Archiv für den Monat Januar 2022

Stilmittel Teil 5

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Es ist schon eine Weile her, dass ich diese Reihe begonnen habe und längst wieder an der Zeit, sie fortzuführen.

In diesem Beitrag widme ich mich Bekanntem und weniger Bekanntem, das bei näherer Betrachtung gar nicht so selten verwendet wird, wie man dem Namen nach vermutet.

  • Symbol
  • Synästhesie
  • Onomatopoesie
  • Litotes
  • Asyndeton
  • Chiasmus
Bild von Pixabay

Da sind einige nette Wörter dabei, doch keine Angst, dahinter stehen einfache Dinge, die ich im Folgenden erklären und mit Beispielen würzen werde.

Symbol

Der Begriff kennt jeder, es wird auch in Bildern dargestellt und gibt es als synonyme Wörter bzw. Wortgruppen, deren Bedeutung auf den ersten Blick nichts mit dem Gemeinten zu tun hat.

Als Symbol wird die vereinfachte und stellvertretende Darstellung eines Objekts oder Sachverhalts bezeichnet, die allerdings keinen Rückschluss auf das Gemeinte liefern muss. Um verstanden zu werden, muss dem Leser die Bedeutung des Symbols bekannt sein.

Beispiele:

Leonie war niedergeschlagen. Mit gesenktem Blick stapfte sie über die Wiese. Von überallher reckten sich die vierblättrigen Kleeblätter in ihre Richtung, aber sie übersah die satten grünen Pflanzen, die auf sich aufmerksam machen wollten.

(Es geht um Glück)

Gestern hatten wir die weiße Taube losgeschickt, um so dem König des Golonischen Reichs zum Verhandeln zu zwingen. Bislang ist noch keine Antwort eingetrudelt, allerdings halten auch seine Angriffsreihen die Stellung und bewegen sich nicht weiter.

(Frieden)

Der Wettbewerb verlief für die Schüler der dritten Klasse sehr gut, sie hatten fünf Medaillen errungen.

(Sieg)

Man kann natürlich seine eigene Symbolik entwickeln, die sich immer wiederholt und so dem Leser verständlich wird. Auf jeden Fall darf es nicht zu abstrakt sein, was gemeint ist.

Manche Symbole werden immer wieder aufgegriffen wie die blaue Blume (die gibt es übrigens auch bei Shrek, fällt mir gerade ein: Blaue Blume, rote Dornen.) steht für Sehnsucht.

Aber auch der Odem bzw. Atem, der für das Leben steht.

Ihr seht, man kann schon einiges mit Symbolen bewirken. Aber es muss zum jeweiligen Text passen. Leichter ist es natürlich, wenn man bereits bekannte Symbole verwendet, wie in den Beispielen davor.

Sein Blick richtete sich auf die Sterne, die Weite des Alls und versank darin. Er glaubte, niemals wieder so frei zu sein, denn schon jetzt spürte er, wie der Wald nach ihm rief. Doch er wusste, eines Tages, würde er wieder zu den Sternen schauen.

Ich habe hier zwei Symbole erschaffen, einerseits die Sterne für die Freiheit und den Wald für das Bodenständige.

Synästhesie

In der Literaturwissenschaft bezeichnet Synästhesie die Vermischung zweier oder mehrerer Sinneseindrücke. Der Schriftsteller beschreibt dann z. B.

  • Geruchs- und Sehsinn
  • Riechen, sehen, schmecken
  • Tast- und Sehsinn

Das Verbinden mehrerer Sinneseindrücke, kann die Bedeutung erhöhen und vermittelt dem sonst Gegenständlichem etwas Sinnliches, verfrachtet es sozusagen auf die Gefühlsebene.

Wie leises Glockenklingen drang ihre Stimme an sein Ohr, es war der zarte Windhauch, der ihn streichelte, liebkoste und aus der Irre führte.

Hier habe ich den Hör- und Tastsinn in den Beispielsatz eingebaut.

Synästhesien gibt es aber auch in der Alltagssprache: schreiendes Rot, warme Farben, dunkle Töne

Onomatopoesie

Darunter bezeichnet man die sprachliche Nachahmung von Schallereignissen. Besser bekannt auch unter Lautmalerei, Klangmalerei, Lautnachmachung …

Bekannt sind 3 Arten:

  • Wortbildungen: Ein Wort, das in seinem Klang an das Gemeinte erinnert und lassen sich einer Wortart zuordnen. z. B. Kuckuck, krachen, knistern, knacken, ticken, …
  • Interjektionen: Es sind Einwürfe oder Ausrufe, die Laute nachahmen und lassen sich keiner Wortart zuordnen. Häufig kommen sie in Comics zum Einsatz. z. B. wumms, peng, krach. Oder sie bilden Tierlaute nach, die keiner Wortart zuzuordnen sind: mäh, wau, miau
  • Umschreibungen: Es handelt sich dabei um Wörter, die einen Laut beschreiben und nicht danach klingen. Sie können verschiedenen Wortarten angehören und auch Gruppen bilden. z. B. trompeten (Verb), metallisch klingen (Adjektiv+Verb), flöten,

Onomatopoesie hat auch in den Alltag Einzug gehalten:

Die Blätter rascheln. Die Kinder kichern. Die Reifen quietschen. Das Publikum klatscht.

Sämtliche Tierlaute.

Das Geheimnis herausposaunen.

Litotes

Hier geht es um die doppelte Verneinung, um eine Aussage abzuschwächen oder etwas ironisch auszudrücken. Man kann aber auch etwas hervorheben oder eine Kritik hübscher gestalten.

Verwendet wird es mit der doppelten Verneinung:

  • Sie hat damit nicht unrecht.
  • Das Kleid ist nicht unschön.
  • Etwas ist nicht ohne Witz.
  • Verneinung des Gegenteils:
  • Sie hat nicht wenig verdient.
  • Er sieht nicht übel aus.
  • Er ist kein übler Typ.

Ganz bekannt ist der Ausspruch: The Queen is not amused. – Da weiß jeder, dass die Königin verärgert ist, es ist nur hübscher verpackt.

Der falsche Litotes wird in verschiedenen Sprachen verwendet, z. B. in der bayrischen Mundart, und stellt eine Bekräftigung der Verneinung dar.

Des ham ma nia ned gmocht. (Das haben wir nie nicht gemacht.)

Es geht aber auch anders, ohne direkt die Verneinung zu benutzen, indem man eine Aussage abschwächt oder hervorhebt.

Terry Pratchett soll ganz witzig geschrieben haben, habe ich gehört. (Hier betont man, dass man den Schriftsteller für einen Verfasser sehr lustiger Werke hält.)

Da hast du dir eine nette Karre zugelegt. (Wenn man von etwas beeindruckt ist, es aber nicht sagen möchte.)

Asyndeton

Dabei handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Satzteilen, die nur durch ein Komma bzw. einen Punkt miteinander verbunden sind. Ich kam, ich sah, ich siegte.

Man kann das Asyndeton in allen Genres verwenden, um eine Stimmung zu steuern, das Tempo zu erhöhen oder etwas hervorzuheben. Auch der Blickwinkel lässt sich so bei Beschreibungen gut darstellen.

Beispiel:

Sie betrat den Raum, sah Sofa, Bilder, Bücherschrank an einer Wand, gegenüber das Fenster, die geschlossenen Vorhänge. Alles wirkte düster.

Häufig wird das Asyndeton auch in der Werbung eingesetzt:

Rittersport. Quadratisch. Praktisch. Gut.

Damit es nicht zu einfach wird, gibt es verschiedene Arten des Asyndetons:

  • Asyndeton adversativum: Zwei Aufzählungen werden einander gegenübergestellt. Zu Fuß, mit Bus, mit Bahn ist es umweltfreundlicher zu reisen als mit Auto, Flugzeug, Fähre.
  • Asyndeton consecutivum: Hier folgt eine Schlussfolgerung am Ende der Aufzählung. Wer, wie, was, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm.
  • Asyndeton enumerativum oder unzählbare Aufzählung, sie kann weitergeführt werden. Alle Menschen, arm, reich, dick, dünn, groß, klein, klug, dumm sollen gleich behandelt werden.
  • Asyndeton explicativum, erklärt etwas. Marienkäfer, Borkenkäfer, Hummeln, Fliegen gehören zu den Insekten.
  • Asyndeton summativum. Das Asyndeton wird durch ein Ergebnis zusammengefasst. Nichts macht glücklicher, lebendiger, freudiger, strahlender als die Liebe.

Das Gegenteil zum Asyndeton ist das Polysyndeton. Hier wird die Aufzählung durch ein Bindewort miteinander verbunden.

Er lief und hetzte und flitzte und sprang.

Der Fokus liegt auf dem Rennen, trotzdem ist das Tempo verlangsamt.

Chiasmus

Dieses Stilmittel wird häufig in der Lyrik eingesetzt. Es werden gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet. Das bedeutet, dass der Chiasmus die beinahe spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.

Der Chiasmus wird oft genutzt, um gegensätzliche Behauptungen hervorzuheben. Sie kommen in der Kreuzstellung der jeweiligen Satzbestandteile noch deutlicher zum Vorschein. Die Antithese ist nicht zwingend erforderlich, sondern kann durch den Chiasmus nur verstärkt werden.

Folglich hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf das Gesagte oder Geschriebene, da durch die Wiederholung die eigentliche Aussage in den Vordergrund rückt.

Um diese komplizierte Beschreibung zu verdeutlichen, Beispiele:

  • Oh Gott! Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben. (aus Faust, J. W. von Goethe)
  • Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen. (Karl Marx)
  • Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. (Wallenstein, F. Schiller)
  • Der Einsatz war groß, klein war der Gewinn.
  • Der Last war schwer, gering war die Entlohnung.

Noch eine Anmerkung zum Schluss des langen Beitrags:

Stilmittel sind eine Würze. Setzt sie wohldosiert ein, dann wird das Gericht auch köstlich und dem Leser Freude bereiten. Und euch auch.

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Sprachwandel und Gedanken zum Gendern

Der erste Beitrag im neuen Jahr und gleich so ein Thema. Ich wünsche euch trotzdem ein gutes neues Jahr.

Dieser Beitrag spiegelt meine Meinung wider. Weiterführende Links und solche, die ich zur Recherche genutzt habe, findet ihr an den jeweiligen Stellen bzw. am Ende des Beitrags.

Ich weiß, dass dieses Thema kontrovers ist und schon zahlreiche unschöne Diskussionen ausgelöst hat. Deshalb bitte ich euch, sollte es dazu kommen, um einen sachlichen Tonfall. Alles Beleidigende werde ich löschen. Zur Sprachentwicklung gehört, meiner Meinung nach, auch eine gepflegte Diskussionskultur, die sich leider in eine Richtung entwickelt, die ich problematisch sehe.

Nun aber zum eigentlichen Thema, das ich stark an das Schreiben von Romanen orientieren werde, schließlich bin ich Schriftsteller oder doch Schriftstellerin.

Die Sprache unterliegt einem Wandel, die Bedeutung verschiedener Wörter verändert sich, ebenso die Grammatik. Nur ein Beispiel: Was im 18. Jahrhundert merkwürdig war, war nicht sonderbar, komisch oder eigenartig, sondern des Merkens würdig, es war demnach wichtig. Noch weiter zurück mit einer ähnlichen Bedeutungsänderung aus dem Mittelhochdeutschen: Die Jungfrau hatte damals nichts mit einer unberührten (ich mag das Wort nicht, aber mir fällt kein passenderes ein) Frau zu tun, sondern betitelte eine ehrbare, erwachsene Frau. Reich hatte nicht nur etwas mit Geld zu tun, sondern auch mit reich an Wissen, Tugend (ja, das war damals etwas mehr als heute, man denke an die ritterlichen Tugenden), Weisheit usw.

Aber auch die Konnotation bestimmter Wörter oder Wortgruppen hat ihre Bedeutung verändert. Wenn man heute vom deutschen Volk spricht, hat das einen negativen Beigeschmack.

Und wir verbannen rassistische Beleidigungen aus unserem Wortschatz (wobei, nein, ein Schatz sind Beleidigungen nicht), was absolut richtig ist.

Diese Veränderungen sind langsam vonstattengegangen und haben sich zumeist innerhalb der Gesellschaft entwickelt und wurden nicht von einer, wie auch immer gearteten, Elite aufgestülpt. Sprachwandel vollzieht sich meist durch eine Vereinfachung. Wir sehen das in den letzten Änderungen der deutschen Rechtschreibung und auch der Grammatik. Ein Wörterbuch aus dem Jahr 1990 sieht anders aus als eines aus dem Jahr 2020. Je weiter wir nach hinten gehen, desto mehr Änderungen oder auch neue/andere/unbekannte Wörter werden einem auffallen.

In der Literatur fällt es ebenso auf – nicht nur die geänderte Rechtschreibung, auch die Inhalte und die Bedeutung der Wörter. Hier sollte man darauf Rücksicht nehmen, in welcher Zeit etwas geschrieben worden ist und den Inhalt der damaligen Mode zuschreiben. Wichtig finde ich aber bei historischen Romanen, die heute geschrieben werden, auf den Geiste der jeweiligen Zeit einzugehen und das zumindest in den Dialogen auszudrücken, ohne Angst vor einem mahnenden Zeigefinger. Ein historischer Roman sollte den Zeitgeister der jeweiligen Epoche widerspiegeln, selbst dann, wenn er ihn hinterfragt. Ebenso halte ich es für angebracht, einen Roman, der in unserer Epoche spielt, so zu schreiben, dass er hinein passt.

In manchen modernen Romanen wird zum Teil gegendert. Ich mag es nicht besonders, aber wer es macht, sollte es dann auch konsequent durchziehen, sonst wirkt es zufällig, gerade, was die Genderzeichen betrifft. In belletristischen Werken finde ich sie irritierend, man kann es anders lösen. Wie, das erkläre ich im Folgenden.

Was genau ist jetzt „Gendern“?

Quelle Pixabay

Gendern steht im deutschen Sprachgebrauch für eine geschlechterneutrale Ausdrucksweise, sowohl gesprochen als auch geschrieben. Formen ohne Geschlechterbedeutung werden dabei empfohlen.

In den 1970er Jahren haben sich 2 Vorgehensweisen zur Sichtbarmachung der Geschlechter unterteilt.

1. Bezeichnungen, die mit dem Sexus übereinstimmen.

a) vollständige Nennung der Geschlechter

z. B. Schüler und Schülerin, verkürzt Schüler/Schülerin oder das binnen I SchülerIn

b) mehrgeschlechtliche Schreibweisen mit Genderzeichen seit 2003
z. B. Gender Gap – Schüler_innen, Gendersternchen Schüler*innen, Doppelpunkt Schüler:innen

2. Neutralisierungen

a) geschlechtsneutrale Benennung durch substantivierte Adjektive oder Partizipien z. B. Studierende, Lernende

b) geschlechterneutrale Umformulierung mithilfe eines Adjektivs z. B. schulischer Abschluss, fachlicher Hinweis, ärztlicher Rat, lehrend tätig sein

c) durch Bildung von Relativsätzen
Da das Relativpronomen wer genderneutral ist, eignen sich Relativsätze auf wer gut zur geschlechtergerechten Formulierung. Z. B. Wer einen Antrag stellt, hat …; Alle, die unterrichten, …

d) direkte Anrede. z. B. Hier Ihre Unterschrift, Klicken Sie hier

e) Generische Substantive: Mensch, Publikum, Belegschaft, Meute, Person, Personal, Mitglied, Kollegium

f) Passivierung z. B. folgende Unterlagen sind beizufügen.

Achtung bei Genera von Personenbezeichnungen unbestimmten Geschlechts, die müssen und können nicht gegendert werden: z. B. der Gast, das Mitglied, die Person, der Mensch, der Laie … siehe Punkt e)

In der Belletristik ist es nicht sehr sinnvoll, zu gendern, ganz gleich in welcher Art und Weise. Sätze mit zu vielen Adjektiven, substantivierten Adjektiven oder die Verwendung von Passivsätzen werden lang und vor allem fad. Allerdings, kann man es in der wörtlichen Rede einbauen, wo es Sinn ergibt und es vor allem zu der sprechenden Person passt.

Beispiel: Alle standen beisammen und wollten sich auf den Heimweg machen. Eben hatte sich die Gastgeberin noch von den zu bewirtenden Menschen verabschiedet, die Tür geschlossen und das Licht gelöscht. Jetzt war die Straße in Dunkelheit getaucht. Das flackernde Licht der Straßenlaterne brannte Lichtflecke auf den schwarzen Asphalt. Die Nachtschwärmer begannen, sich umzuschauen. Da und dort schienen Schatten zu sein, die dort nicht hingehörten. Wo waren sie nur hineingeraten? Ängstlich und mit wild klopfenden Herzen schauten sie immer wieder zurück. Irgendwo musste ein Ausweg sein! Doch da war nichts … Ich höre jetzt auf, mir krampfhaft irgendwelche langweiligen Sätze aus der Nase zu ziehen. Jeder, für den ich schon einmal testgelesen habe, wird wissen, wie sauer mir Passivkonstruktionen aufstoßen, wenn sie zu häufig sind. Sie entfernen sich von der handelnden Person und der aktiven Szene.

Beispiel: Die Studierenden haben alle im Sommer Ferien. Hier entsteht das Problem durch das Wort Studierende, denn wenn sie Ferien haben, sind sie keine Studierenden, denn sie studieren nicht, sondern haben Urlaub oder arbeiten. Die Verwendung von substantivierten Adjektiven (in diesem Fall studierend) ergibt ein Sinnproblem. Es lässt sich fortführen mit Lehrende, Fahrende usw. Lasst die Leute Studenten sein, Lehrer oder Fahrer.

Eine Unklarheit herrscht auch bei Anglizismen und anderen Fremdwörtern, wie z. B. Follower, User.

In Geschäftsbriefen hat sich eine genderneutrale Schreibweise mehr oder weniger eingelebt, hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Es stört auch nicht weiter.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechte_Sprache#Substantivierte_Partizipien_oder_Adjektive

https://de.wikipedia.org/wiki/Gendern

https://www.gleichstellung.uni-wuppertal.de/de/beratung-service/geschlechtergerechte-sprache.html

https://genderdings.de/gender/gendern/

Quelle Pixabay

Meine wichtigsten Pros:

  • Eine neutrale Ausdrucksweise, die alle Menschen anspricht
  • Sichtbarmachung aller Geschlechter
  • Sprache bildet die Wirklichkeit ab
  • Es gibt gute gendergerechte Formulierungen, was auch Wortwiederholungen verhindert
  • Sprache verändert sich

Meine wichtigsten Contras:

  • Gefühlt von „oben“ aufgedrückt
  • Manches passt einfach nicht, ist umständlich und zusätzlich verkompliziert es den Text, wenn besitzanzeigende Fürwörter und Artikel noch mitgegendert werden
  • Schwer in der Alltagssprache, die sich immer verkürzt, umzusetzen
  • Gleichberechtigung hat nichts mit Sprache zu tun
  • Gendern macht es für mich unmöglich, mich nicht auf das Geschlecht der jeweiligen Person zu konzentrieren
  • Sehr selten, eigentlich nie, werden negativ konnotierte Wörter gegendert
  • keine einheitliche Schreibweise

Andere Pros und Contras findet ihr noch hier:

https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/pro–und-contra-liste-was-spricht-fuer-und-gegen-das-gendern–30675936.html

https://www.lpb-bw.de/gendern#c76345

Wie ich eingangs erwähnt habe, verändert sich die Sprache. Das lässt sich nicht verhindern und ist auch gut so. In meiner Jugend habe ich anders gesprochen als die heutige Jugend spricht. Das ist interessant zu beobachten. Aber diese Entwicklungen, besonders auch hin zu Anglizismen, geht von einem Großteil der Bevölkerung aus und wird nicht, wie es viele fühlen, von „oben“ aufgedrückt.

Ich weiß nicht, ob ich für oder gegen Gendern bin. Mir ist es im Grunde genommen egal, ob mich jemand als Schriftsteller oder Schriftstellerin betitelt, beides sagt aus, was ich mache, wobei mich das zweite wieder auf mein Geschlecht reduziert. Sollte es der lesenden Bevölkerung (ist gegendert und liest sich nicht schön) nicht egal sein, ob ein Mann oder eine Frau etwas geschrieben hat? Der Beruf an sich ist neutral und so sehe ich es auch. Aber da Menschen nun einmal unterschiedlich sind, kann ich nicht erwarten, dass jeder meine Meinung teilt.

Was ich allerdings wichtig finde, dass man Gendern losgelöst vom Feminismus betrachtet. Meiner Meinung nach hat Gendern nichts mit Gleichberechtigung zu tun, das ist ein anderes Thema, das ich hier nicht beleuchten möchte. Beim Gendern geht es um geschlechtsneutrale Bezeichnungen. Allerdings sollte hier erst eine Einigung in der Schreibweise erzielt werden, die das alles etwas vereinfacht. Aktuell ist es eine hochkomplizierte Sache, bei der sich nicht einmal Sprachwissenschaftler einig sind.

Es gibt auch noch keine ausreichenden Studien über die Sinnhaftigkeit des Genderns und ob es eine Änderung in den Köpfen der Menschen bewirkt.

Deshalb halte ich mich an die Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung:

Das Amtliche Regelwerk gilt für Schulen sowie für Verwaltung und Rechtspflege. Der Rat hat vor diesem Hintergrund die Aufnahme von Asterisk („Gender-Stern“), Unterstrich („Gender-Gap“), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen.

Rat für deutsche rechtschreibung

Die geschriebene deutsche Sprache ist nicht nur von Schülerinnen und Schülern zu lernen, die noch schriftsprachliche Kompetenzen erwerben und deren Leistungen nach international vergleichenden Studien immer wieder Gegenstand öffentlicher und vor allem bildungspolitischer Diskussionen sind. Rücksicht zu nehmen ist auch auf die mehr als 12 Prozent aller Erwachsenen mit geringer Literalität, die nicht in der Lage sind, auch nur einfache Texte zu lesen und zu schreiben. Auch Menschen, die innerhalb oder außerhalb des deutschsprachigen Raums Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache erlernen, sollte der Sprach- und Schrifterwerb nicht erschwert werden.

Rat für deutsche Rechtschreibung

Hier noch der Link zu der interessanten Seite. Ich empfehle sie allen Leuten, die bis hierher gelesen haben, dort findet ihr auch das PDF mit dem gesamten Pressetext des Rates für deutsche Rechtschreibung.

https://www.rechtschreibrat.com/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021/

Meine Empfehlung für die Allgemeinheit und für mich: Alles etwas locker nehmen und vor allem, das generische Maskulinum ist kein Feind und Movierungen mit dem Suffix -in sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Hütet euch vor Sprechverboten und denkt nach, bevor ihr in vorauseilendem Gehorsam gendert, wie sinnvoll es am Ende ist und vor allem, was ihr sagen wollt.

Dieser Beitrag ist leider schon viel zu lang geworden. Zur Entspannung noch ein gutes Video von Alicia Joe, das noch ein paar mehr Informationen zum Thema bietet als mein Text.

Alicia Joe