verwendung der Fürwörter)

  • Wenn meine Mutter große Wäsche macht, helfen wir ihr, legen sie in einen Korb, tragen sie auf den Speicher und hängen sie auf.

Doppeldeutigkeit:

  • Sie packte seinen Schwanz und setzte sich auf ihn.
  • Sie bekam keine Katze, weil ihre Mutter einen Vogel hatte.
  • Nur noch ein Seitensprung konnte ihn retten.

Dann gibt es noch die typischen Übersetzungsfehler und die allseits beliebte Autokorrektur. Aber das ist für den Schriftsteller weniger relevant.

Natürlich gibt es auch auf Behördenseite immer wieder lustige Fehler, wenn die Behörde sehr amtlich sein möchte und dabei übers Ziel hinausschießt.

Ich wollte erst einige Fotos einfügen, habe mich aber dagegen entschieden, um keine Bildrechte zu verletzen.

Aber auch falsch verwendete Redewendungen können zu ungewolltem Blütenwachstum führen. Es lohnt sich, wenn man bei Unsicherheiten noch einmal nachschlägt, wie eine Redewendung oder auch ein Fremdwort wirklich geschrieben wird.

  • Mir fallen die Schuppen aus den Augen. (Es fällt einem wie Schuppen von den Augen.)
  • Der Kelch bleibt an mir hängen. (Der sollte lieber vorübergehen, der Kelch.)
  • ein zweigleisiges Schwert (na hoffentlich fährt da keine Bahn drüber – zweischneidig ist es mir lieber.)
  • Sie brachte es aufs Tablett. (Ja, wenn sie mir Kaffee damit bringt, aber sie wollte es aufs Tapet bringen und damit eine Sache ansprechen.)
  • Auf ihrem Gebiet war sie eine Konifere. (Wer mag noch Nadelgehölze? – Gemeint ist natürlich die Koryphäe.)
  • Jetzt muss ich die Suppe für sie ausbaden. (Das ist nicht sehr appetitlich – man löffelt die Suppe aus, was in dem Fall auch nicht so toll ist.)
  • Er kippte sich einen Whisky hinter die Binsen. (Oh cool, dann hat er immer noch 0,0 Promille Alkohol im Blut. Richtig kippt man sich das Getränk hinter die Binde.)

Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem Blütenwachstum. Die Kommentarfunktion steht für weitere Stilblüten bereit. Haltet euch nicht zurück und teilt eure besten Stilblüten und Fails mit uns.

Wortbedeutungen, Verwendungen und Synonyme Teil 6

Heute wende ich mich wieder einmal der deutschen Sprache generell zu und im Speziellen etwas, das uns als SchriftstellerInnen immer wieder begegnet. Wir brauchen es sogar, um einen Text spannend und unterhaltsam zu gestalten.

Synonyme

Photo by Pixabay on Pexels.com

Synonym sind Ausdrücke, die einen gleichen bis ähnlichen Bedeutungsumfang haben.

Ja, klingt einfach, kann aber ganz schön speziell und tricky sein, wenn man nicht aufpasst, denn nicht jedes Ersatzwort ist auch das passende. Hier muss man auf die Bedeutung des jeweiligen Wortes im Kontext achten. Ja, manche Wörter haben mehrere Bedeutungen. Es sind sogar sehr viele Wörter oder auch Wortgruppen, bei denen man aufpassen muss, um nicht am Ende lustige bis peinliche Satzkonstruktionen zu bauen.

In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage für eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. (das sagt Wikipedia dazu – und noch viel mehr, aber das ist keine wissenschaftliche Abhandlung.)

Im Folgenden werde ich einige Beispiele anführen.

Viel Spaß 😉

Ich habe mich für ein einfaches Wort entschieden. Schauen wir mal, was herauskommt.

„gehen“

Man denkt ja, damit kann man nichts falsch machen. Es ist klar, gehen = sich fortbewegen. Aber es kann auch kündigen bedeuten, entlassen, funktionieren, andauern, fortlaufend, gelingen … Je nach Kontext erschließt sich dann eine andere Bedeutung.

Schauen wir uns das anhand eines Satzes an, bei dem ich verschiedene Synonyme für gehen benutze.

  • Wir gehen auf einen Berg.
  • Wir wandern auf einen Berg.
  • Wir laufen auf einen Berg
  • Wir entlassen auf einen Berg.
  • Wir kündigen auf einem Berg.
  • Wir gelingen einen Berg.

Bis auf die ersten drei ist der Rest natürlich Unsinn, wobei man mit ein paar kleinen Änderungen, logische Sätze daraus machen kann, die jedoch nichts mehr mit der ursprünglichen Aussage, dass „wir auf einen Berg gehen“ zu tun haben.

Noch ein Beispiel, eines, das etwas weniger klar ist:

„Schuld“

Es ist deine Schuld!

Das kann hier bedeuten, dass du etwas falsch gemacht hast, in einer gewissen Sache schuldig bist oder es deine Verbindlichkeiten sind, die auf dir lasten. Wenn man hier ein Synonym wählen möchte, muss man schon etwas aufpassen oder man baut den Satz generell anders.

  • Es ist deine Schuld!
  • Es ist dein Fehler!
  • Es ist dein Versagen!
  • Es ist deine Pflicht!

Ich habe hier nicht alle verschiedenen Bedeutungen aufgelistet, aber man sieht bereits sehr deutlich, wie anders sich diese Sätze durch die Synonyme mit anderer Wortbedeutung lesen.

Dann gibt es noch Synonyme, die das Gegenteil dessen aussagen sollen, obwohl der Kontext im Grunde das gleiche bedeuten würde. Klingt irgendwie komisch, wenn ich das zu erklären versuche. Ich gebe euch ein Beispiel, dann verschwindet hoffentlich die Verwirrung.

Das ist keine Bleibe, das ist mein Appartement.

Hier sind Bleibe und Appartement von der Bedeutung her synonym, aber im Kontext bilden sie ein Antonym (also das Gegenteil), weil Bleibe hier abwertend gesehen wird.

Wann wirst du dir statt der Rostlaube ein richtiges Auto kaufen?

Hier gilt das gleiche, wie beim vorigen Beispiel.

Behaltet immer die Bedeutung des Wortes im Auge, das ihr ausgewählt habt, vergesst den schönen Klang und die Vorschläge des Thesaurus, manchmal sind die nämlich echt daneben.

Ich verwende sehr gern Woxikon für meine Synonymsuche, falls ich mal keines im Kopf habe.

Der Duden ist aber auch stets hilfreich, zumindest schadet es nichts, sich die Wortbedeutungen genau anzuschauen.

Noch kurz etwas zu den Antonymen.

Bei den Antonymen gilt eigentlich das gleiche Prinzip.

Wenn man nach einem passenden Antonym sucht, dann sollte man darauf achten, das richtige Wort zu verwenden.

  • Ihm läuft die Nase. (Er hat Schnupfen.)
  • Ihm steht die Nase. (Das ist doch irgendwie etwas eigenartig.)
  • Er hat keinen Schnupfen. Sein Schnupfen ist geheilt.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen wundervollen Tag und viel Spaß beim Entfernen von Wortwiederholungen!

Hier geht es zu den anderen Teilen dieser Serie:

Mary Sue, Gary Stu und die Gefahren der Figurenentwicklung

Die Figurenentwicklung scheint so einfach zu sein, aber sie birgt doch die eine oder andere Gefahr, zu sehr in Stereotypen zu denken und sie auch so zu entwickeln.

perfekte figuren
Bild von H. K. Ysardsson

Wikipedia erklärt es folgendermaßen:

Eine Mary Sue ist eine idealisierte und vermeintlich perfekte Kunstfigur. Diese Figur wird oft als Wunschvorstellung des Autors wahrgenommen. Üblicherweise kann sie Aufgaben erheblich leichter bewältigen als vergleichbare Figuren mit ähnlicher Ausbildung und Erfahrung. Die Bezeichnung wird oft für beide Geschlechter benutzt, zeitgleich existieren aber auch die männlichen Varianten Marty Sue und Gary Stu.

Seit den 1970er Jahren hat sich der Begriff Mary Sue bzw. Gary Stu für diese Superfiguren etabliert. Eine Figur einer Star Trek Fanfiction von Paula Smith war Namensgeberin dafür.

Diese Art der Figuren werden von allen gemocht, können alles, sehen supergut aus, sind jung, erfolgreich und überhaupt die ultimativen Helden. Diese Kunstfiguren werden von den Lesern oft als unrealistisch und langweilig wahrgenommen.

Es empfiehlt sich also, bei der Figurenentwicklung auf diese Dinge zu achten.

Bevor man sich an die Charaktererstellung macht, steht die Idee zu einer Geschichte. Die Geschichte braucht Protagonisten und eine/mehrere Hauptpersonen, die der Idee angepasst sein sollen.

Charakter hat Charakter

Es genügt, wenn man sich am Anfang nur über grobe Dinge im Klaren ist, später sollte die Figur allerdings etwas mehr als nur überragende Eigenschaften haben.

Der Autor sollte die Figuren gut kennen, selbst dann, wenn im Roman nicht so viel davon auftaucht. In folgender Liste habe ich einige wichtige Punkte angeführt, die man wissen muss, abgesehen vom Namen.

    • Geschlecht
    • Alter
    • Beruf
    • Charaktereigenschaften positive und negative
    • Gewohnheiten z. B. bestimmte Gesten oder Sprechweisen
    • Familie à sie können Nebencharaktere werden
    • Freunde, Bekannte, Kollegen
    • Aussehen (das muss im Roman nicht einmal alles beschrieben werden)
    • wenn es für die Handlung relevant ist, die sexuelle Ausrichtung
    • Wohnort
    • wenn es für die Handlung wichtig ist, der Glaube, die politische Gesinnung
    • Fähigkeiten, wie z. B. reiten, fechten, malen, Verkaufstalent, Magie …
    • Sprache – Muttersprache, Fremdsprachen, ev. Sprachfehler

Wer mag, kann sich einen Charakterbogen erstellen, sonst tut es auch ein Notizzettel.

Bild von H. K. Ysardsson

 

Hier habe ich einen Charakterbogen zum Download.


Natürlich gibt es im Internet noch zahlreiche andere Varianten zu finden, man kann sich aussuchen, was für einen persönlich am besten passt. Man muss nur aufpassen, dass man es nicht zu sehr mit Rollenspiel-Charakterbögen vermischt.

Um sich realistische Eigenschaften für die Figur auszusuchen, kann man sich echter Menschen bedienen, indem man diese beobachtet und Handlungen, Gesten, Mimik, Sprechweise und verschiedene Charaktermerkmale abschaut. Dabei muss man nur aufpassen, dass man diese Person nicht kopiert, besonders, wenn es sich um Leute aus dem eigenen Familien-/Freundes- oder Bekanntenkreis handelt, könnte sich jemand angestoßen fühlen. Hier ist etwas Feingefühl nötig und man schaut sich vielleicht nur an, wie diese Person redet, von der nächsten nimmt man die typische Handbewegung und vom nächsten ein paar Charaktereigenschaften. Auf jeden Fall ist es wichtig, andere Menschen zu beobachten. Beobachtung ist wichtig, um später im Roman und vorher bei der Charaktererstellung eine genaue Kenntnis menschlichen Verhaltens zu haben. Alltagssituationen sind am wichtigsten. In Ausnahmesituationen verhalten wir uns alle anders als normalerweise.

Am Ende des Beitrags gebe ich ein Beispiel, wie ich einen Charakter erstelle.

Nomen est Omen

name
Bild von H. K. Ysardsson

Der Charakter braucht noch einen Namen. Wohlklingende Namen sind immer gut. Aber sie müssen zur Umgebung passen, zum sozialen Umfeld und auch sonst stimmig sein. Wenn die liebe kleine Susi plötzlich zu einem männerreißenden Vamp wird, kann Susi schon etwas unglücklich wirken, außer sie nutzt diese Harmlosigkeit als Deckung für ihre Machenschaften.

Passende Namen zu finden, ist oft gar nicht so einfach. Im Internet gibt es zahlreiche Seiten mit Namensvorschlägen. Babyseiten sind da sehr hilfreich oder wenn man sich mehr in Sci-Fi und Fantasy herumtreibt, die entsprechenden Namensgeneratoren.

 

Wenn die Figur z. B. eine Afrikanerin ist, kommt es seltsam, wenn sie einen deutschen oder englischen Namen hat. Das müsste sich dann erst wieder aus der Biografie ergeben, z. B. Nachfahren irgendwelcher Kolonisten, sonst macht das wenig Sinn und die Figur wird unglaubhaft. Außer, es handelt sich dabei um eine Nordafrikanerin aus einer ehemaligen französischen Kolonie und die Dame hat einen französischen Namen.

Namen erzeugen unter Umständen Vorurteile. Jeder hat andere Vorstellungen zu einem Namen. Chantalle und Kevin sind zum Beispiel solche. Dann gibt es negativ behaftete Namen wie z. B. Adolf.

Die Protagonisten wollen aber auch einen Nachnamen.

Abgesehen von Fantasy und gewissen historischen Romanen ist ein Nachname empfehlenswert, wenn nicht sogar erwünscht, damit es zur Geschichte passt.

Auch bei den Nachnamen gilt das gleiche wie bei den Vornamen, und beide Namen sollten zusammenpassen. Chantalle Magermeier ist irgendwie – unpassend, wenn es schon eine Chantalle sein soll.

Man kann den Namen auch nach seiner Bedeutung auswählen, denn viele Namen haben eine Bedeutung, die in der Geschichte durchaus einen Sinn machen kann. Allerdings werden das nicht alle Leser wissen, wenn sie der Autor nicht auf die Spur bringt. Sonst ist das vielleicht eher für die Charaktererstellung relevant, um für sich bereits Eigenschaften festzulegen, die die Figur haben soll.

Ebenso kann man auch nach dem Klang auswählen. Manche Namen klingen wie Glöckchen, während andere mit einem dumpfen Poltern auf dem Boden landen.

Hier sind einige Links:
familie.de
babelli
vorname.com
beliebte Vornamen international
häufigste Familiennamen in Deutschland
Fantasynamensgenerator

 

Vergangenes und Prägendes

Der Charakter erscheint in der Geschichte nicht aus dem Nichts. Er braucht eine Vergangenheit, eine Biografie, Eltern, Geschwister, ein familiäres Umfeld, einen Beruf, Hobbys, einen Wohnort … Alles das, was jeder Mensch ebenfalls hat.

Die Vergangenheit prägt die Figur und sorgt dafür, dass sie die wird, die sie am Anfang des Romans ist. Stell dir einfach vor, wie sie aufgewachsen ist, male dir die Jugend aus (falls es kein Jugendroman ist) oder die Kindheit – die Schulzeit, einfach alles, was dazugehört. Das muss später nicht in den Roman einfließen, aber du lernst deine Figur kennen und kannst ihr so einige Ecken und Kanten verpassen, die durch die Vergangenheit entstanden sind.

Scheidungen gehören auch dazu, wie alle Verluste und Gewinne.

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Jedoch sollte man auch hier bedenken, dass die Figur nicht stereotyp bleibt. Nichts ist langweiliger als eine Romanfigur, die es bereits tausendfach oder noch öfter gibt, wie das schüchterne und hässliche Mädchen, das später zur Schulkönigin wird und den tollsten Typen abbekommt. Willkommen Mary Sue!

Eine junge Frau (noch keine 25 Jahre), die eine höhere Position in einer Hierarchie eingenommen, bereits zwei Hochschulabschlüsse in der Tasche hat und noch die besten Ideen, um die Lage für, die zum Beispiel marode Firma zu retten, hat, wird irgendwann langweilig und unglaubhaft. Man wird sie auch nicht mehr schreiben können, weil es nicht mehr geht – diese Figur wird irgendwann handlungsunfähig, weil es keine Steigerung mehr gibt. Sie kann nicht mehr entwickelt werden. Dann steht der Roman und man muss sich eine Lösung einfallen lassen – Mary Sue streichen und dem Charakter wirkliches Leben einhauchen.

Das ist das typische Beispiel eines langweiligen Protagonistin. Was will man mit der noch machen? Sie kann alles und rettet dann auch noch die Firma. Seid mal ehrlich, wen interessiert denn das?

Bei der Vergangenheit sollte man darauf achten, nicht zu sehr in Klischees abzudriften. Das eine oder andere kann gern verwendetet werden, aber zu viel tötet das Interesse an der Figur. 

 

Entwicklung während des Plottens oder die Zukunft

Wenn man plottet, ist es ratsam, sich die Entwicklungsschritte des Charakters aufzuschreiben. Er soll ja nicht gleichbleiben, sondern an den Aufgaben wachsen und etwas lernen. Natürlich braucht er am Anfang kein vollkommener Idiot zu sein, außer es gehört zur Handlung, weil das auch wieder unrealistisch ist, aber er muss nicht Mr. bzw. Mrs. Perfect sein. Der junge Selfmademultimillionär mit der perfekten Figur und den Manieren des altenglischen Gentleman, der sich in das Mädchen aus dem Kiosk verliebt … Na gut. Wohin will sich der Mann noch entwickeln? Er ist bereits perfekt, weiß, was es heißt, zu arbeiten, hat sich seine Millionen selbst erarbeitet und noch dazu perfekte Manieren. Willkommen Gary Stu.

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Entwicklung ist das, was während der Geschichte passiert, der ganze Ärger, der einer Figur in den Weg gelegt wird, den sie lösen muss, um weiter zu kommen, sei es jetzt etwas Neues lernen, einen Ort aufsuchen, an den sie sonst nie gehen würde, Abenteuer bestehen … Vielleicht treibt ihr diese Entwicklung auch nur ein paar blöde Angewohnheiten aus oder schickt sie durch eine schwere Krankheit … es gibt viele Wege, um die Entwicklung einer Romanfigur voranzutreiben. Am besten geht das mit unperfekten Leuten, Charakteren mit vielen Ecken und Kanten, die sich auch mal streiten, die vielleicht irgendwann über ihren Schatten springen und einen Fehler zugeben, die auch einmal auf die Schnauze fallen dürfen, aber dann wieder aufstehen und weitermachen. Wie lange sie dafür brauchen, hängt ganz von der Idee für die Geschichte ab.

 

Aussehen

Für mich ist das weniger wichtig, aber für den einen oder anderen Leser. Ich halte mich hier an die Devise: Weniger ist mehr.

Die Leser können sich sehr gut vorstellen, wie eine Figur aussieht. Ich empfehle, nur die markantesten Merkmale aufzuzeigen und im Roman nicht zwingend die Beschreibung in einem Stück zu schreiben, vielleicht sogar noch vor dem Spiegel stehend. Das ist öde.

Markant sind die Haarfarbe, Augenfarbe (wenn es denn schon sein muss), die Figur, besondere Merkmale wie Narben, Muttermale, Tattoos, Einschränkungen wie fehlende Gliedmaßen oder ein Rollstuhl, Gehhilfe, Brille, Hörgerät (sofern es zu sehen ist).

 

 

 

Ein Charakter mit körperlichen Einschränkungen ist bestimmt interessanter als ein perfekter, allerdings gibt es auch hier zu bedenken, dass man sich vorher ausreichend informiert, sonst hat man den stereotypen Rollstuhlfahrer, den man eigentlich nicht wollte. Die Leser goutieren das in den seltensten Fällen.

 

Sprechen

Nicht zum Aussehen, aber es gehört unumstößlich zur Figur dazu, ist die Stimme bzw. die Sprache. Damit meine ich jetzt nicht nur die Muttersprache, sondern auch die Art und Weise, wie jemand spricht. Ist die Stimme hoch, tief, polternd, piepsig, ängstlich, forsch … gehört das zum Charakterausdruck dazu? Stottert die Person? Hat sie sonstige Eigenheiten beim Sprechen? Vor jedem wichtigen Satz ein Räuspern? Lieblingswörter? Gibt es typische Gesten, die immer wieder auftauchen?

Miranda hatte so eine dumme Angewohnheit, die mir wahnsinnig auf die Nerven ging. Sobald sie den Mund aufmachte, hatte ich das Bedürfnis, mir Watte in die Ohren zu stopfen. Dabei ging es nicht darum, was sie sagte, sondern wie. Ich sollte sie mögen, schließlich ist sie meine große Schwester. Aber zwischen sollen und können liegt ein haushoher Unterschied.
Sie stand schon vorne am Sarg, faltete die Hände und hielt die Trauerrede. Ich hätte mir für Mutter etwas Schöneres gewünscht als Mirandas krähende Stimme und diese gezierte Dehnung einzelner Wörter. Arme Mutter. Noch heute tut mir das in der Seele weh. Ich hörte nicht mehr zu, erst als mich Peter mit dem Ellbogen anstieß, achtete ich wieder darauf. „Wir müssen sie aufhalten, Gerald. Sie fängt eben an, die Dreckwäsche zu waschen …“ Noch während er redete …

Anhand des Beispiels wissen wir, wie Miranda spricht und es macht sie unsympathisch. Mit der Stimme kann man also viel anfangen, ohne zu viel zu beschreiben, denn Stimme kann man zeigen, man muss sie nicht nur erzählen. 

 

Wünsche

Vielleicht hat der Charakter irgendwelche Träume und Wünsche für die Zukunft? Dann muss das unbedingt in die Geschichte eingebaut werden.

 

Beispiel

Name: Elisa
2. Name: Gabriela
Nachname: Nemec
Rufname: Elisa oder Eli
Wohnort: Kleinstadt im Alpenvorland; lebt im Wohnhaus der Eltern, das sie geerbt hat und zu einer kleinen Pension ausbauen möchte.
Beruf: Lehrerin für Kunst und Turnen
Charaktereigenschaften: eingebildet, kurz angebunden, besonders den Kollegen gegenüber, streng, bei den Schülern wenig beliebt, warmherzig (wenn jemand Hilfe braucht, weist sie den selten ab, verlangt aber Dankbarkeit)
Hobbys: reiten, Schifahren, Eislaufen, laufen, schwimmen, tanzen, malen

Vergangenheit:
ist in der Kleinstadt aufgewachsen, die sie nie richtig verlassen hat. Studium in der nächst größeren Stadt. Bereits als Kind hat sie viel Sport getrieben. Die Eltern hatten einen Bauernhof. Sie ist ein Einzelkind und sehr behütet aufgewachsen, hat am Hof geholfen und war oft mit den anderen Schulkindern unterwegs. Sie war normal integriert, ging in die Jungschar (katholischer Kindertreff), war Sternsingerin und später auch Jungscharleiterin. Sie hat Flöte und Gitarre gelernt, es aber nicht intensiv betrieben, dafür malt sie gern. Während des Studiums hat sie sich mehr und mehr zurückgezogen, fast nur noch gemalt und getöpfert und auch bei Wettbewerben mitgemacht, bis sie eines Tages damit ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet ist und sie jemand noch zusätzlich in den Dreck getreten hat (Das kann man weiter ausbauen und als zusätzlichen Konflikt in die Geschichte einbauen). Neider gibt es immer, aber das hat sie nie verstanden. Das hat sie sehr verletzt, ebenso die Auflösung der Verlobung durch ihren damaligen Freund Raimund Winter (der kann, muss aber nicht in der Geschichte auftauchen, ev. nur als Randerwähnung), der mir nichts dir nichts ins Ausland verschwunden ist.

Entwicklung:
Sie braucht Geld, um ihren Traum von der Pension zu verwirklichen, denn sie würde auch gern das eine oder andere Pferd in den Stall stellen, der natürlich, ebenso wie der Rest des alten Bauernhauses renoviert und umgebaut werden muss. Als Grundschullehrerin verdient sie nicht so viel, als dass ihr die Bank sofort einen Kredit geben würde. Grundstücksverkauf kommt für sie nicht in Frage, nicht, wenn sie Pferde halten möchte.

Sie wird aus sich hinausgehen und mehr auf andere Leute zugehen müssen, so wie sie es früher getan hat. Crowdfunding ist ihr Mittel der Wahl.

Lass die Geschichte beginnen …

 

 

Die Charakterentwicklung hat die eine oder andere Tücke, damit aus einer stereotypen Mary Sue eine glaubhafte Maria Susanne Mittermeier wird. Die grobe Figur, diese stereotype Grundmasse in eine glaubhafte und vielleicht sogar kontroverse Plastik zu verwandeln, erfordert einiges an Fingerspitzengefühl. Aber Übung macht bekanntlich den Meister und wie ich immer wieder betone, was dem einen ein Juwel, ist dem anderen nicht einmal einen ersten Blick wert.

 

VIEL SPASS BEI DER CHARAKTERERSTELLUNG!!!

Coververöffentlichung

Es ist so weit und ich zeige euch das Cover meines neuen Buches. Ich habe es absichtlich schlicht gehalten, weil es sich dabei um ein Sachbuch handelt.

Bild by H. K. Ysardsson

Es steht noch einiges an Arbeit an, besonders der Buchsatz wird viel Zeit kosten, allerdings habe ich für die meisten Seiten bereits ein Layout mit der Hand skizziert, so weiß ich jetzt schon, was wo hinkommt und wie formatiert wird.

Mehr zum Buch gibt es in kommenden Beiträgen.

Die folgenden Bilder zeigen die Versuche bis zum fertigen Bild, das ich später noch etwas digital bearbeitet habe, um es anschließend ins Cover einzufügen. Es handelt sich dabei um Aquarelle.

Ein Buchstabe, ein Wort – ein Romananfang

Der erste Satz, der den Leser anspringen und in die Welt der Geschichte entführen soll, darüber haben die meisten Autoren schon gegrübelt, während sich die Leser daran erfreut haben und sich in eine spannende Geschichte haben entführen lassen oder sie haben das Buch gelangweilt zur Seite gestellt. Allerdings schreibe ich hier über Kunst, da gibt es kein Schema F, nachdem man vorgehen und den perfekt sitzenden Anfang schreiben kann. Romananfänge von hochgejubelten Romanen haben mich zum Gähnen gebracht, während wieder solche, die mir gefallen, anderen nur ein müdes Kopfschütteln entlockt.

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Trotzdem möchte ich diesem Thema etwas Zeit widmen.

Ist aller Anfang schwer?
Was macht einen guten Anfang aus?

Der Anfang soll packen, das Interesse wecken, ohne zu viele Informationen preiszugeben. Die Schwierigkeit besteht im Packen. Jedes Genre verlangt andere Wörter, jeder Leser will anders entführt werden, deshalb gibt es dafür auch kein Patentrezept, allenfalls Empfehlungen und von mir ein paar Beispiele, selbsterdacht natürlich.

Was am wichtigsten ist und man sich ab dem ersten Buchstaben vergegenwärtigen sollte, jeder Anfang ist ein Anfang – die Kunst steht nicht am Beginn, sondern am Ende, durchgehalten zu haben.

Beispiele:

Unruhig wälze ich mich im Bett herum. Die Schwüle im Zimmer lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Aber mehr als die Hitze, quälen mich die Gedanken an den vergangenen Tag. Warum musste sich Isabella einmischen?

Das ist ein einfacher Satz, der bereits etwas verrät, nämlich die Tageszeit, es ist höchstwahrscheinlich Nacht. Aber er lässt viele Fragen offen: Warum wälzt sich diese Person herum? Wer ist „ich“ Mann oder Frau? Was hat es mit dem Einmischen auf sich? Das sind Dinge, die zumindest die Neugier wecken, selbst dann, wenn sie den Leser noch nicht ganz am Schopf packen und mitziehen.

Das ist auch mit einer Ortsangabe möglich.

Ich lebte auf Ko Samui in einer Hütte am Strand. Das war ein Leben! Voller Farben und Frohsinn. Wir haben am Strand gesungen, Schmuck hergestellt und am Markt verkauft. Einfach herrlich. Bis sie aufgetaucht ist. Sie, die alles verändert hat.

Das sagt uns, dass dieser Ich in Thailand am Strand gelebt hat. Wir sehen die Insel vor uns, traumhafte Strände, Touristen, das Meer, hören die Wellen rauschen … Irgendwo taucht in den Gedanken vielleicht sogar ein Tempel auf und Elefanten. Aber wer ist dieser Ich? Ein Thai, ein Aussteiger, Hippie, Mann oder Frau? Warum lebt die Person nicht mehr dort? Wer ist die Frau? Fragen, die im folgenden Roman beantwortet werden und das auf hoffentlich spannende Art und Weise.

Die Schwierigkeiten begannen, kurz nachdem der Captain den Befehl zum Andocken an die Raumstation gegeben hatte.

Hier wissen wir, dass es sich um ein Sci-Fi-Abenteuer handeln muss. Es gibt Problem. Welcher Art sind sie? Wer hat die Probleme? Wer erzählt?

Anfänge können auch anders gestaltet werden. Man kann mitten ins Geschehen springen, wie schon in den Beispielen erwähnt oder eben eine Örtlichkeit erwähnen und dem Leser bereits Einblick in das Setting und die Umwelt geben.

Ein Anfang wird weniger schwer, wenn man sich überlegt, dass man ihn nach dem Ende des Schreibprozesses noch überarbeiten muss/kann/soll/darf, denn nichts kommt bereits perfekt aufs Papier und was dem einen Heiligtum, ist dem anderen Müll. Natürlich ist es nicht so krass, aber es läuft alles auf eine Geschmacksfrage hinaus.

Ich wage zu behaupten, es ist alles erlaubt, solange der Autor dahintersteht und es dem Leser gefällt. Trotzdem habe ich einige Punkte zusammengestellt, die man beim Schreiben bzw. nachher beachten kann.

Am besten ist es, einfach einmal anzufangen und aufzuschreiben, was einem in den Sinn kommt. Es bringt nichts, schon vor dem ersten Wort, nach dem perfekten ersten Satz zu suchen. Den Leser packt man auch noch im 2. oder 3. Satz, vielleicht sogar erst nach der ersten Seite. Es gibt so viele verschiedene Leser und Geschmacksrichtungen, wie es Schriftsteller gibt.

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Was man unbedingt beachten sollte:

  • keine Klischees
  • nicht zu viel Informationen
  • zu große Spannung, die im Folgenden kaum gehalten werden kann
  • zu viel Action mit massenweise Adjektiven (aber das gilt generell und besonders für Actionszene; zu viele Adjektive rauben die Spannung. Hier sind kurze, schnelle, verbenreiche Sätze die bessere Wahl. Dazu werde ich bestimmt noch einen Beitrag schreiben.)
  • das Genre beachten
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Man kann mit einer wörtlichen Rede beginnen, aber sofort ein empörtes Aufschreien oder Wutattacken zu äußern, die später mit zu viel Informationen gewürzt werden, ist meistens nicht so prickelnd.

Was bildet die sich nur ein!“, brüllte die Frau los, warf ihre Handtasche zu Boden und rauschte auf ihr Haus zu, wo gerade diese eingebildete Kuh stand und sich mit ihrem Mann unterhielt. Na, die würde gleich etwas erleben! Und erst er, dieser betrügerische Ehemann! Sie nahm sich vor, gleich morgen zum Rechtsanwalt zu gehen. Aber vorher würde dieses Weibsstück noch ihr blaues Wunder erleben! Ihr Gesicht geriet für einen Moment zu einer mörderischen Maske.

Das verrät einfach viel zu viel. Warum wird hier bereits der betrügerische Ehemann erwähnt?

„Dir werde ich es gleich zeigen!“, schrie er erbost und ballte die Hände zu Fäusten. Jetzt würde es gleich krachen. Zornig war er aus dem Bett gesprungen und hastete in den Garten hinaus, um den irren Nachbarn ordentlich zu verdreschen. Es war hoch an der Zeit, dass er dem Kerl eine Abreibung verpasste und gerade eben war er auf 180.

So anzufangen ist zwar ein Einstieg mitten in die Handlung, aber ich finde es unschön und unklar. Abgesehen von der handelnden Person und ihrer aktuellen Gefühlswelt wissen wir nichts. Es ist schwammig und klischeehaft. Hier könnte man anders anfangen.

Der Spaziergang war so gemütlich gewesen. Die Sonne schien und alles war gut. Sie freute sich auf zuhause. Irgendwo war sogar der Ruf eines Kuckucks zu hören, was in den letzten Jahren sehr selten geworden war. Lustig schwang Jana ihre Handtasche und schaute zu ihrem Haus. Noch war sie einige Meter von der Gartenpforte entfernt. Niemand sonst hielt sich auf der Straße auf, die Gärten waren leer. Sie stutzte, blieb stehen und beugte sich etwas nach vorne, um zwischen zwei parkenden Autos hindurch schauen zu können. Da stand eine fremde Frau an ihrer Haustür und redete mit ihrem Mann! Was war da los? Ihre Laune sank in den Keller und das Misstrauen stieg an. Langsam schlich sie näher, querte unbemerkt die Straße und blieb an der Hainbuchen-Hecke stehen, damit sie alles beobachten konnte. Nun erkannte sie die Frau. Die war gar nicht fremd!

Jens wollte schlafen. Die Nachtschichten im Krankenhaus waren anstrengend genug. Da war er erst vor einer Stunde ins Bett gekrochen und dann fing dieser übereifrige Gartenfreund von Nachbar an, den Rasen zu mähen! Dem würde er es noch zeigen, dachte er und stopfte sich die Ohropax in die Gehörgänge, um endlich Ruhe zu haben. Bevor er einschlief, dachte er sich einen Racheplan aus. Stunden später weckte ihn das schrille Klingeln der Türglocke.

Infodumping tötet jede Spannung, besonders am Anfang. Es ist auch nicht gerade neu, sie in eine Rückblende zu packen, während der Charakter aus dem Fenster schaut oder in einen Spiegel. Am Anfang der Geschichte erzählt das zu viel und zerstört für den Fortgang die aufkommende Spannung. Besser ist es, das zu unterlassen und Hintergrundinformationen auf andere Art und Weise preis zu geben. Der Leser will nicht alles auf einmal wissen, er will auf eine Reise mitgenommen werden.

Diese Weisheit funktioniert in jedem Genre, jedoch sollten die Worte und Handlungen der Zielgruppe angepasst sein.

Fazit am Schluss:

  • Spannung aufbauen, ohne zu viel zu verraten (Spannung heißt hier nicht gleich Action).
  • Neugier erzeugen, Fragen aufwerfen, die der Leser beantwortet haben möchte.
  • Protagonist(en) vorstellen.
  • Ein wenig das Setting und die Welt präsentieren.
  • So wenig Klischee wie möglich.
  • Und das wichtigste: Schreiben, schreiben, schreiben … nicht lange nachdenken, machen!

Die ganzen Regeln, alle Tipps, die ich hier gegeben habe, greifen erst zum Schluss – beim Überarbeiten. Es sind keinesfalls in Stein gemeißelte Gesetze und daher auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und die Geschmackssache darf man nie außer Acht lassen.

Der erfolgreiche Autor macht sich keine Gedanken um den Anfang, er fängt an und bringt seinen Roman zu Ende. Mit erfolgreich meine ich diejenigen, die die Arbeit vollenden, nie aufgeben, weiter machen, auch wenn es unbequem wird.

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Erste Hilfe bei Schreibblockaden

Das Krankheitsbild: Du sitzt vor deinem Projekt und starrst es an. Die Richtung, in die es gehen soll, kennst du. Du kennst die Protagonisten, die Gegend, alles, was wichtig ist. Aber du fühlst nur eine ungeheure Leere im Hirn, wahlweise kann es sich auch wie Watte anfühlen. Das schlechte Gewissen nagt an dir, du läufst im Kreis, kaust an den Nägeln oder machst ähnlich schreckliche Dinge. Dein Selbstvertrauen sinkt ins Bodenlose und du glaubst schon, du schaffst nie etwas. Es ist furchtbar. Da ist einerseits der Drang zu schreiben, andererseits hast du das Gefühl, gar nichts zu können.

Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Das Gefühl ist real, aber … du kannst die kleinen Teufel Unsicherheit und Ideenlosigkeit verbannen.

Hier sind 8 Erste Hilfe Tipps.

1. Lies noch einmal, was du bisher geschrieben hast und wenn es nur die letzten fünf Seiten oder ein oder mehrere Absätze sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass du in die Szenerie eintauchst, ist recht hoch. Sobald du ein Gefühl dafür bekommen hast, dann spitz den Bleistift oder hau in die Tasten. Deine Geschichte will geschrieben werden, also wirst du es immer wieder können.

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2. Falls du noch nichts geschrieben hast oder mit dem Gelesenen trotzdem nicht weiterkommst, recherchiere zu dem Thema, bei dem du gerade hängst. Manchmal hilft zusätzliches Wissen ungemein. Und vergiss dabei nicht, dass du auf diese Weise auch an deinem Projekt arbeitest, selbst dann, wenn du vielleicht keinen Buchstaben zu Papier/auf den Bildschirm bringst. Jede Notiz, jedes Buch, das du zu einem für dich nötigen Thema liest, ist Recherche und Arbeit an deinem Roman/Sachbuch etc.

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3. Beschäftige dich mit etwas anderem, schreibe eine andere Geschichte, eine Kurzgeschichte oder Kürzestgeschichte, nur um wieder ins Schreiben zu kommen. Das ist besonders hilfreich, wenn diese Blockade schon länger andauert. Dazu nimmst du dir fünf oder sechs Wörter, suche sie dir aus einem Buch oder einer Zeitung wahllos heraus, und schreibe darum herum eine Geschichte. Dabei ist es völlig gleich, ob das ernsthaft oder absoluter Nonsens wird. Auf diese Art erreichst du wieder eine gewisse Schreibroutine und es fällt dir nicht mehr so schwer, etwas aus deinem Kopf zu bekommen. Außerdem wirst du merken, wie die Kreativität zurückkommt. Wahlweise kannst du auch einen Spaziergang, Ausflug oder anderes machen, um den Kopf frei zu bekommen. Vielleicht regt der Spaziergang sogar deine Fantasie an, weil du etwas siehst, das dich sofort in die Szene katapultiert, bei der du hängst.

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4. Notiere dir alles , was unbedingt in der Szene, die du schreiben willst, vorkommen soll. Dann fang an zu schreiben, es ist egal, wie gut oder schlecht es fürs Erste wird. Dein Vertrauen wird steigen, sobald du siehst, dass es voran geht. Selbst dann, wenn es nur ein Absatz werden sollte, ist es gut. Du hast die Blockade gebrochen!

Wenn du trotzdem glaubst, es geht noch nicht, schreibe einen Satz mit deiner Nichtschreibhand. Du merkst sehr schnell, dass du dich voll und ganz auf die Tätigkeit konzentrieren musst, um es zu schaffen. Nun schreibst du den ersten Satz, der dir für deine Geschichte in den Sinn kommt mit der linken/rechten Hand auf. Dein Fokus liegt nur auf der Tätigkeit. Die Konzentration auf das, was du angeblich nicht kannst, ist weg, weil du keine Zeit hast, darüber nachzudenken.

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5. Verabschiede dich vom Perfektionismus. Wenn du dauernd darüber nachdenkst, welche Wörter du verwenden sollst oder nicht und wie du den nächsten Satz konstruieren musst, dann wird das nichts. Du blockierst dich mit diesen Gedanken selbst. Du brauchst mit deinem ersten Entwurf keinen Preis gewinnen. Es ist ein Entwurf. Denke daran, dass du den am Ende noch gefühlte tausend Mal überarbeiten wirst.

Außerdem, Perfektion bringt dir nichts als Stagnation, du kommst nicht voran. Sag einfach leise Servus.

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6. Vergiss alle Schreibratgeber dieser Welt! Beim Niederschreiben deiner Gedanken sind sie eher hinderlich als förderlich. So gut sie auch sind und wie sehr sie beim Überarbeiten helfen, beim eigentlichen Schreibprozess hemmen sie. Lass deine Kreativität laufen. Adverbien, unnötige Adjektive, Wortwiederholungen, Passivsätze? Wen kümmert das im ersten Fluss? Du kannst das später noch ändern! Denke daran, dein Schreibprogramm hat einige nützliche Eigenschaften, darunter die, des Löschens und Speicherns!

Schreib frei von der Leber weg, so wie deine Gedanken im Kopf sind. Du wirst sehen, dass sich bald ein Erfolg einstellt und du die Blockade überwunden hast. Korrekturen und Überarbeitung kommen ganz zum Schluss, dann holst du die Schreibratgeber, den Duden, das Synonymwörterbuch oder was auch immer du benutzt, wieder hervor.

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7. Vergleiche dich nicht mit anderen. Das ist in Zeiten des Socialmedia nicht so einfach, weil du und wir alle dauernd damit konfrontiert sind. Ich weiß, Kollegin/Kollege XY hat schon so und so viel veröffentlich oder eine enorme Menge an Wörtern geschrieben. Das ist egal. Kümmere dich um dich selbst. In dieser Hinsicht darfst du egoistisch sein. Natürlich darfst du dich auch am Erfolg der anderen freuen, aber messe dich nicht damit. Erfolg fühlt sich für jeden anders an.

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8. Entferne alles, was dich ablenken könnte. Mache es dir beim Schreiben gemütlich oder so, wie du es gernhast. Musik oder Stille, alles ist erlaubt, was dir die Freude daran zurückbringt. Sieh das Schreiben als Belohnung an. Du darfst schreiben! Du willst schreiben! Schreiben ist deine Berufung, also kannst du es! Belohne dich mit dem Schreiben, weil du gut bist, und für das Schreiben, weil du gearbeitet hast (vielleicht nicht gerade mit Naschereien).

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Und nun dürften dir diese Blockaden keine allzu großen Schwierigkeiten mehr machen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und Erfolg, wie groß oder klein er dir auch erscheinen mag, bei deiner Schöpfung.