Dieses Mal geht es um ein ernsteres Thema, das leider oft unfreiwillig komisch wirkt. Jeder von euch hat das schon einmal gelesen und benutzt es womöglich sogar. In den letzten Jahren nimmt es überhand und wird von Vielen bereits als normal angesehen. Am Ende des Beitrags, weißt du, was ich damit meine und wie du als Autor ungewollte Lachflashs deiner Leserschaft verhinderst.
Es geht um das Inquit, den Redebegleitsatz.
Zuerst einmal, damit wir alle auf dem gleichen Level sind, was ist das überhaupt?
Wie der Name schon sagt, begleitet der Satz eine wörtliche Rede. Wenn im Dialog erkennbar ist, wer spricht, kann man darauf verzichten. Achtung ist aber nicht nur bei der Wortwahl geboten, sondern auch bei den Satzzeichen. Es ist dabei völlig egal, welche Anführungszeichen du verwendest. In Romanen haben sich die französischen Anführungszeichen durchgesetzt. Ich verwende hier die Deutschen.
Anhand der Beispiele siehst du gleich die korrekte Zeichensetzung.
Und jetzt geht’s ab zu den komischen Blüten, die neuerdings immer wieder in der Literatur ihr Unwesen treiben.
Zuerst biete ich dir ein paar Beispiele mit absurden Vergleichen, um die Stimme des Sprechers zu beschreiben. Mach das nur, wenn du vorhast, eine Satire zu schreiben.
- „, sagte er mit einer Stimme, die wie ein sanft zerdrücktes Croissant klang. (okay, wie klingt das? Ich meine, ich würde gern reinbeißen, ins Croissant, egal ob zerdrückt oder nicht.)
- „, hauchte sie, als wäre sie eine sterbende Glühbirne. (Ja, nett, wie hört sich das nun an?)
- „, brummelte er, als hätte er einen lebendigen Igel verschluckt. (Ich brummle da nicht, ich schreie und überhaupt, einen lebendigen Igel verschlucken? Bist du noch bei Trost, du Tierquäler?
- „, flüsterte sie dramatisch, als hätte sie gerade das Geheimnis des Universums entschlüsselt. (Ja, immer diese Dramaqueens und kings.)
- „, rief er, als hätte er soeben entdeckt, dass seine Socken verschwunden waren. (Was ist an verschwundenen Socken schlimm? Das ist höchstens lästig.)
- „, knurrte sie, als wäre sie die leibhaftige Reinkarnation einer beleidigten Katze. (Wie knurrt man eine Antwort?)
Und jetzt kommen die absurdesten Absurditäten aus der Absurditätensammlung des Herta’schen Dateiordners „Absurdes aus Absurdistan“ oder, wie der Profi sagt, es handelt sich hier zumeist um hängende Modifikatoren – eine Art mehrdeutiges grammatikalisches Konstrukt, bei dem ein grammatikalischer Modifikator falsch interpretiert werden kann, wenn er mit einem anderen Wort als dem beabsichtigten in Verbindung gebracht wird. Das passiert häufig bei Verknappungen, wie du anhand der folgenden Beispiele falscher Inquits sehen wirst.
[Quellen: Was ist ein Modifikator? Modifikator (Linguistik) – Wikipedia
Dangling modifier (hängender Modifikator) https://deutsch.wikibrief.org/wiki/Dangling_modifier ]
- „, schüttelte er den Kopf.“ (Wie erfährt das Gegenüber, was er meint?)
- „, nickte sie.“ (Also… wortlos nicken oder sprechen?)
- „, ging er aus dem Zimmer.“ (Multitasking-Level: Gottmodus.)
- „, zog sie die Augenbrauen hoch.“ (Ist das jetzt eine Brauen-Sprache?)
- „, zwinkerte er verschwörerisch.“ (Ist das ein spezielles Morsealphabet?)
- „, stand sie auf.“ (Also ist der Satz während einer vertikalen Bewegung entstanden oder sagt sie auch was?)
- „, schob er sich eine Gabel voll Essen in den Mund.“ (Und ich hoffe, er hat vorher zu Ende gesprochen!)
- „, legte er den Kopf schief wie ein verwirrter Welpe.“ (Beeindruckende Gleichzeitigkeit.)
- „, nieste er.“ (Gesundheit, aber wie geht das?)
- „, rannte sie die Treppe hinunter.“ (Treppenlauf-Eloquenz, ich denke mal, jede Stufe hat einen anderen Buchstaben oder so.)
- „, verdrehte er die Augen. (So jemand wäre perfekt für Horrorfilme, stell dir vor, die Antwort steht auf der Rückseite der Augen geschrieben.)
- „, schrie er leise.“ (Ah ja, der berühmte Flüsterschrei. Wer kennt ihn nicht? Ich weiß, jeder liebt Oxymora, aber das ist jetzt schon etwas übertrieben.)
- „, murmelte sie aufgebracht.“ (Murmeln ist per Definition leise, Aufgebrachtheit eher nicht.)
- „, schloss er die Tür hinter sich.“ (Das Gespräch geht also über Telekinese weiter?)
- „, dachte sie laut.“ (Gedanken mit eingebautem Lautsprecher.)
- „, sprang er auf den Tisch.“ (Okay, das stelle ich mir als großes Drama-Theater vor.)
- „, verschränkte sie die Arme.“ (Arme verschränken als Sprechakt – revolutionär!)
- „, rieb er sich das Kinn.“ (Das Kinn scheint eine geheime Sprechfunktion zu haben.)
- „…“, freute er sich wie ein kleines Kind. (ja, weißt eh, wie drücke ich das ohne Beleidigung aus?)
- „…“, grunzte sie. (Ich weiß nicht, wie man verständlich grunzen gleichzeitig kann, ich klinge dann eher so (grunzen)
- „…“, war sie sich unsicher. (Ich bin auch unsicher und rätsle noch immer, was gemeint ist.)
- „…“, musterte er ihn. (Ja, schon gut, hab’s verstanden. Glaube ich.)
- „…“, verschränkte sie die Arme vor der Brust. (das ist immer noch die unbekannte Gestiksprache, sehr minimalistisch)
- „…“, schmunzelte sie. (Schmunzeln ist kein verbaler Akt, aber okay.)
- „…“, warf er ihr über die Schulter zu. (Wie? Physisch? Mit einer Sprechgeste?)
- „…“, kaute er auf seiner Semmel herum. (Bitte erst runterschlucken!)
- „…“, tippte sie auf ihr Handy. (Sprachgeste 2.0 – jetzt mit Touchscreen-Unterstützung.)
- „…“, leuchteten seine Augen auf. (Also, falls er ein Cyborg ist, dann gerne.)
- „…“, fuhr sie sich durch die Haare. (Multitasking auf literarischem Hochniveau.)
- „…“, brummte er und kratzte sich am Kopf. (Da bekommt „brummen“ eine ganz neue Bedeutung.)
- „…“, stöhnte er. (Tja … stöhnen)
Hier folgen noch ein paar Begleitsätze, die nicht nur gelächelt werden …Literatur-Limbo vom Feinsten
- „…“, grinste er.
- „…“, schmunzelte sie.
- „…“, kicherte er.
- „…“, gluckste sie. (WTF, ist sie ein Wassertank?)
- „…“, hauchte er bedeutungsvoll. (Okay, wenn du eine Kerze auspusten willst, dann vielleicht.)
- „…“, fauchte sie wütend. (Das funktioniert nur, wenn sie eine Katze ist.)
- „…“, grollte er. (Ich hoffe, er ist ein Vulkan oder ein Gewitter.)
- „…“, wimmerte sie. (Reden oder weinen? Entscheide dich!)
Manche Autoren pimpen ihren Word-Count mit unnötigen Adverbien.
- „…“, sagte er bedrohlich. (Warum nicht gleich „, drohte er.“?)
- „…“, meinte sie nachdenklich. (Warum dann nicht einfach „überlegte sie“?)
- „…“, flüsterte er geheimnisvoll. (Flüstern ist per se schon leise – wie flüstert man noch geheimnisvoller?)
Das war jetzt die perfekte Überleitung dazu, wie man unfreiwillig komische Inquits vermeiden kann.
Wo es geht, vermeide Inquits!
Ich zeige dir das gleich an ein paar Beispielen, indem ich einige der versaubeutelten Redebegleitsätze umformuliere.
„…“, kicherte er – mach daraus „…“, sagte er und kicherte anschließend. Oder. Beende die wörtliche Rede und schreibe einen eigenen Satz, in dem du das Kichern thematisierst. Zum Beispiel: „…“ Immer wieder unterbrach ein Kichern seine Rede. Oder „…“ Er konnte ein Kichern kaum zurückhalten.
Du siehst, dass die Wirkung gleich eine ganz andere ist.
Nun weißt du, wie es geht und auf welche Formulierungen die achten solltest, damit du nicht unfreiwillig komisch wirst. Natürlich ist es am Ende eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber bedenke dabei, dass du an unpassenden Stellen für einen Heiterkeitsausbruch deiner Leser sorgen könntest.
In den meisten Fällen reicht es, sich der Verben sagen, antworten, fragen, erwidern, schreien, … zu bedienen.
Viel Spaß beim Schreiben von Dialogen und vor allem bei den Redebegleitsätzen. Achte selbst beim Lesen darauf, wo du diese Inquits überall findest.
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