Artgerechte Preisgestaltung

Immer wieder, wenn eine Veröffentlichung ansteht, mache ich mir zu diesem Thema meine Gedanken. Auf diversen Plattformen gibt es die Möglichkeiten, sein selbstpubliziertes Werk zu Dumpingpreisen oder gar kostenlos anzubieten – aus marketingstrategischen Gründen, um bekannter und überhaupt gelesen zu werden.

Meiner Erfahrung nach werden diese E-Books nur so lange heruntergeladen, wie sie gratis zu bekommen sind. Danach ist Essig.

Bei Printbuchaktionen läuft es ähnlich ab.

Ich finde, diese Dumpingpreise sind nicht zielführend. Im Gegenteil, die Geiz ist geil Mentalität, die sich auf dem Buchmarkt breitmacht, zerstört mehr als sie hilft.

Wovon soll der Autor/die Autorin das Lektorat, das Korrektorat, die Covergestaltung und alle andere bezahlen, das noch dazukommt. Selfpublisher gehen in Vorleistung und man kann froh sein, wenn am Ende des Jahres ein Nullsummenspiel herauskommt. Qualität kostet, das sieht man auch beim Druck und der Bindung. Billigste Qualität bekommt man schnell irgendwo her, aber dann darf man sich nicht wundern, wenn der Druck nicht passt oder sich einzelne Seiten aus der Bindung lösen.

Ich habe für mich entschieden, kein Printbuch mehr unter 10 Euro zu verkaufen. Warum?

1. das Lektorat kostet etwas

2. das Cover kostet etwas

3. mein SP-Dienstleister kostet (ja, ich hab nicht den billigsten, aber den mit dem besten Service, made in A)

4. ich möchte nicht in der Schuldenfalle versinken, nur weil ich Schriftstellerin bin

Was biete ich?

1. Gute Qualität

2. Gute, nicht angepasste Geschichten, die vielleicht nicht für jedermanns Geschmack sind, aber ein Blick über den Tellerrand schadet bestimmt nichts

3. biologisch einwandfrei gehaltene Lektoren, Designer und andere Dienstleister, die fair entlohnt werden

4. eine in Freilandhaltung lebende Schriftstellerin, die ist ökologisch abbaubar und schaut auch, wie nachhaltig andere produzieren.

Was bei Lebensmittel funktioniert sollte auch im Buchmarkt gelten – fair trade – zahlt für die Bücher, die ihr lest (ausgenommen Bibliotheken). Schriftsteller leben nicht von Luft und Fantasie – ja, das ist jetzt ganz was Neues. 😉

So gesehen sind meine Bücher nicht gerade die günstigsten, aber wenn man alles bedenkt, decken sie gerade mal eben so die Kosten – die Werbung und die Zeit, die ich weiter investiere, nicht mitgerechnet.

Es lohnt sich, etwas zu kalkulieren und sich ein paar Fragen zu stellen (die Arbeitszeit lasse ich jetzt außen vor)

– was kostet das Lektorat, das Korrektorat?

– was kostet das Cover?

– was kostet der Druck?

– was kostet die ISBN?

– was kostet der Vertrieb?

– was muss ich für Werbung aufwenden? (Flyer, Lesungen, Lesezeichen, Postkarten …)

Wenn man das alles zusammenrechnet, dann kommt man schon auf ein hübsches Sümmchen, das erst einmal wieder herein gewirtschaftet werden möchte. Jeder Buchhalter würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er so schlecht kalkulierte Preise betrachtet. Klar sind Aktionen eine Möglichkeit, um sich bekannt zu machen.

Aber wie lange soll das laufen?
Wie geht es danach weiter?
In wie fern können diese Aktionen den weiteren Verkauf ankurbeln?

Lesungen sind auch so ein Kapitel

Im Moment fallen viele Livelesungen noch flach, was immer eine gute Möglichkeit ist, neue Leser zu gewinnen. Internetlesungen bieten hier zwar auch die Möglichkeit, sein Buch vorzustellen, allerdings ist zu wenig Interaktion möglich, zu wenig direkter Kontakt zum Leser/zur Leserin, um die Neugier derartig anzufachen, damit auch Bücher gekauft werden. Der Aufwand, einen Onlineshop zu öffnen und das gewünschte Buch zu suchen, ist dann doch oft zu groß.

Das soll keine Angriff auf euch sein, meine lieben Leser und Leserinnen, ich möchte nur darstellen, warum ich meine Bücher nicht unter Wert verkaufen möchte.

Ich finde generell, nicht nur auf dem Buchmarkt, die Einstellung, dass alles möglichst billig sein muss, sehr, sehr bedenklich. Billig ohne Rücksicht auf Verluste, das macht die Menschen kaputt und auch unseren Planeten.

Am Ende möchte ich noch anmerken, dass dies meine Meinung als Einzelperson ist, die nicht geteilt werden muss. Aber vielleicht regt sie den einen oder anderen Mitmenschen zum Nachdenken an.

2 Kommentare zu „Artgerechte Preisgestaltung

  1. Vor ein Paar Tagen hatte ich mir über genau dieses Thema Gedanken gemacht. Ich sehe viele vor allem junge Autor:innen, die sich einen großen Absatz erhoffen, in dem sie solche Aktionen starten. Gleichzeitig habe ich Beiträge bei Instagram gelesen, wo sich genau diese Autor:innen darüber beschweren, dass ihr Werk nicht wertgeschätzt wird. Ein Thema, das heute leider viel zu kurz kommt. Ich hatte für mich die selbe Entscheidung getroffen. Sobald ich mein Buch veröffentliche, wird es genauso viel kosten, wie es wert ist. Ich werde doch nicht das verschenken, woran ich Jahre lang gearbeitet habe. Kein Verlag würde auf die Idee kommen, eine Neuerscheinung für 2,50€ rauszubringen.

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    1. Da sagst du was ganz Richtiges, Verlage denken wirtschaftlich. Selfpublisher sollen das anscheinend nicht machen und alles verschenken.

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