
Heute geht es um ein Thema, das gerade diskutiert wird. Die Dark Romance. (Ganz unten im Beitrag findet ihr den Link zu dem YouTube Video, das ich zu diesem Thema gemacht habe. Schaut auch gern dort vorbei.)
Was ist das überhaupt?
Dark Romance zeigt Liebesbeziehungen mit deutlichen Machtgefällen, in denen Gewalt, Kontrolle, Stalking oder psychischer Missbrauch vorkommen – oft romantisiert und/oder erotisiert.
Wer ist die Zielgruppe?
Laut Definition handelt es sich dabei um 18 plus Romane. Allerdings wird die Leserschaft immer jünger und da beginnt das Problem, zu dem ich gleich komme.
Meine Meinung zu den Inhalten
Ich weiß, das Thema polarisiert – und vielleicht bist du anderer Meinung. Aber ich will heute auch meine Sicht als Lektor teilen und was ich als Leser problematisch sehe. Das heißt nicht, dass dieses Genre verwerflich ist oder dämonisiert werden soll, im Gegenteil. Es geht um den Umgang damit.
Aus Sicht des Lektors würde ich schon mal anraten, anstatt einer Triggerwarnung bzw. Content Notes eine Altersfreigabe anzufügen. Gerade diese Inhaltswarnungen wecken oft das Interesse von Jugendlichen, die gern etwas Problematisches lesen wollen. Plattformen wie TikTok präsentieren genau diese Inhalte, als besonders ‚heiß‘ oder ‚verboten‘ – was gerade für Jugendliche reizvoll ist. Sie wollen egdy sein, sich von anderen abgrenzen, was ganz natürlich ist und ich auch nicht als Problem sehe.
Ich sehe hier eher die Schwierigkeit an den Inhalten. Erwachsene können solche Inhalte reflektieren – für sie mag das eine harmlose Fantasie sein. Für Jugendliche sehe ich die Sache etwas anders.
Beziehungen gehören zum Leben dazu, sie sind normal und sollten, meiner Meinung nach, gerade für Jugendliche partnerschaftlich dargestellt werden – ohne Gewalt und Vergewaltigungen, was es leider in Dark Romance auch gibt. Meistens geht es in diesen Büchern um ein Machtgefälle. Die Love Interests, also die Männer, die sich um eine Frau herum scharen und um ihre Gunst kämpfen, sehen alle supergut aus, wie aus der Model-Agentur gecastet, stehen hierarchisch weit über der begehrten Frau und wollen sie für sich gewinnen. Dabei ist von Anfang an klar, dass nur einer sie bekommen wird, nämlich der Oberboss von allen. Der ist natürlich ein attraktiver Mann, älter als die Protagonistin und ein richtiges Arschloch. Die Protagonistin „heilt“ diese Männer oder diesen einen Mann und er wird dann vom bad guy zum good guy.
Wir wissen alle, dass sich ein solches Arschloch nie ändern wird. Aber in vielen Dark Romance Romanen wird das suggeriert und die Frau unterwirft sich am Ende diesen patriarchalen Mustern. Da ist es egal, wie stark die Protagonistin geschrieben ist.
Das ist es jetzt im Groben, die Storys ähneln sich meistens sehr, was ja auch nicht verwerflich ist. Es gibt kaum ein Genre, das mit absoluten Neuigkeiten aufwarten kann.
Ein kurzer Exkurs in die eigene Vorstellungskraft: Wäre der männliche Part alt und unattraktiv, würdest du so ein Verhalten dann auch noch sexy finden oder nicht doch eher creepy? Würdest du dann nicht Reißaus nehmen? Schreib es mir in die Kommentare.
Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz schreibt auf LinkedIn (Dark Romance und Jugendliche: Chancen, Risiken und die Begleitung durch Erziehungsberechtigte

Ich finde, das trifft den Kern ziemlich gut – Medien prägen mit, und gerade in der Identitätsfindung können problematische Muster hängen bleiben.
Vergleich mit Thrillern oder Ego-Shootern
Thriller zeigen meist schon im Cover die Brutalität und niemand würde sich mit einem Killer identifizieren wollen. Auch bei Computer-Spielen zeigen die Cover bereits, worum es geht, und niemand würde den Inhalt auf sich beziehen.
Ist Dark Romance feministisch?
Manche sagen: Ja – wegen der sexuell aktiven, starken Protagonistin.
Ich sage: Nicht, wenn sie sich am Ende einem Mann unterwirft, der sie manipuliert und/oder verletzt.
Die Message sollte eher sein: „Lauf – und zwar schnell!“
Sexuelle Befreiung? Ja, gerne. Aber bitte ohne toxische Beziehungsmuster.
Wie ehrlich sind die Cover?
Ich finde, sie sind nicht besonders ehrlich. Meistens sieht man stilvolle Typografie, vielleicht ein attraktiver Mann – aber nie die Gewalt oder Manipulation, die inhaltlich dahintersteckt.
Besonders tückisch wird’s, wenn dann noch pastellfarbene Cover und blumige Titel dazukommen – das wirkt harmlos, ist es aber nicht immer. Anders bei Porn-Romanen, wo schon deutlich an Cover und Titel zu erkennen ist, was man im Inneren findet.
Zum Schluss ein Vorschlag an die Autorenschaft dieser Genres bzw. Subgenres:
Dreht den Spieß doch mal um. Ich persönlich würde das extrem feiern – aber bitte zieht es nicht ins Lächerliche, wie es leider oft bei männlichen Subs gemacht wird.
Schaut euch ernsthaft Beziehungen an, in denen BDSM gelebt wird. In den meisten Fällen sind diese Beziehungen nicht toxisch, sondern basieren auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und – ganz wichtig – Konsens. Es ist und sollte bleiben, eine sexuelle Spielart, bei der alle Beteiligten einverstanden sind.
Wenn das so vermittelt wird, bin ich die Letzte, die etwas dagegen hat. Im Gegenteil: Das wäre für mich absolut feministisch. Bei dem, was aktuell als Dark Romance gehypt wird, habe ich allerdings starke Zweifel
Ein weiteres Beispiel, wie diese toxische Männlichkeit, die ich in diesen Romanen sehe, ausgesiebt werden kann, wäre, wenn der Typ am Ende als absoluter Loser dasteht und die Protagonistin ihren eigenen Weg geht, ohne einen dieser Kerle weiter Beachtung zu schenken. Aber dann wäre die Romance raus und im besten Fall hätte jemand einen Krimi daraus gemacht, wenn der Mobber, Vergewaltiger, Stalker dann auch dort landet, wohin er eigentlich gehört, nämlich im Gefängnis.
Das war es aber jetzt. Ich bin gespannt auf deine Gedanken – besonders, wenn du selbst Dark Romance liest oder schreibst. Was fasziniert dich daran, und wo ziehst du deine Grenzen?
Liken und abonnieren nicht vergessen. Bis demnächst.
Hier können Sie meinen Newsletter abonnieren und immer über Neuerscheinungen und meinem Schreibfortschritt auf dem Laufenden bleiben.

Kommentar verfassen