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Stilmittel Teil 5

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Es ist schon eine Weile her, dass ich diese Reihe begonnen habe und längst wieder an der Zeit, sie fortzuführen.

In diesem Beitrag widme ich mich Bekanntem und weniger Bekanntem, das bei näherer Betrachtung gar nicht so selten verwendet wird, wie man dem Namen nach vermutet.

  • Symbol
  • Synästhesie
  • Onomatopoesie
  • Litotes
  • Asyndeton
  • Chiasmus
Bild von Pixabay

Da sind einige nette Wörter dabei, doch keine Angst, dahinter stehen einfache Dinge, die ich im Folgenden erklären und mit Beispielen würzen werde.

Symbol

Der Begriff kennt jeder, es wird auch in Bildern dargestellt und gibt es als synonyme Wörter bzw. Wortgruppen, deren Bedeutung auf den ersten Blick nichts mit dem Gemeinten zu tun hat.

Als Symbol wird die vereinfachte und stellvertretende Darstellung eines Objekts oder Sachverhalts bezeichnet, die allerdings keinen Rückschluss auf das Gemeinte liefern muss. Um verstanden zu werden, muss dem Leser die Bedeutung des Symbols bekannt sein.

Beispiele:

Leonie war niedergeschlagen. Mit gesenktem Blick stapfte sie über die Wiese. Von überallher reckten sich die vierblättrigen Kleeblätter in ihre Richtung, aber sie übersah die satten grünen Pflanzen, die auf sich aufmerksam machen wollten.

(Es geht um Glück)

Gestern hatten wir die weiße Taube losgeschickt, um so dem König des Golonischen Reichs zum Verhandeln zu zwingen. Bislang ist noch keine Antwort eingetrudelt, allerdings halten auch seine Angriffsreihen die Stellung und bewegen sich nicht weiter.

(Frieden)

Der Wettbewerb verlief für die Schüler der dritten Klasse sehr gut, sie hatten fünf Medaillen errungen.

(Sieg)

Man kann natürlich seine eigene Symbolik entwickeln, die sich immer wiederholt und so dem Leser verständlich wird. Auf jeden Fall darf es nicht zu abstrakt sein, was gemeint ist.

Manche Symbole werden immer wieder aufgegriffen wie die blaue Blume (die gibt es übrigens auch bei Shrek, fällt mir gerade ein: Blaue Blume, rote Dornen.) steht für Sehnsucht.

Aber auch der Odem bzw. Atem, der für das Leben steht.

Ihr seht, man kann schon einiges mit Symbolen bewirken. Aber es muss zum jeweiligen Text passen. Leichter ist es natürlich, wenn man bereits bekannte Symbole verwendet, wie in den Beispielen davor.

Sein Blick richtete sich auf die Sterne, die Weite des Alls und versank darin. Er glaubte, niemals wieder so frei zu sein, denn schon jetzt spürte er, wie der Wald nach ihm rief. Doch er wusste, eines Tages, würde er wieder zu den Sternen schauen.

Ich habe hier zwei Symbole erschaffen, einerseits die Sterne für die Freiheit und den Wald für das Bodenständige.

Synästhesie

In der Literaturwissenschaft bezeichnet Synästhesie die Vermischung zweier oder mehrerer Sinneseindrücke. Der Schriftsteller beschreibt dann z. B.

  • Geruchs- und Sehsinn
  • Riechen, sehen, schmecken
  • Tast- und Sehsinn

Das Verbinden mehrerer Sinneseindrücke, kann die Bedeutung erhöhen und vermittelt dem sonst Gegenständlichem etwas Sinnliches, verfrachtet es sozusagen auf die Gefühlsebene.

Wie leises Glockenklingen drang ihre Stimme an sein Ohr, es war der zarte Windhauch, der ihn streichelte, liebkoste und aus der Irre führte.

Hier habe ich den Hör- und Tastsinn in den Beispielsatz eingebaut.

Synästhesien gibt es aber auch in der Alltagssprache: schreiendes Rot, warme Farben, dunkle Töne

Onomatopoesie

Darunter bezeichnet man die sprachliche Nachahmung von Schallereignissen. Besser bekannt auch unter Lautmalerei, Klangmalerei, Lautnachmachung …

Bekannt sind 3 Arten:

  • Wortbildungen: Ein Wort, das in seinem Klang an das Gemeinte erinnert und lassen sich einer Wortart zuordnen. z. B. Kuckuck, krachen, knistern, knacken, ticken, …
  • Interjektionen: Es sind Einwürfe oder Ausrufe, die Laute nachahmen und lassen sich keiner Wortart zuordnen. Häufig kommen sie in Comics zum Einsatz. z. B. wumms, peng, krach. Oder sie bilden Tierlaute nach, die keiner Wortart zuzuordnen sind: mäh, wau, miau
  • Umschreibungen: Es handelt sich dabei um Wörter, die einen Laut beschreiben und nicht danach klingen. Sie können verschiedenen Wortarten angehören und auch Gruppen bilden. z. B. trompeten (Verb), metallisch klingen (Adjektiv+Verb), flöten,

Onomatopoesie hat auch in den Alltag Einzug gehalten:

Die Blätter rascheln. Die Kinder kichern. Die Reifen quietschen. Das Publikum klatscht.

Sämtliche Tierlaute.

Das Geheimnis herausposaunen.

Litotes

Hier geht es um die doppelte Verneinung, um eine Aussage abzuschwächen oder etwas ironisch auszudrücken. Man kann aber auch etwas hervorheben oder eine Kritik hübscher gestalten.

Verwendet wird es mit der doppelten Verneinung:

  • Sie hat damit nicht unrecht.
  • Das Kleid ist nicht unschön.
  • Etwas ist nicht ohne Witz.
  • Verneinung des Gegenteils:
  • Sie hat nicht wenig verdient.
  • Er sieht nicht übel aus.
  • Er ist kein übler Typ.

Ganz bekannt ist der Ausspruch: The Queen is not amused. – Da weiß jeder, dass die Königin verärgert ist, es ist nur hübscher verpackt.

Der falsche Litotes wird in verschiedenen Sprachen verwendet, z. B. in der bayrischen Mundart, und stellt eine Bekräftigung der Verneinung dar.

Des ham ma nia ned gmocht. (Das haben wir nie nicht gemacht.)

Es geht aber auch anders, ohne direkt die Verneinung zu benutzen, indem man eine Aussage abschwächt oder hervorhebt.

Terry Pratchett soll ganz witzig geschrieben haben, habe ich gehört. (Hier betont man, dass man den Schriftsteller für einen Verfasser sehr lustiger Werke hält.)

Da hast du dir eine nette Karre zugelegt. (Wenn man von etwas beeindruckt ist, es aber nicht sagen möchte.)

Asyndeton

Dabei handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Satzteilen, die nur durch ein Komma bzw. einen Punkt miteinander verbunden sind. Ich kam, ich sah, ich siegte.

Man kann das Asyndeton in allen Genres verwenden, um eine Stimmung zu steuern, das Tempo zu erhöhen oder etwas hervorzuheben. Auch der Blickwinkel lässt sich so bei Beschreibungen gut darstellen.

Beispiel:

Sie betrat den Raum, sah Sofa, Bilder, Bücherschrank an einer Wand, gegenüber das Fenster, die geschlossenen Vorhänge. Alles wirkte düster.

Häufig wird das Asyndeton auch in der Werbung eingesetzt:

Rittersport. Quadratisch. Praktisch. Gut.

Damit es nicht zu einfach wird, gibt es verschiedene Arten des Asyndetons:

  • Asyndeton adversativum: Zwei Aufzählungen werden einander gegenübergestellt. Zu Fuß, mit Bus, mit Bahn ist es umweltfreundlicher zu reisen als mit Auto, Flugzeug, Fähre.
  • Asyndeton consecutivum: Hier folgt eine Schlussfolgerung am Ende der Aufzählung. Wer, wie, was, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm.
  • Asyndeton enumerativum oder unzählbare Aufzählung, sie kann weitergeführt werden. Alle Menschen, arm, reich, dick, dünn, groß, klein, klug, dumm sollen gleich behandelt werden.
  • Asyndeton explicativum, erklärt etwas. Marienkäfer, Borkenkäfer, Hummeln, Fliegen gehören zu den Insekten.
  • Asyndeton summativum. Das Asyndeton wird durch ein Ergebnis zusammengefasst. Nichts macht glücklicher, lebendiger, freudiger, strahlender als die Liebe.

Das Gegenteil zum Asyndeton ist das Polysyndeton. Hier wird die Aufzählung durch ein Bindewort miteinander verbunden.

Er lief und hetzte und flitzte und sprang.

Der Fokus liegt auf dem Rennen, trotzdem ist das Tempo verlangsamt.

Chiasmus

Dieses Stilmittel wird häufig in der Lyrik eingesetzt. Es werden gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet. Das bedeutet, dass der Chiasmus die beinahe spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.

Der Chiasmus wird oft genutzt, um gegensätzliche Behauptungen hervorzuheben. Sie kommen in der Kreuzstellung der jeweiligen Satzbestandteile noch deutlicher zum Vorschein. Die Antithese ist nicht zwingend erforderlich, sondern kann durch den Chiasmus nur verstärkt werden.

Folglich hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf das Gesagte oder Geschriebene, da durch die Wiederholung die eigentliche Aussage in den Vordergrund rückt.

Um diese komplizierte Beschreibung zu verdeutlichen, Beispiele:

  • Oh Gott! Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben. (aus Faust, J. W. von Goethe)
  • Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen. (Karl Marx)
  • Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. (Wallenstein, F. Schiller)
  • Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.
  • Der Last war schwer, gering war die Entlohnung.

Noch eine Anmerkung zum Schluss des langen Beitrags:

Stilmittel sind eine Würze. Setzt sie wohldosiert ein, dann wird das Gericht auch köstlich und dem Leser Freude bereiten. Und euch auch.

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Stilblüten

Manchmal meint man es zu gut oder man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Metaphern, Redewendungen, Vergleiche und so ziemlich jedes andere Stilmittel kann eine Knospe zur Stilblüte beinhalten. Der Weg des Schriftstellers/der Schriftstellerin ist gepflastert mit guten Vorsätzen, die manchmal den Weg zur Hölle bilden und damit für unfreiwilliges Amüsement der Leserschar sorgen.

Ich glaube, niemand ist gefeit davor. Jeder hat schon Stilblüten produziert. Manchmal wächst sogar ein wahres Blütenmeer aus einem Text heraus.

Bild von Bingo Naranjo auf Pixabay 

Aber was ist eine Stilblüte überhaupt?

Als Stilblüte bezeichnet man Formulierungen, die durch einen Missgriff in der Wortwahl oder Wortstellung, durch Versprecher oder durch Mehrdeutigkeit ungewollt komisch wirken. Viele angebliche Stilblüten sind Phantasieprodukte bzw. wenig gelungene Neologismen (= neue Wortkreation). (Quelle: Wikipedia )

Aber auch falsch formulierte Redewendungen oder Kombinationen von Metaphern, falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler führen zu ungewollt komischen Assoziationen beim Leser.

In einer Satire oder anderen witzigen Werken kann man sie auch gezielt einsetzen, um so dem Leser noch mehr Doppeldeutigkeiten zu präsentieren. Allerdings mit Maß und Ziel. Auch zur Charaktergestaltung besonders für Dialoge, wenn eine Figur sehr bemüht ist oder vergesslich, ist es ein gutes Mittel, um diesen Umstand zu zeigen, ohne ihn zu beschreiben.

Hier habe ich einige Beispiele an Stilblüten, die mir auch im Laufe des Rollenspiels untergekommen sind oder ich im Laufe meines Lebens selbst fabriziert habe und ein paar habe ich aus dem Internet gefischt:

Falsche Wortwahl:

  • Samusa kann vielleicht merken, wie sich auch Simiras Haus erhitzt.
  • Blaue Augen jagten durch die Straße …
  • Mit seinen Augen wanderte er durch den Raum.
  • Er schliff sie durch das Zimmer.
  • Sie lächelt als sie ihren Kopf ablegt.
  • Erst viel später tastet er nach dem Beutel und greift ihn ab, dabei hinterlässt er auch am Stoff blutende Stellen.
  • Die Erde war zuerst flüssig und dann erkältet.

Falscher Satzbezug: (Das entsteht meistens durch eine irreführende Verwendung der Fürwörter)

  • Wenn meine Mutter große Wäsche macht, helfen wir ihr, legen sie in einen Korb, tragen sie auf den Speicher und hängen sie auf.

Doppeldeutigkeit:

  • Sie packte seinen Schwanz und setzte sich auf ihn.
  • Sie bekam keine Katze, weil ihre Mutter einen Vogel hatte.
  • Nur noch ein Seitensprung konnte ihn retten.

Dann gibt es noch die typischen Übersetzungsfehler und die allseits beliebte Autokorrektur. Aber das ist für den Schriftsteller weniger relevant.

Natürlich gibt es auch auf Behördenseite immer wieder lustige Fehler, wenn die Behörde sehr amtlich sein möchte und dabei übers Ziel hinausschießt.

Ich wollte erst einige Fotos einfügen, habe mich aber dagegen entschieden, um keine Bildrechte zu verletzen.

Aber auch falsch verwendete Redewendungen können zu ungewolltem Blütenwachstum führen. Es lohnt sich, wenn man bei Unsicherheiten noch einmal nachschlägt, wie eine Redewendung oder auch ein Fremdwort wirklich geschrieben wird.

  • Mir fallen die Schuppen aus den Augen. (Es fällt einem wie Schuppen von den Augen.)
  • Der Kelch bleibt an mir hängen. (Der sollte lieber vorübergehen, der Kelch.)
  • ein zweigleisiges Schwert (na hoffentlich fährt da keine Bahn drüber – zweischneidig ist es mir lieber.)
  • Sie brachte es aufs Tablett. (Ja, wenn sie mir Kaffee damit bringt, aber sie wollte es aufs Tapet bringen und damit eine Sache ansprechen.)
  • Auf ihrem Gebiet war sie eine Konifere. (Wer mag noch Nadelgehölze? – Gemeint ist natürlich die Koryphäe.)
  • Jetzt muss ich die Suppe für sie ausbaden. (Das ist nicht sehr appetitlich – man löffelt die Suppe aus, was in dem Fall auch nicht so toll ist.)
  • Er kippte sich einen Whisky hinter die Binsen. (Oh cool, dann hat er immer noch 0,0 Promille Alkohol im Blut. Richtig kippt man sich das Getränk hinter die Binde.)

Ich wünsche euch ganz viel Spaß mit dem Blütenwachstum. Die Kommentarfunktion steht für weitere Stilblüten bereit. Haltet euch nicht zurück und teilt eure besten Stilblüten und Fails mit uns.

Rhetorische Stilmittel 2

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Weniger ist manchmal mehr – aber wie geht das, ohne den Sinn zu zerstören?

In diesem Beitrag geht es um Verknappung und Worteinsparungen. Gerade sie verwenden wir sehr häufig, oft auch unbewusst, um den Lesefluss zu erleichtern. Bei der Verknappung werden Wörter ausgelassen oder verschoben, um die Bedeutung des Geschriebenen bzw. Gesagten zu erhöhen, Pointen zu erzeugen oder etwas ungesagt zu lassen, um den Leser/Zuhörer später zu überraschen. Auf jeden Fall sorgen sie für Abwechslung.

Ellipse

Sie kann die Grammatik aushebeln und trotz der Auslassungen kann der Satz dennoch richtig sein, sofern er verständlich bleibt. Wird der Satz unverständlich, ist es falsch. Aber es kann auch offen bleiben, besonders häufig bei Krimis, dann bleibt der Satz generell unvollständig, damit die Leser auf eine falsche Fährte gelockt werden.

Es handelt sich um eine Verknappung, die das Wesentliche in den Vordergrund rückt.

Viele Ellipsen erhöhen das Tempo des Textes bzw. der Rede. Im journalistischen Bereich wird dieser Telegrammstil häufig verwendet. In der wörtlichen Rede lassen sich Ellipsen gut einbauen, um so einen gewissen sozialen Hintergrund zu verdeutlichen. „Rein!“ Mit der entsprechenden Geste, die Hand zeigt aufs Haus, ins Zimmer, etc., weiß jeder, dass der so Angesprochene etwas betreten soll.

Beispiele:

  • „Ende gut, alles gut.“
  • „Hier werden Sie geholfen.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Was nun?“
  • „Wir sind Papst“

Zeugma

Dieses rhetorische Stilmittel verwende ich recht häufig, um Wortwiederholungen zu vermeiden. Es ist eine Beziehung eines Satzteils, u.a. des Verbs (Prädikats), auf zwei oder mehrere Satzglieder, während es semantisch nur zu einem passt. Gezielt und pointiert eingesetzt, kann man damit die Leser überraschen.

Beispiele:

  • „Er hob den Blick und die Hand zur Tür …“
  • „Gestern liefen sie aus dem Haus und durch die Straßen.“
  • „Ihr vorrangiges Ziel war, den ersten Testlauf zu bestehen und die Blicke der neugierigen Zuschauer.“
  • „Die Fragen der Journalisten waren lausig, auch das Dinner.“
  • „Der See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen.“ (FRIEDRICH SCHILLER: Wilhelm Tell)“
  • „Catilina sparte schließlich weder an Kosten noch an Mäßigung“ (SALLUST)“

Aposiopese

Bei dieser Sonderform der Ellipse wird die wesentliche Aussage eines Satz verschwiegen und muss durch den Empfänger erraten werden. Hier kann viel Dramatik erzeugt werden oder auch Pathos.

Beispiele:

  • „Wenn ich dich in die Finger bekomme …“
  • „Der kann mich mal …“
  • „Hast du wirklich -? Nein, hast du nicht -? Oder doch -?“
  • „Willst du auch -?“
  • „Wenn es mir nicht gelingt, den Grafen augenblicklich zu entfernen: so denk’ ich – Doch, doch, ich glaube, er geht in diese Falle gewiss.“ (GOTTHOLD EPHRAIM LESSING: Emilia Galotti)

Anakoluth

Diese Sonderform bricht völlig mit der Grammatik, indem der Satz richtig anfängt, dann aber abgebrochen und anders fortgeführt wird. Ein Anakoluth ist kennzeichnend für den mündlichen Stil der Alltagssprache. In der wörtlichen Rede verleiht er dem Protagonisten/der Protagonistin eine gewisse Zerstreutheit, Aufgeregtheit, Nervosität. Es sagt vielleicht sogar etwas über den sozialen Status der Person aus.

Es gibt 3 Formen:

  • Ausstieg: Abbruch des Gedankens
  • Retraktion: Umbau eines Satzes
  • Umstieg: Wechseln der syntakischen Konstruktion

Beispiele:

Ausstieg:

  • „Also, ich weiß nicht …“
  • „Hast du gewusst, dass …“
  • „Trau dich noch einmal …“

Retraktion:

  • „Gestern war es kalt … nicht ganz so.“
  • „Vor ein paar Stunden kam es zu einer Explosion … einem kleineren Unfall im Reaktor sieben.“
  • „Das ist ein Date … ich meine, Kaffee trinken oder …“

Umstieg

  • „Wir hatten gestern ein Date, abgesehen davon war das Fußballmatch sensationell. “
  • „Rosemary hat mir das mit der Dosimetrie erklärt … Ich habe eine Dose Cola getrunken.“
  • „Korf erfindet eine Mittagszeitung, / welche, wenn man sie gelesen hat, / ist man satt.“ (CHRISTIAN MORGENSTERN)

Apokoinu

Diese Stilfigur dient der Worteinsparung und Verknappung sowie der künstlerischen Kürze. Ein Wort oder Satzglied bezieht sich auf zwei andere Teile. Häufig steht das einzelne Wort hier in der Mitte einer Äußerung und bezieht sich sowohl auf das Vorhergehende als auch das Folgende.

Beispiele:

wintersturmgerausche
auf das heulen lausche
jagen flocken um die
häuser
wirbeln sie
(aus dem Gedicht „schneezeit“ von mir)

jagen flocken um die häuser. um die häuser wirbeln sie.

Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht. (FRIEDRICH SCHILLER, Wilhelm Tell)

Was sein Pfeil erreicht, das ist seine Beute. Das ist seine Beute, was da kreucht und fleucht.

An diesen Beispielen sieht man deutlich, wie sehr in der Dichtkunst verknappt werden kann und der Text trotzdem verständlich bleibt.

Ich hoffe, der Spaß an den Stilmitteln bleibt noch eine Weile erhalten, denn es gibt noch sehr viel mehr.

Die Beispiele sind entweder Redewendungen oder von mir selbst erdacht, andere sind mit dem Urheber versehen.

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Rhetorische Stilmittel 1

Alles eine Frage des persönlichen Stils – oder doch nicht?

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Wozu braucht man das überhaupt?

Gehört das nicht zur Lyrik?

Stilmittel gehören seit der Antike zur Rhetorik, bereits Aristoteles und Cicero haben verschiedene rhetorische Figuren in ihren Texten beschrieben (gelesen habe ich nur „De oratore“ von Cicero). Mit ihrer Hilfe kann man einen Text gestalten, ihn formen und interessant machen, man kann Tempo hinein bringen, Spannung durch Verknappung aufbauen und neue sprachliche Bilder entwerfen, um aus den gewohnten und langweiligen Bahnen auszubrechen.

Nicht nur die Lyrik benutzt diese Stilmittel, wobei es in der Lyrik noch anderes gibt, doch in dieser Beitragsreihe halte ich mich an die erzählende Literatur.

Rhetorik ist etwas, das man lernen kann und auch sollte, wenn man sich mit Texten beschäftigt oder auch beruflich viel reden muss. Man gewinnt Sicherheit beim Sprechen, die Ausdrucksformen werden vielfältiger – man wird interessanter.

Bringen wir Farbe in die Sprache und gestalten sie mithilfe der rhetorischen Figuren und Tropen vielfältiger.

Ein kurzer Exkurs zur Begriffserklärung, dann wird es praktischer:

Man teilt die Stilmittel in Figuren und Tropen ein. Figuren bedienen sich der Syntax (= der Reihenfolge der Zeichen) und Tropen der Semantik (= Bedeutung der Zeichen).

Figur:

Die rhetorische Figur hat sich aus der antiken Dicht- und Redekunst entwickelt. Zahlreiche Figuren schmückten damals bereits die Texte, um zu betonen, zu verdeutlichen – etwas darzustellen. Der Name figura kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie plastisches Gebilde – in unserem Fall eine plastische Umgebung zu beschreiben, sie dem Leser/der Leserin so nahe zu bringen, dass er/sie vor dem geistigen Augen sehen kann.

Tropus:

Beim Tropus weicht das Gesagte vom Gemeinten ab.

Da ich keine Literaturwissenschaftlerin bin, gehe ich nicht näher auf das Thema ein, das können andere Leute sehr viel besser und interessanter. Einfach abschreiben möchte ich nämlich nicht.

Ich beginne mit den (für mich) wichtigsten Stilmitteln:

Metapher

Sie gehört zu den Tropen. Das eigentliche Wort/Wortgruppe wird durch einen bildhaften Ausdruck ersetzt. Sie hat keine besonderen Merkmale und lässt sich am besten durch Übung bzw. Lesen von Beispielen erlernen. Es ist wohl das am meisten verwendete Stilmittel überhaupt, sei es in der Alltagssprache, der Politik, der Werbung und vor allem der Literatur, abgesehen vom Vergleich.

Beispiel:

  • Analogie in der äußeren Gestalt: z. B. Glimmstängel, Flaschenhals, Fettauge
  • mit ähnlicher Funktion: z. B. Stuhlbein, Motorhaube
  • ineinanderfließen von Vorstellungen: Gesang der Wellen, Heulen des Sturms, Wolkenschlacht

Die eben verwendeten Metaphern haben Einzug in die Alltagssprache gefunden und sind dort gar nicht mehr wegzudenken. Wer würde sich bei Briefkopf noch Gedanken über Metaphern machen oder bei der Motorhaube?

Manche Metaphern verblassen mit der Zeit und werden zur Gewohnheit, ihnen wohnt nicht mehr der Reiz des Neuen inne. Kaderschmiede, Adlerauge, Katerfrühstück, gebrochenes Herz und noch viele mehr, sind kaum noch als Metaphern zu erkennen.

Die Schwierigkeit bei der Erfindung neuer Metaphern ist die Verständlichkeit. Wird ein Bild zu fremdartig, erkennt es der Leser nicht mehr und der Text wird unverständlich und langweilig, anstatt zu unterhalten. Aber auch die Verwendung zu abgedroschener Metaphern birgt die Gefahr der Langeweile in sich, denn sie vermittelt dem Leser die eigene Fantasielosigkeit.

Im Gegensatz zum Vergleich, kommt die Metapher ohne jedes weitere erklärende Wort aus.

Vergleich

Mit dem Vergleich (= Figur) verstärkt man eine Aussage, untermalt sie und stellt sie bildhaft dar. Zur Einleitung gibt es immer die Vergleichspartikel „wie“ oder „als“.

Beispiele:

Sie ist scheu wie ein Reh, kratzbürstig wie eine Katze.

Der Mond leuchtet wie eine helle Lampe in finstrer Nacht.

Nora ist so schlau wie ein Fuchs.

Clemens ist so stark wie ein Löwe.

Ihr Haar glänzte im Schein der frischen Morgensonne wie das Gold auf den Feldern. (Hier haben ich einen Vergleich und eine Metapher eingebaut, da das Gold auf den Feldern das reife Getreide meint. Somit kennt sich jeder aus und weiß, dass sie blond ist.)

Laurenz lief so schnell wie der Wind, doch Timo war schneller als er.

Der Wind fuhr Laurenz in die Beine, er trug ihn mit sich, doch Timo ritt auf den Wellen des Sturms und überholte ihn bereits nach der zweiten Kehre.

Ich denke die Beispiele sprechen für sich.

So weit zu der kleinen Einführung in die Stilkunde. Es werden in unregelmäßigen Abständen noch weitere Stilmittel folgen.

Ich hoffe, ihr habt Spaß daran.