Ich möchte heute über Diskussionskultur sprechen. Das ist etwas, was mir bei mir und auch bei anderen aufgefallen ist. Aktuell arbeite ich daran, meine rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern. Deshalb achte ich darauf, wie ich selbst spreche/schreibe und auch auf die Themen, die ich wähle und wozu ich mich äußere.
Hier folgen einige meiner Erkenntnisse aus einem Jahr nachdenken und Selbstkontrolle:
1. Ich spreche nur über Themen, in denen ich mich halbwegs auskenne.
2. Ich stelle Fragen, wenn ich mich auf eine Diskussion eingelassen habe und draufkomme, dass ich mich doch nicht so gut darin auskenne oder ich spreche mein Unwissen direkt an.
Hier kommen wir zu einem großen Problem. Fragen werden manchmal nicht als das gesehen, was sie sind, nämlich eine Möglichkeit, zu Wissen zu kommen.
3. Ich versuche am Thema zu bleiben und nicht abzulenken. Das ist gar nicht so einfach, weil einem oft zehntausend andere Dinge im Kopf herumgeistern, die an das Thema kratzen, aber nicht wirklich das Thema sind. Es sind dann Strohmänner oder manchmal auch Whataboutism (sofern man es nicht benutzt, um einen Punkt rhetorisch hervorzuheben).
Das ist etwas, das mir auch auffällt und ich wirklich in den Kommentaren unter meinen Beiträgen beachte, denn hier kann ich es als „Diskussionsleiter“ bzw. „Beitragsersteller“ kontrollieren.
4. Ich achte darauf, niemanden zu beleidigen und höflich zu bleiben.
5. Ich versuche, offen für andere Meinungen zu sein, was bei manchen Themen gar nicht so einfach ist – da schlägt dann bei mir auch schon etwas der berühmte „Altersstarrsinn“ zu. Zumindest versuche ich, zuzuhören, was auch schon etwas ist. Aber ich weiß, dass ich daran noch arbeiten muss.
Das sind 5 Punkte, die ich für wichtig erachte.
Was mir aufgefallen ist, zu meinen letzten Insta-Beiträgen über Israel, Antisemitismus in D und Ö bekam ich auch PNs, die alles andere als nett waren. Muss man andere Menschen beleidigen, weil man sonst keinen Punkt hat oder weil ich versuche, am Thema zu bleiben, das ich vorgebe? Wenn ich über Thema X sprechen möchte, ist es wenig sinnvoll, auch Thema G aufzumachen. Wo soll das denn hinführen? Am Ende weiß keiner mehr, worüber eigentlich gesprochen worden ist.
Was wünsche ich mir?
- 1. Zuhören bzw. lesen
- 2. nicht anschreien oder beleidigen
- 3. nachdenken und reflektieren, das geht Online natürlich einfacher als in einer direkten Diskussion, bevor man etwas sagt bzw. schreibt
- 4. höflich und beim Thema bleiben
- 5. andere Ansichten zulassen, auch wenn sie einem „schräg“ vorkommen (das ist auch für mich oft sehr, sehr schwer)
- 6. Fragen zulassen und als legitimes Mittel der Diskussion sehen
Zum Schluss noch Paulus’ nie gehaltene Predigt aus „Maimord“. Ich finde, sie passt perfekt hierher – weil sie uns alle daran erinnert, einander zuzuhören
Meine liebe Mitmenschen, ihr Christenmenschen, die ihr euch hier versammelt habt, um mir zuzuhören. Manche von euch vielleicht mit schlechtem Gewissen, andere vielleicht weniger. Es ist Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, das Fest, an dem wir verstehen sollten. Doch um zu verstehen, müssen wir zuhören. Wir müssen uns selbst zuhören, unseren Nächsten, den Nachbarn, demjenigen, der neben uns steht. Wir dürfen nicht mehr die Ohren verschließen vor den Sorgen und Nöten anderer. Schau, Hödlgruber, ich mein es nicht bös, wenn ich dir übers Maul fahr, aber du musst verstehen, dass du eine wichtige Instanz im Dorf bist. Alle schauen zu dir auf. Du solltest zuhören und verstehen. Lass den Heiligen Geist in deinen Kopf, lass Jesus Christus in deinen Kopf. Das gilt für euch alle! Für jeden von euch. Ich sehe, wie ihr versucht, euch vor meinen Worten zu verstecken, weil sie euch verletzen könnten. Dabei wünsche ich mir nichts mehr, als euch lachen zu sehen, euch auf dem Fest tanzen zu sehen und Gottes Gnade zu feiern. Ich wünsche mir ein friedliches Miteinander, Rücksichtnahme und Nächstenliebe gehören zusammen, denn ohne das eine geht das andere nicht.
Pfingsten ist ein guter Zeitpunkt, um aufzuatmen, um die reine Luft unseres Herrn in unsere Lungen zu lassen, die unseren Geist durchlüftet und vom Miasma befreit. Lasst die schlechte Luft aus euren Gedanken und macht Platz für die frische und reine Luft des Glaubens. Das ist für Arme und Reiche gleichermaßen heilsam. Ich sage euch, der wahre Wohlstand liegt nicht in den Dingen, die ihr anhäuft oder von denen ihr meint, ihr würdet sie für euer Glück brauchen, nein, es sind die Dinge, die ihr nicht seht. Wahrer Wohlstand findet im Herzen statt, in eurem Geist. Nächstenliebe, Frömmigkeit, Gutherzigkeit, Hilfsbereitschaft, das sind die Dinge, die einen guten Christen ausmachen. Nicht die Anzahl der Reliquien, die er in der Stube aufbewahrt, gut sichtbar für alle Besucher, um damit zu prahlen, nicht die Anzahl der Ablässe, die er getätigt habt, machen aus uns Christen.
Geht in euch, die ihr diese Dinge hortet und überlegt, was davon ihr wirklich braucht – werft weg den Tand! Verkauft ihn und lasst die Armen an eurem Wohlstand teilhaben. Zahlt die Knechte und Mägde ordentlich, zahlt eure Tagelöhner so, dass sie auch davon leben können, ohne zusätzlich betteln zu müssen. Besorgt es euch nicht erhebliche Pein, das mitanzusehen, wo ihr dem so einfach Abhilfe verschaffen könntet?
Lasst den heiligen Geist wirken und durch euch fahren. Öffnet eure Herzen für Gott, den Herrn unseren Vater, Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist, und für den Heiligen Geist, der uns die Erkenntnis bringt.
Tragt das Feuer der Nächstenliebe in euch … und damit segne ich euch im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
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